Gojko Mitić

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gojko Mitić (1969)

Gojko Mitić (kyrillisch Гојко Митић; * 13. Juni 1940 in Strojkovce bei Leskovac, Königreich Jugoslawien, heute Serbien) ist ein jugoslawischer Schauspieler und Regisseur.

Große Popularität erlangte er in der DDR als Hauptdarsteller historischer und fiktiver Indianerpersönlichkeiten zahlreicher DEFA-Indianerfilme. Man bezeichnet ihn deshalb scherzhaft auch als den „Winnetou des Ostens“, obwohl er in einem Kinofilm niemals die Figur des Winnetou dargestellt hat (wohl aber später bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg). Die Formulierung nimmt dabei eher Bezug auf Mitićs Bekanntheit im Vergleich zum Darsteller der Rolle aus dem Westen, dem Franzosen Pierre Brice.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Mitić entstammt einer Bauernfamilie aus einem Dorf an der Veternica im Süden Serbiens. Da sein Vater Živojin am Befreiungskampf jugoslawischer Partisanen im Zweiten Weltkrieg teilnahm, wuchs er mit seinem Bruder Dragan bei seinen Großeltern auf. Nach seiner Schulausbildung, bei der er auch frühzeitig in Deutsch unterrichtet wurde, begann Mitić, 20-jährig, in Belgrad Sport zu studieren. Während seines Studiums knüpfte er erste Kontakte zum Film, da zu dieser Zeit in Jugoslawien viele internationale Filme produziert wurden, deren Komparsen hauptsächlich Studenten der Belgrader Sporthochschule waren.

Ab 1961 trat Mitić verstärkt als Stuntman in italienischen und britischen Filmen auf. 1963 erhielt er eine winzige Rolle in dem von Artur Brauner produzierten Karl-May-Film Old Shatterhand. Beeindruckt von seiner athletischen Erscheinung, ermöglichte man ihm, nach der Rialto-Produktion Winnetou 2. Teil im nächsten Film der Serie in Unter Geiern, eine erste Hauptrolle als Häuptlingssohn Wokadeh zu übernehmen. Hier erschien sein Name im Abspann noch eingedeutscht als „Georg Mitic“.

Im gleichen Jahr begann auch die DEFA, in Jugoslawien DEFA-Indianerfilme zu drehen: Mitić spielte als Häuptling Tokei-ihto in Die Söhne der großen Bärin seine erste Hauptrolle. Damit begann seine Filmkarriere vor allem in der DDR, wo er eine außerordentliche Popularität erreichte. Doch auch in Osteuropa, Afrika und Asien wurde er durch die DEFA-Filme bekannt. Bis 1975 stand er jährlich für mindestens einen Film vor der Kamera, in denen er fast ausschließlich Indianerhäuptlinge verkörperte. Um seinen leicht hörbaren Akzent zu vermeiden, wurde Mitić, obwohl er fließend deutsch spricht, synchronisiert. Dass er, wie etwa am laufenden Pferd und in diversen anderen Szenen, als Schauspieler wohl wirklich alle Stunts selbst ausführte, verlieh seiner Darstellung der Heldengestalt ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit.

Gojko Mitić (1978)

Ebenfalls ab Sommer 1976 war er erstmals mit der Rolle des Spartacus im Harzer Bergtheater Thale zu sehen. Dort spielte er bis 1984 meist Abenteuerstücke, die auch für das Fernsehen der DDR aufgezeichnet wurden. Mitić drehte jedoch nicht nur Indianerfilme. Er spielte im Theater, zeitweise stand er auch für Science-Fiction- (Signale – Ein Weltraumabenteuer) und Fernsehproduktionen (Archiv des Todes, Front ohne Gnade) vor der Kamera. Dabei war mehrmals Renate Blume seine Filmpartnerin, mit der er in den 1970er Jahren einige Jahre zusammenlebte. Neben der Schauspielerei tritt Mitić auch als Sänger (Löscht das Feuer) und Moderator (Ein Kessel Buntes, Gong) auf. Von 1981 bis 1989 führte er Regie bei fünf Filmen der Kinderserie Jan und Tini, zu der Mitić auch die Drehbücher geschrieben hatte. 1988 übernahm er in dem zweiteiligen DEFA-Fernsehfilm Präriejäger in Mexiko nach Romanmotiven von Karl May seine letzte Indianerrolle für das Fernsehen der DDR.

Nach der Wende spielte Mitić wieder kleinere Rollen (Der Kinoerzähler, Burning Life); ab 1992 übernahm er als Nachfolger von Pierre Brice bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg die Rolle des Winnetou. In der Saison 2006 trat Mitić letztmals in Bad Segeberg auf. Passenderweise wurde in diesem Jahr Winnetou III gespielt, wo Winnetou schließlich stirbt. Am 10. September 2006 gab Mitić nach insgesamt 15 Spielzeiten und 1024 Aufführungen seine letzte Vorstellung. Seine Nachfolge übernahm der in Istanbul geborene Schauspieler Erol Sander in dem Stück Winnetou I.

Vom 30. März 2007 bis zum 22. Januar 2009 spielte Gojko im Schweriner Staatstheater den Häuptling Bromden in dem Stück Einer flog über das Kuckucksnest[1]. Am selben Theater spielte er bei den Schlossfestspielen 2009 die Hauptrolle in einem Musical nach dem Roman Alexis Sorbas von Nikos Kazantzakis[2].

Seit 2012 tritt Gojko Mitić u. a. mit Uwe Jensen mit „Musik am Lagerfeuer“ beziehungsweise „Weihnachten am Lagerfeuer“ auf.

In der Spielsaison 2013 wird er bei den Karl-May-Spielen Bad Segeberg die Rolle von Winnetous Vater Intschu-Tschuna übernehmen.

Gojko Mitić lebt in Berlin-Köpenick und hat eine Tochter.

Nach ihm wurde der Asteroid (147595) Gojkomitić benannt.[3]

Filmografie (Auswahl) [Bearbeiten]

Theater [Bearbeiten]

Auszeichnungen [Bearbeiten]

Ehrungen [Bearbeiten]

  • die „Goldene Nadel für Diaspora“
  • „Gebrüder Karic Award“[4]

Literatur [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Gojko Mitić – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Theater Schwerin, Schauspiel, Aktuelles Programm, Einer flog über das Kuckucksnest
  2. Schlossfestspiele 2009 Sorbas
  3. Daten von (147595) Gojkomitić (englisch)
  4. Goldene Nadel für den Chefindianer Superillu vom 3. Juni 2010