Rückspiegel

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Rückspiegel
Blick in den Rückspiegel einer Lokomotive der ÖBB-Baureihe 1144

Ein Rückspiegel ist eine reflektierende Fläche, die das Beobachten des rückwärtigen Verkehrsgeschehens erleichtern und das Führen eines Fahrzeugs sicherer machen soll.

Ziel ist es, immer einen möglichst großen Winkel hinter dem Fahrzeug sichtbar zu machen. Deswegen werden oft konvex gekrümmte Spiegel verwendet, die einen größeren Bereich sichtbar machen, diesen dafür aber etwas verkleinert abbilden.

Prinzipiell unterscheidet man bei den Fahrzeugspiegel Innen- sowie Außenspiegel.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Rückspiegel wurde 1909 von Dorothy Levitt[1] aus London im Prinzip erfunden. Mit ihrem Werk »The Woman and the Car: A Chatty Little Handbook for the Edwardian Motoriste« schrieb sie eines der ersten Handbücher zum Autofahren, darin schreibt sie:

„Frauen sollten an geeignetem Platz im Auto einen kleinen Handspiegel mitführen und ihn von Zeit zu Zeit hoch nehmen, um während der Fahrt im Verkehr nach hinten zu blicken.“

Dorothy Levitt: 1909

Erste Fahrzeughersteller montierten ab 1914 Rückspiegel an den Automobilen, als Standardausstattung setzten sich die Innen- und Außenspiegel erst in den 1930er und 1940er Jahren durch.[2]

Innenspiegel[Bearbeiten]

Innenspiegel sind meist nur dort sinnvoll, wo der Durchblick durch das Fahrzeug nach hinten möglich ist, also meist bei Pkw. Auch in Bussen sind Innenspiegel angebracht, die aber dazu dienen, auch die Passagiere im Blickfeld zu haben. Bei Pkw ist der Spiegel in der Mitte zwischen Fahrer- und Beifahrersitz an der Windschutzscheibe auf einem Kugelgelenk angebracht, so dass er individuell auf den Fahrer eingestellt werden kann.

Abblendfunktionen[Bearbeiten]

Moderne Innenspiegel sind abblendbar, um bei Dunkelheit ein Blenden durch hinterherfahrende Fahrzeugen zu vermeiden; sie können in eine Position gekippt werden, in der das Licht vom Spiegelglas so gebrochen wird, dass nur ein geringerer Teil zum Betrachter reflektiert wird, ohne dass sich dabei das Blickfeld verändert.[3]

Bei automatisch abblendenden Innen- oder Außenspiegeln messen zwei im Innenspiegel angebrachte LDR-Sensoren den Helligkeitsunterschied zwischen Autovorfeld und rückwärtigem Verkehrsraum. Eine Auswertungselektronik dunkelt den mit elektrochromem Glas aufgebauten Spiegel dann bei Bedarf soweit ab, dass die Blendwirkung des rückwärtigen Verkehrs aufgehoben wird.

Elektronischer Rückspiegel[Bearbeiten]

Audi hat für den R8 e-tron einen elektronischen Rückspiegel angekündigt, der ab Ende 2012 in Kleinserie produziert werden soll. Der digitale Innenspiegel ist ein Display mit einer Bilddiagonalen von 7,7 Zoll und einer horizontalen Auflösung von 1280 Pixeln in AMOLED-Technik, das die Bilder einer Heckkamera wiedergibt und von Samsung produziert werden soll.[4]

Weitere Funktionen[Bearbeiten]

  • Besitzt ein Fahrzeug Regensensor oder Lichtautomatik, so sind diese oft auf der Rückseite des Befestigungspunktes des Innenspiegels angebracht und reagieren entweder auf Regentropfen oder Dunkelheit.
  • Bei modernen Taxis ist häufig ein abgesetztes Display mit der Fahrpreisanzeige des Taxameters in den Innenspiegel integriert.
  • Für den Nachrüstmarkt existieren Displaylösungen für Navigationsgeräte, die in die Spiegelfläche des Innenspiegels integriert sind.
  • Vor allem in den USA ist ein in den Innenspiegel integrierter elektronischer Kompass beliebt, da dort Adressbezeichnungen oft auf die Ausrichtung einer Straße bezogen sind.
  • Für gehobene Fahrzeugausstattungen gibt es Innenspiegel, die über Motor- bzw. Sensorkombinationen die aktuelle Ausrichtung messen und gespeicherte Stellungen bspw. abhängig von Memoryfunktion oder Fahrzeugschlüssel wiederherstellen können.
  • Bei der Nutzung einer rückwärts gewandten Babyschale auf dem Autorücksitz kann über den Innenspiegel in Kombination mit einem Babyschalenspiegel das Gesicht des Kindes beobachtet werden

Außenspiegel[Bearbeiten]

Rechter Außenspiegel
Rechter Außenspiegel (Mercedes-Benz S-Klasse)
Außenspiegel eines Lkw (Volvo FH)
Fernbedienung

Die Außenspiegel bzw. Seitenspiegel stehen jeweils links und rechts beim Fahrzeug nach außen und ergeben die größte Breite des Fahrzeuges. Aus Gründen des Fußgängerschutzes und um eine Beschädigung durch andere Verkehrsteilnehmer zu verringern, werden sie heute oft klappbar ausgeführt; sie können bei stärkeren Berührungen oder beim Anstoßen durch andere Fahrzeuge durch Federkraft zum Fenster anklappen und müssen manuell wieder in Position gebracht werden. Musste man früher die Fenster hinunterkurbeln, um die Spiegeleinstellung zu ändern, so sind heute fast alle Rückspiegel von innen entweder mechanisch oder elektrisch verstellbar. Bei der mechanischen Verstellung gibt es für jeden Spiegel einen kleinen Joystick, der die Verstellung mit drei Bowdenzügen an den Spiegel weiterleitet. Bei der elektronischen Verstellung können mit Stellschaltern auf der Fahrerseite beide Spiegel verstellt werden, dies ist insbesondere bei der Verstellung des rechten Außenspiegels von Vorteil. Das Design des Spiegels ist auch von großer Bedeutung bei der Verminderung der \!\ c_\mathrm w-Wertes des Fahrzeuges.

Wenn man an ein Fahrzeug einen Anhänger anhängt, der breiter als das Zugfahrzeug ist, ist die Anbringung zusätzlicher Spiegel mit einer längeren Ausladung Pflicht. Wichtig ist, dass die Spiegel vibrationsfrei befestigt sind, um eine klare Sicht zu gewährleisten.

Speziell bei Lastkraftwagen werden oft noch zusätzliche Spiegel verwendet, die eine Sicht nach unten zur Bordsteinkante erlauben.

Für den Winter sind auch beheizbare Spiegel in Verwendung.

Toter Winkel[Bearbeiten]

Während man beim Innenspiegel auch direkt hinter das Fahrzeug einsieht, ist dies bei den Außenspiegeln nicht möglich. Diesen Bereich, der – ebenso wie Teile der Seitenbereiche – nicht einsehbar ist, bezeichnet man als toten Winkel. Um diesen zu vermeiden bzw. zu verringern, werden bei manchen Fahrzeugen, bei denen es leicht vorkommt, dass Personen hinter dem Fahrzeug stehen, wie bei Bussen, auch Kameras eingesetzt, mit denen der Fahrer den toten Winkel auf einem kleinen Bildschirm im Fahrzeug einsehen kann. Zum Einsatz bei Dunkelheit sind teils blendfreie Arbeitsscheinwerfer am Rückspiegel montiert, die einzige Möglichkeit, den toten Winkel auf beiden Seiten des Fahrzeugs zu beleuchten.

Weitwinkel-Spiegel an Kraftfahrzeugen[Bearbeiten]

Seit vielen Jahren sind als freiwillig anzubringende Zurüstteile Weitwinkel-Spiegel im Kfz-Handel erhältlich, deren Zweck darin liegt, das indirekte – also nur über Spiegel einsehbare – Sichtfeld des Kraftfahrers zu vergrößern. Derartige Spiegel, die bei modernen Fahrzeugen häufig schon ab Werk eingebaut sind, bieten in der Regel in einem abgetrennten Bereich neben dem konventionellen Spiegel einen zweiten Sichtbereich an, in dem, gemessen an der „normalen“ Sicht im Spiegel, verkleinert ein größerer Ausschnitt des seitlichen und rückwärtigen Verkehrs gezeigt wird. Diese Zusatzeinrichtungen sind an Außen-, bei Pkw teilweise auch an Innenspiegeln zu finden. Neben den abgeteilten zweiten Sichtfenstern gibt es auch einteilige Spiegel mit Weitwinkelanteil, die dann jedoch gegenüber der normalen Wahrnehmung eine Verzerrung zwecks Vergrößerung des abgebildeten Bereiches erfordern.

Bei Lastkraftwagen sind seit 2005 EU-weit für neu in den Verkehr kommende Modellreihen zusätzliche Weitwinkelspiegel vorgeschrieben, da hier der uneinsehbare Bereich für den Fahrer besonders groß und damit die Unfallgefahr höher als bei kleineren Kraftfahrzeugen ist. Seit Januar 2007 müssen alle neuen Lastkraftwagen mit zusätzlichen Weitwinkel- und Nahbereichsspiegeln ausgerüstet sein. Ab März 2009 gilt auch eine Nachrüstpflicht für alle seit dem 1. Januar 2000 zugelassenen älteren Fahrzeuge ab 3,5 t zulässigem Gesamtgewicht.

Rückfahr- bzw. Einparkautomatik[Bearbeiten]

Eine weitere Neuerung bezüglich der Außenspiegel ist die so genannte Rückfahr- oder Rückwärtsgang- bzw. Einparkautomatik, bei der sich die Spiegel automatisch in eine optimale Position zum Einparken oder Rangieren absenken und somit mehr Übersicht z. B. hinsichtlich der Bordsteinkanten bieten.

Weitere Funktionen[Bearbeiten]

Ein neues zusätzliches Sicherheitsplus sind Spurwechselassistenten. Sie unterstützen den Fahrer beim Wechseln der Fahrspur bspw. ab einer Geschwindigkeit von 60 km/h. Dabei wird der Bereich seitlich hinter dem fahrenden Fahrzeug überwacht und der Fahrer über ein optisches Signal im Außenspiegel informiert, wenn das System ein anderes Fahrzeug auf der Nebenspur erkannt hat.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Hermann Braess, Ulrich Seiffert: Vieweg Handbuch Kraftfahrzeugtechnik. 2. Auflage, Friedrich Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig/Wiesbaden 2001, ISBN 3-528-13114-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. solange es noch keinen deutschsprachigen Artikel gibt, mal ein Hinweis auf den englischsprachigen Artikel: en:Dorothy Levitt
  2. Stefan Weißenborn: „Von Zeit zu Zeit nach hinten blicken“ – Vor 100 Jahren wurden die ersten Alltagsautos mit Rückspiegel ausgeliefert; Allgemeine Zeitung Mainz vom 29. November 2014; S. 57
  3. Funktionsweise des manuellen Abblendspiegels
  4. heise Autos: Audi bringt den "elektronischen Rückspiegel" in Kleinserie 14. August 2012

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rückspiegel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Rückspiegel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  • § 56 StVZO (Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung): Spiegel und andere Einrichtungen für indirekte Sicht