Manfred Krug

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Manfred Krug (1971)
Manfred Krug (2003)

Manfred Krug (* 8. Februar 1937 in Duisburg) ist ein deutscher Schauspieler, Sänger und Schriftsteller. Als Pseudonyme verwendete er zu DDR-Zeiten Clemens Kerber (als Liedtexter) und Isa Karfunkelstein (als Interviewer seiner selbst).

Leben[Bearbeiten]

Duisburg und DDR[Bearbeiten]

Manfred Krug und Christel Bodenstein bei den Dreharbeiten zu Beschreibung eines Sommers (1962)
Manfred Krug (links) mit Armin Mueller-Stahl als Hauptdarsteller in Die Verschworenen (1971)
Manfred Krug im Duett mit Etta Cameron (1970)

Manfred Krug wurde an einem Rosenmontag als erstes Kind der Eheleute Rudolf und Alma Krug in Duisburg geboren. Sein Vater war Eisenhütten-Ingenieur, der zunächst bei Thyssen in Duisburg als Schmelzer im Stahlwerk arbeitete. Kurz nach der Geburt zog die Familie in die Nähe von Osnabrück, da Krugs Vater eine bessere Stelle im dortigen Stahlwerk fand. Die Familie wohnte in Georgsmarienhütte, wo am 6. Dezember 1939 Manfred Krugs Bruder Roger Krug geboren wurde. Nicht ganz ein Jahr später zog die gesamte Familie weiter nach Hennigsdorf vor die Tore Berlins, da Krugs Vater dort eine Anstellung als Oberingenieur im Stahlwerk erhielt. Die ersten Kriegsjahre wurde sein Vater nicht eingezogen, da er als kriegswichtig galt. Nach der Zerstörung des Stahlwerks musste er dann aber doch noch an die Ostfront.

Kurz vor Kriegsende wurde der kleine Manfred aus Furcht vor den Russen zu seiner Oma Lisa nach Duisburg geschickt. Hier erlebte er einen der schweren Bombenangriffe auf Duisburg mit, woraufhin seine Mutter die sofortige Rückkehr nach Hennigsdorf anordnete. Beide Zugreisen unternahm er trotz seines Alters und der kriegsbedingten chaotischen Verhältnisse alleine. In Hennigsdorf erlebte er das Kriegsende.

Der Vater überlebte den Krieg unverletzt, setzte sich jedoch in die britische Zone ab, wo er in britische Gefangenschaft geriet. Aufgrund der kargen Verhältnisse wurde Manfred erneut zur Oma nach Duisburg geschickt. Im Stadtteil Duissern in der Schweizerstraße 1 verbrachte er die ersten Nachkriegsjahre und ging dort zur Volksschule. Nach der Heimkehr des Vaters aus der Gefangenschaft wurde auch sein jüngerer Bruder ins Rheinland zu Verwandten mütterlicherseits geschickt. Die Familie blieb aber getrennt, da der Vater auf Suche nach Arbeit viel unterwegs war. Nach erfolgloser Arbeitssuche beschloss Vater Krug die Rückkehr mit beiden Söhnen nach Hennigsdorf und überraschte seine Frau mit einem anderen Mann. Die Scheidung war die Folge, die Kinder wurden getrennt, Manfred blieb beim Vater.

Nach der Scheidung der Eltern zog sein Vater mit ihm 1949 von Duisburg in die gerade gegründete DDR. Krug absolvierte eine Lehre zum Stahlschmelzer im Stahl- und Walzwerk in Brandenburg an der Havel, dem heutigen Industriemuseum. Ein Spritzer flüssigen Stahls verursachte die prägnante Narbe auf der Stirn. Während dieser Zeit erwarb er das Abitur an der Abendschule. Danach begann er ein Studium an der Staatlichen Schauspielschule Berlin, das er jedoch abbrechen musste. Von 1955 bis 1957 war er an Bertolt Brechts Berliner Ensemble als Eleve engagiert.

In einer Wohngemeinschaft in der Ost-Berliner Cantianstraße lebte Krug zusammen mit dem Schriftsteller Jurek Becker, der einer seiner engsten Freunde wurde.

Ab 1957 trat Krug im Kino und Fernsehen der DDR auf. Im Jahr 1960 übernahm er eine Rolle in dem erfolgreichen Film Fünf Patronenhülsen von Frank Beyer.

Der Film Spur der Steine unter der Regie von Frank Beyer fiel der Zensur zum Opfer. Der Film wurde nach drei Tagen aus den Kinos genommen und konnte in der DDR erst während der Wendezeit 1989 wieder gezeigt werden.

Manfred Krug war in der DDR auch als Jazz-Sänger populär. 1970 besetzte ihn Walter Felsenstein an der Komischen Oper Berlin als Sporting Life in George Gershwins Oper Porgy and Bess (Regie: Götz Friedrich). Ab 1971 veröffentlichte Krug zusammen mit dem Komponisten Günther Fischer mehrere Langspielplatten, auf denen er anspruchsvolle, kunstvoll arrangierte Schlager und Chansons sang. Die Texte schrieb er unter dem Pseudonym Clemens Kerber selbst. Außerdem erschien ein Album mit Jazz-Standards, Greens. Besonders populär war der Song Es steht ein Haus in New Orleans. Noch heute sehr bekannt sind seine Auftritte bei den Veranstaltungen Lyrik – Jazz – Prosa, von denen mehrere Mitschnitte veröffentlicht wurden. Die beiden von Krug rezitierten Stücke Die Kuh im Propeller (von Michail Soschtschenko) und Der Flaschenzug können aufgrund seiner Interpretation noch heute viele Bürger der ehemaligen DDR auswendig. Krug trat auch in zahlreichen Fernsehsendungen auf und arbeitete als Synchronsprecher, beispielsweise im Film Eolomea.

Ende 1976 erhielt Krug ein Teilberufsverbot, weil er den Protest gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann[1] unterzeichnet hatte.[2]

Am 19. April 1977 stellte Manfred Krug nach sechsmonatiger Arbeitslosigkeit einen Ausreiseantrag,[3] der schließlich genehmigt wurde, so dass er Ost-Berlin am 20. Juni 1977 verließ. In seinem privaten Umfeld war er bis zur Ausreise von der Staatssicherheit beschattet worden.

Die Dokumentation der damaligen Geschehnisse veröffentlichte Krug 20 Jahre später in seinem Buch Abgehauen. Er zeichnet eine schonungslose Darstellung des Alltags nicht ganz linientreuer DDR-Bürger. Das Buch wurde 1998 unter der Regie von Frank Beyer unter demselben Titel verfilmt, Manfred Krug wurde von Peter Lohmeyer verkörpert.[4]

Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten]

Krug wohnte nach seiner Ausreise im Westteil der Stadt in Berlin-Schöneberg.

In der Bundesrepublik fand er, ersten Befürchtungen wegen seines Alters zum Trotz, gleich wieder Rollen (unter anderem in der Kindersendung Sesamstraße) und begann eine zweite Karriere. Als einer der beliebtesten deutschen Schauspieler verkörperte er parallel über lange Zeiträume hinweg verschiedene Charaktere in unterschiedlichen Fernsehserien. So war er von 1977 bis 1992 in der Rolle des abenteuernden Lkw-Fahrers Franz Meersdonk in der Serie Auf Achse zu sehen. Als Musiker hatte er im Westen anfangs weniger Erfolg. Im Jahr 1979 erschien seine LP Da bist du ja.

Große Popularität erlangte Krug in der Rolle des eigenwilligen Rechtsanwalts Robert Liebling in der Fernsehserie Liebling Kreuzberg. Die Drehbücher zu den ersten drei Staffeln und der fünften Staffel schrieb sein Freund Jurek Becker. Beliebt war er auch als Kommissar Paul Stoever an der Seite von Charles Brauer als Peter Brockmöller im Tatort des NDR. Diesen verkörperte er von 1984 bis 2001 41-mal, womit Krug zeitweise der „dienstälteste“ Tatortkommissar war und 2008 in einer Umfrage zusammen mit Brauer zum zweitbeliebtesten nach Götz George gewählt wurde.[5] In späteren Tatort-Folgen wurde es zum Ritual, dass Stoever und Brockmöller eine Gesangseinlage darboten. Es erschienen nunmehr auch einige CDs als Wiederveröffentlichungen von LPs, die er in der DDR zusammen mit Günther Fischer aufgenommen hatte, und neue, auf denen er gemeinsam mit seiner Tochter Fanny Krug singt.

Manfred Krug ist auch als Schriftsteller tätig. Seine Biografien Abgehauen (1996) und Mein schönes Leben (2005) wurden zu Bestsellern. 2008 erschien sein Erzählband Schweinegezadder. Krug wirkte in einigen Hörspielen des Rundfunks mit und arbeitete als Synchronsprecher. Als Sprecher liest Krug unter anderem eigene Texte.

Werbekampagnen[Bearbeiten]

Krug nahm Aufträge in der Werbung an, unter anderem für Pan Am und die Deutsche Telekom, die den Börsengang der „T-Aktien“ im Jahr 1996 vorbereitete. Nach einer Interviewbemerkung, in der er sich für die Verluste entschuldigte, die die Telekom-Aktionäre erlitten hatten, trennte sich die Telekom von Krug. Über zehn Jahre später bezeichnete er die Werbespots als seinen „größten beruflichen Fehler“. Krug erklärte gegenüber dem Magazin Stern im Januar 2007:[6] „Ich entschuldige mich aus tiefstem Herzen bei allen Mitmenschen, die eine von mir empfohlene Aktie gekauft haben und enttäuscht worden sind.“ In der Kampagne einer Rechtsschutzversicherung erschien er als Rechtsanwalt, womit auf seine Rolle als „Anwalt Liebling“ angespielt wurde („Advocard ist Anwalts Liebling!“). Ab 2010 erschien Krug in einer Anzeigenkampagne der Mercedes-Benz Bank, deren Motiv auf die Serie Auf Achse Bezug nimmt.

Privates[Bearbeiten]

Manfred Krug ist seit 1963 mit Ottilie Krug verheiratet. Gemeinsam haben sie drei Kinder, darunter die Sängerin Fanny Krug. 2002 wurde bekannt, dass Manfred Krug ein nichteheliches Kind hat.[7] Krug lebt in Berlin-Charlottenburg.[8]

Krugs Musik[Bearbeiten]

Seit 2008 widmet sich das Putensen Beat Ensemble des norddeutschen Schauspielers und Musikers Thomas Putensen dem Werk Manfred Krugs aus den 1970er Jahren mit regelmäßigen Konzerten.

Filmografie[Bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten]

Manfred Krug 1972 bei einem Konzert
  • 1962: Auf der Sonnenseite
  • 1964: Jazz und Lyrik
  • 1964: Manfred Krug singt: Es steht ein Haus in New Orleans (Single mit Franke Echo Quintett)
  • 1965: Manfred Krug und die Modern Jazz Big Band
  • 1966: Lyrik – Jazz – Prosa (zusammen mit Eberhard Esche, Gerd E. Schäfer, Annekathrin Bürger und anderen, in verschiedenen Ausgaben und unter verschiedenen Namensvarianten als Schallplatte und CD)
  • 1968: Fredmanns Episteln an diese und jene aber hauptsächlich an Ulla Winblad (nach Carl Michael Bellman)
  • 1969: Onkel Toms Hütte (Hörspiel, Krug singt zwei Spirituals)
  • 1971: Das war nur ein Moment
  • 1973: Ein Hauch von Frühling
  • 1974: Greens
  • 1976: Du bist heute wie neu
  • 1979: Da bist du ja
  • 1980: Lieder von drüben (Kompilation)
  • 1995: Jazz-Lyrik-Prosa
  • 1997: Anthologie
  • 1998: Abgehauen, die Musik zum Film
  • 2000: Tatort – die Songs (zusammen mit Charles Brauer)
  • 2000: Evergreens – Das Beste von Manfred Krug – 1962–1977
  • 2000: Deutsche Schlager
  • 2000: Schlafstörung
  • 2001: Manfred Krug Live mit Fanny (zusammen mit Fanny Krug)
  • 2002: Der Weihnachtskrug
  • 2003: Sweet Nothings (zusammen mit Decebal Badila, Fanny Krug)

Hörbücher[Bearbeiten]

  • Edgar Wallace: Der Zinker. Mit Sascha Dreger, Alexandra Doerk u. a. Gruner + Jahr, Hamburg 1982, Best.-Nr. maritim 295 036-210 (LP).
  • Edgar Wallace: Der Frosch mit der Maske. Mit Sascha Dreger, Alexandra Doerk u. a. Gruner + Jahr, Hamburg 1982, Best.-Nr. maritim 295 037-210 (LP).
  • Edgar Wallace: Der Hexer. Mit Sascha Dreger, Alexandra Doerk u. a. Gruner + Jahr, Hamburg 1982, Best.-Nr. maritim 295 035-210 (LP).
  • Edgar Wallace: Die toten Augen von London. Mit Sascha Dreger, Alexandra Doerk u. a. Gruner + Jahr, Hamburg 1982, Best.-Nr. maritim 295038-210 (LP).
  • Manfred Krug: Abgehauen. Econ Verlag, 1996, ISBN 978-3-430-15725-4 (4 CDs).
  • Manfred Krug: Schweinegezadder und anderes. Teil 1. Ullstein-Hörverlag, Berlin 2000, ISBN 3-550-09001-3 (CD, MCs).
  • Manfred Krug: Schweinegezadder und anderes. Teil 2. Ullstein-Hörverlag, Berlin 2001, ISBN 3-550-09028-5 (CD, MCs).
  • Thomas Brussig: Leben bis Männer. Roof Music, Bochum 2001, ISBN 3-936186-54-5 (2 CDs).
  • Manfred Krug: Mein schönes Leben. Der Hörverlag, München 2004, ISBN 3-89940-399-1 (8 CDs).
  • Bertolt Brecht: Geschichten vom Herrn Keuner. Lesung/Deutschlandradio Kultur. Der Audio-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-89813-406-7 (CD).
  • Jurek Becker: Jurek Beckers Neuigkeiten an Manfred Krug und Otti. Roof Music, Bochum 2005, ISBN 3-936186-81-2 (2 CDs).
  • Bertolt Brecht: Lust des Beginnens. Lesung/Deutschlandradio Kultur. Der Audio-Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-89813-517-9 (CD).

Bücher[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Manfred Krug – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Offener Brief prominenter Künstlerinnen und Künstler. In: Jugendopposition in der DDR. Bundeszentrale für politische Bildung/Robert-Havemann-Gesellschaft, 2008, abgerufen am 1. März 2012.
  2. Manfred Krug. In: Jugendopposition in der DDR. Bundeszentrale für politische Bildung/Robert-Havemann-Gesellschaft, 2008, abgerufen am 1. März 2012.
  3.  Manfred Krug: Abgehauen. Ein Mitschnitt und ein Tagebuch. Econ, Düsseldorf 1996, ISBN 978-3-547-75723-1, S. 122–125 (online, abgerufen am 2. März 2012).
  4. Abgehauen. In: moviepilot. Abgerufen am 2. März 2012.
  5. „maf“: „Tatort“-Hitliste: Schimanski bleibt der Beste. In: Spiegel Online. Spiegel-Gruppe, 18. Mai 2008, abgerufen am 2. März 2012.
  6. Krug entschuldigt sich bei T-Aktionären. In: stern.de. Gruner + Jahr, 30. Januar 2007, abgerufen am 1. März 2012.
  7. Mirjam Mohr: Manfred Krug: Liebling in Rente. In: stern.de. Gruner + Jahr, 8. Februar 2007, abgerufen am 2. März 2012.
  8.  Birgit Walter: Der Olle war ich. Manfred Krug über erfolglose Platten, die errötende Uschi Brüning und sein schönes Leben als Rentner. In: Berliner Zeitung. Berliner Verlag, 24. Dezember 2010, ISSN 0947-174X (online, abgerufen am 2. März 2012).