Piegan

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Die Piegan, in Kanada meist Peigan (engl. Aussprache: „Peh-gan“, „Pee-GAN“ oder „Pay-gone“)[1] oder Piikuni (engl. Aussprache: „Pee-kah-nee“ oder „Pih–kuhn–ee“)[2] und in den USA meist Piegan Blackfeet genannt, bilden sowohl eine der drei First Nations der Nitsitapii (Blackfoot)[3] im Süden der kanadischen Provinz Alberta sowie einen auf Bundesebene anerkannten (federally recognized) indianischen Stamm im Nordwesten von Montana in den Vereinigten Staaten. Ihr Name leitet sich von ihrer Eigenbezeichnung als Piikuni (engl. Aussprache: „pee-koo-NEE“) oder Piikáni (weitere Varianten: Pikani, Pekuni, Piegan und Peigan) ab und bedeutet wörtlich - „Räudige, mit Krätze verschmutzte Kleidung“. Sie waren der größte, mächtigste und südlichste Stamm der Nitsitapii (Blackfoot) und wurden daher auch oft als Southern Blackfoot bezeichnet.

Kulturell, historisch sowie sprachlich sind sie eng mit den Siksika (Siksikáwa oder Blackfoot)[4] und den Kainai (Káínawa oder Blood)[5] verwandt. Alle vier Stämme sprachen (sprechen) jeweils leicht abweichende Dialekte des zum Plains Algonkin zählenden Blackfoot (Ni'tsiitapipo'ahsin oder Nitsipussin) und bezeichnen sich als Ni-tsi-ta-pi-ksi oder Ni-tsi-ta-pi (Niitsítapi) (sprich: nee-itsee-TAH-peh - „Das wahre, ausgeglichene Volk“). Die Nitsitapii (Blackfoot) bezeichneten sich in Abgrenzung zu benachbarten Stämmen oftmals auch als Nitsi-poi-yiksi („Volk, das unsere - die wahre - Sprache spricht“).

Die Gesamtbevölkerung der vier Nitsitapii (Blackfoot)-Stämme vor den Kontakten mit Europäern und drei verheerender Epidemien wird auf 15.000 bis 18.000 Stammesmitglieder geschätzt.

Heute (Stand Juli 2013) zählen die Piikani Nation (Nördliche Piegan oder Apatohsipikani) und der Blackfeet Tribe (Südliche Piegan oder Amsskaapipikani) zusammen ca. 21.000 Stammesmitglieder.

Namensgebung und Bezeichnung[Bearbeiten]

Nur die eigentlichen Blackfoot - die Siksika - bezeichneten sich als solche, diese Eigenbezeichnung Siksika (Singular) stammt aus dem Blackfoot (Ni'tsiitapipo'ahsin oder Nitsipussin) und bedeutet „Schwarzfuß“ und leitet sich von den Worten sik („schwarz“) und ka („Fuß“) ab, die mittels des Infix -s-i- zusammengesetzt werden. Der Plural lautet Siksikáwa („Schwarzfüße“). Die ersten Europäer trafen vermutlich zunächst auf die Siksika und übertrugen das Wort Blackfoot auf die mit ihnen eng verwandten Stämme der Kainai und Nördlichen und Südlichen Piegan.

Konföderation der Blackfoot (Blackfoot Confederacy)[Bearbeiten]

Territorium und Mitglieder der Konföderation[Bearbeiten]

Zusammen mit den Nordathapaskisch-sprachigen Sarcee (abgel. von der Blackfoot-Bezeichnung als Saahsi oder Sarsi - „mutiges Volk, stures, trotziges Volk“) sowie (von ca. 1793 bis 1861) mit den ebenfalls Algonkin-sprachigen Gros Ventre (in Blackfoot: Piik-siik-sii-naa - „Schlangen“ oder Atsina - „wie ein Cree, d.h. Feind“) bildeten sie die sog. Konföderation der Blackfoot (Blackfoot Confederacy).

Das traditionelle Territorium der drei großen Stammesgruppen der Nitsitapii (Blackfoot) umfasste große Gebiete der Nordwestlichen Plains und reichte im Norden bis zum North Saskatchewan River (Ponoká'sisaahta oder Ponokasisahta - „Elk River“)[6] mit Fort Edmonton (früher: Edmonton House, dem heutigen Edmonton[7])[8] als wichtigem Handelsposten und spätestens ab Mitte des 19. Jhd. im Süden bis zum Musselshell River und Yellowstone River (Otahkoiitahtayi oder Otahkoi-tah-tayi - „Yellow River“ - „Gelber Fluss“) in Montana. Zudem beherrschten sie das Gebiet des Oberlaufs des Missouri River und streiften südwärts bis Three Forks entlang des Madison River, Jefferson River, Ruby River, Beaverhead River, Red Rock River, Big Hole River und Wise River im Südwesten von Montana, zudem jagte die Small Robe Band der Piegan meist südlich des Missouri River. Im Westen wurde ihr Territorium durch die Rocky Mountains (Miistakistsi) begrenzt und erstreckte sich im Nordosten entlang des South Saskatchewan River bis zur heutigen Alberta-Saskatchewan-Grenze (Kaayihkimikoyi),[9] östlich der Cypress Hills und der Great Sand Hills (Omahskispatsikoyii) im Südwesten von Saskatchewan sowie im Südosten auf die Plains bis zur Montana-North-Dakota-Grenze. Hierbei waren die Sweet Grass Hills (in Blackfoot: kátoyissiksi - „Sweet Pine Hills“) sowie Chief Mountain (Ninastako) ihre Heiligen Berge. Sie nannten ihr großes Stammesgebiet Nitawahsin-nanni („Unser Land“), eine offensichtliche Wortgleichung mit Nitassinan („Unser Land“), dem Namen für das Territorium der Innu und Naskapi im Osten.[10]

Durch die verbündeten Sarcee im Nordwesten der Nitsitapii (Blackfoot) erstreckte sich der tatsächliche Machtbereich der Konföderation sogar bis in die Parks und Plains im Nordosten von British Columbia und im Nordwesten Albertas, vom Hay River und Peace River im Norden südwärts zwischen dem North Saskatchewan River, Athabasca River, Red Deer River und South Saskatchewan River westlich von Edmonton. Im Osten der Nitsitapii (Blackfoot) lebten die (zeitweise) verbündeten Gros Ventre einst entlang der Saskatchewan River Forks (dem Zusammenfluss von North Saskatchewan River und South Saskatchewan River) und entlang des Oberlaufs des Saskatchewan River im Westen von Saskatchewan - bis diese vor den mit Gewehren bewaffneten feindlichen Cree-Assiniboine südwärts zum Milk River in Montana flüchten mussten.

Hauptartikel: Blackfoot

Stammesgebiete der Piegan (Peigan)[Bearbeiten]

Die Piegan waren bei den Pelzhändlern auch als Muddy River Indians bekannt, da sie das Gebiet des Oberlaufs des Missouri River, der Muddy River genannt wurde, beherrschten, jedoch reichten ihre Stammesgebiete vom Vorgebirge bei Rocky Mountain House am Zusammenfluss von Clearwater und North Saskatchewan (dort handelten sie zuerst mit der North West Company, später mit der Hudson’s Bay Company) im Norden südwärts bis zur heutigen Siedlung Heart Butte in Montana und im Osten bis auf die Nordwestlichen Plains von Montana und Alberta, Mitte des 19. Jhd. zogen die Südlichen Piegan weiter südwärts ins Gebiet des Teton River und Marias River im Nordwesten von Montana und der Milk River-Region im Süden von Alberta, oft jedoch streiften sie südwärts bis zum Musselshell River und Yellowstone River (Otahkoi-tah-tayi oder Otahkoi-tah-tayi - „Yellow River“ - „Gelber Fluss“) sowie nordwärts bis nach Fort Edmonton (früher: Edmonton House) und ostwärts bis zur heutigen Alberta-Saskatchewan-Grenze, die Small Robe Band war die südlichste Untergruppe und jagte meist südlich des Missouri River im Südwesten von Montana. Die Heiligen Berge aller Nitsitapii (Blackfoot) - die Sweet Grass Hills (in Blackfoot: kátoyissiksi - „Sweet Pine Hills“) sowie Chief Mountain (Ninastako) - liegen im ehemaligen Stammesterritorium der Piegan.

Die Piegan waren mit ca. 4.000 bis 5.000 Stammesmitgliedern die größte und mächtigste Stammesgruppe der Nitsitapii (Blackfoot), durch mehrere Epidemien - besonders die Pockenepidemie von 1837 - wurden sie jedoch bis auf ca. 2.500 dezimiert.

Stammesgruppen der Piegan (Peigan)[Bearbeiten]

Die Piegan (Peigan) waren zuerst in drei große Stammesgruppen unterteilt, von denen jedoch bis 1850 nur noch zwei übrigblieben, die auf Grund der enormen Größe sowie der geographischen Lage ihrer Stammesgebiete entweder als Nördliche Piegan (Peigan) oder als Südliche Piegan (Piegan Blackfoot) bezeichnet wurden:

  • Nördliche Piegan (Eigenbezeichnung: Apatohsipikani, lebten entlang des Oldman River, in den Porcupine Hills und am Crow Creek im Südwesten von Alberta, westlich der Kainai, 1870 registrierte man 720 Stammesmitglieder, 1906 gab es 493 in der Piegan Agency in Alberta, in Kanada heute meist als Peigan bezeichnet) - bilden heute Piikani Nation im Süden Albertas
  • Südliche Piegan (Eigenbezeichnung: Amsskaapipikani oder Amskapi Pikuni, lebten entlang des Oberlaufs des Missouri River und dessen Nebenflüssen im Nordwesten und Zentral-Montana, oft streiften sie südwärts bis zum Musselshell River und Yellowstone River, 1858 schätzungsweise ca. 3.700, 1861 schätzte Hayden ca. 2.500, 1870 registrierte man 3.240, 1906 gab es 2.072 Stammesmitglieder in der Blackfeet Agency in Montana, in den USA meist als Piegan Blackfeet oder einfach Blackfeet bezeichnet) - bilden heute den Blackfeet Tribe im Nordwesten von Montana

Sprache[Bearbeiten]

Ihre Sprache, das Blackfoot, nennen sie Ni'tsiitapipo'ahsin („Sprache der wahren, ausgeglichenen Menschen“) oder auch Nitsipussin („Wahre, echte Sprache“). Jedoch sprechen heute von den ca. 39.000 Nitsitapii (Blackfoot) nur noch 3.250 in Kanada sowie 100 in den USA ihre Muttersprache, die meisten sprechen heute als erste Sprache Canadian bzw. American English. Manche jüngere Nitsitapii (Blackfoot) in Kanada sprechen zudem auch Cree.[16]

Seit 2008 versuchen die verschiedenen Stämme durchzusetzen, dass die Blackfoot-Sprache in die lokalen Curricula für die Schulen integriert wird. Dazu mussten viele Begriffe neu geschaffen werden, um etwa technischen oder mathematischen Fragestellungen gerecht zu werden.[17]

Heutige Stämme der Piegan (Peigan)[Bearbeiten]

Heute (Stand Juli 2013) zählt die Piikani Nation[18] (Nördliche Piegan oder Apatohsipikani) etwa 3.629 Stammesmitglieder,[19] von denen ca. 2.370 auf dem 426,99 km² großen Piikani 147 Reserve (früher: Peigan 147) bei Brocket, ca. 13 km südwestlich von Fort McLeod sowie 61 km westlich von Lethbridge, im Süden von Alberta leben. Zum Reservat gehört zudem das ca. 29,79 km² große unbewohnte Peigan Timber Limit "B", und somit ist es das viertgrößte Reserve in ganz Kanada.

Der Blackfeet Tribe[20] (Südliche Piegan oder Amsskaapipikani) in Montana hat heute (Stand: 15. November 2011) 16.924 Stammesmitglieder sowie geschätzt ca. 4.500 Nachfahren, die nicht im Stamm registriert sind.[21] In der ca. 7.770 km² umfassenden Blackfeet Reservation (und somit ca. 1.200 km² größer als der Bundesstaats Delaware) leben jedoch nur ca. 8.500 Südliche Piegan, die restlichen ca. 7.500 leben meist in den USA, Kanada oder auf anderen Reservaten. Die Reservation liegt auf 1.219 m Höhe im Vorgebirge der Rocky Mountains rund um das Stammeszentrum Browning grenzt im Norden an die International Boundary, im Westen an den Glacier-Nationalpark und die Rocky Mountains und umfasst im Süden und Osten Teile der Nördlichen Plains.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. The Blackfeet Today - Niitsítapi (we are…the Original People)
  2. Indian Reserves around Calgary - How and why to pronounce them correctly
  3. Glenbow Museum - Blackfoot Culture and History - Nitsitapiisinni (unsere Lebensweise)
  4. Homepage der Siksika Nation
  5. Homepage der Kainai Nation (Blood Tribe)
  6. das Gebiet zwischen dem North Saskatchewan River und Battle River (der Name leitet sich vom Krieg zwischen den Blackfoot-Stämmen und den Cree-Assiniboine her) wurde zur Grenze der nun beiden verfeindeten Stammes-Allianzen.
  7. von den Blackfoot als omukoyis, von den Sarcee als Nasagachoo und von den Stoney (Nakoda) als titunga bezeichnet - bedeuten alle diese Namen jeweils "Großes Haus"
  8. da die Siksika und Piegan die Kutenai daran hinderten bei Fort Edmonton Handel zu treiben, wurde weiter im Westen nahe den Rocky Mountains und somit der Stammesgebiete der Kutenai Rocky Mountain House errichtet
  9. Annis May Timpson: First Nations, First Thoughts: The Impact of Indigenous Thought in Canada, University of British Columbia, 2010, ISBN 978-0-7748-1552-9
  10. Nitawahsin-nanni- Our Land
  11. Linda Matt Juneau: Small Robe Band of Blackfeet: Ethnogenesis by Social and Religious Transformation (PDF; 1,7 MB)
  12. weitere Namen der Inuk'sik: La Petite Robes, Small Robes, Little Robes, Little Blankets, Little Robe’s Band und sogar Little Rogue’s Band - „Kleine Gauner, Lumpen“
  13. Ewers, John C.: The Blackfeet: Raiders on the Northwestern Plains, University of Oklahoma Press (September 1983), ISBN 978-0806118369, Seite 185 bis 189
  14. 1846 erlitten die Inuk'sik eine vernichtende Niederlage durch die Absarokee (Crow), in der ca. 50 Familien den Tod fanden und 200 Frauen und Kinder gefangen genommen wurden, die überlebenden ca. 30 Tipis schlossen sich Flathead und Nez Perce an, jedoch hatten sie sich von diesen bereits 1848 wieder getrennt
  15. John C. Jackson: Jemmy Jock Bird: Marginal Man on the Blackfoot Frontier, University of Calgary Press (1. Oktober 2003), ISBN 978-1552381113
  16. Ethnologue - Languages of the World - Blackfoot
  17. Vgl. Blackfeet Language Institute aims at integrating Blackfeet language into school curricula, in: Glacier Reporter, 23. Juni 2008.
  18. Homepage der Piikani Nation (Nördliche Piegan)
  19. Aboriginal Affairs and Northern Development Canada - Piikani Nation - Registered Population as of July, 2013
  20. Homepage des Blackfeet Tribe (Südliche Piegan)
  21. Blackfeet Enrollment Department