Praporschtschik

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Dieser Artikel behandelt den Fähnrich/ Praporschtschik in Russland; zum äquivalenten Rang in anderen Streitkräften siehe Chorąży (Polen) und Praporčík (Tschechine); zum Äquivalentrang der Marine siehe Mitschman (Russland).
Flag of Russia.svg
Praporschtschik
6-pr.png 7prp.png

Distinktionsabzeichen
Dienstanzug/ Felddienstanzug

Dienstgradgruppe der Praporschiks
NATO-Rangcode WO-1 und WO-2 vergleichbar
Dienstgrad Heer/Luftwaffe Praporschtschik
Dienstgrad Marine Mitschman
Abkürzung (in Listen) Prap
Besoldungsgruppe Erlass 2010: [1]
Russischer Praporschtschik um 1852

Praporschtschik (russisch Прапорщик, engl. Transkription Praporshchik) steht Kirchenslawisch für пра́поръ oder Banner und bezeichnet in den Landstreitkräften und Luftstreitkräften Russlands, aber auch einer Reihe weiterer Länder den niedrigsten Rang der Dienstgradgruppe der Praporschtschiks, ist aber auch gleichzeitig der Oberbegriff für diese eigenständige Dienstgradgruppe bzw. Bezeichnung für diese spezielle Laufbahn.

Dienstgrad
niedriger:
Starschina
(Stabsfeldwebel)

Coat of Arms of the Russian Federation.svg
Praporschtschik
(Prap)
höher:
Starschij praporschtschik
(Oberpraporschtschik)

Geschichte[Bearbeiten]

Der Praporschtschik wurde erstmals im 17. Jahrhundert unter diesem Namen erwähnt, der auf die urlawische Wurzel pra-por ("es flattert, es weht") zurückgeführt wird und sich auf eine "Flagge" bezieht.[2] Auch die Fähnrich-Laufbahn der NVA war äquivalent zur Praporschtschik-Laufbahn. Die Laufbahn ist äquivalent zur Chorąży-Laufbahn in Polen und einer Reihe weiterer Länder.

Die Stellung der Laufbahngruppe gemäß NATO-Rangcodes WO-1 bis 4 oder OR-7 bis 9 in englischsprachigen Streitkräften wäre mit dieser Dienstgradgruppe am ehesten vergleichbar.

Auch in der Gegenwart unterscheidet sich der Praporschtschik, beispielsweise in Russland, der Ukraine und auch der Slowakei, grundlegend vom Fähnrich der Bundeswehr, der hier eine in aller Regel zeitlich befristete Rangbezeichnung für Offiziersanwärter von Heer, Luftwaffe oder Sanitätsdienst ist.

Praporschtschik Russland[Bearbeiten]

In den Streitkräften der Russischen Föderation gibt es zwei Dienstgrade in dieser Laufbahngruppe. Hierbei handelt es sich um die Ränge Praporschtschik (WO-1) und Oberpraporschtschik (WO-2). Das Äquivalent in der Russischen Seekriegsflotte zu diesen Rängen lautet Mitschman (WO-1) und Obermitschman (WO-2).

Siehe auch
1994–2010 Landstreitkräfte (Heer) Luftstreitkräfte (Luftwaffe) Luftlandetruppen Seekriegsflotte (Marine)
Banner der Streitkräfte der Russischen Föderation Oberpraporschtschik Praporschtschik OberPrap Felddienst Praporschtschik OberParp Praporschtschik OberPrap Praporschtschik Obermitschman Mitschman
Oberpraporschtschik
(WO-2)
Praporschtschik
(WO-1)
OberPrap
Felddienst
Praporschtschik OberParp
(WO-2)
Praporschtschik
(WO-1)
OberPrap
(WO-2)
Praporschtschik
(WO-1)
Obermitschman
(WO-2)
Mitschman
(WO-1)
ab 2010 Heer Luftwaffe Luftlandetruppen Seekriegsflotte
Oberpraporschtschik Praporschtschik OberPrap Felddienst Praporschtschik Погон прапорщика ВВС с 2010 года.png Погон старшего прапорщика ВВС с 2010 года.png None.svg None.svg Obermitschman Mitschman
Oberpraporschtschik
(WO-2)
Praporschtschik
(WO-1)
OberPrap
Felddienst
Praporschtschik Obermitschman
(WO-2)
Mitschman
(WO-1)

Russisches Reich[Bearbeiten]

Im Zarenreich war der Praporschtschik deutsch auch Praporstschik [3] zuletzt der unterste Offiziersdienstgrad. Das Pendant bei der Marine war der Mitschman (ru: Мичман, Mitschman). Der Dienstgrad kam bei den seit 1631 zunächst aus Westeuropäern rekrutierten „Neuen Regimentern“ auf. Mit der Einführung der Rangtabelle von Kaiser Peter dem I. wurde er 1722, mit wenigen Ausnahmen, in der gesamten Armee eingeführt. Seitdem wurden mit Erreichen des Praporschtschikdienstgrades auch Bürgerliche automatisch in den erblichen Adelsstand erhoben, seit 1856 dann nur noch in den persönlichen Adel.

Der Unterpraporschtschik (ru: Подпрапорщик, Podpraporschtschik) rangierte ursprünglich zwischen dem Korporal (ru: Капрал, Kapral) und dem Sergeanten (ru: Сержант, Serschant). Seit 1798 war ihm der 1826 wieder abgeschaffte Offiziersanwärterdienstgrad Portepeepraporschtschik (ru: Портупей прапорщик, Portupej praporschtschik) vorgesetzt; dieser stand seinerseits gleich hinter dem höchsten Unteroffiziersdienstgrad, dem Feldwebel (ru: Фельдфебель, Feldfebel).

1826 rückte der Unterpraporschtschik an die Spitze des Unteroffizierskorps und fungierte sowohl als Fahnenträger wie auch als Offizierstellvertreter; seit 1907 war ihm der Praporschtschikstellvertreter (ru: Зауряд-прапорщик, Saurjad-praporschtschik; wörtl. „Ersatzpraporschschik“) vorgesetzt.

Der Praporschschikstellvertreter in der Verwendung oder Dienststellung als Feldwebel (ru: Зауряд-прапорщик на должности фельдфебеля, Zaurjad-praporschtschik za dolschnosti feldfebelja) war in seiner Eigenschaft als Kompaniefeldwebel gegenüber allen anderen Unteroffizieren und Offiziersstellvertretern weisungsbefugt.

Nach der Oktoberrevolution 1917 entfielen die Praporschtschikdienstgrade in den sowjetischen Streitkräften bis 1972.

Kaiserlich Russische Armee[Bearbeiten]

In der Kaiserlichen Russischen Armee von 1883 bis 1917 und in der Weißen Armee von 1917 bis 1923 war der Praporschtschik der Niedrigste Rang der Dienstgradgruppe der Offiziere/ Ranklasse Leutnants.

Die Ränge Unterpraporschtschik (russisch подпрапорщик / podpraporschtschik) und Praporschtschik Stellvertreter (ru: зауряд-прапорщик / saurjad-praporschtschik) hingenge gehörten zur Dienstgradgruppe der Unteroffiziere/ Rangklasse Portepeeunteroffiziere; wie dies trotz Namensversverwandtschaft an den Schulterstücken erkennbar war. Das Grundmotiv dieser Schulterstücke wurde beim Späteren OR8-Rang der Sowjetarmee – Stabsfeldwebel (ru: старшина/ starschina) – wieder aufgegriffen.

Dienstgrad-Reihenfolge
1883–1923 Kaiserlich Russische Armee/ Weiße Armee
Kleines Wappen des Russischen Kaiserreichs
Kriegswappen 1919
Unterpraporschtschik Praporschtschik Stellvertreter Praporschtschik
Unterpraporschtschik
(Unterchorunschi)
Praporschtschik Stellvertreter Praporschtschik
Dienstgradgruppe Unteroffiziere Offiziere
Dienstgrad
niedriger:
Praporschtschik Stellvertreter
(PrapStv)

Praporschtschik
(Prap)
höher:
Unterleutnant
(ULt)

Äquivalent zum Praporschtschik waren folgende Ränge:

Siehe dazu auch

Rangbezeichnungen in anderen Ländern[Bearbeiten]

In den nachstehenden Ländern sind die Schreibweisen bis hin zur Einordnung in das Ranggefüge nahezu gleich oder zumindest sehr ähnlich.

Länder mit anderen Rangbezeichnungen

Einige ehemalige Mitgliedsstaaten des Warschauer Paktes verfolgen zwar das gleich Konzept, verwenden jedoch abweichende Rangbezeichnungen.

Besonderheit

In der damaligen Volksrepublik Bulgarien hat es diesen Dienstrang und die Dienstgradgruppe nicht gegeben.

Sowjetunion[Bearbeiten]

In Anlehnung an die Tradition in der Kaiserlich Russischen Armee wurden die Dienstgrade Praporschtschik und Mitschman sowie die entsprechenden Laufbahnen im militärfachlichen Dienst für Berufssoldaten im Jahre 1971 wieder eingeführt. Im Innenministerium wurde ebenfalls diese Laufbahngruppe eingeführt. Sie war vorwiegend Berufssoldaten der höchsten Unteroffiziersdienstgrade der Landstreitkräfte und der Luftwaffe vorbehalten. Das Äquivalent zu diesem Dienstgrad war der Mitschman (russisch Мичман) der Kriegsmarine.

1981 wurde ihm der Oberpraporschtschik (ru: Старший прапорщик, Starschij Praporschtschik) vorgesetzt. Letzterem entspricht der Obermitschman (ru: Старший мичман, Starschij mitschman) der Kriegsmarine. Diese Dienstgradgruppe wurde in den Streitkräften der Russischen Föderation übernommen.

Landstreitkräfte (Heer) Luftstreitkräfte (Luftwaffe) Seekriegsflotte (Marine) Polizei
ab 1971
Wappen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken von 1958 bis 1991
ab 1991
Wappen der Russischen Föderation 1992
Oberpraporschtschik Praporschtschik Oberpraporschtschik Praporschtschik Obermitschman Mitschman Oberpraporschtschik Praporschtschik
Oberpraporschtschik
(1981–1994)
Praporschtschik
(1971–1994)
Oberpraporschtschik
(1981–1994)
Praporschtschik
(1971–1994)
Obermitschman
(1981–1994)
Mitschman
(1971–1994)
Oberpraporschtschik Praporschtschik

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Besoldung und Gestaltung: Gemäß Präsidenten-Erlass des Russischen Föderation vom 11. März 2010 Nr. 293
  2. Wiesław Boryś. Słownik etymologiczny języka polskiego. 2005. S. 446
  3. Bielefeld, Deutsch-Russisches Wörterbuch, Institut für Slawistik, 6. Auflage, Akademie-Verlag Berlin, S.XI