Richard Sapper

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Richard Sapper (* 30. Mai 1932 in München) ist ein in Mailand, Italien, lebender deutscher Industriedesigner. Er gilt als einer der wichtigsten Designer seiner Generation. Seine Produkte zeichnen sich durch die Kombination von technischer Innovation und Formklarheit aus und enthalten oft ein Element von Humor und Überraschung.[1][2][3] Sapper ist mit zahlreichen internationalen Auszeichnungen geehrt worden, unter anderen erhielt er zehn mal den renommierten Compasso d'Oro und den Lucky Strike Award der Raymond Loewy Foundation. Seine Produkte sind in den permanenten Sammlungen vieler Museen weltweit vertreten, inklusive des Museum of Modern Art (MoMA) in New York und des Londoner Victoria and Albert Museum.[1][2][3]

Leben[Bearbeiten]

Sapper begann seine Karriere als Designer in der Styling-Abteilung von Mercedes-Benz. Im Jahre 1958 zog er nach Mailand, wo er anfänglich dem Büro des Architekten Gio Ponti beitrat und anschließend für die Designabteilung des renommierten Kaufhauses La Rinascente arbeitete. 1959 begann Sapper seine Zusammenarbeit mit dem italienischen Architekten und Designer Marco Zanuso, die sich über 18 Jahre hinweg bis 1977 erstreckte.[2][4] Ab 1959 wirkten Sapper und Zanuso als Berater für Brionvega, eine italienische Firma, die erzielte, durch gut gestaltete Elektronikprodukte, mit japanischen und deutschen Geräten zu konkurrieren. Gemeinsam entwarfen sie eine Reihe von Radios und Fernsehern, die zu Designikonen geworden sind.[1][5] Unter den bedeutendsten Entwürfen zählen der gerundete, kompakte und tragbare Doney 14 (1962), der erste Fernseher der nur mit Transistoren funktionierte, sowie das Radio TS502 (1965), ein rechteckiger Kasten mit Scharnieren, der beim Öffnen Lautsprecher und Kontrollknöpfe enthüllt. Der plastische Minimalismus der beiden Designer wird in dem Entwurf für das kompakte Falttelefon Grillo deutlich, das sie für Siemens und Italtel im Jahr 1965 schufen. Grillo war das erste Telefon mit einer aufklappbaren Sprechmuschel und wurde damit zum Vorläufer des Clamshell-Designs der heutigen Handys.[1][2] 1964 entwarfen Sapper und Zanuso den K1340 für Kartell, ein sehr leichter und stapelbarer Kinderstuhl und der erste Stuhl, der vollständig aus Kunststoff hergestellt wurde.[1][4]

Am Anfang seiner eigenen unabhängigen Aktivität im Jahre 1959, entwarf Sapper die Static Tischuhr für Lorenz, die ihm den ersten Compasso d'Oro Preis einbrachte und noch heute in Produktion ist.[1] 1972 entwarf Sapper die Tizio Tischleuchte für Artemide, eine der ersten Halogenlampen, die durch ihre Niedervolt-Strom leitenden Arme die Notwendigkeit für Kabel beseitigt. Die Tizio ist zu einem der bekanntesten Kultobjekten geworden und bleibt eine der meistverkauften Lampen, die je produziert wurde.[1][6][2] Sapper schuf weitere Design-Klassiker, wie die SapperChair Bürostuhl Serie für Walter Knoll im Jahr 1979, eine Stop-Uhren Serie für Heuer im Jahr 1976, und den Nena Klappstuhl für B&B Italia im Jahr 1984.[1][3] Im Jahre 1978 beauftragte Alessi Sapper das erste Produkt einer langen Serie zu gestalten, die Espressomaschine 9090. Es folgten der Wasserkessel Bollitore mit zwei-töniger Pfeife im Jahr 1984, 1990 die Teekanne Bandung, die Coban Espressomaschine im Jahr 1997, die Käsereibe Todo im Jahr 2006 und viele andere. Die Cintura di Orione Kochtopf Serie für Alessi wurde 1986 und 2009 in Zusammenarbeit mit Küchenchefs wie Roger Verge, Pierre und Michel Troisgros und Alain Chapel konzipiert.[1][5][7][4]

1980 wurde Sapper zum leitenden Industriedesign Berater bei IBM nominiert und begann somit die Gestaltung zahlreicher Laptop Computer, darunter den ersten ThinkPad (700C) im Jahr 1992. Sapper brach mit der Tradition perlgrauer Maschinen, die das Unternehmen zuvor bevorzugte. Stattdessen entwarf er eine einfache und elegante schwarze rechteckige Box, inspiriert von den Proportionen einer klassischen Zigarrenschachtel, die beim Öffnen eine Überraschung enthüllt: einen kleinen roten Knopf inmitten der Tastatur, der als Cursor zur Steuerung dient.[1][5][2][3] Sapper übersieht noch heute die ThinkPad Marke als Designberater für Lenovo, nachdem Lenovo 2005 den PC-Geschäftsbereich von IBM erwarb.[2][8]

Im Laufe seiner Karriere hat Sapper großes Interesse für Transportprobleme gezeigt. Er hat mit Fiat S.p.A. an experimentellen Autos gearbeitet, vor allem an der Entwicklung pneumatischer Stoßstangen, und mit Pirelli an der Entwicklung pneumatischer Strukturen. Im Jahre 1972 gründete er mit der Architektin Gae Aulenti eine Arbeitsgruppe für die Studie neuer Stadtverkehrssysteme. Dieses Thema entwickelte er im Rahmen einer Ausstellung an der XVI Triennale in Mailand im Jahr 1979 weiter. Dort stellte er ein Projekt für einen Bus für FIAT vor, der Fahrgästen das Stauen von Fahrrädern in einem Spezialständer ermöglichte. Sein Interesse kulminierte mit der Gestaltung des Zoombike (nicht mehr in Produktion). Dieses ultraleichte Fahrrad wurde mit Flugzeugbautechnologieen entwickelt, um die erwünschte Stärke und Beschleunigung zu erreichen, und welches sich zugleich so schnell und einfach wie ein Regenschirm falten lassen würde und dabei leicht in einen Kofferraum verstaut werden könnte.[1][4]

Zu Sappers Kunden gehören namhafte Firmen wie Alessi, Artemide, B&B Italia, Castelli, Heuer, IBM, Kartell, Knoll, Lenovo, Lorenz, Magis, Molteni Unifor und Pirelli.[1]

Sapper hat an der Yale University, der Kunstakademie Stuttgart, der Universität von Peking, dem Royal College of Art in London, der Domus Academy in Mailand, der Universität von Buenos Aires, und der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien doziert.[1][4]

Sapper ist ein Honorary Fellow der Royal Society of Arts in England und Mitglied der Akademie der Künste in Deutschland.[4] 2009 verlieh der Rat für Formgebung Sapper einen Lifetime Achievement Award für seine gestalterische Arbeit und 2010 wurde Sapper zum Ehrendoktor an der University of North Carolina erkoren. Im Jahr 2012 erhielt Sapper das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

Lehrtätigkeit[Bearbeiten]

Werk (Auswahl)[Bearbeiten]

Lampe Tizio
Klappradio für Brionvega, hier das Retromodell TS 522 von 2004
Flötenkessel 9091 (Bollitore) für Alessi, 1983
Notebook 5140 für IBM, 1985
  • 1960 – Tischuhr Static für Lorenz (ausgezeichnet mit: Compasso d’Oro)
  • 1962 – Fernseher Doney für Brionvega (ausgezeichnet mit: Compasso d’Oro)
  • 1963 – Kunststoffstuhl K-1340 für Kartell (mit Marco Zanuso) (ausgezeichnet mit: Compasso d’Oro)
  • 1963 – Stuhl Lambda für Gavina
  • 1964 – Klappbares Kunststoffradio TS 502 für Brionvega (mit Marco Zanuso)
  • 1966 – Klappbares Telefon Grillo für Siemens (ausgezeichnet mit: Compasso d’Oro)
  • 1965 – Fernseher Algol für Brionvega
  • 1969 – Fernseher Black 12 für Brionvega
  • 1971 – Radio Match für Telefunken
  • 1972 – Halogenleuchte Tizio für Artemide (ausgezeichnet mit: Compasso d’Oro, iF Product Design Award)
  • 1973 – Bücherregal Genia für B&B Italia
  • 1974 – Kurzzeitwecker Minitimer für Italora
  • 1975 – Deckenleuchte Aretusa für Artemide
  • 1975 – Tischuhr Tantalo für Artemide
  • 1978 – Stoppuhr Microsplit für Heuer
  • 1979 – Espressomaschine 9090 für Alessi (ausgezeichnet: Compasso d’Oro (1979), Design Plus (1983))
  • 1979 – Bürostuhlserie Sapper Collection für Knoll International (ausgezeichnet mit: Bundespreis Die gute Form)
  • 1982 – Kaffee- und Teeservice für Alessi
  • 1983 – Flötenkessel 9091 (Bollitore) für Alessi
  • 1984 – Armstuhl Nena für B&B Italia
  • 1985 – Laptop 5140 für IBM (ausgezeichnet mit: Die gute Industrieform IF Award)
  • 1986 – Schreibtischsystem From 9 to 5 für Castelli (ausgezeichnet mit: Compasso d’Oro)
  • 1987 – Kochgeschirr La Cintura di Orione für Alessi
  • 1987 – Armbanduhr Uri-Uri für Alessi
  • 1988 – Büroleuchtensystem Argo für Artemide (ausgezeichnet mit: Die gute Industrieform IF Award)
  • 1988 – Bürostuhlserie System 26 für Comforto
  • 1989 – Sekretär Secretaire für Molteni Unifor (ausgezeichnet mit: Die gute Industrieform IF Award)
  • 1991 – Kraftfahrzeug Axelsystem für Hurth-Axle (ausgezeichnet mit: Compasso d’Oro)
  • 1991 – Leuchte Astarte für Artemide
  • 1992 – Laptop Thinkpad 700 C für IBM
  • 1992 – Teekanne Bandung für Alessi
  • 1995 – Tafelbesteck RS01 für Alessi
  • 1995 – Stapelbare Tabletts RS02 für Alessi
  • 1996 – Laptop ThinkPad 701 für IBM (ausgezeichnet mit: Die gute Industrieform IF Award)
  • 1996 – Hängeleuchte Kyron für Artemide
  • 1997 – Kaffeemaschine Cobàn für Alessi (ausgezeichnet mit: Compasso d’Oro, Die gute Industrieform IF Award)
  • 1998 – Stapelstuhl Aida für Magis
  • 1998 – Büroleuchtensystem Orbiter für Siemens - Siteco
  • 1999 – Türklinke Laser für Olivari
  • 2000 – Computer Netvista X40 für IBM (ausgezeichnet mit: International Design Excellence Award)
  • 2000 – Klappbares Fahrrad Zoombike für Elettromontaggi (ausgezeichnet mit: Compasso d’Oro)
  • 2001 – Computer Netvista X41 für IBM (ausgezeichnet mit: International Design Excellence Award)
  • 2001 – Klappbarer Tisch Aida für Magis
  • 2002 – Espresso Tasse RS07 für Alessi
  • 2002 – Computer 1560 für IBM
  • 2003 – Kugelschreiber Dialog 1 für Lamy
  • 2003 – Schranksystem Meta für Robots
  • 2004 – Käsereibe Todo für Alessi
  • 2005 – LED-Leuchte Halley für Lucesco (ausgezeichnet: NeoCon Gold Award)
  • 2006 – Espresso Kaffeemaschine ARS09 für Alessi
  • 2007 – Laptop ThinkPad Reserve Edition für Lenovo
  • 2007 – Stapelstuhl Tosca für Magis
  • 2008 – Küchenmesser und Ständer La Cintura di Orione für Alessi
  • 2009 – Steakmesser und Ständer La Cintura di Orione für Alessi
  • 2010 – Computermonitorenarmsystem Sapper Collection für Knoll
  • 2012 – Pfeffermühle Tonga für Alessi
  • 2012 – Computermonitorenarnsystem XYZ für Knoll
  • 2013 – Laptop ThinkPad X1 Carbon für Lenovo

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Richard Sappers Entwürfe wurden mit zahlreichen international bedeutenden Preisen ausgezeichnet. So erhielt er mehrfach den italienischen Designpreis Compasso d’Oro (Goldener Zirkel) und den deutschen iF Product Design Award, zweimal den deutschen Preis Gute Form (1969 und 1983), zwei Goldmedaillen der Biennale für Industriedesign in Ljubljana (1973 und 1979) sowie 1992 den Lucky Strike Designer Award der Raymond Loewy-Stiftung. Im Jahre 2005 verlieh ihm die deutsche Zeitschrift Architektur & Wohnen den Titel „Designer des Jahres 2005“.

2009 wurde Richard Sapper vom Rat für Formgebung im Rahmen des Designpreises der Bundesrepublik Deutschland als „Gestalter-Persönlichkeit“ ausgezeichnet.[9], 2012 mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland.[10]

Das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) sowie das Philadelphia Museum of Art würdigen Richard Sapper mit der Aufnahme einiger seiner Entwürfe in ihre ständige Ausstellung (siehe Weblinks).

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Webb, Richard Sapper, Chronicle Books, San Francisco 2002
  • Uta Brandes, Richard Sapper: Tools for Life, Steidl Verlag, Goettingen 1993
  • Hans Höger, Tizio Light by Richard Sapper (Design Classics), Verlag form, Hamburg 1997
  • Siegfried Gronert, The 9090 Cafetiere by Richard Sapper (Design Classics), Verlag form, Hamburg 1998
  • Richard Sapper, Michael Horsham, The International Design Yearbook 1998, Laurence King, London 1998
  • Literatur von und über Richard Sapper im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j k l m Webb, M., (2002), Richard Sapper, San Francisco: Chronicle Books, 2002.
  2. a b c d e f g Hamm, S, ″Richard Sapper: Fifty years at the Drawing Board″, Business Week, January 10, 2008.
  3. a b c d Ott, S, ″Richard Sapper: You have to rely on your instinct″, Form, May/June, 2009.
  4. a b c d e f Sambonet, R., (1988), Richard Sapper - 40 progetti di Design, Exhibition catalog, Milano: Artemide-litech, 1988.
  5. a b c Brandes, U., (1993) Richard Sapper: Tools for Life, Göttingen: Steidl Verlag, 1993
  6. Hoger, H., (1997) The Tizio-Light by Richard Sapper, Basel: Birkhäuser, 1997
  7. Hoger, H., (1997) The Tizio-Light by Richard Sapper, Basel: Birkhäuser, 1997
  8. Richard Sapper and the Lenovo ThinkPad X300. Lenovovideolibrary.com. 26. Februar 2008. Abgerufen am 31. Dezember 2013.
  9. Designpreis 2009: Die Gewinner
  10. BAnz AT 22.11.2012 B1

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Artikel über Richard Sapper[Bearbeiten]

Produktfotos[Bearbeiten]