Paul Di’Anno

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Paul Di’Anno 2006

Paul Di’Anno (* 17. Mai 1958 in Chingford als Paul Andrews) war von 1977 bis 1981 Sänger der Heavy-Metal-Band Iron Maiden. Wegen Missbrauchs von Alkohol und anderen Drogen wurde er Ende 1981 durch Bruce Dickinson ersetzt. Di’Anno wird heute als verlorenes Talent gesehen, der zwar eine gesangliche Leistung auf den ersten beiden Iron-Maiden-Alben erbrachte, aber in seiner Solo-Karriere nie wirklich Erfolg hatte.

Biografie[Bearbeiten]

Paul Di’Anno wuchs als Sohn einer italienischen Migrantenfamilie in Chingford als eines von zehn Geschwistern auf. Nach dem Tod seines Vaters zog die Familie ins East End von London, wo seine Mutter erneut heiratete. Di’Anno begann sich schon recht früh für Musik, insbesondere Rock und Punk zu interessieren und sang in zahlreichen lokalen Punkbands. 1978 spielte er mit seiner Pubrock-Band Rock Candy in London, als ihn Steve Harris entdeckte und ihn zu Iron Maiden holte. Er ist auf allen früheren Maiden-Veröffentlichungen bis zum Album Killers zu hören. Am Songwriting beteiligte er sich jedoch nur bei den Liedern Running Free, Remember Tomorrow, Killers und Sanctuary. Nach einer 113 Dates langen Konzerttournee traten erstmals Stimmprobleme auf, weswegen die Deutschland-Auftritte abgesagt werden mussten. Auch wegen seines oftmals problematischen Drogenkonsums und extremer Stimmungsschwankungen trennten sich Iron Maiden dann von Di’Anno.

Durch seine Tätigkeit bei Maiden hatte er sich einen Namen erarbeitet und gründete zunächst Lone Wolf, die jedoch in Konflikt mit einer namensgleichen Gruppe kamen. Er benannte die Gruppe darauf schlicht in DiAnno um, konnte sein Debütalbum aber erst 1984 veröffentlichen. Das AOR-Album floppte. 1985 löste sich die Gruppe auf. 1983 beteiligte er sich an dem japanischen All-Star-Projekt Honjoh Misako. Auf deren Debütalbum ist Di’Anno jedoch lediglich als Background-Sänger zu hören.

Anschließend heuerte er als Sänger bei Gogmagog an. Noch heute „lehnt er jede Frage nach [der Band] mit den Worten «No Comment» strikt ab“.[1] Die Gruppe war der Auftakt zu einer Reihe von nicht sehr erfolgreichen Projekten. Gogmagog sollte ein All-Star-Projekt zwischen Theater- und Rockband werden. Die Vorbereitungen verschlangen Millionenbeträge, bis auf eine Single (heute ein begehrtes Sammlerstück) kam jedoch nie etwas zustande.

Nach diesem Fiasko gründete Di’Anno seine eigene Gruppe Battlezone, die in Amerika einige Achtungserfolge verbuchte und auf dem Dynamo Open Air 1986 auftrat. Die Gruppe existierte von 1986 bis 1987. Danach nahm Di’Anno eine Auszeit aus dem Musikbusiness und zog sich ins Privatleben zurück. 1990 bekam er ein Angebot von Praying Mantis für eine Japan-Tournee, die auch auf dem Album Live at Last dokumentiert wurde. Ebenfalls beteiligt war Ex-Iron-Maiden-Gitarrist Dennis Stratton. 1991 beteiligte er sich am Projekt All Stars von Lea Hart (Ex-Fastway), das einige NWoBHM-Musiker vereinte.

1992 startete er seine eigene Band Killers, deren Debüt-CD Murder One von der Fachpresse wohlwollend rezipiert wurde, deren Verkaufszahlen jedoch nicht die Erwartungen erfüllten.[2] 1994 erschien das zweite Album Menace to Society, das als Pantera-Kopie abgetan wurde.[3] So löste sich die Gruppe bereits 1995 nach einer Tour mit Metal Church auf.

In den nachfolgenden Jahren versuchte Di’Anno von seinem Gesangsposten bei Iron Maiden zu profitieren und beteiligte sich an zahlreichen Kompilationen, Tributalben und kurzzeitigen All-Star-Projekten. 1998 reanimierte er kurzzeitig Battlezone für ein Album, danach gab es immer wieder vereinzelte Reunionen mit seinen früheren Bands.

Paul Di’Anno beteiligte sich an der DVD The History of Iron Maiden, die 2004 erschien und die Geschichte der Band anhand mehrerer Interviews aller aktuellen und ehemaligen Mitglieder bis 1983 dokumentiert.

Rezeption[Bearbeiten]

Di’Anno gilt als tragische Gestalt der Metal-Szene, der trotz großer Ambitionen und einer markanten Stimme nach Iron Maiden nie wieder auf einen grünen Zweig kam. Ständige Rückfälle in seinen Drogenkonsum und die geschäftlichen Fehlentscheidungen ziehen sich durch seine gesamte Karriere. Heute fällt er immer wieder durch markige Statements auf, in denen er beispielsweise Steve Harris mit Adolf Hitler vergleicht, seinen Drogenkonsum verherrlicht oder seine Rolle bei Iron Maiden überbetont.[4]

Trivia[Bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten]

  • The Worlds First Iron Man (1997)
  • As Hard as Iron (1997)
  • Beyond the Maiden (Best of, 1999)
  • The Masters (Best of, 1999)
  • The Beast (Livealbum, 2001)
  • The Beast in the East (DVD, 2003)
  • The Classics (Best of, 2006)
  • The Beast Arises (CD, 2014)

Mit Iron Maiden[Bearbeiten]

  • The Soundhouse Tapes (EP, 1979)
  • Iron Maiden (1980)
  • Live!! + One (EP, 1980)
  • Killers (1981)
  • Live at the Rainbow (VHS, 1981)
  • Maiden Japan (EP, 1981)
  • The First Ten Years (VHS, 1990)
  • From Here to Eternity (VHS, 1992)
  • The Story So Far Part One (Boxset, 1995)
  • Best of the Beast (1996)
  • Eddie Head (Boxset, 1998)
  • Eddie’s Archive (Boxset, 2002)
  • The Early Days (DVD, 2004)

Als Di' Anno[Bearbeiten]

  • Di' Anno (LP, 1984)
  • Heartuser (Single, 1984)
  • Flaming Heart (Single, 1984)
  • Live at the Palace (VHS, 1984)
  • Nomad (CD, 2000)
  • Live at the Palace (DVD, 2005)
  • The Living Dead (CD, 2006)

Mit Gogmagog[Bearbeiten]

  • I Will Be There (EP, 1985)

Mit Paul Di' Anno’s Battlezone[Bearbeiten]

  • Fighting Back (1986)
  • Children of Madness (1987)
  • Warchild, The Best of Battlezone (1988)
  • Feel My Pain (1998)
  • Cessation of Hostilities (Best of, 2001)

Mit Killers a.k.a. Paul Di' Anno & Killers[Bearbeiten]

  • Murder One (1992)
  • South American Assault Live (1994)
  • Menace to Society (1994)
  • Live (1997)
  • New Live & Rare (Kompilation)
  • Killers Live at the Whiskey (2001)
  • Screaming Blue Murder – The Very Best of Paul Di’Anno’s Killers (2002)

Mit The Almighty Inbredz[Bearbeiten]

  • 1999: The Almighty Inbredz

Als Gastsänger[Bearbeiten]

  • Praying Mantis & Paul Dianno, Dennis Stratton: Live at Last (1990)
  • English Steel: Start 'em young (1993, Song: „She goes down“)
  • English Steel: Lucky Streak Vol. II (1994, Songs: „Danger“, „Dirty“)
  • Aciarium: The Heavy Metal Superstars (1996)
  • Re-Vision: Longevity (2001)
  • Spearfish: Back, for the Future
  • Destruction: Inventor of Evil (2005)
  • Attick Demons: Attick Demons (2010, Song: "Atlantis")
  • Wolfpakk: Wolfpakk (2011)[6]
  • Prassein Aloga: Midas Touch (2011, "See the Bodies" und "Flesh of Life")[7]
  • Scelerata: The Sniper (2012)
  • Odium: The science of dying; Song: Die with Pride (2014)

Als Sänger auf Tribute-Alben[Bearbeiten]

  • 666 The Number One Beast (Iron Maiden Tribute) (1999)
  • 666 The Number One Beast Volume 2 (Iron Maiden Tribute) (1999)
  • The Maiden Years (Iron Maiden Tribute) (2000)
  • Gimme all your Top (ZZ Top Tribute) (2000)
  • The Boys are back (Thin Lizzy Tribute) (2000)
  • Only UFO can rock me (UFO Tribute) (2001)
  • Another Hair of the Dog (Nazareth Tribute) (2001)
  • Numbers from the Beast – An All Stars Tribute to Iron Maiden (2005)
  • World’s Greatest Metal – Tribute to Led Zeppelin (2006)
  • An ’80s Metal Tribute to Van Halen (2006)

Als Sänger auf Samplern[Bearbeiten]

  • Kaizoku (1989, Song: „Danger on the Street II“)
  • Hard ’n’ Heavy Rock (2001, Song: „Lights Out“)
  • Rock Hard Hard Rock (1994, Songs: „No Repair“, „She goes down“)
  • X-Mas: The Metal Way (1994, diverse Songs)
  • All Stars Featuring The Best Of British Heavy Metal & Heavy Rock Musicians (1991, Song „She is danger“)
  • Wacken Rocks (2001, Song: „Wrathchild (live)“)
  • Metal Masters – Killers (2005, Song: „Killers“)
  • Rock Hard – Das Festival (2007, Song: „Prowler (live)“)

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Di’Anno: The Beast (englisch). Blake Publishing 2002. ISBN 978-1-904034-03-2.
  • Matthias Mader: Musikerprofil Paul Di’Anno. In: Burning Ambition. Das Iron Maiden Fachbuch. Berlin: Verlag Jeske/Mader Gbr 2002. ISBN 3-931624-17-X. S. 86–96

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Matthias 2002, S. 89
  2. ebenda, S. 90
  3. ebenda, S.92
  4. zum Beispiel: Rock Hard. Ausgabe Nr. 267 (August 2009). News, S. 12
  5. ob Cavuoto: Paul Di’Anno Interview: 30 Years of the Beast. Guitar international.com, 27. Dezember 2010, abgerufen am 20. März 2012.
  6. Wolfpakk-homepage (deutsch)
  7. Blabbermouth.net (englisch)

Weblinks[Bearbeiten]