Pinkel

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Dieser Artikel beschreibt die norddeutsche Spezialität. Zu dem gleichnamigen US-amerikanischen Krebsarzt siehe Donald Pinkel.
Aufgeschnittene Pinkel
Pinkel (rechts) sowie Kamenzer und Kassler

Pinkel ist eine geräucherte, grobkörnige Grützwurst, die in Nordwestdeutschland, besonders in der Gegend um Oldenburg und Bremen sowie in Friesland zu Grünkohl gegessen wird, während in östlicheren Gebieten Norddeutschlands eher Bregenwürste zu dem traditionellen landestypischen Grünkohlgericht gehören. In den südlichen Teilen des deutschen Sprachraums ist Pinkel so gut wie unbekannt und kaum erhältlich.

Namensdeutung[Bearbeiten]

Es gibt verschiedene Namensdeutungen, die die Bezeichnung allerdings weder mit „pinkeln“ (für urinieren) noch mit dem „feinen Pinkel“ (für einen eitlen Menschen) in Verbindung bringen. Der Ausdruck Pinkel (auch Püngel oder Pünkel) bedeutete vielmehr zusammengedrängte Masse oder kurzer, dicker Gegenstand[1] und hat möglicherweise seine Weiterentwicklung zu Bündel[2] gefunden. Ähnlich ist die Deutung, die sich von Pinker für den Mastdarm (hier: Rindermastdarm) ableitet, der traditionell bis heute als Wursthülle verwendet wird.[3]

Nach dem Wörterbuch von 1768 kommt Pinkel von Mastdarm und damit auch der Name der Wurst.[4]

Andere Deutungen leiten den Begriff vom ostfriesischen pink für Penis[5] beziehungsweise vom englischen pinkie (oder niederländischen pink) für den kleinen Finger ab.

Herstellung[Bearbeiten]

Pinkel besteht im Wesentlichen aus Speck, Grütze von Hafer oder Gerste, Rindertalg, Schweineschmalz, Zwiebeln, Salz, Pfeffer und anderen Gewürzen. Die genaue Zusammensetzung der Rezeptur wird von den jeweiligen Schlachtern als Betriebsgeheimnis gehütet und ist von Dorf zu Dorf unterschiedlich.

Pinkel mit höherem Fleischanteil werden auch als Fleisch-Pinkel oder Oldenburger Pinkel bezeichnet. Traditionell wird Pinkel in verzehrbare Schweine-Dünndärme (enger Schweinedarm, Schweinesaitling) oder auch Rindermastdärme gefüllt, während heute auch essbare Kunstdärme (Kollagendärme) als Wurstpelle verwendet werden.

Kohlfahrten[Bearbeiten]

Die so genannten „Kohl-und-Pinkel-Touren“ (auch „Kohlfahrten“) von Familien, Freunden und Bekannten sowie Studentenverbindungen, Belegschaften und Vereinen haben als winterliche Ausflüge zu Landgasthöfen Tradition. Besonders in und um Bremen sowie im Oldenburger Land sind sie sehr beliebt. Nach der Tour kommt traditionell Grünkohl mit Pinkel auf den Tisch. Dabei handelt es sich um ein besonders nahrhaftes und fettes Gericht, zu dem auch weitere Zutaten wie Kochwürste, fetter gestreifter Speck, Kassler oder (seltener) Rippchen gereicht werden.

Ebenso ist es insbesondere im Bremer Umland üblich, dass ganze Gruppen bei der Hinfahrt zu den dörflichen Gaststätten noch die letzte Etappe zu Fuß bewältigen und dabei auf den Wegen über Land abwechselnd mit einem großen Würfel den Weg entlang würfeln und bei jeder geworfenen „1“ einen Schluck von den mitgebrachten Alkoholika zu sich nehmen, so dass die Stimmung bereits vor dem Erreichen der Lokalitäten kräftig „angeheizt“ wird.

Beim nachfolgenden Kohl- und Pinkelessen bekommt dann derjenige, der am längsten speiste, einen sogenannten „Fressorden“ (ein Orden aus einem ausgekochten Unterkiefer eines Schweines, der an einer um den Hals getragenen Kette befestigt ist). Es gilt als eine Ehre, diesen Orden zu erlangen, ähnlich dem eines Schützenkönigs.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Pinkel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Matthias Hoefer: Etymologisches Wörterbuch der in Oberdeutschland vorzüglich aber in Oesterreich üblichen Mundart. 1815, S. 335. eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  2. Karl Faulmann: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. Ehrhardt Karras Verlag, 1893
  3. Daniel Sanders: Wörterbuch der deutschen Sprache: mit Belegen von Luther bis auf die Gegenwart, Band 2. O. Wigand 1863.
  4. Bremische deutsche Gesellschaft: Versuch eines bremisch-niedersächsisches Wörterbuchs, G.L. Förster, 1768, Band 3, S. 318
  5. Eduard Mueller: Etymologisches Woerterbuch der englischen Sprache, Band 2. P. Schettler, 1879