Balingen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Balingen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Balingen
Balingen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Balingen hervorgehoben
48.2730555555568.8505555555556517Koordinaten: 48° 16′ N, 8° 51′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Tübingen
Landkreis: Zollernalbkreis
Höhe: 517 m ü. NHN
Fläche: 90,34 km²
Einwohner: 33.213 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 368 Einwohner je km²
Postleitzahl: 72336
Vorwahl: 07433
Kfz-Kennzeichen: BL, HCH
Gemeindeschlüssel: 08 4 17 002
Stadtgliederung: Kernstadt und 12 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Färberstraße 2
72336 Balingen
Webpräsenz: www.balingen.de
Oberbürgermeister: Helmut Reitemann (CDU)
Lage der Stadt Balingen im Zollernalbkreis
Landkreis Sigmaringen Landkreis Tuttlingen Landkreis Rottweil Landkreis Freudenstadt Landkreis Tübingen Landkreis Reutlingen Albstadt Balingen Bisingen Bitz Burladingen Dautmergen Dormettingen Dotternhausen Geislingen (Zollernalbkreis) Grosselfingen Haigerloch Hausen am Tann Hechingen Jungingen Meßstetten Nusplingen Obernheim Rangendingen Ratshausen Rosenfeld Schömberg (Zollernalbkreis) Straßberg (Zollernalbkreis) Weilen unter den Rinnen Winterlingen Zimmern unter der BurgKarte
Über dieses Bild
Balingen 1907

Balingen ist eine Stadt im Süden Baden-Württembergs, etwa 70 km süd-südwestlich von Stuttgart. Sie ist die Kreisstadt und nach Albstadt die zweitgrößte Stadt des Zollernalbkreises und bildet ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden. Seit 1. Januar 1974 ist Balingen Große Kreisstadt. Mit der Nachbarstadt Geislingen ist die Stadt eine vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Balingen liegt am Rand der Schwäbischen Alb im Tal der Eyach, einem Nebenfluss des Neckars. Die Stadt ist umgeben von den so genannten Balinger Bergen, darunter der Plettenberg, der Schafberg und die Lochen (mit Lochenstein und Lochenhörnle). Westlich der Stadt liegt die Liasebene des Kleinen Heubergs. In Balingen gibt es eine 1724 entdeckte Schwefelquelle.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Balingen. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören alle zum Zollernalbkreis:

Grosselfingen, Bisingen, Albstadt, Meßstetten, Hausen am Tann, Dotternhausen, Dormettingen, Geislingen und Haigerloch.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt besteht aus der Kernstadt und Stadtteilen Dürrwangen, Endingen, Engstlatt, Erzingen, Frommern, Heselwangen, Ostdorf, Roßwangen, Stockenhausen, Streichen, Weilstetten und Zillhausen, wobei die meisten dieser Stadtteile erst im Rahmen der Gemeindereform der 1970er Jahre nach Balingen eingegliedert wurden. Heselwangen war bereits 1934 nach Balingen und Dürrwangen 1937 nach Frommern eingemeindet worden.

Für die Stadtteile wurden insgesamt neun Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung eingerichtet, das heißt, diese haben jeweils einen von den Wahlberechtigten bei jeder Kommunalwahl neu zu wählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzenden. Die Zahl der Mitglieder im Ortschaftsrat richtet sich nach der Einwohnerzahl der Ortschaft und liegt zwischen 7 und 13. In jeder der Ortschaften gibt es eine Ortschaftsverwaltung, quasi ein „Rathaus vor Ort“, dessen Leiter der Ortsvorsteher ist. Die neun Ortschaften sind: Endingen, Engstlatt, Erzingen, Frommern (mit Dürrwangen und Stockenhausen), Heselwangen, Ostdorf, Streichen, Weilstetten (mit Roßwangen) und Zillhausen.

Zu einigen Stadtteilen gehören noch räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenem Namen, die jedoch meist nur wenige Einwohner haben oder Wohngebiete mit eigenem Namen, deren Bezeichnung sich im Laufe der Bebauung ergeben haben und deren Grenzen dann meist nicht genau festgelegt sind. Im Einzelnen sind zu nennen:

  • in der Kernstadt: südliche und nördliche Vorstadt, Hinter dem Heuberg mit Mandschurei, Am Lindle, Sichel, Auf der Au, Burgenwand, Neige, Längenfeld, Spitalwiese, Heinzlesrain, Binsenbol, Am Stettberg, Schmiden, Heimlicher Wasen, sowie die außerhalb des geschlossenen Siedlungsgebiets liegenden: Holderhof, Reichenbacher Hof und Stadtmühle.
  • in Endingen: Eckhaus, Galgenrain und Kutzmühle
  • in Erzingen: Bronnhaupten
  • in Frommern: Säge und Ziegelhütte
  • zu Ostdorf: Böllatmühle, Gießmühle, Kaunter Gipsmühle, Obere Mühle, Wirtschaft zum Kühlen Grund
  • zu Weilstetten: Hotel Lochen
  • zu Zillhausen: Wannental

Raumplanung[Bearbeiten]

Balingen bildet ein Mittelzentrum innerhalb der Region Neckar-Alb, zu dessen Mittelbereich neben Balingen selbst die Städte und Gemeinden Dautmergen, Dormettingen, Dotternhausen, Geislingen, Hausen am Tann, Ratshausen, Rosenfeld, Schömberg, Weilen unter den Rinnen und Zimmern unter der Burg gehören.

Geschichte[Bearbeiten]

Matthäus Merian: Topographia Sueviae (1643)

Balingen wurde im Jahr 863 als Balginga erstmals erwähnt. Im 12. Jahrhundert traten verschiedene Adlige als Ortsherren des kleinen Dorfes auf. Vermutlich gab es auch eine Burg. Balingen gehörte zur bis 1162 existierenden Herrschaft Haigerloch, dann fiel es den Grafen von Hohenberg zu. In der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgte der Übergang an die Grafen von Zollern, diese machten den Ort zum Sitz der Herrschaft Schalksburg. 1255 wurde die Stadt Balingen gegründet, etwa 200 Meter flussaufwärts zur bisherigen Siedlung in einer Landzunge zwischen Eyach und Steinach. Letztere wurde erst später im Zuge der Stadtbefestigung umgeleitet. Der neue Hauptarm bildete den südlichen Wassergraben, der alte Lauf den westlichen Graben. Mit dem Stadtrecht wuchs die Siedlung rasch an und erhielt eine Ummauerung. 1403[2] gelangte Balingen durch Kauf an Württemberg; die Stadt wurde bald Sitz eines Amtes. Im 15. Jahrhundert war die Stadt mehrfach verpfändet, so unter anderem an Graf Hans von Werdenberg und an die Herren von Bubenhofen. Die für die Stadt zuständigen Vögte und Obervögte residierten im ehemaligen Zollernschloss.

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Balingen Sitz eines Oberamtes, das ab 1810 zur Landvogtei am oberen Neckar und ab 1818 zum Schwarzwaldkreis gehörte. Nach Feuersbrünsten 1724 und 1809 wurde die Stadt mit regelmäßigem Grundriss neu erbaut. Die Bewohner betrieben seit dem 19. Jahrhundert hauptsächlich Trikotwebereien und waren in der Handschuh- und Schuhfabrikation tätig, andere betrieben Viehhandel.

1934 wurde das Oberamt Balingen in den Landkreis Balingen überführt, der bei der Kreisreform 1973 Bestandteil des neu gebildeten Zollernalbkreises wurde.

1944 bis 1945 wurden in den Ortsteilen Frommern, Engstlatt und Erzingen Werke und Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof (KZ Frommern und KZ Erzingen) betrieben, um im Rahmen des Unternehmens Wüste Treibstoff aus Ölschiefer zu gewinnen.

Durch die Eingliederung verschiedener Umlandgemeinden überschritt die Einwohnerzahl Balingens 1973 die Grenze von 20.000. Danach stellte die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, was die Landesregierung von Baden-Württemberg mit Wirkung vom 1. Januar 1974 beschloss.

Geschichte der Stadtteile[Bearbeiten]

Die Balinger Stadtteile haben eine unterschiedliche Geschichte, kamen jedoch nahezu alle über die Grafen von Zollern 1403 an Württemberg. Hier gehörten sie zum Amt bzw. Oberamt Balingen, aus dem 1934 der Landkreis Balingen hervorging. Lediglich Roßwangen kam erst 1938 zum Landkreis Balingen, zuvor gehörte der Ort zum Oberamt Rottweil.

Religionen[Bearbeiten]

Das Gebiet der heutigen Stadt Balingen gehörte anfangs zum Bistum Konstanz und war dem Archidiakonat ante nemus sive nigrae silvae unterstellt. Infolge der Zugehörigkeit zu Württemberg wurde in den meisten Stadtteilen 1534 die Reformation eingeführt, so dass diese über viele Jahrhunderte überwiegend protestantisch waren. Lediglich Roßwangen blieb katholisch, weil dieser Ort ritterschaftlich verwaltet wurde und die Ortsherren keine Reformation durchführten. In allen evangelischen Orten gibt es daher jeweils eine evangelische Kirchengemeinde und eine meist alte evangelische Kirche. Die erste Balinger Kirche wurde 1255 erwähnt und war Unserer Lieben Frau geweiht. Sie war die Pfarrkirche des alten Dorfes Balingen und blieb zunächst auch die Pfarrkirche der Stadt nach deren Gründung. Doch lag sie außerhalb der Stadtmauer. Aus der 1343 erwähnten Kapelle St. Nikolaus im heutigen Stadtzentrum wurde dann im 15./16. Jahrhundert die heutige Stadtkirche erbaut und 1516 zur Pfarrkirche erhoben. Dadurch wurde die bisherige Kirche als Friedhofskirche genutzt. 1547 wurde Balingen Sitz eines Superintendentur, aus der später der Kirchenbezirk Balingen hervorging. Die Superintendentur war zunächst der Generalsuperintendentur (heute Prälatur) Tübingen, später Bebenhausen, 1810 erneut Tübingen, 1823 Reutlingen, 1913 Ulm und seit 1956 wieder Reutlingen unterstellt. Infolge des starken Wachstums der Gemeinde Balingen wurden im 20. Jahrhundert weitere Pfarreien errichtet. So wurde die alte Friedhofskirche 1954 wieder Pfarrkirche (Kirchengemeinde Balingen Ost, zu der heute auch die Gemeindeglieder in Heselwangen gehören) und im Wohngebiet Schmiden entstand 1968 ein neues Gemeindezentrum mit einer weiteren Pfarrei. Die drei Kirchengemeinden bilden heute die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Balingen im Dekanat Balingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Auch die evangelischen Kirchengemeinden in den Stadtteilen Dürrwangen (mit Stockenhausen), Endingen, Engstlatt, Erzingen, Frommern, Heselwangen, Ostdorf, Streichen, Weilstetten und Zillhausen gehören zum Dekanat Balingen.

Im 19. Jahrhundert zogen auch wieder Katholiken nach Balingen, später auch in die anderen evangelischen Stadtteile. 1899 konnte sich die Gemeinde ihre eigene Kirche Hl. Geist erbauen, die 1918 zur Pfarrei erhoben wurde. Zur Kirchengemeinde Balingen gehören auch die Katholiken der Stadtteile Engstlatt und Ostdorf, doch gibt es in Engstlatt seit 1966 eine eigene Kirche, St. Johannes Apostel. In Frommern wurde 1965 die Kirche St. Paulus erbaut, die 1970 zur Pfarrei erhoben wurde. Zur dortigen Gemeinde gehören auch die Katholiken in Endingen, Stockenhausen, Streichen, Weilstetten und Zillhausen. Die Gemeindeglieder von Erzingen gehören zur Kirchengemeinde Dotternhausen. Die katholische Kirche in Roßwangen wurde 1948 unter Einbeziehung von Teilen der Vorgängerkirche von 1668 erbaut, doch ist dort bereits 1275 eine Kirche erwähnt, die den Heiligen St. Johannes Baptist und St. Dionysius geweiht war. Alle katholischen Kirchengemeinden im Stadtgebiet Balingens gehören heute zur Seelsorgeeinheit 3 des Dekanats Balingen des Bistums Rottenburg-Stuttgart.

Seit 2012 wird die ehemalige Siechenkapelle als orthodoxe Kirche russischer Tradition Hl. Martin von Tours genutzt.

Neben den beiden großen Kirchen gibt es in Balingen auch Gemeinden, die zu Freikirchen gehören, darunter die Evangelisch-methodistische Kirche, zwei Evangelisch-freikirchliche Gemeinden (Kernstadt und Zillhausen) und die Gemeinde Gottes KdöR. Auch die Neuapostolische Kirche sowie die Zeugen Jehovas sind in Balingen vertreten.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

In die Stadt Balingen wurden folgende Gemeinden eingegliedert bzw. mit der Stadt Balingen vereinigt:

  • 1934: Heselwangen (wegen dieser frühen Eingliederung wurde Heselwangen nicht als eigener Ortsteil behandelt. Erste Ortschaftsratswahlen fanden dort erst im Jahr 2007 statt)
  • 1. Januar 1971: Streichen
  • 1. Juli 1971: Ostdorf
  • 1. August 1971: Endingen
  • 1. September 1971: Erzingen
  • 1. Januar 1973: Zillhausen
  • 1. Oktober 1973: Engstlatt
  • 1. Januar 1975: Neubildung der Stadt Balingen durch Zusammenschluss mit Frommern (mit dem 1937 eingegliederten Dürrwangen und dem am 1. Januar 1971 eingemeindeten Stockenhausen) und Weilstetten (mit dem am 1. Juli 1971 eingemeindeten Roßwangen)

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze). Zu beachten ist, dass zwischen dem 1. Juli 1971 und dem 1. Januar 1975 umfangreiche Eingemeindungen stattfanden, woraus der große Sprung in der Einwohnerzahlentwicklung resultiert.

Jahr Einwohnerzahlen
1622 1.932
1706 2.101
1745 2.461
1803 2.946
1823 3.049
1843 3.196
1855 2.878
1861 2.989
1. Dezember 1871 ¹ 3.212
1. Dezember 1880 ¹ 3.252
1. Dezember 1900 ¹ 3.447
1. Dezember 1910 ¹ 4.101
16. Juni 1925 ¹ 4.077
Jahr Einwohnerzahlen
16. Juni 1933 ¹ 4.973
17. Mai 1939 ¹ 6.285
13. September 1950 ¹ 8.242
6. Juni 1961 ¹ 11.647
27. Mai 1970 ¹ 14.216
31. Dezember 1975 29.310
31. Dezember 1980 29.738
27. Mai 1987 ¹ 30.346
31. Dezember 1990 31.738
31. Dezember 1995 33.624
31. Dezember 2000 33.700
31. Dezember 2005 34.402
31. Dezember 2010 33.959

¹ Volkszählungsergebnis

Wappen Wappen Wappen Wappen Wappen Wappen Wappen Wappen Wappen Wappen Wappen Wappen Wappen Wappen
Stadtteil Balingen Dürrwangen Endingen Engstlatt Erzingen Frommern Heselwangen Ostdorf Rosswangen Stockenhausen Streichen Weilstetten Zillhausen
Einwohner (2008) 14.295 1.489 2.335 1.855 792 4.431 954 1.570 745 260 563 3.669 901
Einwohner (2010) 14.193 1.496 2.321 1.874 803 4.425 959 1.526 738 265 571 3.695 872

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 45,6 %
 %
30
20
10
0
28,3 %
19,8 %
17,7 %
16,0 %
9,4 %
6,9 %
1,1 %
0,7 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2004
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
-5,4 %p
-2,6 %p
-5,8 %p
+6,5 %p
+9,4 %p
-4,0 %p
+1,1 %p
+0,7 %p
Das renovierte Rathaus

Die Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 führte bei einer Wahlbeteiligung von 45,6 % (−3,3) zu folgendem Ergebnis:[3]

Partei / Liste Stimmenanteil +/− Sitze +/−
CDU 28,3 % −5,4 12 −5
SPD 19,8 % −2,6 8 −3
FWG 17,7 % −5,8 7 −4
FDP 16,0 % +6,5 6 +2
Grüne 9,4 % +9,4 4 +4
Balinger Frauenliste 6,9 % −4,0 3 −2

Bürgermeister[Bearbeiten]

An der Spitze der Stadt Balingen stand seit dem 14. Jahrhundert ein herrschaftlicher Schultheiß. Daneben gab es der herrschaftliche Vogt als Leiter des Amtes Balingen. Im 16. Jahrhundert übernahm ein Untervogt als Vertreter des Vogtes das Leiter der städtischen Verwaltung. Dieser trug später die Amtsbezeichnung Oberamtmann. Daneben gab es seit 1441 auch einen Bürgermeister, seit dem 17. Jahrhundert zwei Bürgermeister. Sie gehörten zum Rat, der erstmals 1382 genannt wurde. Im 17. Jahrhundert war ein Stadtschultheiß Vorsitzender des Rates. Die Hauptaufgabe des Rates bestand in der Aufsicht über die Flur.

Seit 1935 wurde aus dem Stadtschultheiß der Bürgermeister, der seit der Erhebung zur Großen Kreisstadt 1974 die Amtsbezeichnung Oberbürgermeister trägt. Heute wird der Oberbürgermeister für eine Amtszeit von 8 Jahren gewählt. Er ist Vorsitzender des Gemeinderats und Leiter der Stadtverwaltung. Sein allgemeiner Stellvertreter ist der 1. Beigeordnete mit der Amtsbezeichnung „Bürgermeister“.

Die Stadtoberhäupter von Balingen seit 1819:

  • 1819–1854: Johannes Zürn
  • 1855–1869: Johann Michael Eisele
  • 1869–1906: Wilhelm Friedrich Eisele
  • 1906–1919: Friedrich Hofmann
  • 1919–1936: Hermann Friedrich Rommel
  • 1937–1945: Kurt Friederichs
  • 1945–1946: Robert Wahl
  • 1946–1948: Walter Fuchs
  • 1948–1954: Gottlob Maurer
  • 1955–1975: Albert Hagenbuch
  • 1975–1991: Eugen Fleischmann (SPD)
  • 1991–2007: Edmund Merkel (CDU)
  • seit 2007: Helmut Reitemann (CDU)

Wappen und Flagge[Bearbeiten]

Wappen Balingen.svg

Das Wappen Balingens zeigt unter goldenem Schildhaupt, darin eine liegende schwarze Hirschstange, einen von Silber und Schwarz gevierten Schild. Die Balinger Stadtfarben sind Schwarz-Weiß-Gelb.

Der gevierte Schild ist das alte Stadtsymbol, als Balingen noch zur Herrschaft der Zollern gehörte. Nachdem die Stadt württembergisch wurde fügte man deren Symbol, die Hirschstange in das Wappen ein. Die heutige Form des Wappens setzte sich ab 1535 allmählich durch. Die Flagge wurde 1922 angenommen. Auch die im Rahmen der Gemeindereform vergrößerte Stadt übernahm ihre alten Hoheitssymbole. Sie wurden am 18. Juni 1975 vom Innenministerium Baden-Württemberg neu verliehen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit 1980 unterhält Balingen eine Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Royan (Département Charente-Maritime).[4]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Balingen liegt an der Hohenzollernstraße.

Theater[Bearbeiten]

In der Stadthalle Balingen finden regelmäßig Theatergastspiele, Opern-, Operetten- und Musical-Aufführungen sowie Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen statt.

Museen[Bearbeiten]

In Balingen befindet sich ein Museum für Waagen und Gewichte, ein Heimatmuseum, die Friedrich-Eckenfelder-Galerie, im Ortsteil Endingen ein Ortsmuseum und im Ortsteil Ostdorf ein Bauernmuseum.

Bauwerke[Bearbeiten]

Das Wahrzeichen der Stadt ist das Zollernschloss. Daran grenzt das ehemalige Gerberviertel an, das auch „Klein-Venedig“ genannt wird.

Die spätgotische evangelische Stadtkirche beherbergt unter anderem das Grabmal Friedrichs von Zollern. Sie wurde im 15./16. Jahrhundert aus einer alten Kapelle St. Nikolaus erbaut. Älter ist jedoch die Friedhofskirche. Diese wurde bereits 1255 erwähnt und war Unserer Lieben Frau geweiht. Weitere Kirchen in der Kernstadt sind die katholische Heilig-Geist-Kirche von 1899 und das evangelische Gemeindezentrum Schmiden von 1968.

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

Im Zillhausener Wasserfall stürzt der Büttenbach insgesamt 26 Meter tief in eine Schlucht, davon 17 Meter in freiem Fall. Der Wasserfall ist von einem Parkplatz unterhalb von Zillhausen über eine Treppenanlage zugänglich. Ein kleinerer Wasserfall liegt zwei Kilometer südlich im Wannental oberhalb von Stockenhausen.

Sport[Bearbeiten]

Balingen mit seinen Ortsteilen hat über 70 Sportvereine[5]. Größter Sportverein der Stadt ist die TSG Balingen mit einem sehr breit angelegten Sportangebot. Erfolgreichster Sportverein ist die HBW Balingen-Weilstetten, die seit 2006 in der 1. Handball-Bundesliga spielt.

Bedeutende Sportstätten sind:

  • Au-Stadion, etwa 10000 Zuschauerplätze, u. a. Spiel- und Wettkampfstätte der TSG Balingen
  • Sparkassen-Arena, seit 2006, über 2300 Zuschauerplätze, u. a. Spielstätte des HBW Balingen-Weilstetten
  • Kunsteisbahn

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

In der Stadthalle finden in mehrjährigem Abstand regelmäßig Kunstausstellungen mit überregionaler Bedeutung statt. Die Ausstellungen haben wechselnde Schwerpunkte, in der Vergangenheit zum Beispiel Marc Chagall, Pablo Picasso, Joan Miró, Gustav Klimt, Erich Heckel oder Paul Klee.

Das alljährlich Ende Juni stattfindende Metal-Festival Bang Your Head auf dem Balinger Messegelände hat internationale Bekanntheit erreicht und bringt bis zu 20.000 Besucher aus aller Welt nach Balingen.

Seit 1995 wird von der evangelischen Kirchengemeinde Erzingen-Schömberg jährlich das Balinger Rockfestival organisiert. Dies fand bis 2009 in Erzingen statt, soll künftig jedoch in der Volksbank-Messehalle noch mehr Fans anziehen[6]. Aus ganz Deutschland und dem nahen Ausland reisen jährlich mehr als 1000 Fans der christlichen Rockmusik an.

Seit 1986 findet jährlich zum ersten Mai auf dem Dorfplatz im Teilort Dürrwangen und in der Stadthalle Balingen das internationale Volkstanzfestival statt.[7]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

  • Lager Balingen der EDEKA Handelsgesellschaft Südwest mbH, größter Arbeitgeber der Region
  • Bizerba, Hersteller von Waagen, Kassen, Preisauszeichnungs- und Kennzeichnungssystemen
  • Uhlsport, Hersteller von Sportartikeln
  • Spitta Verlag, Fachverlag für Zahnmedizin, Zahntechnik und Medizin

Verkehr[Bearbeiten]

Öffentlicher Verkehr[Bearbeiten]

HzL-Triebwagen Richtung Aulendorf und Schömberg im Balinger Bahnhof

Durch Balingen führt die Zollernalbbahn, welche von Tübingen über Hechingen, Balingen, Albstadt und Sigmaringen bis nach Aulendorf verläuft. Zudem liegt Balingen an der Bahnstrecke Balingen-Schömberg, welche aber nur im Ausflugsverkehr und Güterverkehr bedient wird. Balingen hat insgesamt sechs Bahnhöfe: Engstlatt, Balingen (Württ), Balingen-Süd, Frommern, Endingen, Erzingen
Der Öffentliche Nahverkehr wird durch den Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau (NALDO) gewährleistet. Die Stadt befindet sich in der Wabe 331. Für die Stadt selbst gilt der Stadttarif 31.

Individualverkehr[Bearbeiten]

Durch Balingen führt die Bundesstraße 27, die sich nördlich des Stadtteiles Engstlatt bis südlich von Balingen auf einer Länge von etwa 10 km mit der Bundesstraße 463 vereint. Die B 27 verbindet die Stadt nach Norden mit dem Großraum Stuttgart und nach Süden mit Schaffhausen in der Schweiz. Die B 463 verläuft in Richtung Nordwesten über Haigerloch zur Bundesautobahn 81 (Anschlussstelle Empfingen) und in Richtung Südosten über Albstadt bis nach Sigmaringen.

Medien[Bearbeiten]

Die wichtigsten lokalen Zeitungen sind der Zollern-Alb-Kurier und der Schwarzwälder Bote. Über Kabel ist der regionale TV-Sender RTF.1 zu empfangen.

Behörden, Gerichte und Einrichtungen[Bearbeiten]

In Balingen ist der Sitz des Landratsamts Zollernalbkreis. Ferner gibt es ein Finanzamt, eine Agentur für Arbeit, ein Notariat und ein Amtsgericht, das zum Landgerichtsbezirk Hechingen und Oberlandesgerichtsbezirk Stuttgart gehört.

Balingen ist Sitz auch des Kirchenbezirks Balingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und des Dekanats Balingen des Bistums Rottenburg-Stuttgart.

Bildung[Bearbeiten]

Die Stadt Balingen ist Schulträger des Gymnasiums Balingen, der Realschule Balingen und der Realschule Frommern und der Lauwasenschule (Förderschule). Ferner unterhält sie sechs Grund- und Hauptschulen (GHS Weilstetten, GHS Frommern, Langwiesen-GHS Engstlatt, Längenfeldschule und Sichelschule) und drei selbständige Grundschulen (Endingen, Schmiden und Streichen-Zillhausen).

Der Zollernalbkreis ist Träger der Beruflichen Schulen (Gewerbliche Schule) sowie der Schule für Sprachbehinderte mit Schulkindergarten Balingen und der Krankenpflegeschule der Kreisklinik Balingen.

Die Abendrealschule Balingen, die Freie Waldorfschule Balingen und die Plettenbergschule Ausbildungszentrum für Physiotherapie Zollernalbkreis in Engstlatt runden das schulische Angebot Balingens ab.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

Die folgenden Personen sind Ehrenbürger der Stadt Balingen:

  • Karl von Leibbrand († 14. März 1898), Oberbaurat
  • Hermann (von) Ehmann (* 10. Juni 1844, † 7. Dezember 1905), Oberbaurat
  • Josef Filser († 31. Juli 1918), Oberamtmann und Regierungsrat
  • Konrad Haussmann († 11. Februar 1922), Landtagsabgeordneter
  • Paul von Hindenburg (*2. Oktober 1847, † 2. August 1934), Reichspräsident
  • Friedrich Eckenfelder († 11. Mai 1938), Kunstmaler
  • Robert Wahl († 5. Dezember 1955), Bürgermeister
  • Wilhelm Kraut (* 9. Mai 1875; † 26. September 1957), Fabrikant
  • Jakob Beutter († 17. Januar 1972), Schreinermeister
  • Albert Hagenbuch († 25. Dezember 1997), Oberbürgermeister
  • Wilhelm Kraut (* 17. März 1906; † 13. Juli 1992), Ehrensenator

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Königlich statistisch-topographisches Bureau (Hrsg.): Die Württembergischen Oberamtsbeschreibungen 1824–1886: Balingen. Reprint: Sanders Verlag, 1986, ISBN 3-7644-0056-0.
  • Erich Keyser (Hrsg.): Württembergisches Städtebuch; Band IV Teilband Baden-Württemberg Band 2 aus Deutsches Städtebuch. Handbuch städtischer Geschichte. Stuttgart, 1961.
  • Stadtverwaltung Balingen (Hrsg.): 750 Jahre Stadt Balingen (1255-2005) (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Balingen, Bd. 7). Stadtverwaltung Balingen, Balingen 2005, ISBN 3-00-017595-4.
  • Gerd Schneider: Balingen: Impressionen einer Stadt. H. Daniel, Balingen 2000, ISBN 3-927936-32-4.
  • Michael Grandt: Unternehmen „Wüste“ – Hitlers letzte Hoffnung. Silberburg-Verlag, Tübingen 2002, ISBN 3-87407-508-7.
  • Immo Opfermann, Roger Orlik: Ölschieferwerk Frommern – Industriereportage (1947). Sp-Verlag, 2002, ISBN 3-9807873-1-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Balingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Balingen – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Die Sage vom Hirschgulden
  3. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
  4. Städtepartnerschaften
  5. www.balingen.de (PDF-Datei; 187 kB)
  6. Balinger Rockvestival 2010, gesehen 24. März 2013
  7. Homepage
  8. Hans-Werner Engels: Der deutsch-französische Minister. In: Die Zeit vom 7. Januar 2010