Marmon

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Dieser Artikel behandelt die Automobilmarke Marmon; für den gleichnamigen Bildhauer, siehe Franz Xaver Marmon, den Juristen und Gestapomitarbeiter siehe Franz Marmon
Werbung für den Marmon Modell 48 (1914)

Marmon war eine Automobilmarke, die von Nordyke Marmon & Company in Indianapolis (Indiana) von 1902 bis 1933 hergestellt wurde. Von 1963 bis 1997 wurden Lastwagen in Texas unter diesem Namen gefertigt.

Marmon PKWs[Bearbeiten]

Marmon Modell 69 Limousine 4 Türen (1929)
Marmon Sixteen Limousine 4 Türen (1933)

Die Muttergesellschaft von Marmon wurde 1851 gegründet und stellte Mühlentechnik her. Ende des 19. Jahrhunderts fertigte man auch Maschinen für andere Bereiche. 1902 begann eine kleine Produktion automobiler Prototypen mit luftgekühlten V2-Motoren. Ein luftgekühlter Vierzylinder-V-Motor kam im Folgejahr, und die nächsten fünf Jahre beschäftigte man sich mit ersten V6- und V8-Motoren, bevor man sich konventionellen Reihenmotoren zuwandte. Die Marmons hatten sich bald einen guten Ruf als zuverlässige, schnelle und große Autos erworben.

Vom Modell 32 aus dem Jahre 1909 wurde der Wasp abgeleitet, der erste Sieger des Indy 500-Rennens. Dieser Wagen besaß den ersten Rückspiegel der Welt.

Das Modell 34 von 1916 hatte einen Sechszylinder-Reihenmotor aus Aluminium, ein Material, das an diesem Wagen auch an Fahrgestell und Karosserie verarbeitet wurde, um sein Leergewicht auf nur 1495 kg zu senken. Mit einem Modell 34 wurde eine Fahrt von Küste zu Küste durchgeführt, wobei der Rekord von Erwin „Cannonball“ Baker spektakulär gebrochen wurde.

1924 führte man neue Modelle ein, um das langlebige Modell 34 zu ersetzen, aber das Unternehmen kam in finanzielle Schwierigkeiten und wurde 1926 in die Marmon Motor Car Co. überführt.

1929 führte Marmon ein Auto mit Achtzylinder-Reihenmotor zu einem Preis unter 1000,– US$ ein und nannte ihn Roosevelt, aber der Schwarze Donnerstag des Jahres 1929 verschlimmerte die Probleme der Firma. 1927 hatte Howard Marmon seine Arbeiten am ersten V16-Motor der Welt begonnen, konnte aber erst 1931 das Serienmodell Sixteen vorstellen. Da hatte Cadillac bereits seinen V-16 eingeführt, der von dem ehemaligen Marmon-Ingenieur Owen Nacker konstruiert worden war. Auch Peerless entwickelte einen V16 mit Hilfe eines ehemaligen Marmon-Konstrukteurs, James Bohannon.

Der Marmon Sixteen wurde nur drei Jahre lang gebaut und es entstanden 400 Stück. Sein Hubraum betrug 8.046 cm3 und er leistete 200 bhp (147 kW). Der Motor hatte einen Aluminiumblock und Zylinderköpfe aus Aluminium; die Laufbuchsen waren aus Stahl und der Zylinderwinkel betrug 45°.

1933, im schlimmsten Jahr der Weltwirtschaftskrise, stellte Marmon den Bau von Automobilen ein.

Ray Harrouns „Wasp“, Sieger des Indy 500-Rennens 1911. Den Rückspiegel des Autos sieht man an der Verspannung vor dem Lenkrad.

Marmon bleibt als Erfinder des Rückspiegels, wegen der Einführung des V16-Motors und der Anwendung von Aluminium im Automobilbau in Erinnerung.

Zwar stellte Marmon die eigene Automobilproduktion ein, aber man stellte Komponenten für andere Autofirmen, sowie LKWs, her. Als die Weltwirtschaftskrise den Markt für Luxusautomobile drastisch verkleinerte, tat sich die Marmon Car Company mit Arthur (Colonel) Herrington zusammen, einem ehemaligen Armeeingenieur, der an der Konstruktion von Allradfahrzeugen beteiligt war. Die neue Gesellschaft hieß Marmon-Herrington.

Marmon-Herrington begann erfolgreich, da man Bestellungen für Flugzeugtankfahrzeuge, Fahrlafetten mit Allradantrieb und die größten Lastwagen der damaligen Zeit für die irakische Betreibergesellschaft der Ölpipeline erteilt bekam. Darüber hinaus gelang es der Geschäftsführung, das Unternehmen auf dem Markt für preisgünstige Allradfahrzeuge zu etablieren.

Dies ließ den Marmon-Herrington-Ford entstehen. Der Umbau von LKW-Fahrgestellen auf Allradantrieb ist bis heute der Hauptgeschäftszweck der Marmon-Herrington Company.

In den frühen 1960er-Jahren wurde Marmon-Herrington von der Familie Pritzker aufgekauft und wurde Teil einer Firmengruppe, der man den Namen Marmon Group gab.

Modelle[Bearbeiten]

Modell Bauzeitraum Zylinder Leistung Radstand
Modell A 1904 4 Zyl. 20 bhp (14,7 kW) 2134 mm
Modell B 1905 4 Zyl. 20 bhp (14,7 kW) 2286 mm
Modell C 1906 4 Zyl. 24 bhp (17,6 kW) 2286 mm
Modell D 1906 4 Zyl. 30 bhp (22 kW) 2286 mm
Modell C-7 1907 4 Zyl. 24 bhp (17,6 kW) 2438 mm
Modell F 1907 4 Zyl. 35 bhp (25,7 kW) 2642 mm
Modell G 1908 4 Zyl. 40 bhp (29 kW) 2642 mm
Modell H 1908 4 Zyl. 50 bhp (37 kW) 2896 mm
Modell 45 1909 4 Zyl. 60 bhp (44 kW) 2997 mm
Modell 50 1909 4 Zyl. 60 bhp (44 kW) 2997 mm
Modell 32 1909–1914 4 Zyl. 32–40 bhp (23,5–29 kW) 2845–3048 mm
Modell 48 1913–1915 6 Zyl. 48 bhp (35,3 kW) 3683 mm
Modell 41 1914–1916 6 Zyl. 41–43 bhp (30–31,6 kW) 3353 mm
Modell 34 1916–1924 6 Zyl. 34–84 bhp (25–62 kW) 3454 mm
Modell 74 1925–1926 6 Zyl. 84 bhp (62 kW) 3454 mm
Little Marmon 1927 8 Zyl. 64 bhp (47 kW) 3327 mm
Modell 75 1927–1928 6 Zyl. 84 bhp (62 kW) 3454 mm
Modell 68 1928–1929 8 Zyl. 42–76 bhp (31–56 kW) 2896 mm
Modell 78 1928–1929 8 Zyl. 86 bhp (63 kW) 3048 mm
Modell 69 1930 8 Zyl. 76 bhp (56 kW) 2997 mm
Modell 79 1930 8 Zyl. 107 bhp (79 kW) 3175 mm
Big 8 1930 8 Zyl. 125 bhp (92 kW) 3454 mm
Modell 70 1931 8 Zyl. 84 bhp (62 kW) 2870 mm
Modell 88 1931 8 Zyl. 125 bhp (92 kW) 3302–3454 mm
Sixteen 1931–1933 16 Zyl. 200 bhp (147 kW) 3683 mm
Modell 8-125 1932 8 Zyl. 125 bhp (92 kW) 3175 mm

Marmon LKWs[Bearbeiten]

1963, als Marmon-Herrington die LKW-Herstellung aufgegeben hatte, übernahm eine neue Firma, die Marmon Motors Co. in Denton (Texas) den Namen und baute die LKWs nach, die man bei Marmon-Herrington konstruiert hatte. Diese LKWs waren von besonderer Güte und wandten sich an Eigner, die ihre Fahrzeuge selbst fuhren; sie waren die Spitze der texanischen LKW-Herstellung.

Der Marmon war immer ein handgefertigter LKW mit niedrigen Herstellungszahlen, der manchmal als „Rolls-Royce unter den LKWs“ tituliert wurde. Das große Angebot auf dem LKW-Markt und das fehlende Verkaufsnetzwerk besiegelten das Ende der Marmon-LKWs in den Vereinigten Staaten. Der letzte Marmon entstand 1997 und die Werke in Garland (Texas) übernahm die Paystar-Abteilung von Navistar International.

1996 hatte man einen Versuch unternommen, in Australien LKWs unter dem Namen Max Marmon herzustellen. Es entstanden aber offensichtlich nur wenige Exemplare.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marmon vehicles – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  • Kimes, Beverly R., Clark, Henry A.: Standard Catalogue of American Cars 1805–1942, Kraus Publications, Iola (1985), ISBN 0-87341-045-9