Andrea Doria

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Andrea Doria (Begriffsklärung) aufgeführt.
Andrea Doria, Gemälde von Sebastiano del Piombo (ca. 1526)

Andrea Doria (* 30. November 1466 in Oneglia; † 25. November 1560 in Genua), deutsch auch Andreas Doria, war ein genuesischer Admiral und Fürst von Melfi.

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Andrea Doria war Spross der alten genuesischen Adelsfamilie Doria-Pamphilij-Landi, die schon seit Jahrhunderten hervorragende Flottenführer hervorgebracht hatte. Er wuchs vaterlos auf und diente als Condottiere zunächst Papst Innozenz VIII., dann auch anderen italienischen Fürsten (Montefeltro, Senigallia). 1503 kämpfte er für seine Heimatstadt auf Korsika gegen die Franzosen, die er auch zum Rückzug aus Ligurien zwang. Danach wurde er Admiral und kämpfte an der Spitze der genuesischen Flotte gegen Osmanen und nordafrikanische Piraten.

Kriege zwischen Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich[Bearbeiten]

Genua wurde sowohl von Frankreich als auch vom Heiligen Römischen Reich beansprucht und wiederholt besetzt (vgl. Italienische Kriege). Als Kaiser Karl V. die Stadt 1522 eroberte, verbündete sich Doria mit den Franzosen und trat in die Dienste König Franz I. 1524 befreite Andrea Doria das von den kaiserlichen Truppen belagerte Marseille. Nachdem sich der französische König danach undankbar gezeigt hatte (schlechte Behandlung, unzureichende Entschädigung, Verzögerungen bei der versprochenen Rückgabe der Stadt Savona), lief er 1528 auf die Seite des Kaisers über.

Wiederherstellung der Republik Genua[Bearbeiten]

Doria befahl seinem Neffen Filippino, der zusammen mit den Franzosen Neapel belagerte, den Rückzug. Mit Unterstützung führender Familien wurden die in Genua verbliebenen Franzosen ausgewiesen und die Republik unter kaiserlichem Schutz wiederhergestellt. Andrea Doria reformierte die Verfassung, überwand die Spannungen zwischen Ghibellinen und Guelfen und schuf die Grundlagen für eine aristokratische Regierungsform. Er hatte bis zu seinem Tod erheblichen Einfluss auf das „Parlament“ Genuas. Die Stadt gab ihm neben vielen Privilegien zwei Paläste und gestand ihm den Titel „Liberator et Pater patriae“ („Befreier und Vater des Vaterlandes“) zu.

Kaiserlicher Admiral[Bearbeiten]

Andreas Doria aus der Schiller-Galerie;
Stahlstich von Jaquemot nach Pecht, um 1859

Andrea Doria befehligte als kaiserlicher Admiral mehrere Einsätze gegen die Osmanen. Er eroberte Koroni, Patras und Tunis, wobei er 1535 beim Tunisfeldzug 20.000 von den Osmanen als Sklaven gehaltene Christen befreite. 1538 wurde eine europäische Flotte mit 302 Schiffen unter der Führung von Andrea Doria in der Seeschlacht von Preveza von einer türkischen Flotte mit 122 Schiffen unter der Führung von Khair ad-Din Barbarossa und Turgut Reis („Dragut“) geschlagen. Doria soll diese Niederlage absichtlich zugelassen haben, weil er seine eigenen Schiffe schonen und den venezianischen Rivalen seiner Heimatstadt schaden wollte. 1541 musste er Kaiser Karl V. auf dessen Feldzug in Algerien begleiten, der, wie von Doria vorausgesagt, scheiterte. Die dort eingesetzten Streitkräfte konnten nur dank Dorias Eingreifen der völligen Vernichtung entgehen. Auch in den folgenden Jahren diente er dem Kaiser in Europa und im Orient aktiv und erfolgreich, obwohl er schon über siebzig Jahre alt war.

Andrea Doria setzte auf seinen Kriegsschiffen Sklaven und Sträflinge als Ruderer ein. Unter ihnen befanden sich auch Angehörige der täuferischen Gemeinschaft der Hutterer, die auf Befehl Ferdinand I. Anfang Dezember 1539 in Steinabrunn verhaftet worden waren. Nach peinlichen Verhören wurden 90 von ihnen jeweils zu zweit aneinandergekettet und mitten im Winter nach Triest, dem Heimathafen der Doria-Flotte, getrieben, um sie „wider den Türken vnd andere feindt zum Raub vnd Krieg zu brauchen.“[1] Das Geschichtbuch der Hutterischen Brüder berichtet ausführlich ihre Geschichte und erzählt von ihrem gewaltlosen Widerstand gegen den Kriegsdienst in der Doria-Armada, den sie aus Gewissensgründen verweigerten.[2]

Späte Jahre[Bearbeiten]

Nach dem Frieden von Crépy (1544) zwischen Franz I. und Karl V. plante Doria seinen Rückzug aus dem aktiven politischen und militärischen Leben. Doch sein persönlicher Reichtum und Einfluss brachten ihm Neid, Missgunst und auch offene Feindschaft ein. Dazu trug auch die Arroganz seines Neffen und Erben Giannettino Doria bei. 1547 versuchten genuesische Adelsfamilien in einem Komplott, die Macht der Doria in der Stadt zu brechen. Dabei wurde sein Neffe Giannettino ermordet. Andrea Doria durchkreuzte die Pläne seiner Gegner bei dieser und anderen Gelegenheiten energisch. Friedrich Schiller verarbeitete diese Ereignisse in seinem Trauerspiel „Die Verschwörung des Fiesco zu Genua“.[3] Auch Kaiser Karls Versuche, spanische Truppen in der Stadt zu stationieren und Genua auf diese Weise unter seine Kontrolle zu bringen, scheiterten an Dorias Opposition.

Noch 1550, also mit 84 Jahren, führte Doria die Flotte gegen nordafrikanische Piraten. Durch einen erneuten Kriegsausbruch zwischen dem Kaiser und Frankreich sah sich Andrea Doria wiederum veranlasst, für die Unabhängigkeit seiner Republik zu kämpfen. 1553 bis 1555 führte er die genuesischen Truppen auf Korsika in den wechselvollen Kämpfen gegen die Franzosen.

1555 kehrte er fast 90-jährig als alter und gebrechlicher Mann nach Genua zurück und legte alle öffentlichen Ämter nieder. Er starb dort 1560, wenige Tage vor seinem 94. Geburtstag.

Rezeption[Bearbeiten]

Hauptartikel: Andrea Doria (Schiff, 1952)

Rund 400 Jahre später wurde das seinerzeit größte, schnellste und eleganteste Schiff der italienischen (Passagierschiff-)Flotte nach ihm benannt. Dieses sank am 25. Juli 1956 nach einer Kollision mit dem schwedischen Passagierschiff Stockholm.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Andrea Doria – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Clarence Baumann: Gewaltlosigkeit im Täufertum. Eine Untersuchung zur theologischen Ethik des oberdeutschen Täufertums der Reformationszeit, Leiden (Niederlande) 1968, S. 69f
  2. Vergleiche dazu Rudolf Wolkan (Hrsg.): Geschicht-Buch der Hutterischen Brüder, Macmillan Colony Cayley (Alberta / Kanada) 1982 (überarbeitete Neuauflage), S. 161–163
  3. Text von „Die Verschwörung des Fiesco“ auf Project Gutenberg.org