Pruszcz Gdański

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Pruszcz Gdański
Wappen von Pruszcz Gdański
Pruszcz Gdański (Polen)
Pruszcz Gdański
Pruszcz Gdański
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Landkreis: Gdańsk
Fläche: 16,47 km²
Geographische Lage: 54° 16′ N, 18° 39′ O54.26666666666718.65Koordinaten: 54° 16′ 0″ N, 18° 39′ 0″ O
Einwohner: 28.858
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 83-000, 83-004, 83-005
Telefonvorwahl: (+48) 58
Kfz-Kennzeichen: GDA
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 1 (Europastraße 75): DanzigCieszyn/Tschechien
S 6 (Europastraße 28): Pruszcz Gdański - Stettin
DW 226: Przejazdowo - Horniki
DW 227: Pruszcz Gdański - Wocławy
Schienenweg: PKP-Linie 9: Warschau−Danzig
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Fläche: 16,47 km²
Einwohner: 28.858
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 1752 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2204011
Verwaltung (Stand: 2014)
Bürgermeister: Janusz Wróbel
Adresse: ul. Grunwaldzka 20
83-000 Pruszcz Gdański
Webpräsenz: www.pruszcz-gdanski.pl

Pruszcz Gdański (deutsch Praust) ist eine Stadt in Polen in der Woiwodschaft Pommern. Sie ist Sitz des Powiat Gdański.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Pruszcz Gdański liegt im Süden der sogenannten Dreistadt mit den Zentren Gdańsk (Danzig), Gdynia (Gdingen) und Sopot (Zoppot). Im Norden der Stadt schließt sich Danzig an, das Zentrum Danzigs liegt etwa zehn Kilometer nördlich. Die Danziger Bucht liegt etwa 14 Kilometer nordöstlich der Stadt.

Geschichte[Bearbeiten]

Der erste urkundliche Hinweis als Prust auf das heutige Pruszcz Gdański stammt aus dem Jahr 1315. 1348–1354 wurde von dem Fluss Radaune ein Kanal nach Danzig errichtet, der primär der Trinkwasserversorgung diente[2]. Als der Preußische Bund dem Deutschen Orden 1454 den Gehorsam verweigerte und sich mit dem polnischen König Kasimir IV. Jagiello verbündete, gab dieser das Dorf Pruszcz an Danzig[3]. Im Jahr 1367 wurde der Ort durch den Deutschen Orden zu einer vollberechtigen Siedlung erhoben. Der Ort entwickelte sich gut, nicht zuletzt durch die Nähe zu Danzig. 1772, bei der Ersten Teilung Polens, kam die Stadt zu Preußen. Im 19. Jahrhundert ging der Aufschwung der Gemeinde weiter. So wurden unter anderem ein Krankenhaus, eine Schule sowie eine Zuckerfabrik errichtet. Weiterhin erfolgte 1852 der Anschluss von Praust an das Schienennetz von Danzig nach Dirschau (Tczew). Mit der Bildung der Freien Stadt Danzig wurde Praust Teil derselben. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt Teil des Deutschen Reiches. Zum 1. April 1942 wurde Praust ein Stadtteil Danzigs.[4] In der Stadt wurden drei Außenstellen des KZ Stutthof eingerichtet, eine am Flughafen, eine am Bahnhof und eine in der Zuckerfabrik.[2] Im März 1945 marschierte die Rote Armee in der Stadt ein. In der Folge des Krieges wurde die Stadt Teil Polens und Sitz eines Powiat. 1951 erhielt der Ort den Namenszusatz Gdański. 1975, im Rahmen einer allgemeinen Verwaltungsreform, verlor die Stadt den Powiatsitz, erhielt ihn aber bei einer erneuten Reform 1999 wieder.

Name[Bearbeiten]

Die erste schriftliche festgehaltene Erwähnung des Ortes erfolgte als Prust. Die Bedeutung ist nicht gesichert. Eine Deutung ist die Ableitung von Preußen, aber auch die Ableitung vom Wort Propstei ist möglich. Weitere Namensversionen waren Pruszy (1315), Prust (1438), Pruscz (1504) und Pruszcz (1583). Die Bezeichnung Pruszcz wurde bis Ende des 18. Jahrhunderts verwendet. Als der Ort 1772 zu Preußen kam, wurde der Name eingedeutscht, der Ort hieß danach Praust.[2] Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt die Stadt wieder ihren polnischen Namen, seit 1951 mit dem Zusatz Gdański.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]


Jahr 1690 1807 1860 1867 1868 1875 1880 1890 1900 1910 1945 2007
Einwohnerzahl[5] 429 740 1.540 1.814 1.794 1.762 2.135 2.387 2.675 2.841 5.000 24.656

Kirche[Bearbeiten]

Stadtkirche

Die Bevölkerung von Praust hatte sich der Reformation angeschlossen, die vor 1945 anwesenden Einwohner gehörten deshalb mehrheitlich dem evangelischen Glaubensbekenntnis an. Die Namen der evangelischen Pfarrer der Ortskirche sind seit 1578 und vollständig lückenlos seit 1587 bekannt.[6]

Die Kirche, die vermutlich noch zur Zeit des Deutschordensstaats gegründet wurde, hat einen kreuzförmigen Grundriss und einen viereckigen Westturm mit einem achteckigen Spitzdach. Zum Glockengestühl führt durch das Gemäuer der Kirche eine gemauerte Wendeltreppe, die in einem abgesonderten Treppentürmchen verläuft. Das Vorhandensein dieses Anbaus deutet auf den mittelalterlichen Ursprung der Kirche hin. Sie soll nach der Reformation von Franziskaner-Mönchen dem Stadtrat von Danzig übergeben worden sein, der dann auch das Patronat über sie ausübte.[6] 1728 erhielt die Kirche eine Orgel, die der Danziger Orgelbauer Andreas Hildebrand erbaut hatte und deren Klangfülle besonders gerühmt wurde. Im Jahr 1831 wurde die Kirche vollständig renoviert.[6]

Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister der Stadt ist (2007) Janusz Wróbel. Seine Stellvertreter sind Andrzej Szymański und Ryszard Świlski. Die Stadt ist in vier Wahlbezirke (okręg) eingeteilt.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Seit April 2012 besteht eine Städtepartnerschaft mit Hofheim am Taunus in Deutschland.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Stadt zeigt auf roten Grund ein goldenes P und einen goldenen Löwen. Das P steht für den Namen der Stadt und passt sowohl zur deutschen Bezeichnung Praust als auch zur polnischen Pruszcz. Der goldene Löwe ist leicht abgewandelt einer der Löwen der Stadt Danzig.

Gemeinde[Bearbeiten]

Zur Landgemeinde (gmina wiejska) Pruszcz Gdański, der die Stadtgemeinde Pruszcz Gdański selbst nicht angehört, gehören 30 Schulzenämter. Die Landgemeinde hat eine Fläche von 142,56 km² auf welcher 24.734 Einwohner (31. Dezember 2013) wohnen. Die Schulzenämter (deutsche Namen bis 1945)[7] sind:

Herrenhaus in Rusocin, um 1800 für die Familie von Tiedemann erbaut[8]
  • Arciszewo (Artschau)
  • Będzieszyn (Bangschin)
  • Bogatka (Reichenberg)
  • Borkowo (Borgfeld)
  • Bystra (Scharfenberg)
  • Bystra-Osiedle (Klein Scharfenberg)
  • Cieplewo (Zipplau)
  • Dziewięć Włók (Neunhuben)
  • Goszyn (Goschin)
  • Jagatowo (Jetau, 1938–1945 Groß Jetau)
  • Juszkowo (Gischkau)
  • Krępiec (Krampitz)
  • Lędowo (Landau)
  • Łęgowo (Langenau)
  • Mokry Dwór (Nassenhuben)
  • Przejazdowo (Quadendorf)
  • Radunica (Hundertmark)
  • Rekcin (Rexin)
  • Rokitnica (Müggenhahl)
  • Roszkowo (Rostau)
  • Rotmanka (Rottmannsdorf)
  • Rusocin (Russoschin)
  • Straszyn (Straschin)
  • Świńcz (Schwintsch)
  • Wiślina (Hochzeit)
  • Wiślinka (Weßlinken)
  • Wojanowo (Woyanow)
  • Żukczyn (Suckschin)
  • Żuława (Groß Saalau, 1939–1945 Saalau)
  • Żuławka (Klein Saalau)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Die Zuckerfabrik in Pruszcz Gdański

Verkehr[Bearbeiten]

Pruszcz Gdański liegt an der Europastraße 75 welche in Polen von Danzig über Łódź nach Bielsko-Biała führt. Am Rand der Stadt führt die Schnellstraße 6 (Droga ekspresowa 6) entlang. Die Woiwodschaftsstraße 226 (droga wojewódzka) führt durch die Stadt und die Woiwodschaftsstraße 227 beginnt in Pruszcz Gdański.

Durch die Stadt führt die Bahnlinie von Danzig nach Tczew. Bis 1994 (Personenverkehr) und bis 2002 (Güterverkehr) bestand eine Bahnlinie von Pruszcz Gdański über Kartuzy und Lębork nach Łeba.

Der Lech-Wałęsa-Flughafen Danzig liegt etwa 15 Kilometer nördlich der Stadt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pruszcz Gdański – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 10. Juli 2014.
  2. a b c http://www.katins.com/praust/geschichte/
  3. http://mapa.szukacz.pl/html/00/569.html
  4. http://www.pruszcz-gdanski.pl/historia.php
  5. http://www.katins.com/praust/geschichte/wappen.asp, für 2007: Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ - STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 30. Juni 2007
  6. a b c E. Gebauer: Die Kirche in Praust bei Danzig. Preußische Provinzialblätter. Band VII, Königsberg 1855, S. 139-143 (Online)
  7. Das Genealogische Orts-Verzeichnis
  8. https://pl.wikipedia.org/wiki/Rusocin_(województwo_pomorskie)