Philipp Matthäus Hahn

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Philipp Matthäus Hahn

Philipp Matthäus Hahn (* 25. November 1739 in Scharnhausen; † 2. Mai 1790 in Echterdingen) war ein deutscher Pfarrer und Ingenieur.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Doppelglobusuhr (um 1785) von Philipp Matthäus Hahn (Entwurf) und Philipp Gottfried Schaudt (Ausführung) (Deutsches Uhrenmuseum, Furtwangen)

Philipp Matthäus Hahn war das zweite von fünf Kindern aus erster Ehe des evangelischen Pfarrers Georg Gottfried Hahn (1705-1764) und wurde von diesem schon früh in Griechisch, Latein und Hebräisch unterrichtet. Außerdem hatte er früh astronomische Interessen. Als er zwölf Jahre alt war, besuchte er die Lateinschule in Esslingen. 1752 verstarb seine Mutter Juliana Hahn (*1711 als Juliana Kaufmann). Der Vater heiratete erneut und hatte fünf weitere Kinder. Er bewarb sich um die Aufnahme in eine der württembergischen Klosterschulen, kam aber bei der dortigen Aufnahmeprüfung, einer Wettbewerbsprüfung, nicht zum Zuge, und besuchte stattdessen die Nürtinger Vorbereitungsschule für die niedere Geistlichkeit.[1] Hier entwickelte er als technischer Autodidakt Sonnenuhren. Auch setzte er sich mit den Lehren Johann Arndts, der als Wegbereiter des Pietismus gilt, und der rationalistischen Philosophie Christian Wolffs auseinander. 1756 wurde der Vater nach Onstmettingen strafversetzt (wegen Trunkenheit), wo Hahn seinen Freund und späteren Assistenten Philipp Gottfried Schaudt kennenlernte, der in die Uhrmacherlehre gegangen war. 1757 bis 1759 setzte Hahn seine Ausbildung in Tübingen fort. Dort entwickelte er Teile von Teleskopen und Sonnenuhren. Während des Studiums hungerte er sich durch und verdiente sich Geld mit Instrumentenbau (teilweise in Zusammenarbeit mit Schaudt), da ihn sein Vater nicht unterstützte. Die Prüfungsgebühr wurde ihm zur Hälfte aufgrund seiner Armut erlassen, den Rest streckten Verwandte vor.

Nach dem Studium arbeitete er in Lorch als Hauslehrer. Seine erste von mehreren Anstellungen als Vikar erhielt er 1761 in Breitenholz und er vertrat Friedrich Christoph Oetinger in Herrenberg. 1764 wurde er Pfarrer in Onstmettingen, dem heutigen Stadtteil von Albstadt, als Nachfolger seines verstorbenen Vaters. Hier entstanden (unter der Mitwirkung Schaudts) seine ersten Neigungswaagen und Weltmaschinen. Bei den Weltmaschinen handelt es sich z. B. um das „Nürnberger Modell“, eine Uhr mit Kalender, die die Zeit bis zur Apokalypse anzeigen (wobei ein Sperrhaken für 1836 da sein Lehrer Johann Albrecht Bengel für dieses Jahr den Beginn des Tausendjährigen Reiches prophezeit hatte), sowie synchronisierte helio- und geozentrisches Orreries enthalten. Diese wurde erst nach dem Tod Hahns fertiggestellt.[2] Auf Anregung dessen Aufragsgebers, Herzogs Carl Eugen, dem er 1767 eine astronomische Uhr übergab und der ihn bewunderte und als „Uhrmacher Gottes“ betitelte, erhielt er 1770 die gut dotierte Pfarrei in Kornwestheim. Der Herzog bot ihm auch 1770 die Mathematik-Professur in Tübingen an, aber Hahn schlug diese aus. Dort unterhielt er auch eine Uhrmacher-Werkstatt, in der er auch Verwandte beschäftigte und die die Instrumente nach seinen Plänen anfertigte. Er führte als Ergänzung zum Gottesdienst eine Erbauungsstunde ein. 1781 erhielt er die am besten dotierte Pfarrei des Landes in Echterdingen. Dort baute er vor allem Taschenuhren, über die er auch ein Buch schrieb. Er starb 1790 an Lungenentzündung.

Für seine astronomischen Uhren und Instrumente waren teilweise umfangreiche Rechnungen nötig, so dass er begann Rechenmaschinen zu entwerfen und zu bauen. Sie waren die ersten voll funktionsfähigen Vierspeziesrechenmaschinen (von zwei Rechnern von Anton Braun am Wiener Hof abgesehen), basierend auf dem Staffelwalzen-Prinzip von Leibniz, die er wahrscheinlich aus dem Werk von Jacob Leupold kannte. Die erste Maschine baute er ab 1770. Der Prototyp wurde 1773 fertig, wurde aber erst 1778 vorgestellt, da es Probleme mit der Zuverlässigkeit des Zehnerübertrags gab. Bis 1779 gab es vier Maschinen, insgesamt baute er fünf bis sechs, von denen noch zwei existieren (Landesmuseum Württemberg in Stuttgart, Technoseum in Mannheim). Nachbauten sind im Arithmeum in Bonn.

1775 starb seine Frau Anna Maria Rapp (* 1749, Heirat 1764), der Tochter des Bürgermeisters von Schorndorf Ulrich Rapp, bei der Geburt ihres siebten Kindes. Vier Söhne aus der Ehe erreichten das Erwachsenenalter und zwei von ihnen wurden Uhrmacher. Ein Jahr später 1776 heiratete er Beata Regina (1757-1824), eine Tochter des Pfarrer-Originals Johann Friedrich Flattich.[1]

Hahn veröffentlichte mehrere theologische Bücher und stand im Briefwechsel unter anderem mit Lavater und Franz von Baader. Den Druck seiner Bücher - zur Umgehung der Zensur im Ausland- finanzierte er mit seinen Instrumenten.

1779 wurde er Mitglied der Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt.

Ein enger Mitarbeiter (und sein Schwager) war Johann Christoph Schuster, der auch weitere Rechenmaschinen basierend auf Hahns Prinzip baute. Seine Arbeit über Rechenmaschinen wurde auch von seinem ältesten Sohn Christoph Matthäus Hahn (1767-1833), von Schaudt und den Gebrüdern Sauter in Esslingen (die ihre Kenntnis von Schaudt erhielten) fortgesetzt.

Würdigungen und Erinnerungen [Bearbeiten]

  • Zur Erinnerung an das Leben und Wirken Philipp Matthäus Hahns wurde 1989 (anlässlich seines 250. Geburtstags) in Onstmettingen das Philipp-Matthäus-Hahn-Museum eröffnet.
  • Im Heimatmuseum Echterdingen erinnert eine kleine Gedenkstätte an Philipp Matthäus Hahns Echterdinger Zeit. Neben einem Lebensabriss werden einige seiner mechanischen Arbeiten gezeigt, die in seiner Werkstatt im alten Pfarrhaus entstanden sind.
  • An den Pfarrhäusern von Echterdingen und Kornwestheim gibt es Gedenktafeln für Philipp Matthäus Hahn. Letztere erinnert auch daran, dass Hahn hier Besuch von Johann Wolfgang Goethe und Johann Caspar Lavater hatte.
  • In Stuttgart wird Philipp Matthäus Hahn durch ein freistehendes Denkmal bei der Liederhalle geehrt.
  • Mehrere Schulen (z.B. in Echterdingen, Nürtingen, Balingen, Albstadt) sind nach Hahn benannt.

Bildergalerie [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. a b Holger Gayer: Philipp Matthäus Hahn. In: Stuttgarter Zeitung, 29. April 2004, S. 25.
  2. Frank Peter Unterreiner: Ein schwäbischer Tüftler: Philipp Matthäus Hahn und seine „Weltmaschinen“ – Wunder der Uhrentechnik. In: Stuttgarter Zeitung, 29. November 1991.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Philipp Matthäus Hahn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur [Bearbeiten]

Primärliteratur [Bearbeiten]

  • Brecht, Martin; Paulus, Rudolf F. (Hrsg.): Hahn, Philipp Matthäus: Die Kornwestheimer Tagebücher 1772 – 1777. Berlin, New York: Walter de Gruyter 1979, ISBN 3-11-007115-0.
  • Brecht, Martin; Paulus, Rudolf F. (Hrsg.): Hahn, Philipp Matthäus: Die Echterdinger Tagebücher 1780 – 1790. Berlin, New York: Walter de Gruyter 1983, ISBN 3-11-008910-6.
  • Hahn, Philipp Matthäus: Kurze Beschreibung einer kleinen beweglichen Welt-Maschine. Faksimile-Neudruck der wiederentdeckten Ausgabe Konstanz, Lüdolph, 1770. Herausgegeben von Reinhard Breymayer. Mit einem Geleitwort von Alfred Munz. Tübingen: Noûs-Verlag Thomas Leon Heck, 1988
  • Hahn, Philipp Matthäus: Beschreibung mechanischer Kunstwerke. 1. u. 2. Teil. Mit einer autobiographischen Vorrede. Stuttgart: J. B. Mezler 1774. - Nachdruck: Stuttgart: Lithos 1991, ISBN 3-88480-013-2.
  • Hahn, Philipp Matthäus: Hinterlassene Schriften. Hrsg. von Christoph Ulrich Hahn. Heilbronn [am Neckar] und Rothenburg an der Tauber: J. D. Claß 1828.
  • Hahn, Philipp Matthäus: Erbauungs-Stunden über den Brief an die Epheser. Basel, Ferd. Riehm, 1878
  • Hahn Fingerzeig zum Verständnis des Königreichs Gottes und Christi: Betrachtungen, Metzingen 1999
  • Hahn Predigten und Betrachtungen, 11. Auflage, Reutlingen 1989
  • Hahn Die gute Botschaft vom Königreich Gottes, Metzingen 1963
  • Hahn Die Hauptsache der Offenbarung Johannis, 1772
  • Hahn Fingerzeig zum Verstand des Königreich Gottes 1774

Sekundärliteratur [Bearbeiten]

In chronologischer Reihenfolge des Erscheinens:

  • Engelmann, Max: Leben und Wirken des württembergischen Pfarrers und Feintechnikers Philipp Matthäus Hahn. Berlin: Richard Carl Schmidt & Co. 1923.
  • Ricklefs, Aagje; Väterlein, Christian (Red.): Philipp Matthäus Hahn 1739 – 1790. Pfarrer, Astronom, Ingenieur, Unternehmer. Stuttgart: Württembergisches Landesmuseum 1989, 2 Bände. [Ohne ISBN.]
  • Munz, Alfred: Philipp Matthäus Hahn Pfarrer und Mechanikus. Sigmaringen: Jan Thorbecke 1990; ISBN 3-7995-4122-5.
  • Stäbler, Walter: Pietistische Theologie im Verhör. Das System Philipp Matthäus Hahns und seine Beanstandung durch das württembergische Konsistorium. Stuttgart: Calwer Verlag 1992. - Vorher Ev.-Theol. Diss. Münster in Westfalen 1990. ISBN 3-7668-3130-5
  • Roloff, Eckart: Philipp Matthäus Hahn: Der schwäbische Leonardo, ein genialer Mechanikus. In: Roloff, Eckart: Göttliche Geistesblitze. Pfarrer und Priester als Erfinder und Entdecker. Weinheim: Wiley-VCH 2010, S. 197-209 (mit Hinweisen zu Erinnerungsstätten, Denkmälern, Museen u. ä.). ISBN 978-3-527-32578-8. 2. aktualisierte Ausgabe 2012 (Paperback) ISBN 978-3-527-32864-2