Rosenthaler Vorstadt

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Die Rosenthaler Vorstadt 1831–1920

Die Rosenthaler Vorstadt war ein Stadtteil des wilhelminischen Berlins, dessen Gebiet 1920 auf die neugebildeten Berliner Bezirke Mitte, Prenzlauer Berg und Wedding aufgeteilt wurde. Unter dem Begriff wird heute ein Stadtviertel im Ortsteil Mitte verstanden.

Gebiet[Bearbeiten]

Vom Zeitpunkt der Eingemeindung nach Berlin in der ersten Hälfte des Neunzehnten Jahrhunderts bis zum Groß-Berlin-Gesetz von 1920 war die Rosenthaler Vorstadt ein Berliner Stadtteil mit den Grenzen:[1]

Im Jahr 1920 wurde der größte Teil der Rosenthaler Vorstadt in den Bezirk Prenzlauer Berg eingegliedert. Das Gebiet nördlich der Bernauer und westlich der Schwedter Straße kam zum Bezirk Wedding. Zum Bezirk Mitte kam das Gebiet südlich der Bernauer Straße und westlich der Schwedter und der Choriner Straße. In der Folgezeit verschwand der Begriff für die Gebiete in Prenzlauer Berg und im Wedding aus dem Sprachgebrauch. Heute wird nur noch das Stadtviertel rund um den Rosenthaler Platz und die Brunnenstraße als Rosenthaler Vorstadt bezeichnet. Eine genaue amtliche Abgrenzung des Viertels existiert nicht, im Jahr 2007 wurde aber im Rahmen der Parkraumbewirtschaftung durch den Bezirk Mitte ein Gebiet als Rosenthaler Vorstadt benannt, das folgende Grenzen hat:

Das so definierte Gebiet enthält westlich der Brunnenstraße auch Teile der früheren Oranienburger Vorstadt. Im Norden schließt sich das Brunnenviertel (Ortsteil Gesundbrunnen) an.

Geschichte[Bearbeiten]

Bis 1740 war das Gebiet nördlich der Berliner Stadtgrenze unbebaut. Erst nachdem durch Abholzung freie Flächen entstanden waren, war eine Bebauung möglich. Am 22. September 1751 verfügte König Friedrich II. die Ansiedlung von auswärtigen Bauleuten mit ihren Familien. Bereits am 30. Mai 1752 erfolgte die Gründung der Ansiedlung, und die Verteilung des Landes. Nach der Herkunft der angesiedelten Handwerker nannte man diesen Stadtteil im 18. und 19. Jahrhundert auch Neu-Voigtland. Dabei war der Begriff „Das Vogtland“ in Berlin ein Synonym für die wachsenden sozialen Probleme in der Zeit der frühen Industrialisierung. Bettina von Arnim beschrieb 1843 in ihrem Buch Dies Buch gehört dem König die katastrophalen Verhältnisse.

Von der ursprünglichen Bebauung mit eingeschossigen Zweifamilienhäusern ist wegen des Baugeschehens der folgenden Jahrhunderte nichts mehr erhalten. Die Struktur der Grundstücke ist heute noch an den Nord-Südstraßen (Brunnenstraße, Bergstraße, Ackerstraße, Gartenstraße) ablesbar. Nachdem die Rosenthaler Vorstadt 1829–1831 nach Berlin eingemeindet worden war, wurde sie bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs fast vollständig mit typischen Berliner Mietskasernen bebaut, von denen ein großer Teil den Zweiten Weltkrieg überdauert hat und bis heute erhalten ist. Seit 1895 war die Rosenthaler Vorstadt der bevölkerungsreichste Stadtteil des wilhelminischen Berlins.[2] Sie war ein typisches Arbeiterwohngebiet, was sich auch in entsprechenden Wahlergebnissen niederschlug.[3]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner[2]
1867 35.620
1871 46.244
1875 74.584
1880 113.453
1885 139.604
1890 175.865
1895 213.384
1900 253.149
1905 277.095
1910 309.551
1925 311.283

Sehenswürdigkeiten / Wichtige Orte[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karte der Stadtteile und Stadtbezirke von Berlin. Verlag Julius Straube, Berlin 1875.
  2. a b Entwicklung der Bevölkerungszahl in den historischen Stadtteilen von Alt-Berlin. In: Friedrich Leyden: Gross-Berlin. Geographie der Weltstadt. Hirt, Breslau 1933, S. 206.
  3. Wahl zur Stadtverordnetenversammlung Berlin 1919

52.53513.399444444444Koordinaten: 52° 32′ N, 13° 24′ O