René Deltgen

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Renatus Heinrich Deltgen (* 30. April 1909 in Esch an der Alzette, Luxemburg; † 29. Januar 1979 in Köln) war ein luxemburgischer Schauspieler, Synchronsprecher und Hörspielsprecher.

Biografie[Bearbeiten]

Er war der Sohn des Chemikers Mathias Deltgen und seiner Ehefrau Katharina, geborene Pütz. Nach dem Abitur ging er 1927 nach Köln an die dortige Schauspielschule, wo er akzentfrei deutsch lernte. Von 1931 bis 1934 sammelte er Bühnenerfahrung bei den Städtischen Bühnen Köln. Erste Erfolge hatte er in dem Stück Der Graue von Friedrich Forster. Nach einem einjährigen Engagement an den Städtischen Bühnen Frankfurt bekam er seine erste Filmrolle bei der UFA 1935 in Das Mädchen Johanna, ein Film über Johanna von Orléans.

Bis 1944 spielte er an verschiedenen Bühnen in Berlin und wirkte in zahlreichen Filmen mit. Seine Paraderollen waren dabei die eines charmanten Liebhabers oder eines skrupellosen Abenteurers. Die deutsche Kulturpolitik im angegliederten Luxemburg versuchte Deltgen als Typus des im Reich arrivierten Luxemburgers zu präsentieren und machte ihn 1939 zum Staatsschauspieler. Plakate, auf denen er zum Beitritt der luxemburgischen Jugend in die Hitler-Jugend aufrief, verleideten der Bevölkerung ihren früheren Stolz auf den bekannten Schauspieler Luxemburgs. Auch in den Nachkriegsjahren verziehen seine Landsleute ihm die Kollaboration mit den Deutschen nicht. 1945/46 kam es deshalb in Luxemburg zu einem vielbeachteten Gerichtsverfahren wegen Landesverrats: Deltgen wurde zu zwei Jahren Gefängnis, 100.000 Francs Geldbuße und zum Verlust der luxemburgischen Staatsangehörigkeit – die ihm 1952 rückerkannt wurde – verurteilt. Die Haftstrafe musste er nur zum Teil absitzen.[1] Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte René Deltgen weitere Erfolge im Kino. Dazu gehört auch seine Rolle in Nachtwache als verbitterter ehemaliger Kampfflieger Stefan Gorgas. Weiter hervorzuheben sind die Fritz-Lang-Großproduktionen Der Tiger von Eschnapur und Das indische Grabmal mit Debra Paget (beide 1959). In den 1960er Jahren spielte Deltgen die Titelfigur in den Edgar-Wallace-Filmen Der Hexer (1964) und Neues vom Hexer (1965). Im ersten Film wurde sein Name allerdings nicht im Vorspann zu Beginn des Filmes genannt, da erst am Ende die Identität des Hexers aufgedeckt wurde und er dadurch entlarvt worden wäre. In der weniger erfolgreichen Fortsetzung war er von Anfang an als „der Hexer“ bekannt.

Größeren Erfolg als im Kino hatte René Deltgen in den 50er- und 60er-Jahren im Radio, mit den Francis-Durbridge-Hörspielen um den Detektiv Paul Temple. In 11 von 12 Hörspielen sprach er die Titelrolle; nur im letzten Hörspiel Paul Temple und der Fall Alex übernahm Paul Klinger diese Rolle. In acht der Kriminalfälle sprach Annemarie Cordes die Rolle seiner Ehefrau Steve. Mit einer Ausnahme war auch Kurt Lieck als Sir Graham Forbes in allen Folgen an seiner Seite, genau wie Herbert Hennies, der die Rolle seines Dieners Charlie sprach sowie Deltgens langjähriger Freund Heinz Schimmelpfennig in verschiedenen Rollen. In „Paul Temple und der Fall Margo“ wirkte neben Deltgen auch sein Sohn Matthias Deltgen in der Rolle des Ken Sinclair mit. Alle Durbridge-Hörspiele, außer Paul Temple und die Affäre Gregory, sind mittlerweile auf CD erschienen.

In den 60er-Jahren kamen zahlreiche Fernsehrollen hinzu, z. B. in Schau heimwärts, Engel (mit Inge Meysel), in der Böll-Verfilmung „Nicht nur zur Weihnachtszeit“ oder in Folgen der Krimiserie Der Kommissar.

Grabstein für René Deltgen auf dem Melaten-Friedhof in Köln

Neben seiner Arbeit für Film und Fernsehen war René Deltgen aber auch weiterhin auf der Theaterbühne tätig. Er spielte unter anderem an den Münchener und Hamburger Kammerspielen, am Schauspielhaus Zürich und am Wiener Burgtheater.

Einem jüngeren Publikum wurde René Deltgen als Alp-Öhi in der Fernsehverfilmung des Romans Heidi von 1978 bekannt. Als Synchronsprecher war Deltgen in einigen Filmen die deutsche Stimme für Spencer Tracy und für Kirk Douglas. Während seiner gesamten Karriere hat er insgesamt in über 40 Filmen mitgewirkt.

René Deltgen war zweimal verheiratet, zuerst mit der Schauspielerin Elisabeth Scherer, mit der er drei Kinder hatte, die Söhne Matthias und Florian sowie die Tochter Katrin. Aus der zweiten Ehe mit Anita Irene Wapordjieff stammt die Tochter Dominique.

1979 starb René Deltgen an Krebs und wurde auf dem Kölner Melaten-Friedhof beigesetzt. Sein Grab liegt in unmittelbarer Nachbarschaft der Gräber seiner Schauspielkollegen Willy Birgel und Gunther Philipp.

Der Dokumentarfilm René Deltgen – Der sanfte Rebell (2004) des Regisseurs Michael Wenk zeichnet die Karriere und das wechselvolle Leben des bis heute berühmtesten luxemburgischen Schauspielers nach.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1939: Ernennung zum Staatsschauspieler
  • 1954: Filmband in Gold für seine Rolle in Der Weg ohne Umkehr
  • 1978: Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film

Hörspiele mit René Deltgen[Bearbeiten]

Paul Temple Hörspiele in Produktionsreihenfolge, Wiederveröffentlichungen sind in Klammern angegeben:

Weiterer Krimi-Mehrteiler nach Francis Durbridge
  • 1968: La Boutique, als Chefinspektor Robert Bristol (Hauptrolle) - Regie: Hans Hausmann

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1945: Wir beide liebten Katharina (unvollendet)
  • 1949: Tromba
  • 1949: Nachtwache
  • 1950: Export in Blond
  • 1951: Torriani
  • 1952: Das letzte Rezept
  • 1952: Unter den tausend Laternen (auch Die Stimme des Anderen)
  • 1953: Weg ohne Umkehr
  • 1953: Das Haus an der Küste (Kuca na Obali)
  • 1954: Sterne über Colombo
  • 1954: Die Gefangene des Maharadscha
  • 1954: Der Mann meines Lebens
  • 1954: Der letzte Sommer
  • 1954: Frühlingslied
  • 1954: Phantom des großen Zeltes
  • 1955: Vom Himmel gefallen
  • 1955: Hotel Adlon
  • 1956: Ohne Dich wird es Nacht
  • 1956: London ruft Nordpol (Londra chiama Polo Nord)
  • 1957: Königin Luise
  • 1959: Der Tiger von Eschnapur
  • 1959: Das indische Grabmal
  • 1960: Die Friedhöfe (Fernsehfilm)
  • 1961: Schau heimwärts, Engel (Fernsehfilm)
  • 1962: Golden Boy
  • 1962: Ein verdienter Staatsmann (Fernsehfilm)
  • 1962: Der Gefangene (Fernsehfilm)
  • 1963: Das Kriminalmuseum (Fernsehserie, Folge Nur ein Schuh)
  • 1964: Das Kriminalmuseum (Folge Der Schlüssel)
  • 1964: Umbruch (Fernsehfilm)
  • 1964: Die goldene Göttin vom Rio Beni
  • 1964: Der Hexer
  • 1965: Der Sündenbock (TV)
  • 1965: Neues vom Hexer
  • 1965: Die eigenen vier Wände (Fernsehfilm)
  • 1966: Angeklagt nach § 218
  • 1970: Ohrfeigen
  • 1970: Nicht nur zur Weihnachtszeit (Fernsehfilm)
  • 1970: Spiele der Macht – Auf den Abgrund zu (Fernsehfilm)
  • 1971: Klassenkampf (Fernsehfilm)
  • 1971: Die Auferstehung des Stefan Stefanow (Fernsehfilm)
  • 1971: Das Messer (Fernseh-Dreiteiler)
  • 1973: Mein Onkel Benjamin (Fernsehfilm)
  • 1974: Eine geschiedene Frau (Fernsehserie)
  • 1974: Der Kommissar – Die Nacht mit Lansky (Fernsehserie)
  • 1975: Trotzki in Coyoacan (Fernsehfilm)
  • 1975: Rest des Lebens – Die Herausforderung (Fernsehfilm)
  • 1976: Die Affäre Lerouge (Fernseh-Zweiteiler)
  • 1977: Sonderdezernat K1 – MP 9 mm frei Haus (Fernsehserie)
  • 1977: Gefundenes Fressen
  • 1977: Ein Tisch zu viert (Fernsehfilm)
  • 1977: Morgen (Fernsehfilm)
  • 1978: Schwarz und weiß wie Tage und Nächte (Fernsehfilm)
  • 1978: Heidi (Kinderserie, 26 Folgen)
  • 1978: Großstadt-Miniaturen – Geschichten zwischen Kiez und Ku'damm (Fernsehfilm)
  • 1978: Wo die Liebe hinfällt (Fernsehfilm)

Dokumentarfilm über Deltgen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horst O. Hermanni: Das Film ABC. 2009.

Weblinks[Bearbeiten]