Reichsmarschall

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Der Reichsmarschall – des Reiches Marschall (Erzmarschall) war ursprünglich der militärische Stellvertreter des Kaisers und bekleidete eines der Erzämter im Heiligen Römischen Reich. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde der Titel eines Reichsgeneralfeldmarschalls durch Kaiser und Reichstag verliehen. Im Jahr 1938 wurde er im faschistischen Italien, und 1940 im Deutschen Reich unter dem Nationalsozialismus für eine sowohl militärische als auch politische Oberbefehlshaberposition neu eingeführt.

Reichsmarschall entspricht in etwa dem Titel eines Generalissimus. Heute ist der Rang eines Reichsmarschalls nur in Schweden für den Chef des königlichen Hofstaates gebräuchlich.

Kurfürst von Sachsen
Reichs-Erz-Marschall

Heiliges Römisches Reich[Bearbeiten]

Graf von Pappenheim
Reichs-Erb-Marschall

Das Amt des Marschalls war seit Otto I. eines der Erzämter und später mit der Kurwürde verbunden. In der Goldenen Bulle wird der Kurfürst von Sachsen als Reichs-Erzmarschall (Archimarescallus) benannt. Er war bei zeremoniellen Gelegenheiten der Träger des Reichsschwertes. Sein Amtszeichen, das er auch im Wappen führte, waren zwei gekreuzte rote Schwerter. Die Stellvertretung war erblich als Reichserbmarschall (Vicemarescallus) an die Grafen von Pappenheim gebunden. Waren beide Ämter im Hochmittelalter noch mit realer Funktion als Befehlshaber des gesamten Reichsaufgebots versehen, so hatten sie spätestens seit der Renaissance lediglich zeremonielle Aufgaben bei Kaiserkrönungen und Reichstagen zu erfüllen.

Als Generalissimus wurden im Dreißigjährigen Krieg Albrecht von Wallenstein als oberster General des Kaisers bezeichnet. In den Wahlkapitulationen der Kaiser des 17. Jahrhunderts sollte das Reichsheer, eine Kontingentarmee des Reiches neben den Armeen der Fürstentümer, von einem Reichs-General-Feldmarschall befehligt werden. Die Entscheidung, wem diese Ernennung zustehen sollte, lag beim Kaiser und dem Reichstag. Es wurden stets zwei Reichsgeneralfeldmarschalle bestellt, je einer aus dem katholischen und einer aus dem evangelischen Lager.[1] 1734 wurden auf Zeit vier Reichsgeneralfeldmarschalle ernannt.

Dänemark[Bearbeiten]

In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: das nach dem Reichskanzler zweitwichtigste Reichsamt im dänischen Reichsrat – vergleiche da:Rigsmarsk, en:Rigsmarsk und no:Rigsmarsk

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Schweden[Bearbeiten]

In Schweden hat sich die Bedeutung des Reichsmarschalles (Riksmarsk und Riksmarskalk) im Laufe der Zeit geändert. Ursprünglich Chef der schwedischen Kavallerie, wie die Marschälle anderer Länder, entwickelte sich der Riksmarsk ab der Mitte des 13. Jahrhunderts zum militärischen Oberbefehlshaber. Bedeutende Reichsmarschälle waren unter anderen Torgils Knutsson und Karl Knutsson.

Unter den Wasa-Königen wurde der Titel Riksmarsk als militärischer Titel vergeben. In der Verfassung von 1634 wurden zwei Ämter eingerichtet, das des Riksmarsk, der Präsident des Kriegskollegiums war, und das des Riksmarskalk, der als Chef des schwedischen Hofstaates im Reichsrat vertreten war. Nach dem Tod des Reichsmarschalls Carl Gustav Wrangel 1676 wurde das Amt des Riksmarsk nicht nachbesetzt. 1680 änderte man den Titel Riksmarskalk in Överstemarskalk (Oberstmarschall), aber wechselte 1722 wieder zurück zu Reichsmarschall.[2]

Auch heute noch ist der Reichsmarschall der Chef des schwedischen Hofstaates. Als solcher nimmt er an der festlichen Eröffnung eines neuen Reichstages teil. Bis 1982 führte der Reichsmarschall das Prädikat Exzellenz.

Erster Reichsmarschall

Italien 1938 bis 1946[Bearbeiten]

Nach dem Sieg über Äthiopien führte Benito Mussolini als Oberbefehlshaber über die Italienischen Streitkräfte und Capo del governo am 30. März 1938 für sich die Würde eines Ersten Reichsmarschalls (Primo maresciallo dell'Impero) ein, den er notgedrungen auch dem König Viktor Emanuel III. als Staatsoberhaupt antragen musste. Der über den im Jahre 1924 eingeführten Marschällen von Italien (Maresciallo d’Italia) stehende Rang wurde mit diesen 1946 wieder abgeschafft.

Deutsches Reich 1940 bis 1945[Bearbeiten]

Original Marschallstab Hermann Görings im Museum von West Point

Am 19. Juli 1940 wurde der Dienstgrad „Reichsmarschall des Großdeutschen Reiches“ in der Wehrmacht, oberhalb des Generalfeldmarschalls, geschaffen. Er diente ausschließlich der Hervorhebung der führenden Position Hermann Görings als ranghöchster deutscher Soldat (und zweiter Mann im Staate). Göring war der einzige, der den Titel erhielt.

Am gleichen Tag ernannte Hitler zwölf Generäle zum Generalfeldmarschall.

Bedeutung[Bearbeiten]

Der Rang des Reichsmarschalls war im Falle Görings nur formaler Natur. Eine Kommandobefugnis über die Wehrmacht im Gesamten war damit nicht verbunden. (Siehe auch: NS-Ranggefüge, Oberkommando der Wehrmacht)

Standarte des Reichsmarschalls (1941–45) im Musee-de-lArmee, Paris

Uniform[Bearbeiten]

Die Schulterstücke der Uniform unterschieden sich von denen der Generalfeldmarschälle mit gekreuzten Marschallstäben durch einen Reichsadler, der einen Kranz mit den Marschallstäben in den Fängen hielt.[3]

Marschallstab[Bearbeiten]

Göring erhielt einen besonderen Marschallstab aus Elfenbein, Gold und Brillanten. Der Marschallstab weicht von denen des Heeres ab und war denen der Luftwaffe ähnlicher. Neben dem Eisernen Kreuz war auf diesem Stab das Balkenkreuz der Luftwaffe aufgelegt.[3]

Außerdem erhielt Göring einen Interimsstab, dessen Spitze aus Elfenbein war.[3]

Entsprechungen[Bearbeiten]

Frankreich[Bearbeiten]

Dem Reichsmarschall entspricht seit dem 11. Jahrhundert in Bedeutung und Aufgabe der Connétable von Frankreich. Der comes stabuli (Stallgefährte) ist die mittellateinische Entsprechung des deutschen marahscalc (Marschall – Pferdeknecht). Er war ab dem 14. Jahrhundert der Oberbefehlshaber der Armee (oberster Kronfeldherr), dem ab 1190 die Marschälle von Frankreich als Stellvertreter dienten. In der Folgezeit war es eine der mächtigsten Funktionen in Frankreich. Das Amt des Connétable wurde von Richelieu schließlich 1624/1627 abgeschafft, weil sich die Machtfülle nicht mit der Ideologie des Absolutismus vereinen ließ. Seine Befugnisse gingen zeitweilig auf das im späten 16. Jahrhundert neu geschaffene Amt des General-Marschalls (maréchal général des camps et armées du roi) über.

Fälschlich werden auch die von Napoleon zu Marschällen des Kaiserreiches (Maréchaux d’Empire) ernannten Marschälle von Frankreich oder Großmarschälle seines Palastes als Reichsmarschälle bezeichnet.

Japan[Bearbeiten]

Der Dai-Gensui, der 1871 erstmals ernannt worden ist, entspricht dem Reichsmarschall.

Vereinigte Staaten von Amerika[Bearbeiten]

vorgeschlagenes Rangabzeichen

Zur Zweihundertjahrfeier wurde am 11. Oktober 1976 als höchster Dienstgrad der General of the Armies of the United States (mit 6 Sternen) geschaffen, der über dem mit einem Feldmarschall vergleichbaren General of the Army (5 Sterne) steht. Postum wurde nur George Washington diese Würde „für die Vergangenheit und Gegenwart“ verliehen. Hierbei wurde bestimmt, dass kein US-Offizier jemals einen höheren Rang als Washington bekleiden kann.[4]

Den Titel führte General John J. Pershing nach dem Ersten Weltkrieg in Anerkennung seiner Leistung als Oberbefehlshaber der American Expeditionary Forces in Europa. Als Rangabzeichen trug er vier Sterne, jedoch in Gold statt wie üblich in Silber. Allerdings entsprach der Rang damals wohl eher dem des Feldmarschalls, da es den 5-Sterne-General noch nicht gab.

Bisher ist keine weitere Persönlichkeit mit diesem Rang ausgezeichnet worden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hermann Graml und Hermann Weiß, Wolfgang Benz (Hrsg.): Enzyklopädie des Nationalsozialismus. dtv, S. 683.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Reichs-General-Feld-Marschall, Reichs-Feld-Oberster. In: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 31, Leipzig 1742, Spalte 81 f.
  2. Th. Westrin: Nordisk familjebok, Uggleupplagan, Band 23, Seite 377. Stockholm 1916
  3. a b c Adolf Schlicht und John R. Angolia: Die Deutsche Wehrmacht, Uniformierung und Ausrüstung 1933–1945, Band 3, Die Luftwaffe. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-613-02001-7.
  4. Public Law 94-479

Siehe auch[Bearbeiten]