Philip Marlowe

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Philip Marlowe ist eine Romanfigur von Raymond Chandler. Er taucht zuerst in einigen Kurzgeschichten, später in den sieben Romanen Chandlers auf. In den Verfilmungen der Romane wurde er u. a. von Robert Mitchum, Elliott Gould, James Garner und James Caan gespielt. Am bekanntesten ist die Verkörperung durch Humphrey Bogart in The Big Sleep (dt. Titel: Tote schlafen fest).

Figur[Bearbeiten]

Mit Philip Marlowe schuf Chandler den Prototyp des Privatdetektivs, den viele spätere Schriftsteller als Vorbild für ihre Figuren nahmen. Marlowe ist ein Privatdetektiv, der in einer Welt ohne Moral und Grundsätze versucht, nach seinen eigenen moralischen Grundsätzen zu leben. Er lebt in Los Angeles. Inmitten einer korrupten Umwelt versucht Marlowe – mit ein paar wenigen „Verbündeten“ – seine moralische Integrität zu bewahren und nicht die vorherrschende Macht zu hofieren. Seine Auslegung von Recht und Unrecht folgt nicht immer den Gesetzen; so lässt er auch mal einen kleinen Gauner laufen, der sein Mitleid erregt hat. Finanzielle Erfolge bei seiner Tätigkeit gelten ihm wenig, daher ist er auch selber des Öfteren ziemlich knapp bei Kasse.

Im ersten Roman, in dem Philip Marlowe auftaucht (The Big Sleep, deutsch: „Der große Schlaf“), ist er 33 Jahre alt. Marlowe hat das College besucht und als Ermittler für den Distriktanwalt gearbeitet, wurde jedoch wegen Befehlsverweigerung entlassen. Er ist relativ kräftig gebaut. „Keine sichtbaren Narben. Haare dunkelbraun, etwas grau. Augen braun. Größe einsvierundachzig. Gewicht circa einsneunzig.“ (Der lange Abschied). Philip Marlowe raucht Pfeife und Zigaretten und trinkt bevorzugt Bourbon. Er spielt gern alte Schachpartien nach und löst Schachprobleme.

Marlowe ist der Prototyp des knallharten, unbestechlichen und dennoch sentimentalen Einzelgängers. „Ernsthafte“ Beziehungen zu Frauen beschränken sich auf die letzten beiden Romane. In dem unvollendeten Roman Poodle Springs heiratet er die Tochter eines mehrfachen Millionärs und bleibt seinem Stil dennoch treu.

Ich bin ein Romantiker… ich höre manchmal nachts Schreie und dann gehe ich nachsehen, was los ist. Dabei verdient man keinen Penny. Wenn man noch seine fünf Sinne zusammen hat, macht man das Fenster zu und dreht den Fernseher lauter.“ (Der lange Abschied)
Eine $5000-Dollar-Note mit dem Portrait von Madison. Spielt eine wichtige Rolle im Roman Der lange Abschied

Romane[Bearbeiten]

Raymond Chandler hat viele seiner Philip-Marlowe-Romane aus vorher veröffentlichten Kurzgeschichten zusammengesetzt, so entstand beispielsweise Farewell, my Lovely aus den drei 1936/37 veröffentlichten Kurzgeschichten Mandarin's Jade, The Man Who Liked Dogs und Try the Girl. Die komplexe, oft verwirrende Handlung der Romane ergibt sich auch aus dieser Arbeitstechnik.

  • 1939: Der große Schlaf (The Big Sleep)
  • 1940: Lebwohl, mein Liebling (Farewell, My Lovely)
  • 1942: Das hohe Fenster (The High Window)
  • 1943: Die Tote im See (The Lady In The Lake)
  • 1949: Die kleine Schwester (The Little Sister)
  • 1953: Der lange Abschied (The Long Good-bye)
  • 1958: Spiel im Dunkel (Playback)
  • 1989: Einsame Klasse (Fragment, vollendet von Robert B. Parker) (Poodle Springs)
  • 1991: Tote träumen nicht (autorisierter Roman von Robert B. Parker) (Perchance to Dream)

Am 7. August 2012 wurde bekannt, dass der irische Autor John Banville 2013 einen neuen autorisierten Philip Marlowe-Roman veröffentlichen wird.[1]

Verfilmungen[Bearbeiten]

Fast alle Philip-Marlowe-Romane wurden für das Kino und Fernsehen adaptiert:

Romanvorlage Filmtitel Originaltitel Jahr Philip Marlowe gespielt von Deutscher Synchronsprecher
Lebwohl, mein Liebling Murder, My Sweet Murder, My Sweet 1944 Dick Powell Klaus Kindler
Der große Schlaf Tote schlafen fest The Big Sleep 1946 Humphrey Bogart Arnold Marquis
Die Tote im See Die Dame im See Lady in the Lake 1947 Robert Montgomery Gert Günther Hoffmann
Das hohe Fenster (keine dt. Fassung) The Brasher Doubloon 1947 George Montgomery
Die kleine Schwester Der Dritte im Hinterhalt Marlowe 1969 James Garner Michael Chevalier
Der lange Abschied Der Tod kennt keine Wiederkehr The Long Goodbye 1973 Elliott Gould Klaus Kindler
Lebwohl, mein Liebling Fahr zur Hölle, Liebling Farewell, My Lovely 1975 Robert Mitchum Alexander Kerst
Der große Schlaf Tote schlafen besser The Big Sleep 1978 Robert Mitchum Alexander Kerst
Einsame Klasse Philip Marlowe – Poodle Springs Poodle Springs 1998 James Caan Reinhard Brock

In der ersten Folge der TV-Reihe Climax! war Dick Powell noch einmal als Marlowe zu sehen. Diesmal in The Long Goodbye, einer Live-Produktion, die durch einen Fauxpas berühmt wurde, als der Schauspieler Tristram Coffin, der eine mit einem Tuch bedeckte Leiche verkörpte, die Bühne verließ, obwohl er noch im Bild zu sehen war, da er dachte, seine Szene sei bereits vorbei.
Vergessen sollte man auch eine TV-Serie nicht, die 1959 und 1960 in den USA ausgestrahlt wurde, in der Philip Carey den Detektiv verkörperte und insgesamt 26 Abenteuer nach Raymond Chandlers Vorbild bestand. Einen kurzlebigen zweiten Versuch Philip Marlowe in einer TV-Serie umzusetzen gab es erst Anfang der 80er: Die Serie Philip Marlowe. Private Eye mit Powers Boothe in der Titelrolle wurde schon nach fünf 1983 gesendeten Episoden abgesetzt. 1986 wurden sechs noch verbleibende Episoden ausgestrahlt.
Erwähnung finden sollten auch noch zwei Kino-Filme, die auf den ersten Blick nichts mit Philip Marlowe zu tun haben:
Zum einen Time to Kill (1942) von Herbert I. Leeds, der auf dem Roman The High Window („Das hohe Fenster“) basiert, in dem der Hauptpart aber von der seinerzeit populären Kino-Detektiv-Figur Michael Shayne (verkörpert von Lloyd Nolan) anstelle Philip Marlowes ausgefüllt wurde. Dies war seinerzeit der letzte von sieben Shayne-Filmen mit Lloyd Nolan, die zwischen 1940 und 1942 erschienen. 1946 und 1947 wurde die Reihe mit Hugh Beaumont in der Hauptrolle und fünf weiteren Filmen fortgesetzt, ehe es 1960/1961 noch zu einer TV-Adaption mit Richard Denning kam, die unter dem Titel Ein Fall für Michael Shayne auch in Deutschland zu sehen war.
Zum anderen der auf dem Buch Farewell, My Lovely basierende The Falcon Takes Over von Irving Reis, der im gleichen Jahr in die Kinos kam, und den dritten von insgesamt vier Filmen der Gay-Lawrence-Reihe mit George Sanders darstellte.
Bedeutsam sind diese Filme im Marlowe-Kontext vor allem deswegen, weil es die ersten beiden Verfilmungen nach Marlowe-Büchern waren, auch wenn der Detektiv hier aus reihenbezogenen Kontinuitätsgründen noch unter einem anderen Namen firmierte.
Abgesehen von all diesen Beispielen wurde sich auch in einer Folge der Serie Fallen Angels des Namens Philip Marlowe bedient, wo mit Danny Glover überraschend sogar ein farbiger Schauspieler in die Rolle des Detektivs schlüpfte.
Bei den bisher letzten beiden Filmen, in denen Philip Marlowe als Hauptfigur agiert, handelt es sich um eine tschechische Krimikomödie aus dem Jahr 2003 (Mazaný Filip mit Tomás Hanák) und einen amerikanischen TV-Film aus dem Jahr 2007 (Marlowe mit Jason O'Mara).
Playback ist somit der einzige Marlowe-Roman, der nie offiziell verfilmt wurde, wobei von Lady in the Lake nur die gewöhnungsbedürftige, aus dem Blickwinkel Marlowes gefilmte Spielfilm-Version existiert, in der man den Schauspieler, abgesehen vom harmonischen Schlussbild des gesamten Films, nur dann sehen kann, wenn er sich spiegelt (siehe Point-of-View-Shot).

Radio[Bearbeiten]

Der erste exklusive Radio-Marlowe war Hollywood-Star Van Heflin, der die Figur vom 17. Juni bis zum 9. September 1947 in der NBC-Serie The New Adventures of Philip Marlowe vertonte. Am 10. Januar 1948 hatte Marlowe auch seinen ersten Auftritt für CBS, wo er bei einem Zusammentreffen mit Dashiell Hammetts ähnlich gearteter Figur Sam Spade (als wohl klassischste Film-Verkörperung beider Charaktere gilt Humphrey Bogart) von Robert Montgomery gesprochen wurde. Montgomery war damit der einzige Schauspieler, der Marlowe sowohl in einer exklusiv produzierten Radio-Sendung als auch in einem Film spielte (die Filme Murder My Sweet mit Dick Powell und Lady in the Lake mit Montgomery wurden allerdings auch in Audio-Versionen über Radio ausgespielt).
Die langlebigste US-Marlowe-Serie im Radio startete schließlich am 26. September 1948. Fast drei Jahre lang, bis zum 15. September 1951, sprach Gerald Mohr den Privatdetektiv in The Adventures of Philip Marlowe. Studio war erneut CBS.
Die bisher letzte und auch längste Marlowe-Radio-Version nahm auf den Tag genau 29 Jahre nach Beginn dieser CBS-Produktion ihren Lauf: Vom 26. September 1977 bis zum 23. September 1988 spielte Ed Bishop die Rolle für den britischen Sender BBC.
Für das deutsche Radio bearbeitete Hermann Naber zwischen 1969 und 1999 Kurzgeschichten und Romane Chandlers als Hörspiel. Den Detektiv (meist Carmady oder Dalmas) sprachen u.a. Horst Michael Neutze, Arnold Marquis oder Hans Peter Hallwachs. Als Philip Marlowe spielten Arnold Marquis („Der Bleistift“, 1973), Hilmar Thate („Gesteuertes Spiel“, 1991) und Matthias Habich („Der lange Abschied“, 1997). Der Rundfunk der DDR produzierte ebenfalls zwei Hörspiele nach Chandler (mit Dieter Mann als Dalmas bzw. Klaus Manchen als Delaguerra).[2]

Adaptionen und Hommagen[Bearbeiten]

Die Hörspielserie „Die haarsträubenden Fälle des Philip Maloney“ von Roger Graf ist als Parodie und Hommage an die Figur des Philip Marlowe entworfen. Die Serie wird seit 1989 jeden Sonntag auf dem Schweizer Radiosender DRS 3 ausgestrahlt und ist auf CDs erhältlich. Bis November 2011 erschienen 353 reguläre Folgen.

Mit dem Werbevideo „Günstiger als Fielmann - vergessen Sie's!“ zitiert die Augenoptikerkette ab 1998 das Marlowe-Original.[3]

Außerdem wird Marlowe im Lied "Finden Sie Mabel" von Heinz Rudolf Kunze erwähnt. In dem Lied geht es um einen Mann, der Marlowe beauftragt, eine Frau wieder zu finden, die mit ihm nur wegen des Geldes zusammen ist. Darin heißt es "Marlowe, ich fleh' sie an, Marlowe, finden Sie Mabel. Es koste was es wolle, Geld spielt keine Rolle dabei. ..., Sagen Sie Ihr, dass ich alles vergess' und verzeih'."

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ankündigung des neuen Philip Marlowe-Romans auf macmillan.com (englisch), aufgerufen am 19. August 2012
  2. Hördat
  3. Fielmann zahlt Dividende aus den Gewinnrücklagen Artikel des Tagesspiegels vom 9. Juli 1998