Nazareth (Band)

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Nazareth
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Nazareth 2009
Nazareth 2009
Allgemeine Informationen
Genre(s) Hardrock
Gründung 1968
Website http://www.nazarethdirect.co.uk/
Gründungsmitglieder
Dan McCafferty (bis 2013)
Manny Charlton (bis 1990)
Pete Agnew
Darrell Sweet (bis † 30. April 1999)
Aktuelle Besetzung
Gesang
Linton Osborne (seit 2014)
Gitarre
Jimmy Murrison (seit 1994)
Bass
Pete Agnew
Schlagzeug
Lee Agnew (seit 1999)
Ehemalige Mitglieder
Gitarre
Zal Cleminson (1978–1980)
Gitarre
Billy Rankin (1981–1983, 1990–1994)
John Locke † (1980–1982)
Keyboard
Ronnie Leahy (1994–2002)

Nazareth ist eine im Jahr 1968 gegründete schottische Hardrock-Band.

Zusammen mit anderen Bands der ersten Hardrock-Generation wie zum Beispiel Led Zeppelin, Deep Purple, Uriah Heep und Black Sabbath war die Band maßgeblich an der Prägung des Hard Rock beteiligt und legte auch einen Grundstein für den Jahre später aufkommenden Heavy Metal. Ihre bekanntesten Alben sind aus dem Jahr 1973 Razamanaz und Loud ’n’ Proud sowie Hair of the Dog aus dem Jahr 1975. Die einzelnen Bandmitglieder waren auch in zahlreichen Soloprojekten tätig. Mit knapp 60 Millionen verkaufter Alben weltweit sind sie zusammen mit den Simple Minds die international bekannteste Musikgruppe aus Schottland.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

1966 gründeten Dan McCafferty, Darrell Sweet und Pete Agnew in Dunfermline (Schottland) die Band The Shadettes. Sie tourten hauptsächlich als Coverband durch kleine Pubs und Bars. Nach zwei Jahren entschieden sie sich, eigene Musik zu machen, und gründeten 1968 Nazareth mit ihrem Landsmann Manuel „Manny“ Charlton.

Die 1970er: Hard’n’Heavy-Pionierzeit[Bearbeiten]

Das Album Nazareth[Bearbeiten]

Nazareth tourten zunächst zwei Jahre durch Europa. 1971 wurde das erste Album Nazareth veröffentlicht, ein Rockalbum mit popmusikalischen Einflüssen. Der Einführungstitel Witchdoctor Woman ist ein Hardrock-Stück, ebenso die Halbballade Red Light Lady über die verbotene Beziehung eines Stammfreiers zu seiner Hure. Fat Man erinnert mit tief gestimmter Gitarre an Black Sabbath und beschreibt mit ironischem Unterton das tragische Leben eines übergewichtigen Menschen, der gemieden und verspottet wird. Die langsame Ballade The King Is Dead beschließt das Album. Arrangiert ohne Schlagzeug, aber mit Streichern, Synthesizer und mehrstimmigem Chorgesang nimmt dieses Stück bis heute eine Ausnahmestellung im Werk der Gruppe ein. Als Singles wurden mit mäßigem Erfolg Morning Dew und Dear John ausgekoppelt.

Die Gruppe arbeitete kontinuierlich weiter und veröffentlichte 1972 Exercises. Auch dieses zweite Album ist von stilistischer Vielfalt und Suche nach einer musikalischen Identität geprägt und vereint Einflüsse aus Rock-, Country- und Folkmusik. Akustikgitarren kommen ebenso zum Einsatz wie Streichinstrumente und Synthesizer. Insbesondere die einleitende Rock-Ballade I Will Not Be Led wird von einem komplexen Streicherarrangement dominiert.

Erste Gelegenheiten, das neue Repertoire auf Konzerten außerhalb Schottlands zu präsentieren, fand die Gruppe im Vorprogramm von Atomic Rooster und Rory Gallagher. Diese frühen Auftritte fanden beim Konzertpublikum wenig Zuspruch. Während der Tour als Vorgruppe von Rory Gallagher kam es sogar zu Auseinandersetzungen mit dessen Anhängern, wie Bassist Pete Agnew im Juni 2004 rückblickend erzählte. [1] Als wegen Erfolglosigkeit bereits die Kündigung des Plattenvertrages drohte, nutzte die Gruppe eine letzte von der Plattenfirma eingeräumte Chance und überzeugte Publikum und Kritiker auf einer Unterstützungstour für Deep Purple. Deren Bassist Roger Glover verließ Deep Purple nach der Tournee vorübergehend, um als Musikproduzent zu arbeiten und bot, beeindruckt von den Bühnenauftritten der Gruppe, Nazareth seine Unterstützung an.

Das Album Razamanaz[Bearbeiten]

Der kommerzielle Durchbruch gelang Nazareth mit dem von Roger Glover produzierten, im Mai 1973 veröffentlichten Album Razamanaz, mit dem die Gruppe ihren seither gültigen eigenen Stil in einer Symbiose aus Heavy Rock, Rock ’n’ Roll und Blues definierte. Die Musik wurde nun geprägt von den klassischen Rockinstrumenten E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug sowie von der heiseren, häufig kreischenden Stimme von Sänger Dan McCafferty, der während Auftritten immer wieder offen Alkohol konsumierte. Erscheinungsbild und Attitüde der Gruppe beschrieben sie als draufgängerische, trinkfeste, lebenslustige Schotten aus der Arbeiterklasse. Roger Glover hatte den harten Rock des Albums roh, direkt und treibend produziert, gleichzeitig eingängigen Gitarrenriffs und virtuosen Gitarrenmelodien viel Raum gelassen und Nazareth so stilistisch in die Nähe von Deep Purple und Led Zeppelin gerückt. Die Musikkritik stellte vor allem eine Nähe zu Deep Purple und deren seinerzeit aktuellen Veröffentlichungen In Rock (1970) und Machine Head (1972) fest. Beispielsweise gilt das gleichnamige Titellied des Albums Razamanaz als Variation des Deep-Purple-Klassikers Speed King vom Album In Rock.

Broken Down Angel, die erste Single des Albums Razamanaz, stieg 1973 bis auf Platz 9 in den britischen Verkaufscharts und wurde damit der erste Top-Ten-Erfolg der Gruppe. Das gelang auch der zweiten Single Bad Bad Boy, die Platz 10 erreichte.

Das Album Loud ’n’ Proud[Bearbeiten]

Später im selben Jahr kam das zweite von Roger Glover produzierte Album Loud ’n’ Proud in die Läden. Es enthielt eine Coverversion von Joni Mitchells This Flight Tonight, die sich zum internationalen Charthit entwickelte und in Deutschland Platz 1 der Hitparade erreichte. Das Material war anders produziert als Razamanaz, musikalisch war es jedoch die genaue Fortsetzung. Nazareth beeindruckte beim Eröffnungstitel Go Down Fighting mit einer für diese Zeit sehr hohen spielerischen Geschwindigkeit. 1974 erschien Rampant, ebenfalls von Roger Glover produziert. Der Eröffnungstitel des Albums war ein episch langer Pre-Heavy-Metal-Titel mit dem Titel Silver Dollar Forger. Es fanden sich eine ganze Reihe von Titeln zwischen Heavy Rock und Blues sowie die beiden Balladen Loved and Lost und Sunshine. Als Single wurde die Rock-’n’-Roll-Nummer Shanghai’d in Shanghai ausgekoppelt. Sie blieb, was die Verkäufe angeht, hinter dem Vorgänger This Flight Tonight zurück, der noch weit bis 1974 hinein die Charts dominierte. Beendet wurde das Album durch das Yardbirds-Cover Shapes of Things.

Das Album Hair of the Dog[Bearbeiten]

1975 entschied sich Gitarrist Manny Charlton, den Platz des Produzenten einzunehmen und blieb dies auch für die nächsten fünf Alben. Das erste Resultat war das Album Hair of the Dog, das erfolgreichste Album der Gruppe in den USA. Der ursprünglich geplante Titel Son of a Bitch war der Plattenfirma zu heikel, weshalb der Titel sowie der Albumtitel in Hair of the Dog umbenannt wurde. Der eigentliche Titel blieb nur noch im Refrain enthalten. Das Album wurde zu einem der ersten Referenzalben für den Jahre später aufkommenden Heavy Metal. Das lag nicht nur am Titel Track, der bis heute von Metal-Gruppen nachgespielt wird, sondern auch an Miss Misery, Changin’ Times und Beggar’s Day, das von Nils Lofgren übernommen wurde. Changin’ Times war mit seiner Struktur so etwas wie ein neuer Black Dog, fiel insgesamt jedoch noch eine Spur aggressiver aus als der vier Jahre ältere Titel von Led Zeppelin. Die auf dem Album ebenfalls enthaltende Ballade Guilty wurde auf der USA-Version des Albums durch die Ballade Love Hurts ersetzt, eine Coverversion eines Stücks der Everly Brothers aus dem Jahr 1960, die in Europa ausschließlich als Single veröffentlicht wurde. Diese führte monatelang die Charts an und wurde der bis heute größte Erfolg für die Band.

Das Album Close Enough for Rock ’n’ Roll[Bearbeiten]

Nazareth am 6. März 1976

Close Enough for Rock ’n’ Roll war das erste 1976er-Album. Der erste Song Telegram fungierte danach jahrelang als Opener bei Konzerten. Nazareth erzählten in ihren Songs immer mehr Geschichten über die Schattenseiten des Lebens. Auch das romantische Bild, das viele Außenstehende vom Leben eines Rockstars hatten, wurde beispielsweise in Telegram desillusioniert. Vom Gute-Laune-Schema des Glam-Rocks, in das sie anfangs von ihrem Management hineingepresst werden sollten, grenzten sie sich mit ihrer Attitüde strikt ab. Black Sabbath begründete mit ihren schwarzen Texten und Sound den Doom Metal, Uriah Heep widmete sich Fantasy-Texten, auf die sich später nicht wenige Power-Metal-Acts beriefen und Nazareth stellte die Weichen für den Sleaze Rock, in dessen Fußstapfen in den 1980er Jahren viele Hair-Metal-Bands traten. Nicht selten drehte es sich in den Texten Nazareths um brutale Straßenbanden, Kriminalität und Süchte jeglicher Art. So wütend und bitter die Texte einiger Stücke ausfielen, standen sie im krassen Gegensatz zum freundlichen und bodenständigen Auftreten von McCafferty und seiner Bandkollegen in der Öffentlichkeit.

Noch im gleichen Jahr folgte Playing the Game, aus dem der Blues-Song I Want to Do Everything for You und Stücke wie Born to Love, Waiting for the Man oder Somebody to Roll hervorgingen.

Das Album Expect No Mercy[Bearbeiten]

Ende 1977 erschien das Album Expect No Mercy. Das Album bot größtenteils Heavy-Metal-Songs, denen standen aber auch ein paar AOR-Nummern sowie die Ballade All the King’s Horses gegenüber. Dazu sollte noch darauf hingewiesen werden, dass die Band speziell mit dem Titelsong des Albums sowie Revenge Is Sweet oder Gimme What’s Mine neue Härtegrade definierten und sogar die Grenzen des gerade aufkommenden Heavy Metal einrissen. Man kann bei diesen Songs sogar schon von einem allerersten Impuls für den einige Jahre später aufkommenden Speed Metal sprechen, auf dem dann Bands wie Slayer aufbauen konnten. Gerade bei Revenge Is Sweet spielte Schlagzeuger Darrell vielleicht den ersten Blast Beat der Musikgeschichte. Kentucky Fried Blues und New York Broken Toy sind groovende Mid-Tempo-Nummern, die ihre Aggressivität durch Dan McCaffertys Reibeisenstimme entfalten. Hit-Singles gingen aus diesem Album nicht hervor. Allerdings entdeckte Nordamerika die Gruppe immer mehr. Das Albumcover von Frank Frazetta zeigt zwei sich mit einem Schwertkampf duellierende Monster.

Das Album No Mean City[Bearbeiten]

Gegen Ende 1978 wollte die Gruppe ihren Klang durch einen zweiten Gitarristen verstärken. Ex-Alex-Harvey-Band-Mitglied Zal Cleminson kam für diesen Posten zu Nazareth. Mit ihm wurde das Album No Mean City veröffentlicht. Der Titelsong beschäftigt sich lyrisch gesehen mit dem Inhalt des gleichnamigen Romans von McArthur und Long aus den 1930er Jahren. Es geht um rivalisierende Jugendgangs in Glasgow, für Dan McCafferty und Pete Agnew, die im Umkreis dieser Großstadt ihre Kindheit und Jugend verbracht hatten, also eine recht persönliche Angelegenheit. Der zynische und pessimistische Unterton, der auch vielen Songs auf dem Vorgänger Expect No Mercy innewohnte, überlagerte auch viele Kompositionen dieses Albums. Ganz deutlich ragen hier Just to Get into It, Simple Solution und Claim to Fame heraus.

Insbesondere Hair of the Dog, Expect No Mercy und No Mean City gelten als Bestandteil der New Wave of British Heavy Metal, die sich Ende der 1970er aus dem traditionellen Hard Rock entwickelte und maßgeblich von Bands wie Judas Priest und Iron Maiden geprägt wurde. Dan McCafferty verfügte gerade auf diesen Alben über eine schneidende Reibeisenstimme, die oft mit der von Brian Johnson von AC/DC verglichen wird. In ihren ruhigen, balladesken Momenten schwingt in der Stimme von Dan McCafferty dann durchaus ein Hauch von Rod Stewart mit.

Die Motive des Albums No Mean City wurden am häufigsten für Merchandise-Artikel verwendet. Sie zierten jahrelang Hemden, Aufnäher, Mützen, Schirmkappen, Poster usw. Danach erreichte Nazareth die Qualität dieser Alben nie wieder, da sich ab 1980 der Stil der Gruppe deutlich an seichteren und poppigeren Bereichen orientierte und die Anhänger den rauen und aggressiven Klang der Anfangstage vermissten.

Die 1980er – AOR-Jahre[Bearbeiten]

Das Album Malice in Wonderland[Bearbeiten]

1980 übergab die Gruppe die Produktion an Jeff Baxter von den Doobie Brothers und Steely Dan. Das Ergebnis war das Pop-Rock-Album Malice in Wonderland. Holiday und die Ballade Heart’s Grown Cold verhalfen Nazareth zu Berühmtheit vor allem auf dem US-Markt. Der Titel Fallen Angel knüpfte stilistisch gesehen an den Eröffnungstitel I Will Not Be Led“ von der Exercises-LP an und verbreitete eine ähnliche Stimmung.

Die USA und in erster Linie Kanada waren zu dieser Zeit die besten Absatzmärkte für die Gruppe, denn Europa besuchte sie einige Jahre nur noch selten. Allein in Kanada verkaufte Nazareth bis dato seit ihrem Bestehen rund 15 Millionen Tonträger und jede ihrer Veröffentlichungen wurde mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet. Die Gruppe hatte in diesen Tagen mit dem lauten krachenden Rock von einst nichts mehr im Sinn. Stattdessen versuchte sie, einen weiteren Single-Erfolg durch die Veröffentlichung dutzender in den USA so wirksamer Balladen geradezu zu erzwingen. Nach der Malice-in-Wonderland-World-Tour entschied sich Zal Cleminson, auszusteigen, um eine eigene Gruppe zu gründen.

Das Album The Fool Circle[Bearbeiten]

Erneut mit Jeff Baxter wurde 1981 The Fool Circle verwirklicht, das stilistisch dem Album Malice In Wonderland sehr ähnlich war. Ebenfalls 1981 steuerte die Band ihren Song Crazy zum Soundtrack des Zeichentrickfilmes Heavy Metal bei. Mit von der Partie waren bei der musikalischen Untermalung Kollegen wie Black Sabbath, Blue Oyster Cult, Grand Funk Railroad und Cheap Trick.

Die Alben Snaz und 2XS[Bearbeiten]

Vor der Fool-Circle-Tour kam Billy Rankin, ein junger Gitarrist aus Glasgow zu Nazareth. Ebenso folgte John Locke – ehemals bei der Gruppe Spirit – an die Keyboards. Aus dieser Tournee entstand das Live-Album Snaz, 1982 erschien bereits das nächste Album 2XS.

Nazareth wurde darauf wieder deutlich rockiger, als bei den beiden Vorgängern, allerdings auch jetzt längst nicht mehr so „heavy“ wie in den 1970ern. Fand damals allgemein eine Art Teilung zwischen „Heavy-Metal“ zum Beispiel mit Iron Maiden, Manowar, W.A.S.P. u.v.m. und „Hardrock“ etwa mit AC/DC, Uriah Heep, Kansas, Styx etc. statt, so schloss sich Nazareth für die nächsten etwa zwei bis drei Jahre nun endgültig der rockig-melodiöseren und weicheren Richtung an. Die Whisky-Rocker von einst wandelten sich unter dem Erfolgsdruck der Plattenfirma immer mehr Richtung Popstars mit einigen rockigen Ansätzen. „Für Heavy Metal-Anhänger zu melodisch, für Pop-Anhänger zu rockig“ war eine gängige Klausel in den Medien, wenn das Thema Nazareth und deren musikalische Unentschlossenheit jener Tage aufkam. Live auf der Bühne präsentierten sie sich nach wie vor als harte Rocker, wogegen sie auf den LPs friedlich erschienen.

Zum Jahreswechsel 1982/83 erreichte das ständige Veröffentlichen von Rockschnulzen im Sinne des großen Chart-Erfolges seinen Höhepunkt. Dream On kam in die Charts und wurde der erste richtig große Erfolg seit This Flight Tonight und Love Hurts. Der Erfolg der Single untermauerte den Status von Nazareth als USA-taugliche Stadionrock-Gruppe, sollte allerdings auch der letzte internationale Superhit der Gruppe bis heute werden, denn das allgemeine Interesse der großen Medien schwächelte. Allerdings traten die Schotten zu dieser Zeit als erste westliche Musikgruppe in Polen vor knapp 150.000 Zuschauern in einem Stadion auf und waren in Ungarn auf einem Festival vor 120.000 Fans die Headliner. Osteuropa wurde hier erstmals zu einem neuen Standbein für die Band. Das sollte sich direkt nach dem Mauerfall weiter ausbauen.

Das Album Sound Elixir[Bearbeiten]

Schwere Zeiten brachen herein, nachdem Dream On aus den Charts ausgestiegen war. John Locke verließ die Band und hinzu kam ein Streit mit der Plattenfirma A&M. Über Nacht verschwand ihr damaliger Manager, und die Gruppe stand ohne Vertrag da. Schließlich wurde 1983 ein neuer Vertrag mit MCA abgeschlossen. MCA gab sich jedoch nicht viel Mühe, die Gruppe bzw. die Herausgabe des neuen Albums Sound Elixir zu unterstützen. Das war wohl einer der Gründe, warum eines ihrer musikalisch besten Alben international nicht den großen Durchbruch schaffte. Titel wie Whippin’ Boy, Rags to Riches von Sound Elixir sowie Boys in the Band oder Games von 2 x S sprachen vielen Jugendlichen der 1980er aus der Seele und spiegelten textlich den Widerstand gegen das Establishment wider. Stilistisch gesehen ist Sound Elixir vergleichbar mit 2 x S, das heisst, es gab ein paar gute Hard-Rock-Nummern und viel AOR-Material, aber es gab viele Lückenfüller, die das Album nicht über Mittelmaß hinaushievten. Die Anhänger, die noch nicht abgesprungen waren, reagierten oftmals ratlos. Die Ballade Where Are You Now war als direkter Nachfolger von Dream On konzipiert und lief ansatzweise zufriedenstellend, verschwand aber schnell in der Versenkung. Ständiges Herumreisen und die fehlende Unterstützung seitens MCA führten stattdessen schließlich zum Ausstieg von Billy Rankin. Die Gruppe zog nach Hause, um sich eine Ruhepause zu gönnen und veröffentlichte anschließend wieder in Gründungsbesetzung The Catch. Die musikalische Krise war besiegelt, denn dieses Album gilt unter vielen Nazareth-Anhängern als das Schlechteste. Lediglich der enthaltende Titel This Month’s Messiah entwickelte sich zumindest auf Konzerten zu einem Klassiker.

Das Album Cinema[Bearbeiten]

1986 besonn sich die Gruppe ihrer alten Tugenden und versuchte an die alten Erfolge beim Hard-Rock-Publikum anzuknüpfen. Das nächste Album Cinema war fertig, gefolgt von einer Zwei-Jahres-Welttournee. Doch das Dilemma war deutlich: Das Publikum war verwirrt. Die Heavy-Anhänger von früher gaben der Gruppe nach ihren stilistischen Ausflügen der letzten Jahre kaum noch eine Chance, und die neuen Anhänger erwarteten eher den gemäßigten Rock und konnten mit dem Material auf Cinema kaum was anfangen und wandten sich ab. 1988 zog sich Nazareth einige Zeit zurück.

Das Album Snakes ’N’ Ladders[Bearbeiten]

1989 erschien Snakes ’N’ Ladders, ein sehr politisches Album, mit dem sich Nazareth von einer neuen Seite in ihrer langen Karriere zeigte. Die musikalische Krise der letzten Jahre war überstanden und Nazareth präsentierte sich mit diesem Album als gesunde und stimmige Hard-Rock-Gruppe – zwar wieder auf kleinere Klubs abonniert, aber musikalisch geläutert. Das Album war eine typische 1980er-Jahre-Platte, auf spezielle Art produziert. Sie passte gut zu den Hair-Metal-Gruppen jener Tage. Politisch ist das Album insofern ausgefallen, als dass Nazareth hier brisante Themen in den Texten aufgriff, wie etwa Menschenhandel (Trouble) oder Prostitution wegen Drogensucht (Donna, Get Off That Crack). Wie an früherer Stelle schon erwähnt, zählt Nazareth zu den ersten Gruppen, die nach dem Mauerfall in den osteuropäischen Ländern auftraten. Dort erlebte sie so etwas wie einen zweiten Frühling, denn durch die Verbreitung von Schwarzaufnahmen war in diesen Ländern ein großes Publikum entstanden, das jahrzehntelang darauf hoffte, die Band live erleben zu dürfen. Dementsprechend zahlreich kamen die Zuschauer zu den Konzerten, und Nazareth füllte dort im Gegensatz zu Westeuropa, wo sie nur noch Auftritte in Klubs bestritten, wieder Stadien. Ebenfalls 1989 wurden einige Produzenten der ARD-Krimireihe „Tatort“ auf die Schotten aufmerksam. Das Stück Winner on the Night ist eine Ballade ähnlich wie Dream On und beendete die Tatort-Folge „Herzversagen“, die im Herbst 1989 erstmals ausgestrahlt wurde. Zur selben Zeit erschien auch die gleichnamige Maxi-Single von Nazareth.

Die 1990er bis heute – Rückbesinnung auf die Heavy-Rock-Wurzeln[Bearbeiten]

Das Album No Jive[Bearbeiten]

Nach einer Russland-Tournee 1990 war die Lage bei Nazareth durch fehlende Unterstützung der Plattenfirma erneut angespannt. Dies veranlasste neben intern immer häufiger auftretende Streitigkeiten das Gründungsmitglied Manny Charlton zum Ausstieg. Er wollte Nazareth wieder einmal kommerzieller, sanfter und chart-orientierter gestalten. Dan McCafferty, Pete Agnew und Darrell Sweet waren sich allerdings einig, dass sie jetzt endgültig beim Hard-Rock mit metallischem Einschlag bleiben würden. Es war klar, dass nur Billy Rankin die Lücke schließen konnte. Sie machten sich sofort an die Arbeit und nahmen Ende 1991 No Jive auf. Dieses Album wirkt weniger überproduziert als sein Vorgänger Snakes ’n’ Ladders und präsentierte sich insgesamt härter. Die 1990er Jahre bedeutete für Nazareth die endgültige Rückbesinnung auf ihre Wurzeln. Der Adult Oriented Rock wurde über Bord geworfen und der Anteil der Balladen auf etwa zwei pro Album reduziert. Harte Metal-Tonfolgen dominieren auf No Jive, insbesondere bei Stücken wie Hire And Fire, Right Between The Eyes und Cry Wolf. Ende 1994 wurde Move Me in Europa von Polydor veröffentlicht und schloss sich stilistisch nahtlos an No Jive an. 1995 verließ Billy Rankin erneut die Gruppe. Er wurde durch den jungen schottischen Gitarristen Jimmy Murrison ersetzt. Neu hinzu kam Ronnie Leahy am Keyboard. Nach ihrer Rückkehr erhielt die Gruppe bei SPV einen Vertrag über drei Alben.

Die Alben Boogaloo und Homecoming[Bearbeiten]

1998 erschien das Studioalbum Boogaloo und 2002 das Livealbum Homecoming. Am 30. April 1999 kam Schlagzeuger Darrell Sweet vor einem Konzert durch einen Herzanfall ums Leben. Die Gruppe war geschockt und zog sich für einige Zeit von allen Auftritten zurück. Nach einer Weile beschloss sie, Lee Agnew den Sohn des Bassisten, als Schlagzeuger aufzunehmen und weiterzumachen.

Die Alben The Newz und Big Dogz[Bearbeiten]

Pete Agnew Rzeszow 2009

Die Aufnahmen des Comeback-Albums waren im Herbst 2007 abgeschlossen worden, und seit 29. Februar 2008 ist das Album The Newz im Handel erhältlich. Es handelt sich um ein Jubiläumsalbum – 40 Jahre nach Gründung der Gruppe. Das Album wurde im Rahmen einer Welttournee live vorgestellt. Tourstart war am 25. Januar 2008 in Schweden. Das Album orientiert sich auf den modernen Markt, hat jedoch auch klassische Nazareth Stücke im Repertoire. Es war das erste Studioalbum seit fast 10 Jahren.

Am 15. April 2011 wurde das Album Big Dogz veröffentlicht. Der Fokus lag hier auf sehr reduziertem 70er-Jahre Hardrock mit Blues-Einflüssen im Fahrwasser von AC/DC und Rose Tattoo. Die Band wollte Vorwürfe wegen angeblicher Überproduktion vermeiden, die ihr seitens einiger Rezensenten für The Newz gemacht wurden. Man wendete sich bewährten Genrezutaten zu, für die die Band seit Beginn der 70er Jahre bekannt ist. Allerdings sucht man auf diesem Album auch Songs der Marke Liar, Road Trip und Warning vergeblich, mit denen die Band auf The Newz auf modernen Metal zielte, vielmehr wird hier schleppender Blues und nur selten schnell rockender Sound geboten. Für junge Heavy Metal-Fans ist dieses Mal weniger Material vorhanden, sondern eher für Hard Rock-Fans alter Schule, die die Band von der ersten Stunde an begleiteten, und das ist der wesentliche Unterschied zum Vorgänger "The Newz", der in beiden Lagern Anerkennung fand.

Produziert wurden The Newz und Big Dogz von Yann Rouiller.

Am 28. August 2013 verkündeten Nazareth, dass Sänger und Gründungsmitglied Dan McCafferty die Band verlassen habe. Als Grund nannte er seinen schlechten gesundheitlichen Zustand. Er musste am Wochenende zuvor ein Konzert in der Schweiz nach drei Liedern abbrechen. Es wurde auch bekanntgegeben, dass McCafferty an einer Chronisch obstruktiven Lungenerkrankung leide. Die Band gab wenige Wochen später bekannt, dass sie das restliche Jahr 2013 eine Auszeit nehmen werde. Anfang 2014 soll dann ein Album erscheinen, auf dem Dan McCafferty sämtliche Gesangsspuren aufgenommen hat. 2014 werde man mit einem neuen Sänger auf Tour gehen. [2] Im Februar 2014 wurde Linton Osborne als neuer Sänger vorgestellt.[3] Das neue Album der Band, Rock’n’Roll Telephone, erschien Anfang Juni 2014.

Einfluss auf andere Gruppen und Musiker[Bearbeiten]

Welchen Einfluss die Gruppe auf spätere Hard-Rock- und Heavy-Metal-Gruppen ausgeübt hat, belegen zahlreiche Wiederauflagen, allen voran wird der Titel Hair of the Dog vom gleichnamigen Album oft nachgespielt. Der Gitarrist Slash von Guns N’ Roses bekannte sich zu ihrem Einfluss, ebenso wie Michael Monroe von Hanoi Rocks. Guns N’ Roses nahmen 1993 eine Version von Hair of the Dog für ihr Album Spaghetti Incident auf, und Michael Monroe coverte während seiner Solokarriere Not Faking It. Des Weiteren haben sich auch schon Warrant und Stonerider des Songs Hair of the Dog angenommen. Metallica spielte beim Bridge-School-Benefit-Konzert in San Francisco am 30. Oktober 2007 ein Akustikset und gaben dabei den epischen Nazareth-Titel Please Don’t Judas Me zum Besten. Paul Speckmann und seine Death-Metal-Band Master lieferten vor einigen Jahren eine Neufassung von Miss Misery.

An der Ballade Dream On versuchten sich Interpreten außerhalb der harten Rock-Szene wie etwa Jeanette Biedermann oder Karel Gott, der eine Version in tschechischer Sprache aufnahm.

Trivia[Bearbeiten]

Nazareth fielen zu Beginn ihrer Karriere durch eine unangepasste Optik auf. Ihr düsteres Auftreten – ausgewaschene Jeans, Dreitagebärte und zottelige dunkle Haare – missfiel ihrem Management ab 1970, weil es die Gruppe zu dem Zeitpunkt lieber zwischen gerade sehr erfolgreichen Glam-Rock-Gruppen wie Slade, The Sweet und T. Rex platzieren wollte. Also wurden Nazareth mit einem ersten Vorschuss ausgestattet und beauftragt, sich im Londoner Kensington Market mit glamouröser Bühnenkleidung einzudecken. So sieht man speziell auf alten Fotos die Gruppe in mehreren Erscheinungsformen. Dass Nazareth jedoch mit ihrem ursprünglichen Aussehen so etwas wie erste Pioniere des späteren Sleaze-Rocks wurden und Ende der Siebziger gar als letzte Überlebende des Straßenrocks gekürt wurden, konnte damals noch keiner voraussehen.

Ritchie Blackmore fragte um 1973 nach einem gemeinsamen Auftritt von Deep Purple und Nazareth in deren Kabine nach einem Ersatz für Ian Gillan in Person von Dan McCafferty, worauf ihm Pete Agnew androhte, ihm „ganz einfach sämtliche Knochen zu brechen, da McCafferty ein für alle Mal zu Nazareth gehöre“ [4]

Nazareth wäre beinahe mit an Bord des Flugzeuges gewesen, mit dem die Gruppenmitglieder von Lynyrd Skynyrd 1977 abstürzten. Beide Gruppen befanden sich zu der Zeit auf einer gemeinsamen USA-Tournee, und die Südstaatenrocker luden die Schotten zu sich ins gruppeneigene Flugzeug ein. Nazareth musste jedoch aufgrund einer Pressekonferenz ablehnen und später hinterherfliegen.

Diskografie[Bearbeiten]

Hauptartikel: Nazareth/Diskografie

Studioalben[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartplatzierungen[5] Anmerkungen
DE AT CH UK US
1971 Nazareth Erstveröffentlichung: November 1971
1972 Exercises Erstveröffentlichung: Juli 1972
1973 Razamanaz 48
(4 Wo.)
11
(25 Wo.)
157
(13 Wo.)
Erstveröffentlichung: 14. Mai 1973
Loud ’n’ Proud 8
(28 Wo.)
1
(28 Wo.)
10
(7 Wo.)
150
(8 Wo.)
Erstveröffentlichung: 12. November 1973
1974 Rampant 11
(24 Wo.)
1
(28 Wo.)
13
(3 Wo.)
157
(9 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1. Juni 1974
1975 Hair of the Dog 27
(20 Wo.)
7
(8 Wo.)
17
(40 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1. April 1975
Verkäufe: + 1.000.000
1976 Close Enough for Rock ‘n’ Roll 42
(4 Wo.)
24
(14 Wo.)
Erstveröffentlichung: März 1976
1977 Play ‘n’ the Game 75
(9 Wo.)
Erstveröffentlichung: 1977
Expect No Mercy 82
(16 Wo.)
Erstveröffentlichung: November 1977
1979 No Mean City 34
(9 Wo.)
88
(14 Wo.)
Erstveröffentlichung: 20. Januar 1979
1980 Malice in Wonderland 43
(11 Wo.)
41
(19 Wo.)
Erstveröffentlichung: 17. März 1980
1981 The Fool Circle 60
(3 Wo.)
70
(13 Wo.)
Erstveröffentlichung: 16. Februar 1981
1982 2XS 42
(11 Wo.)
122
(10 Wo.)
Erstveröffentlichung: 12. Juli 1982
1983 Sound Elixir 52
(6 Wo.)
Erstveröffentlichung: 27. Juni 1983
1984 The Catch 60
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 22. Oktober 1984
1986 Cinema Erstveröffentlichung: Februar 1986
1989 Snakes ‘n’ Ladders 26
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 18. Juni 1989
1991 No Jive 31
(2 Wo.)
36
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: November 1991
1994 Move Me 36
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 16. Oktober 1994
1998 Boogaloo Erstveröffentlichung: 25. August 1998
2008 The Newz 75
(1 Wo.)
68
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: 31. März 2008
2011 Big Dogz 73
(1 Wo.)
55
(1 Wo.)
70
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 15. April 2011
2014 Rock 'n' Roll Telephone 39
(… Wo.)
35
(… Wo.)
31
(… Wo.)
Erstveröffentlichung: 3. Juni 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nazareth (band) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.classicrockmagazine.com/
  2. [1],zuletzt abgerufen am 27. Oktober 2013
  3. http://www.nazarethdirect.co.uk/website/new-vocalist/02/2014/
  4. „Rock it!“ Magazin Nr. 45, Seite 9, www.rock-it-magazine.de
  5. Chartquellen: DE AT CH UK US