Panama-Hut

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Panama-Hut von Stetson, Anfertigung für Harry S. Truman

Der Panama-Hut, in spanisch sprechenden Ländern auch Jipijapa, ist ein Hut, der mit der Hand aus dem feinen Toquillastroh des Scheibenblumengewächses Carludovica palmata (auch „Panama-Hut-Pflanze“ genannt) geflochten wird und anschließend durch Feuchtigkeit, Wärme und Druck seine spezifische Form erhält.

Etymologie[Bearbeiten]

Zusammengerollter Panamahut in der zugehörigen Kiste

Über die Entstehung des Namens gibt es mehrere Theorien.

Eine Geschichte zur Namensentstehung ist überzeugend und geschichtlich belegt. Vormals konnten Güter, die in Südamerika ohne Mitwirkung von in den USA beheimateten Firmen produziert wurden, nicht direkt aus den Ursprungsländern in die USA eingeführt werden. Zentrale Sammel- und Zollstelle für deren USA-Import war allein Panama. Also trugen alle diese Hüte, aus welchem Land sie ursprünglich auch stammten, die Zollstempel aus Panama. Man nannte sie daher in den USA kurzerhand „panama hat“. Dieser Begriff hatte sich dann in mehreren Sprachen durchgesetzt.[1]

Produktionsorte[Bearbeiten]

Das Panama-Hut-Monument auf dem Zócalo von Bécal (Mexiko)

Der Panama-Hut wird seit 1630 in den Provinzen Manabí und Azuay in Ecuador hergestellt, Zentren der Manufakturen sind die Städte Montecristi und Jipijapa (Manabí) sowie Cuenca (Azuay). In Cuenca sind die größten und bekanntesten Exporteure ansässig. Daneben werden diese Hüte auch in Mexiko hergestellt: Seit ein Priester 1859 die zur Produktion nötige Palmenpflanze hier einführte, lebt in der Stadt Bécal im Bundesstaat Campeche ein Großteil der Einwohner vom Flechten dieser speziellen Kopfbedeckung. In Bécal befinden sich etwa 2000 Kalksteinhöhlen, in denen die dazu erforderliche Luftfeuchtigkeit herrscht.[2] Auf dem Zócalo des Ortes steht ein großes Panama-Hut-Monument.

Herstellung[Bearbeiten]

Auftrennen der Palmfasern vor dem Trocknen
Der Hut erhält im letzten Arbeitsschritt seine endgültige Form

Ein Großteil der Panama-Hüte wird nicht in großen Fabriken gewoben, sondern in Heimarbeit von unabhängigen Hutwebern. Oft kultivieren diese sogar die Toquilla-Pflanzen selbst, um deren Blätter zu verwenden. Die Strünke werden kurz in Wasser abgekocht und danach zum Trocknen aufgehängt. Es folgt ein Vorgang, der dem Darren von Malz ähnelt, wobei das Stroh über einem Feuer „geröstet“ wird, dem Schwefel beigemischt ist. Hierbei erhält es seine typische helle Farbe. Nach einer weiteren Trocknung werden die Blätter von Hand in dünne Fasern zerrissen. Hierbei wird bereits die spätere Fertigungsqualität des Hutes festgelegt; je dünner die Fasern, desto höher die Qualität. Der Hut wird nun gewoben, indem der Arbeiter von der Mitte her beginnt, mehrere Fasern miteinander zu verweben. Ist das flache Oberteil fertiggestellt, wechselt der Weber zu einer für ecuadorianische Hutmacher typischen stehenden, nach vorne gebeugten Arbeitshaltung, in dem er den Rohling auf einen Block – meist einen großen Stein – ablegt, der auf einem Pfosten ruht. Auf dem Rohling wird ein weiterer Block – jetzt aus Holz – platziert, auf den der Weber sich mit seiner Brust legt, um den nun unter sich befindlichen Hut mit Seitenteil und Krempe weiter zu weben. Am Ende dieses Prozesses wird der Hut „geschlossen“, in dem meist ein weiterer Weber das Stroh am Ende der Krempe zurückbindet. Zum Fertigstellen des Rohlings wird nun noch überstehendes Stroh abgeschnitten.

Rohling eines Panamahutes in einer Manufaktur in Cuenca (Ecuador)

Zum Schutz und um die Verbindungsstellen des Strohs zu glätten wird der Rohling nun einer speziellen Behandlung unterzogen, bei der Schwefelpulver vorsichtig in das Gewebe hineingehämmert wird. Nach der Reinigung wird der Rohling dann unter Feuchtigkeit, Wärme und Druck in seine eigentliche Form gebracht, indem man ihn zunächst über einen Einheitsblock zieht, wo er vorgeformt wird, um ihn danach in einem zweiten Schritt über einem spezielleren Block in seine endgültige Form zu pressen. Oftmals werden die Hüte auch nicht vor Ort fertiggestellt, sondern nach einer Reihe von Arbeitsschritten wird der Rohling in eine größere Manufaktur gegeben oder traditionell von einer Modistin weiterbearbeitet und gestaltet und so erst zum eigentlichen Hut geformt.

Je nach Dicke der Faser kann die Herstellung sehr langwierig und aufwendig sein, sodass feinste Panama-Hüte mehrere Tausend US-Dollar kosten können. Da die Zwischenhändler den Preis drücken, um der Nachfrage nach Massenware gerecht zu werden, wird oft nach traditioneller Art mit Stroh anderer Pflanzen gearbeitet, denn solch ein Strohhut ist bereits nach zwei Tagen fertig geflochten. Er besitzt allerdings nicht die guten Gebrauchseigenschaften.

Benutzung[Bearbeiten]

Ein guter Panama-Hut lässt sich im Herkunftsland ohne Weiteres zusammengerollt in einer Büchse transportieren, ohne dass Fasern beschädigt werden oder die Form leidet. Bei vergleichsweise geringerer Luftfeuchtigkeit, etwa in Europa, lässt sich der Hut jedoch nicht mehr rollen, außerdem sollte er nicht am Kopf zusammengedrückt werden, da sonst die Fasern leicht brechen.

Zu den berühmten Trägern des Panama-Huts gehörten: Napoleon III., Ernest Hemingway, Winston Churchill, Harry S. Truman, Erich Honecker, David Hilbert und Paul Newman.

Atatürk sah ihn als Symbol des modernen Mannes an und ließ den traditionellen, osmanischen Fes verbieten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Panama-Hüte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dr. Eckehart Wolff: Die Geschichte Ecuadors und Lateinamerikas. Radio HCJB Die Stimme der Anden (PDF; 1,2 MB)
  2. www.mayadiscovery.com, englisch, spanisch; abgerufen am 24. August 2011