Proskau

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum österreichischen Diplomaten siehe Moritz II. von Dietrichstein-Proskau-Leslie.
Proskau
Prószków
Wappen von Proskau
Proskau Prószków (Polen)
Proskau Prószków
Proskau
Prószków
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Opole
Landkreis: Opole
Fläche: 16,23 km²
Geographische Lage: 50° 33′ N, 17° 55′ O50.5517.916666666667Koordinaten: 50° 33′ 0″ N, 17° 55′ 0″ O
Höhe: 153 m n.p.m
Einwohner: 2680
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 46-060
Telefonvorwahl: (+48) 77
Kfz-Kennzeichen: OPO
Wirtschaft und Verkehr
Straße: PrudnikOppeln
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 16 Ortschaften
Fläche: 121,23 km²
Einwohner: 9818
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 81 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 1609103
Verwaltung (Stand: 2008)
Bürgermeisterin: Róża Malik
Adresse: ul. Opolska 17
46-060 Prószków
Webpräsenz: www.proszkow.pl

Proskau, polnisch Prószków, ist eine Stadt in Oberschlesien im Powiat Opolski der Woiwodschaft Oppeln in Polen, zehn Kilometer südlich von Oppeln und Hauptort der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde.

Geschichte[Bearbeiten]

Postkarte von 1903: „Gruß aus Proskau. Ringansicht“
Das alte Wappen der Grafen

Die Stadt Proskau wurde bereits im Jahr 1250 in einer Urkunde erwähnt. [2] Vom 14. Jahrhundert an bis 1769 war das Gebiet um Proskau Familienbesitz der Proskowskis. Die Familie ließ hier 1563 ein Schloss im Renaissancestil errichten, das im Dreißigjährigen Krieg durch die Schweden niederbrannt wurde. Der Wiederaufbau wurde 1677 durch den Architekten Johann Seregno vollzogen. Im Jahre 1763 ließ Graf Leopold Proskowski im Hinterhof des Schlosses eine in Europa und in der Welt berühmte Fayence-Fabrik bauen, die bis 1793 produzierte.

1560 erlangte Proskau die Stadtrechte, welche ihr aber 1863 wieder aberkannt wurden, aber 2004 wieder verliehen wurden. Durch die Schlesischen Kriege gelangte das Proskauer Gebiet von Habsburg unter die Herrschaft Preußens. 1763 wurde hier im Auftrag des preußischen Königs Friedrich den Großen eine Steingutmanufaktur erbaut, welche die größte in ganz Schlesien war. 1853 wurde diese geschlossen.[3] 1783 war Proskau im Besitz des Grafen von Dietrichstein, der es an Friedrich den Großen verkaufte. Im Schloss und auf dem Gut Proskau richtete der preußische Staat 1847 eine höhere landwirtschaftliche Lehranstalt ein, die später landwirtschaftliche Akademie und 1881 als Königlich Landwirtschaftliche Hochschule nach Berlin verlegt wurde.

Bis 1945 war die Gemeinde Proskau Teil des Landkreises Oppeln. 1939 zählte die Gemeinde Proskau 2489 Einwohner. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg ist nur ein geringer Teil der einheimischen Bevölkerung vertrieben worden. Vom 28. bis 30. Januar 1945 beging die Rote Armee Kriegsverbrechen an der deutschen Zivilbevölkerung, denen auch der örtliche Pfarrer Walloschek zum Opfer fiel[4].

Bis heute leben drei Bevölkerungsgruppen in der Gemeinde: Polen, Deutsche (30,9 %) und Schlesier (4,0 %)[5].

Im Jahr 2004 bekam Proskau die Stadtrechte wiederverliehen.

Seit 2006 ist Prószków/Proskau offiziell „zweisprachig“ Polnisch und Deutsch, seit dem 30. April 2010 hat der Ort einen amtlichen deutschen Namen.[6] Seit Juni 2012 sind die Ortsschilder zweisprachig. [7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Proskauer Schloss (2011 renoviert)
St. Georg Kirche
Evangelische Kirche
Der Proskauer Ring mit klassizistischen und barocken Häusern.
Alter Friedhof

Proskauer Schloss[Bearbeiten]

Das Schloss ist das Wahrzeichen des Ortes. Das Schloss wurde 1563 als Residenz vom Grafen Jerzy Prówszkowski im Stil der Renaissance erbaut. 1644 wurde das Schloss von den Schweden in Brand gesteckt. 1677 wurde es aber wieder unter der Leitung vom Italienischen Architekten Jan Seregano im Stil des Barock wiederaufgebaut. Dabei entstanden die noch heute stehenden beide Türme an der Vorderfront. Es gehörte dem oberschlesischen Geschlecht Proskowski bis 1769.[8] Von 1847 bis 1881 diente das Schloss der Königlichen Landwirtschaftlichen Akademie. Nach dessen Auflösung wurde das Schloss zu einem Krankenhaus umfunktioniert. Heute befindet sich hier ein Altersheim. 2011 wurde das Schloss saniert.

Kirche St. Georg[Bearbeiten]

Bei diesem Bauwerk handelt es sich um eine römisch-katholische Kirche, welche sich am Ring (Marktplatz) befindet. Sie wurde 1587 vom Grafen Jerzy Prówszkowski erbaut. Nach dem großen Brand 1644 erhielt sie beim Wiederaufbau 1687 ihren barocken Stil. Im Inneren befinden sich zahlreiche barocke Elemente, darunter die Stuckdekorationen, der Hauptaltar, mehrere Skulpturen und die Kanzel. Über dem eingang hängt das Wappen der Familie Prówszkowski. [9]

Arboretum[Bearbeiten]

Das Arboretum erinnert an die 1847 gegründete Königliche Landwirtschafts-Akademie. Diese wurde 1881 aufgelöst und durch das Königliche Pomologische Institut ersetzt. Dafür wurden nördlich des Ortes Gärten, Gewächshäuser und eine Obstbaumschule angelegt. Ab 1934 fand hier jährlich die Chrysanthemen-Ausstellung statt. Noch heute werden hier neue Generationen ausgebildet. Das Arboretum fasst eine Fläche von ca. 17 Hektar. Des Weiteren wachsen hier Gewächse aus China, Japan und anderen exotischen Ländern. Zu Begutachten ist hier ebenfalls ein seit 2 Mio. Jahren versteinerter Baum. [10]

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Evangelische Kirche: erbaut im Jahr 1866.
  • Kapelle St. Nepomuk: Erbaut im Jahr 1877.
  • Friedhof: Auf dem alten deutschen Friedhof befinden sich noch immer alte Grabsteine aus den letzten drei Jahrhunderten.
  • Ring: Proskauer Marktplatz mit Häusern aus dem 17./18. Jahrhundert im Stil des Klassizismus und des Barock.
  • Gebäude der alten Brauerei aus dem Jahr 1870.

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Wappen Proskaus

Das Wappen der Stadt zeigt im ersten und vierten Feld jeweils auf einem gold-schwarz geteilten Grund einen springenden Hirsch mit umgekehrten Farben. Das zweite und das dritte Feld sind gespalten in den Farben Silber und Rot. Auf silbernem Grund befindet sich ein rotes Hufeisen. Auf rotem Grund befindet sich ein silbernes Hufeisen.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Alfred Gaida (* 27. Juli 1951) – deutscher Radrennfahrer
  • Hans Dammann (* 16. Juni 1857; † 15. Juni 1942) – deutscher Bildhauer
  • Kurt Otto (* 9. Juni 1887; † 9. August 1947) – nationalsozialistischer Politiker
  • Hans Reichelt (* 30. März 1925) – Politiker in der DDR

Gemeinde[Bearbeiten]

Die Gemeinde Proskau umfasst ein Gebiet von 181 km² mit rund 10.000 Einwohnern. Zur Gemeinde gehören folgende Ortsteile:

Sonstiges[Bearbeiten]

Seit dem Jahr 1881 trägt die Proskauer Straße im Berliner Stadtbezirk Friedrichshain den Namen der Stadt.[11]

Am 29. Juli 1921 wurde im damaligen Proskau mit 40,2 °C die höchste jemals auf dem heutigen polnischen Territorium gemessene Temperatur festgestellt.[12]

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Proskau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  •  Erhard Heinrich, Andrzej Pawelczyk, Pfarrer der kath. Pfarrgemeinde St.Georg in Proskau (Prószków) (Hrsg.): Proskau – Eine Geschichte im Überblick. Erhard Heinrich, ISBN 83-913284-1-4.
  •  Ryszard Emmerling, Urszula Zajaczkowska: Oppeln – Die Hauptstadt der Wojewodschaft. Schlesischer Verlag ADAN, Opole 2003, ISBN 83-915371-3-7.
  •  Ryszard Emmering: Schlesische Schlösser und Paläste – Oppelner Land. Schlesischer Verlag ADAN, Opole 2000, ISBN 83-908136-4-5.

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 9. Juli 2014.
  2. Anna Bedkowska – Karmelita: Reiseführer durch das Oppelner Land. Alkazar, Opole 2009, ISBN 978-83-925591-3-9, S. 30.
  3. Anna Bedkowska – Karmelita: Reiseführer durch das Oppelner Land. Alkazar, Opole 2009, ISBN 978-83-925591-3-9, S. 30.
  4. http://www.coldwarhistory.us/Exhibitions/History/Die_3_Tage/body_die_3_tage.html
  5. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.dat.prosilesia.net[3]
  6. Dz. U. Nr 17, poz. 141, z późn. zm.; online: Lista gmin wpisanych na podstawie art. 12 ustawy z dnia 6 stycznia 2005 r., abgerufen am 14. Mai 2010
  7. http://www.radio.opole.pl/2012/lipiec/wiadomosci/40-dwujezycznych-tablic-wita-kierowcow-w-gminie-proszkow.html
  8. Website des Landkreises Oppeln
  9. Anna Bedkowska – Karmelita: Reiseführer durch das Oppelner Land. Alkazar, Opole 2009, ISBN 978-83-925591-3-9, S. 30.
  10. Anna Bedkowska – Karmelita: Reiseführer durch das Oppelner Land. Alkazar, Opole 2009, ISBN 978-83-925591-3-9, S. 30.
  11. Proskauer Straße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  12. Mizerski W., Żukowski J. (red.): Tablice geograficzne. Warszawa: Adamantan, 2001. ISBN 83-7350-121-5.