Robert Hue de Grais

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Graf Hue de Grais

Robert Graf Hue de Grais (* 25. August 1835 in Wolkramshausen, Thüringen; † 25. Februar 1922 ebenda) war ein deutscher Verwaltungsjurist und Abgeordneter im Königreich Preußen. Im 19. Jahrhundert war er der Protagonist des Verwaltungsrechts.

Leben[Bearbeiten]

Hue de Grais besuchte die Klosterschule Ilfeld und studierte anschließend Rechtswissenschaft an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität, der Friedrichs-Universität Halle und der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. 1854 wurde er im Corps Borussia Bonn aktiv.[1]

Nach dem Studium und dem Vorbereitungsdienst für Rechtspflege und innere Verwaltung wurde er Regierungsassessor in Minden (1860) und Koblenz (1861). Von 1864 bis 1866 nahm er als Offizier am Deutsch-Dänischen Krieg und am Deutschen Krieg teil. 1867 wurde er Kreishauptmann des Landkreises Hildesheim. Er war seit 1879 Polizeipräsident in Stettin und wurde 1887 vortragender Rat im Ministerium des Innern. Von 1889 bis 1900 war er Regierungspräsident im Regierungsbezirk Potsdam.[2]

Hue de Grais war Mitglied der freikonservativen Partei. Von 1885 bis 1889 vertrat er den Wahlkreis Merseburg 6 (Sangerhausen / Eckartsberga) im Preußischen Abgeordnetenhaus.[3] Im Ruhestand war er ab 1901 Mitglied des Provinziallandtages der Provinz Sachsen.

Von 1865 bis zu seinem Tod war er alleiniger Besitzer von Schloss Hue de Grais in Wolkramshausen. Am 30. Dezember 1873 heiratete er die Generalstochter Wilhelmine Freiin von Hanstein. 1875, 1876 und 1882 kamen die Töchter Melanie, Elsa und Irmgard zur Welt. Elsa war die letzte Bewohnerin des Schlosses, auf dem sie am 5. November 1956 starb.[2] Ein Urenkel von Robert Hue de Grais ist Robert von Lucius.

„Der Hue de Grais“ – das in 26 Auflagen erschienene Handbuch der Verfassung und Verwaltung in Preußen und dem Deutschen Reiche – war Generationen von Studenten der Rechts-und Staatswissenschaften ein Begriff und ungezählten preußischen Verwaltungsbeamten ein tägliches Arbeitsmittel.[2]

„Zur heutigen Vollendung Ihres achtzigsten Lebensjahres spreche ich Ihnen meine wärmsten Glückwünsche aus. Ich gedenke dabei gern Ihrer mir und dem Vaterlande gereichten treuen Dienste und freue mich, daß es Ihnen vergönnt gewesen ist, auch im Ruhestand noch Ihre hervorragende Kraft durch wissenschaftliche Betätigung in den Dienst der preußischen Verwaltung zu stellen. Gottes Güte kröne Ihr erfolgreiches Wirken mit einem glücklichen Lebensabend.“

Wilhelm R.

Ehrungen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Reorganisation der innern Verwaltung Preußens auf Grundlage der Selbstverwaltung, Berlin 1871.
  • Die Weiterführung der preuß. Verwaltungsorganisation, Berlin 1878.
  • Handbuch der Verfassung und Verwaltung in Preußen und dem Deutschen Reiche, 7. Aufl.. Berlin 1890.
  • Grundriß der Verfassung und Verwaltung in Preußen und dem Deutschen Reiche, 2. Aufl.. Berlin 1886.

Für Michael Stolleis sind Hue de Grais Arbeiten weniger wissenschaftliche als praktische „Handreichungen für den Alltag der Verwaltung“.

Literatur[Bearbeiten]

  • Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus: 1867–1918. Bearb. v. Bernhard Mann unter Mitarbeit v. Martin Doerry, Cornelia Rauh u. Thomas Kühne, Droste, Düsseldorf 1988, ISBN 3-7700-5146-7 S. 192.
  • Gerhard Lingelbach: Robert Graf Hue de Grais (1835–1922). Leben und Werk. Jena o. J. (ca. 1994) (Privatdruck)
  • Michael Stolleis: Verwaltungspraxis zwischen Kameralwissenschaft und Verwaltungsrecht: Robert Graf Hue de Grais (1835–1922). Verwaltungsrundschau 41 (1995), S. 472–475.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kösener Corpslisten 1930, 11, 440.
  2. a b c Lingelbach
  3. Mann, Bernhard (Bearb.) : Biographisches Handbuch für das Preußische Abgeordnetenhaus. 1867–1918. Mitarbeit von Martin Doerry, Cornelia Rauh und Thomas Kühne. Düsseldorf : Droste Verlag, 1988, S. 192 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 3); zu den Wahlergebnissen siehe Kühne, Thomas : Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867 – 1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten. Düsseldorf : Droste Verlag, 1994, S. 437–439 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien : Bd. 6)