Rottenbach (Thüringen)

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50.68805555555611.163888888889280Koordinaten: 50° 41′ 17″ N, 11° 9′ 50″ O

Rottenbach
Wappen von Rottenbach
Höhe: 280 m ü. NN
Fläche: 52,26 km²
Einwohner: 1848 (31. Dez. 2011)
Eingemeindung: 31. Dezember 2012
Postleitzahl: 07426
Vorwahl: 036739
Rottenbach (Thüringen)
Rottenbach

Lage von Rottenbach in Thüringen

Rottenbach ist Ortsteil der Stadt Königsee-Rottenbach im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt (Thüringen).

Geografie[Bearbeiten]

Rottenbach liegt in rund 300 Meter Höhe im Rinnetal am Zusammenfluss des Rottenbaches, der Rinne und der Zochau. Südlich steigt die Landschaft auf etwa 400 Meter an und fällt dann steil ins Schwarzatal ab. Die Hochfläche zwischen dem Rinnetal im Norden und dem Schwarzatal im Süden ist unbewaldet und wird landwirtschaftlich genutzt. Nördlich von Rottenbach liegt die Ilm-Saale-Platte, die überwiegend bewaldet ist, mit Erhebungen bis 500 Meter Höhe. Geologisch gesehen liegt Rottenbach am Übergang von der Ilm-Saale-Platte im Norden (Muschelkalk) zum Thüringer Schiefergebirge im Süden (Schiefer).

Die Nachbargemeinden der Gemeinde Rottenbach waren (Stand 30. Dezember 2012) im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Ilmtal, Remda-Teichel, Rudolstadt, Bad Blankenburg, Bechstedt, Allendorf, Königsee, Wolfsberg

Geschichte[Bearbeiten]

Rottenbach wurde erstmals 1253 in einer Urkunde des Klosters Paulinzella erwähnt. Die Teilung des Ortes in Ober- und Unterrottenbach erfolgte 1411. Oberrottenbach war der westliche Teil des Ortes und gehörte dem Kloster Paulinzella (später dem Amt Königsee), Unterrottenbach war der östliche Teil des Ortes und gehörte zu Bad Blankenburg (später zum Amt Rudolstadt). Die beiden Orte wurden erst 1908 wieder vereinigt. Sie gehörten bis 1920 zu Schwarzburg-Rudolstadt, anschließend zu Thüringen.

Gemeindegliederung der Gemeinde Rottenbach von 1994 bis 2012

Die Einheitsgemeinde Rottenbach wurde 1994 gebildet. Ihr gehörten folgende Orte an:

Ortsteil Einwohnerzahl[1] Urkundliche Ersterwähnung[2]
Rottenbach 688 1071
Hengelbach 80 1106
Leutnitz 163 1411
Milbitz 460 1196–1210
Paulinzella 120 1106
Quittelsdorf 220 1. Februar 1275
Solsdorf 273 842–856
Storchsdorf 60 16. Januar 1380
Thälendorf 140 19. April 1227

Am 31. Dezember 2012 schloss sich die Gemeinde Rottenbach mit der Stadt Königsee zur neuen Stadt Königsee-Rottenbach zusammen.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der letzte hauptamtliche Bürgermeister Volker Stein wurde am 27. Juni 2004 gewählt und am 6. Juni 2010 wiedergewählt (vom 27. April 2003 bis Juni 2004 war er ehrenamtlicher Bürgermeister). Am 30. Dezember 2012 endete sein Amt aufgrund des Gemeindezusammenschlusses mit Königsee.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 20. Dezember 1995 durch das Thüringer Landesverwaltungsamt genehmigt.

Blasonierung: „Geviert; Feld 1: In Silber ein blauer, schrägrechter Wellenbalken, Feld 2: in Grün ein silberner, schräglinker Wellenbalken; Feld 3: in Blau ein goldenes Säulenkapitell mit einem Schild, der mit zwei weiteren Schilden belegt ist, Feld 4: in Silber ein blaues Mühlrad.“

Das Wappen wurde von dem Goßwitzer Manfred Fischer gestaltet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Zu den besonderen Sehenswürdigkeiten der Gemeinde gehört die Klosterruine Paulinzella, die eines der wertvollsten Denkmale romanischer Baukunst Deutschlands darstellt sowie das Museum zur Kloster-, Forst- und Jagdgeschichte im Jagdschloss Paulinzella.

Die St. Jacobus-Kirche zu Rottenbach beherbergt eine Johann Friedrich Schulze-Orgel von 1850. Der Altar aus dem Jahre 1498 stammt aus der Werkstatt Valentin Lendenstreich aus Saalfeld, ein Schüler Tilman Riemenschneiders, und spiegelt das mittelalterliche Leben in Rottenbach wider.

Weitere Schulze-Orgeln im Gemeindegebiet finden sich

  • in der St. Wenzel Kirche Quittelsdorf (vom Milbitzer Orgelbauer Johann Andreas Schulze, eine zweimanualige Orgel mit 22 Registern, ein wertvolles Spätbarockwerk)
  • in der St. Nikolaus Kirche Milbitz (durch den in Milbitz einheimischen Orgelbaumeister Daniel Schulze erbaut, im Mittelteil zweigeschossig und nochmals der Höhe nach in fünf Abteilungen gegliedert)
  • in der Kirche Thälendorf, wahrscheinlich baute sie Johann Daniel Schulze aus Milbitz 1752

In unmittelbarer Nähe finden sich weitere Schulze-Orgeln: nämlich in Allendorf, Königsee und Horba.

Gedenkstätten[Bearbeiten]

Seit dem Jahr 1985 erinnert am Bechstedter Weg eine Stele an die Häftlinge eines Todesmarsches vom Außenlager Ohrdruf SIII des KZ Buchenwald, die im April 1945 durch den Ort getrieben wurden.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Rottenbach ist zum einen Land- und Forstwirtschaft von Bedeutung und zum anderen ein Gewerbegebiet westlich des Ortes an der Bundesstraße 88, in dem sich verschiedene auch größere Unternehmen angesiedelt haben. Weiterhin ist die touristische Entwicklung von großer Bedeutung. Neben einem 125-m²-Freibad besteht ein umfangreiches gut ausgeschildertes Wanderwegenetz. Durch das Gemeindegebiet verläuft der Rinnetal-Radweg, der die Verbindung zum Saale- und Ilmtal-Radweg darstellt. Die bedeutendste Sehenswürdigkeit ist die Klosterruine Paulinzella, die jedes Jahr eine große Anzahl von Besuchern anlockt.

Verkehr[Bearbeiten]

In Rottenbach trifft die Landstraße von Stadtilm, die durch das Rottenbachtal führt, auf die Bundesstraße 88 (im Rinnetal verlaufend), die von Ilmenau im Westen nach Rudolstadt im Osten führt. Rottenbach ist auch heute noch ein wichtiger Eisenbahnknoten. Die erste Bahnstrecke, die den Ort erreichte, war die von Arnstadt nach Saalfeld im Jahre 1895, die heute im angenäherten Stundentakt von Erfurt nach Saalfeld befahren wird. Die nächste Bahnstrecke wurde 1899 von Rottenbach ins sieben Kilometer westlich gelegene Königsee gebaut. Diese Strecke wurde am 1. August 1966 stillgelegt. Letzte Bahnstrecke war die Schwarzatalbahn im Jahre 1900, die von Rottenbach nach Katzhütte führt und heute ebenfalls im angenäherten Stundentakt befahren wird.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Theodor Muther (1826-1878), Jurist
  • Otto Langguth (1892-1944), in Brandenburg-Görden hingerichteter Sozialdemokrat aus Milbitz
  • Kurt Bachor (* 1916), aus Ostpreußen stammend, nach 1945 in Paulinzella ansässig als Forstmann und Schriftsteller
  • Elvira Heide (* 1937), einzige ehrenamtliche Pastorin Thüringens, prägt seit dem 1. Advent 1992 (Ordination 1993) das kirchliche Leben der beiden Ortsteile Thälendorf und Solsdorf. Die Gemeinde Rottenbach hat ihr anlässlich des 70. Geburtstags am 10. August 2007 die Ehrenbürgerschaft verliehen.[3] Am 18. März 2008 wurde ihr der Verdienstorden des Freistaats Thüringen verliehen.

Brauchtum[Bearbeiten]

Strohbär aus Milbitz bei Rottenbach

Alljährlich zieht am 27.Dezember der Strohbär durch den Ortsteil Milbitz.

Brauchausführende sind der Jugend- und Heimatverein Milbitz eV.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Karlheinz Schönheid, Heimatverein Quittelsdorf e.V. (Hrsg.): Quittelsdorf Thüringen. Ortsgeschichte. 1992, S. 64.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einwohnerzahlen entsprechend Website der Gemeinde Rottenbach, abgerufen am 14. Februar 2011
  2. Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 240, 118, 164, 181, 217, 226, 266, 276, 283.
  3. Amtsblatt 07/2007 der Gemeinde Rottenbach vom 27. Juli 2007

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rottenbach (Thüringen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien