Osch

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Dieser Artikel beschreibt die Stadt Osch. Die gleichnamige Verwaltungsregion wird im Artikel Gebiet Osch beschrieben.
Osch
Ош
Wappen von Osch
Osch (Kirgisistan)
Osch
Osch
Basisdaten
Staat: Kirgisistan Kirgisistan
Gebiet: Osch
Koordinaten: 40° 32′ N, 72° 48′ O40.53694444444472.798888888889Koordinaten: 40° 32′ 13″ N, 72° 47′ 56″ O
Einwohner: 255.800 (2012)
Struktur und Verwaltung (Stand: 21.08.10)
Bürgermeister: Alimdschan Baigasakow
Der Suleiman-Berg in Osch
Flughafen Osch 1974 mit Kurzstreckenflugzeugen vom Typ Jak-40

Osch (kirgisisch /russisch Ош; usbekisch O'sh) ist eine Stadt am Rand des Ferghanatals im Süden von Kirgisistan. Der Ort im Nordosten des Alaigebirges ist der Überlieferung zufolge 3.000 Jahre alt. Die Bevölkerung zählt etwa 255.800 (2012) und ist ethnisch gemischt zwischen Kirgisen, Usbeken und kleinen Minderheiten von Russen und anderen Ethnien.

Geschichte[Bearbeiten]

Osch wurde 1876 vom Russischen Reich im Zuge der Zerschlagung und Annektierung der zentralasiatischen Khanate erobert und gehörte seitdem zum Zarenreich bzw. zur Sowjetunion. Seit dem Ende der Sowjetunion 1991 gehört die Stadt zu Kirgisistan.

Seit 1939 ist Osch Verwaltungssitz des gleichnamigen Gebiets (Oblast) und seit 2000 sogenannte „zweite Hauptstadt“ Kirgisistans.

1990, während der Auflösung der Sowjetunion, kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen Kirgisen und Usbeken in Osch und in der benachbarten Stadt Ösgön.

Spannungen zwischen Usbeken und Kirgisen führten im Juni 2010 erneut zu Zusammenstößen, bei denen mindestens 117 Personen getötet und mehr als 1.400 verletzt wurden. Zwischen 32.000 und 80.000 Menschen flohen ins benachbarte Usbekistan.[1]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Osch ist eine sehr lebendige Stadt, mit Zentralasiens größtem und lebhaftestem offenen Markt. Viele der Industrien, die während der Sowjetzeit angesiedelt wurden, sind heute weitgehend stillgelegt oder arbeiten nur noch auf erheblich reduzierter Basis, und die Wiederbelebung der örtlichen Wirtschaft geht nur schleppend voran. Die unmittelbare Nähe der Grenze zu Usbekistan, die recht willkürlich durch das geschichtlich und wirtschaftlich zusammengehörende Ferghanatal gezogen wurde, hat die Stadt von einem großen Teil ihres natürlichen Hinterlandes abgeschnitten und ist ein erhebliches Hindernis für die Entwicklung von Handel und Wirtschaft. Eine tägliche Flugverbindung besteht von und nach Bischkek, der Hauptstadt Kirgisistans, aber erst der kürzlich vollendete volle Ausbau der langen Straße durch das Tianshan-Gebirge nach Bischkek wird die wirtschaftliche Verbindung zwischen dem südlichen und dem nördlichen Landesteil ernsthaft ermöglichen.

Osch gilt nach Einschätzung des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC) von April 2008 als einer der Hauptumschlagsplätze für Drogen in Asien. Als Grund hierfür wird seine Lage an der Handelsroute zwischen Tadschikistan und Kasachstan genannt.[2]

Sport[Bearbeiten]

In der Stadt ist der Fußballverein Alai Osch beheimatet.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Babur, der Nachkomme Timurs und Begründer der indischen Moguldynastie, kam im nahegelegenen Andijon im heute usbekischen Teil des Ferghanatals zur Welt, und brach von dort zur Eroberung Indiens auf. Er soll lange auf einem steilen Felsen, dem Suleiman-Berg, in Osch gesessen und sein Schicksal überdacht haben, ehe er zu dem Schluss kam, dass das Ferghanatal für seinen Ehrgeiz und seine Träume zu beengend war. Der Suleiman-Berg ist ein wichtiger Ort für muslimische Pilger und Beerdigungen und ein beliebtes Ausflugsziel. Er wurde am 29. Juni 2009 als erster kirgisischer Ort in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen.[3]

1957 wurde Murat Sjasikow, von 2002 bis 2008 Präsident von Inguschetien, in Osch geboren.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Osch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zehntausende Menschen fliehen vor Gewalt in Kirgistan (Deutsch), yahoo.de. 14. Juni 2010. 
  2. UNODC, Illicit Drug Trends in Central Asia, April 2008, S. 12 f. (PDF; 4,1 MB)
  3. Sacred mountain in Kyrgyzstan enters List - UNESCO-Meldung vom 26. Juni 2009