Punt (Goldland)

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Punt in Hieroglyphen
Neues Reich
Q3 E34
N35
X1
N25

Punt
Pwnt
Queen of punt.jpg
Königin von Punt

Punt war ein Goldland, dessen Name durch altägyptische Inschriften belegt ist. Ein anderer Name für die Region war „Ta Netjer“ („Gottesland“) als Reverenz an die Göttin Hathor. Es gibt nur Vermutungen, welcher heutige Ort gemeint war.

Die Ägypter importierten aus Punt vermutlich seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. Weihrauch, Ebenholz, Elfenbein, Gold, Augenschminke, Silber, Speisesalz, Affen, Hunde, Pantherfelle sowie Straußenfedern und -eier. Aus Darstellungen in ägyptischen Inschriften geht hervor, dass Punt östlich Ägyptens am Meer lag und dass die Einwohner, die sich nach Kleidung und Haartracht in drei Gruppen gliedern lassen, in Pfahlbauten lebten und Rinder hielten.

Expeditionen nach Punt[Bearbeiten]

Eine besonders kurze Überlandverbindung vom Nil zum Roten Meer mündete bei Koptos (Gebtu), welches daher schon lange ein wichtiger Handelsort der Ägypter war. Eine Karawane konnte sie in fünf Tagen bewältigen. Hier brachen auch viele Expeditionen nach Punt auf. Die älteste bekannte Expedition nach Punt führte König (Pharao) Sahure (5. Dynastie) durch. Ebenfalls in der 5. Dynastie führte während der Regierungszeit von Djedkare der Beamte Bawerdjed eine Expedition nach Punt. Unter der Regentschaft von Mentuhotep III. reiste ein Beamter namens Henenu nach Punt.

Die wohl berühmteste Expedition unternahm die Königin Hatschepsut unter Führung Nehesis zum Erwerb unter anderem von Myrrhe und Zedern[1]. Ein Bericht dieser Reise ist als Relief im Totentempel Hatschepsuts an der Wand einer Pfeilerhalle („Punthalle“) in Deir el-Bahari erhalten geblieben.

Hatschepsuts Nachfolger Thutmosis III. soll Punt im ersten Jahr seiner Regentschaft erobert haben.[2] Spätere Pharaonen organisierten ebenfalls teils militärischen teils wirtschaftlichen Zwecken dienende Expeditionen nach Punt.

Hafen von Safaga

Ramses III. erwähnt ebenfalls eine Expedition nach Punt: „Ich ließ große Menhou (Transportschiffe) bauen, ihnen voran ziehen BAIR mit großen Mannschaften und Schutztruppen. Sie verließen das große Meer von Muqed und erreichten das Gebirge von Punt, Land des Weihrauchs, sicher und ohne größere Verluste, denn ich flöße allen große Furcht ein.“

Forscher der Universitäten Boston und Neapel fanden im Jahr 2006 bei Mersa Gawasis am Roten Meer, südlich der ägyptischen Stadt Safaga, in fünf Höhlen Überreste von Tauen sowie Planken, die für das Beladen der Boote benutzt wurden.[3]

Es wurden außerdem Reste einer Kiste mit der Aufschrift Wunder des Landes Punt entdeckt; daneben der beschädigte Name von Amenemhet III., was die Altertümerverwaltung in Kairo als weiteren Beweis wertet, dass die Ägypter zur Zeit der Pharaonen auch Seehandel mit Punt betrieben hatten.[4]

Lokalisierung von Punt[Bearbeiten]

Mögliche Lage am roten Meer und Handelsrouten zu Land und See

In der Ägyptologie wurde lange über die genaue Lage von Punt gerätselt. Von einigen Forschern wurde Punt mit Ophir, einem biblischen sagenhaft reichen Land bzw. Goldland, in Zusammenhang gebracht. Im demotischen Papyrus Die Heimkehr der Göttin wird geschildert, dass ein Fußmarsch nach Punt 120 Tage dauert und die Göttin Tefnut diese Distanz in drei Tagen zurücklegte.

Unstrittig ist, dass Punt nordöstlich bis südöstlich von Ägypten liegen muss.[5] Bis zur Entdeckung des Tempels der Hatschepsut in Deir el-Bahari wurde allgemein angenommen, Punt läge in Asien, meist irgendwo in Arabien. Nach Entdeckung des Tempels wurde dort eine Inschrift gefunden, die besagt, die Götter hätten „die südlichen Grenzen (Ägyptens) so weit wie Punt“ gesetzt. Dies wurde als starkes Indiz für eine Lage in Afrika gesehen, die durch Darstellung verschiedener Tiere gestützt wurde, die man allgemein in Verbindung mit Afrika setzt.

Nachdem David Lorton und John J. Bimson eine Analyse erarbeiteten, die eine Lage südöstlich von Nubien indizierte, setzte sich diese Ansicht weitgehend durch. Danach vermutete man Punt am Horn von Afrika, vielleicht im heutigen Somalia (wo sich heute die faktisch autonome Region Puntland in ihrer Namensgebung darauf beruft) oder in Eritrea. Dass es sich wesentlich weiter südlich, etwa in Mosambik oder Simbabwe befinden könnte, galt als weniger wahrscheinlich, da die Entfernung zu Ägypten zu groß sei und selbst in römischer Zeit die geografischen Kenntnisse in Tansania aufgehört hatten. Manche identifizierten Punt gar mit dem bei Claudius Ptolemäus, Geographike Hyphegesis IV, 7 und im Periplus Maris Erythraei genannten Handelsplatz Opone (Οπώνη), dem modernen Hafun südlich des Horns von Afrika. In Eritrea gelten der alte Hafen Adulis südlich von Massawa sowie Kohaito im Westen des Landes, wo schon im Altertum mit Ebenholz, Gold und Weihrauch gehandelt wurde, als mögliches Punt[6].

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes Duemichen: Die Flotte einer ægyptischen Kœnigin aus dem XVII. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung und altægyptisches Militair im festlichen Aufzuge auf einem Monumente aus derselben Zeit abgebildet. Nebst einem Anhange enthaltend die unterhalb der Flotte als Ornament angebrachten Fische des Rothen Meeres in der Originalgrœsse des Denkmals, eine chronologische geordnete Anzahl von Abbildungen altægyptischer Schiffe, und einige Darstellungen und Inschriften aus verschiedenen Tempeln und Græbern, die auf das Vorstehende Bezug haben. Als ein Beitrag zur Geschichte der Schifffahrt und des Handels im Alterthume. Hinrichs, Leipzig 1868, Digitalisat.
  • W. Max Müller: Asien und Europa nach altägyptischen Denkmälern. Engelmann, Leipzig 1893.
  • Adolphe J. Reinach: Rapports sur les Fouilles de Koptos. (Janvier – février 1910). Adressés à la Société Française des Fouilles Archéologiques et extraits de son Bulletin, augmentés de huit planches et d'un plan. Leroux, Paris 1910 (Nachdruck. (= A VSB egyptological report.) VanSiclen Books, San Antonio 1988, ISBN 0-933175-21-3).
  • Rolf Herzog: Punt (= Abhandlungen des Deutsches Archäologischen Instituts Kairo, Ägyptische Reihe Nr. 6, ISSN 0418-971X). Augustin, Glückstadt 1968.
  • Rodolfo Fattovich: The Problem of Punt in the Light of the Recent Field Work in the Eastern Sudan. In: Sylvia Schoske (Hrsg.): Akten des vierten internationalen Ägyptologen Kongresses. München 1985. Band 4: Geschichte – Verwaltungs- und Wirtschaftsgeschichte, Rechtsgeschichte – Nachbarkulturen (= Studien zur altägyptischen Kultur. Bd. 4). Buske, Hamburg 1991, ISBN 3-87118-904-9, S. 257–272.
  • Rodolfo Fattovich: Punt. In: Kathryn A. Bard (Hrsg.): Encyclopedia of the Archaeology of Ancient Egypt. Routledge, London 1999, ISBN 0-415-18589-0, S. 636–37.
  • Dimitri Meeks: Locating Punt. In: David O'Connor, Stephen Quirke (Hrsg.): Mysterious Lands (= Encounters with ancient Egypt. Nr. 5). Institute of Archaeology, University College London and University College London Press, London u. a. 2003, ISBN 1-84472-004-7, S. 53–80.
  • Kathryn A. Bard, Rodolfo Fattovich (Hrsg.): Harbor of the Pharaohs to the Land of Punt. Archaeological investigations at Mersa/Wadi Gawasis, Egypt, 2001–2005. Università degli Studi di Napoli "L'Orientale", Napoli 2007, ISBN 978-88-950441-1-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Punt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. James Henry Breasted: A History of Egypt. From the earliest Times to the Persian Conquest. 2nd edition, fully revised. Charles Scribner, New York NY 1951, S. 280.
  2. Eine Liste der Eroberungen Thutmosis' III. befindet sich im Amontempel in Karnak.
  3. Bericht der Grabungssaison 2005/2006.
  4. Quelle: dpa Januar 2006; Bard, Fattovich (Hrsg.): Harbor of the Pharaohs to the Land of Punt. 2007.
  5. Der Sonnenaufgang erfolgt im Juni bei einem Azimuth von 65 Grad und im Januar/Februar bei einem Azimuth von 105 Grad (0 Grad = Norden, 90 Grad = Osten, 180 Grad = Süden)
  6. ZDF Expedition: Lag Punt im heutigen Eritrea?