Esch an der Alzette

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Esch an der Alzette
Wappen Karte
Wappen von Esch an der Alzette Lage von Esch an der Alzette im Großherzogtum Luxemburg
Basisdaten
Das Rathaus von Esch an der Alzette
Das Rathaus von Esch an der Alzette
Staat: Luxemburg
Koordinaten: 49° 30′ N, 5° 59′ O49.4966666666675.9822222222222Koordinaten: 49° 29′ 48″ N, 5° 58′ 56″ O
Distrikt: Luxemburg
Kanton: Esch
Einwohner: 32.600 (1. Januar 2014)[1]
Fläche: 14,4 km²
Bevölkerungsdichte: 2272 Einw./km²
Gemeindenummer: 00010004
Website: www.esch.lu
Politik
Bürgermeister: Vera Spautz (LSAP)
Wahlsystem: Proporzwahl

Esch an der Alzette, international Esch-sur-Alzette (französisch) oder Esch/Alzette, luxemburgisch Esch-Uelzecht, ist eine Stadt und eine Gemeinde im Großherzogtum Luxemburg und gehört zum Kanton Esch. Sie ist nach der Hauptstadt Luxemburg die zweitgrößte Stadt des Landes.

Geschichte[Bearbeiten]

siehe auch Geschichte Luxemburgs

Am 12. April 1128 wurde Esch erstmals unter dem Namen Asch in einer Schrift von Papst Honorius II. erwähnt. 1328 verlieh Johann der Blinde als Graf von Luxemburg Esch den Titel „Freie Stadt“.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde Esch immer wieder von fremden Truppen überfallen und oft schwer zerstört. 1677 mussten auf Anordnung von Louis XIV. die Stadtmauern geschleift werden. Im Juli 1841 wurde Esch durch ein großherzogliches Dekret zum Hauptort des Kantons Esch ernannt.

Mit der Entdeckung von Eisenerzvorkommen und der damit einhergehenden Eisen- und Stahlindustrie begann für Esch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts der industrielle Aufschwung. Anfangs im Tagebau, später in Bergwerken, wurde die Minette abgebaut und in Hütten verarbeitet. Insbesondere der Deutsche Montanindustrielle Adolph Kirdorf investierte ab 1892 verstärkt in den Bau und die Übernahme mehrerer Hochofenwerke und Zechenbetriebe. Zusammen mit seinem Bruder Emil Kirdorf begann er im Jahr 1910 noch, die nach ihnen benannte „Adolf-Emil-Hütte“ zu errichten. Diese 1912 fertiggestellte Hütte galt als eine der modernsten Anlagen ihrer Zeit. Damit gehörte Adolph Kirdorfs Unternehmen, der „Aachener Hütten-Aktien-Verein Rothe Erde“ mit mittlerweile elf Hochöfen neben der einheimischen Arbed mit 15 Hochöfen und der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten-AG des Ruhrindustriellen Hugo Stinnes mit neun Hochöfen nunmehr auch zu den bedeutendsten Unternehmen der Schwerindustrie in Luxemburg. Mit den neu entstandenen Arbeitsplätzen stieg die Einwohnerzahl von Esch rasch an. Anfangs kamen die Arbeiter aus Luxemburg und vor allem aus dem Ösling, doch bereits nach kurzer Zeit musste man auf Arbeitskräfte aus dem Ausland zurückgreifen. Diese kamen zu Beginn aus den Nachbarländern, später vor allem aus Polen und Italien.

Anfang 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Am 29. Mai 1906 ernannte Großherzog Wilhelm IV. Esch zum zweiten Mal zur Stadt. Damals zählte Esch bereits 13.000 Einwohner.

Von 1910 an wurde das Brill-Viertel urbanisiert. Viele italienische Einwanderer fanden dort ein neues Zuhause. Der Fluss Alzette wurde überdeckt und die darüber angelegte Uelzechtstrooss mit ihren Nebenstraßen zum neuen Stadtkern.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs schlug der deutsche Kronprinz Wilhelm sein Hauptquartier in Esch auf. Die Stadt wurde ein großes Kriegslazarett. Die Hütten produzierten zu dieser Zeit nicht oder nur sehr wenig. Viele ausländische Arbeiter gingen zudem zurück in ihre Heimatländer.

Zwischen den Weltkriegen[Bearbeiten]

1920 kam es durch das neu eingeführte, allgemeine Wahlrecht zur ersten sozialistischen Mehrheit in der Gemeinde. Die Gemeinde, aber auch die ARBED sowie die Société Métallurgique des Terres Rouges begannen zudem mit dem Bau neuer Arbeitersiedlungen. Zwischen 1926, dem Ende der deutschen Wirtschaftskrise, und der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 erlebte Esch einen weiteren Bauboom. 1930 hatte Esch 29.745 Einwohner.

Deutsche Besetzung 1940–1944[Bearbeiten]

Luxemburg wurde am 10. Mai 1940, dem ersten Tag des Westfeldzuges, von der Wehrmacht besetzt. Wie überall in Luxemburg wurden auch in Esch die Verwaltungsstrukturen der deutschen Besatzer eingeführt. Die Escher Synagoge wurde wie auch die in Luxemburg Stadt zerstört. Zwangsarbeiter, die vor allem aus der Sowjetunion kamen, mussten in den Bergwerken arbeiten. Junge luxemburgische Zwangsrekrutierte versteckten sich vor den Nazis in den Gängen der Bergwerke; einige von ihnen harrten dort bis zur Befreiung durch US-amerikanische Truppen am 10. September 1944 aus.

Nachkriegszeit 1945–1975[Bearbeiten]

Nach dem Krieg breitete sich die Stadt immer weiter aus. In den 1950er Jahren entstanden vor allem in Lallange, Bruch und Raemerech neue Viertel. In den 1960er und 1970er Jahren wurde besonders das Viertel Wobrécken bebaut.

Stahlkrise 1975–1985[Bearbeiten]

Esch wurde wie die anderen Städte in der Minette-Region von der Stahlkrise besonders hart getroffen. Die Einnahmen gingen zurück, und die Bergwerke sowie die meisten Hütten mussten geschlossen werden. Die Instandsetzung des maroden Stadtkerns konnte erst Mitte der 1980er Jahre in Angriff genommen werden.

Seit den 1960er Jahren ging die Bevölkerung von fast 30.000 im Jahre 1960 auf 25.000 im Jahre 1985 zurück. Viele Einwohner zogen in die Vororte der Stadt. Erst in den 1990er Jahren konnte dieser Trend gestoppt werden, sodass die Stadt Esch heute wieder um die 30.000 Einwohner zählt.

Esch heute und morgen[Bearbeiten]

Technoport Schlassgoart, Brutstätte für Start-ups
In der Rockhal treffen sich Musikfreunde aus Luxemburg, Frankreich und Deutschland.

Über 50 Prozent der Einwohner Eschs sind Ausländer, von denen über 90 Prozent aus EU-Ländern stammen. Portugiesen allein machen rund ein Viertel der Bevölkerung aus. 15 Prozent der Bevölkerung Eschs sind Senioren.

Im Rahmen der 100-Jahr-Feiern der Stadt Esch war die Stadt 2006 Ziel- und Startort von zwei Tour-de-France-Etappen.

Im Haushaltsplan 2010 der Stadt Esch bilden Wohnen, Schulen und Ganztagsbetreuung, Stadtentwicklung und Infrastrukturen sowie der Ausbau des Wirtschafts- sowie Universitätsstandorts die Schwerpunkte für Investitionen.[2] Das Projekt "Nonnewiesen" ist begonnen worden, um neuen Wohnraum zu schaffen.[3]

Esch Belval[Bearbeiten]

Das Gelände Belval breitet sich aus in einer Länge von 2 km von Beles in Richtung Raemerich und über eine Breite von 800 m von der Escher Straße in Beles in Richtung Belval Usines. Die Minen und die Hüttenwerke sind bis auf das heute noch produzierende Walzwerk[4] geschlossen worden. Für die Erhaltung der Zeitzeugen der Industriekultur engagiert sich der Hochöfen-Freundeskreis Amicale des Hauts Fourneaux PAB.

Danach stehen rund 650 ha Industriebrache zur Verfügung, zu deren Konversion ArcelorMittal, der Staat Luxemburg sowie die Gemeinden Esch und Sassenheim die Gesellschaft „Agora“ gebildet haben.[5] Zur Verbindung des französischen mit dem Autobahnnetz Luxemburgs (Liaison Micheville[6]) wird ein 450 m langer Tunnel unter Belval hindurchgeführt. Im Nordosten der Hochofenterrasse werden neben dem Gebäude der Bank RBC Dexia die Gebäude der Universität Luxemburg neu erstellt.

Zur Förderung des geplanten wirtschaftlichen luxemburgisch-französischen Wirtschaftsballungsraumes (éco-agglomération, 2000 ha mit mehr als 120.000 Einwohnern) hat Claude Wiseler, Luxemburgs Ministre du Développement durable et des infrastructures, mit seinem französischen Kollegen Michel Mercier, Ministre de l’Espace rural et de l’aménagement du territoire, die Bildung eines Groupement européen de coopération territoriale (GECT) vereinbart.[7]

Auf den freien Flächen werden Dienstleistungsbetriebe sowie öffentliche Einrichtungen (Lehranstalten, Nationalarchiv, Konzertgebäude) angesiedelt. Unter dem Titel „Plaza I“ sind Wohnungen und Geschäftsflächen vorgesehen. Als erstes Gebäude auf den Konversionsgelände Belval wurde 2005 die Rockhal[8] eingeweiht. Mit einem Fassungsvermögen von bis zu 6500 Plätzen dient sie als Stätte für Großveranstaltungen wie die Konzerte internationaler Künstler.

In Kooperation mit der Stadt Trier und gefördert von der EU wird ein grenzüberschreitender Wissenschaftspark namens TriLux entstehen.[9] Am 12. November 2009 stellten die Escher Bürgermeisterin Lydia Mutsch und der Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen die Mitarbeiter und die Organisationsstruktur des Wissenschaftsparks der Öffentlichkeit vor.[10]

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Bahnhof Esch Belval

Seit der Einweihung des neuen Busbahnhofs am 9. November 2009 verkehren die TICE-Busse im 15-Minuten-Takt. Der neue Bahnhof Esch-Belval wurde im Jahre 2010 offiziell eröffnet. Bis 2020 werden dort täglich 32.000 Reisende erwartet; damit wird dieser Bahnhof der zweitgrößte in Luxemburg sein.[11]

Am 14. Dezember 2009 wurde die Direktverbindung Thionville-Esch Belval-Longwy eröffnet, wobei ein TER Métrolor mit 340 Plätzen viermal täglich hin und zurück eingesetzt wird. Damit wird insbesondere der Zugang für Grenzgänger aus Lothringen zu ihren Arbeitsplätzen auf Esch Belval verbessert.[12][13] Auskunft über alle Verbindungen im öffentlichen Nahverkehr sind wie überall im Lande über die Mobilitätszentrale[14] abrufbar.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Rundblick auf den Escher Süden

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

  • DeutschlandDeutschland Köln – Deutschland
  • BelgienBelgien Lüttich – Belgien
  • FrankreichFrankreich Lille – Frankreich
  • ItalienItalien Turin – Italien
  • NiederlandeNiederlande Rotterdam – Niederlande

Literatur[Bearbeiten]

  • Esch-sur-Alzette, du village à la ville industrielle : art et révolution industrielle au pays de la terre rouge : 13 octobre – 5 novembre 1989 : hôtel de ville d’Esch-sur-Alzette. [1]
  • Denis Scuto: Industrialisation et urbanisation: l’exemple d’Esch-sur-Alzette. [2]
  • Norbert Ketter: Esch-sur-Alzette. editions claude diderich, 1970 (deutschsprachiger Text)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Esch an der Alzette – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Esch an der Alzette – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. STATEC Luxembourg – Population par canton et commune 1821–2014 (franz.)
  2. Esch/Alzette: Investitionen bleiben ähnlich hoch wie 2009. Tageblatt. Zeitung fir Lëtzebuerg 12. Dezember 2009, 09:06:00.
  3. Dan Elvinger: Projekt „Nonnewisen“ schreitet weiter voran. Tageblatt, 23. April 2010.
  4. Alexa Lepage: Vom Schrott zur Wand. Tageblatt, 3. Mai 2010.
  5. La société AGORA. (frz.)
  6. „Liaison Micheville“: Bauarbeiten laufen auf Hochtouren. Tageblatt, 4. April 2010. / 138 millions pour relier le tunnel entre Micheville et Belval à l’A4 l’essentiel, 20. Januar 2012
  7. Le Luxembourg et la France créent un CEGT à Esch-Belval. Tageblatt. Zeitung fir Lëtzebuerg, 7. Januar 2010. 15:31:0.
  8. Rockhal Rockhal – Centre de musiques amplifiées.
  9. Rathaus Zeitung Trier, 6. Februar 2007
  10. http://www.eschalzette.com/projets/trilux/trilux20091112/index.html Grenzüberschreitender Wissenschaftspark TriLux: Die Standorte Trier und Esch/Alzette im Dienst der Unternehmensentwicklung.
  11. Inauguration de la nouvelle gare routière à Esch/Alzette et ouverture au trafic de la gare Belval-Université. Département des Transports, 9. November 2009.
  12. In 34 Minuten von Thionville nach Belval. Tageblatt. Zeitung fir Lëtzebuerg 14. Dezember 2009.
  13. Esch/Belval se sont rapprochés de Thionville. l’essentiel 14. Dezember 2009, 15:14 (französisch)
  14. Mobilitéitszentral. Internetportal, französisch.