Rowan Williams

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Rowan Williams (2007)
Wappen von Rowan Williams
Rowan Williams (2007)

Rowan Douglas Williams, Baron Williams of Oystermouth (* 14. Juni 1950 in Swansea, Wales) ist ein britischer anglikanischer Theologe und Politiker. Er war von 2002 bis 2012 Erzbischof von Canterbury, Primas von ganz England und in dieser Funktion Mitglied des House of Lords. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt wurde ihm am 8. Januar 2013 eine Life Peerage verliehen. Er gehört als Life Peer somit weiterhin dem House of Lords an.

Berufliche Laufbahn[Bearbeiten]

Nach dem Besuch der Dynevor Secondary School und des Christ's College in Cambridge (1971–1975) begann Williams das Studium der Theologie in Oxford. Nach weiteren zwei Jahren Studium im Mirfield Theological College bei Leeds, wurde er 1977 zum Diakon und 1978 zum Priester geweiht. Ab 1977 als Tutor des Westcott House in Cambridge wirkend, promovierte er in dieser Zeit auch zum Doktor der Theologie. Nachdem er von 1980 bis 1983 als Kaplan an S. George in Chesterton gewirkt hatte, zugleich lehrte er seit 1980 auch Theologie in Cambridge, wurde er 1984 Dekan und Kaplan des Clare College in Cambridge. 1986 verließ er diese Stellung um bis 1992 als Professor der Theologie in Oxford zu lehren.

Bereits von 1981 bis 1982 Canon Theologian an der Kathedrale von Leicester, wurde er 1986 residierender Domherr der Kathedrale Christ Church in Oxford, von wo aus er am 5. Dezember 1991 zum Bischof von Monmouth erhoben wurde, am 1. Mai 1992 in der Kathedrale von St Asaph die Bischofsweihe erhielt und im Dezember 1999 zum Erzbischof von Wales gewählt wurde. Die Krönung seiner Karriere war die Erhebung zum Erzbischof von Canterbury am 23. Juli 2002. Am 16. März 2012 kündigte er an, ab Januar 2013 die akademische Position 'Master of Magdalene College' am Magdalene College in Cambridge antreten zu wollen, weshalb er zum 31. Dezember 2012 von seinem Amt als Erzbischof von Canterbury zurücktrat.[1]

Der Autor zahlreicher theologischer und spiritueller Bücher und Artikel, interessiert an Musik und Sprachen, ist Mitglied der British Academy und des walisischen Gorsedd of Bards. Williams spricht Walisisch.

Familie[Bearbeiten]

Williams ist seit 1981 mit Jane Paul verheiratet, die ebenfalls Theologin ist. Mit ihr hat er eine Tochter und einen Sohn.

Kirchenpolitik[Bearbeiten]

Der liberale Kirchenmann ist um die Einheit der Anglikanischen Kirche bemüht und führt den bald 40-jährigen Dialog mit der katholischen Kirche fort.[2] In einem privaten Briefwechsel von 2000 bis 2002 erklärte er, dass das monogame Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Paare die Liebe Gottes widerspiegeln könne, vertritt aber als geistliches Oberhaupt der anglikanischen Kirchengemeinschaft bewusst in Sexualfragen nicht seine eigene, persönliche Meinung, sondern den Konsens der Lambeth-Konferenz von 1998.[3] Am 7. Juli 2008 befürwortete Williams auf der Generalsynode der Church of England die Zulassung von Frauen im Bischofsamt.[4]

Mitgliedschaft im House of Lords und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Während seiner Zeit als Erzbischof von Canterbury war Williams Kraft Amtes auch als geistlicher Lord Mitglied des House of Lords. Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt wurde ihm am 8. Januar 2013 eine Life Peerage mit dem Titel Baron Williams of Oystermouth, of Oystermouth in the City and County of Swansea verliehen.[5] Am 15. Januar 2013 wurde er offiziell im House of Lords in sein neues Amt als Life Peer eingeführt.[6] Bei der Einführung und Eidesleistung wurde er von Brian Griffiths, Baron Griffiths of Fforestfach und Michael Lord, Baron Framlingham begleitet.[6]

Am 4. Dezember 2012 verlieh ihm Königin Elisabeth II den Royal Victorian Chain als persönliche Auszeichnung.[7]

Verhältnis zum Islam[Bearbeiten]

Williams' kritische Stellungnahmen zum Irakkrieg und zur Palästinenserpolitik Israels wurden von anderen massiv kritisiert. Zum Beispiel bezeichnete 2006 Bradley Burston, ein prominenter israelischer Publizist, sein Tun als Appeasement-Politik gegenüber islamistischen Terroristen und verglich Williams' Argumentation mit der des Holocaustleugners David Irving.[8]

Einen heftigen Disput lösten 2008 seine Überlegungen aus, in Großbritannien in bestimmten Rechtsangelegenheiten, beispielsweise im Eherecht und im Finanzrecht, vertragsrechtliche Regelungen nach der Scharia zuzulassen.[9] Das britische Recht müsse abweichende Loyalitäten berücksichtigen.[10] Zugleich betonte er, es gebe unhaltbare Aspekte: „Niemand, der recht bei Sinnen ist, will in diesem Land die Unmenschlichkeiten sehen, die mit der Praxis des Rechts in einigen islamischen Staaten verbunden ist“.[11] Seinen Äußerungen wurde auch innerkirchlich widersprochen.[12]

Der Erzbischof von Canterbury betont auf seiner Website, dass er weder im Interview noch in seinem Vortrag vorgeschlagen hat, die Scharia einzuführen und in keiner Weise forderte, sie als Parallelinstitution zum bürgerlichen Gesetz einzuführen.[13] Namhafte englische Theologen wie N. T. Wright bestätigen, dass ein solcher Vorschlag in seinem Vortrag „Civil and Religious Law in England: a Religious Perspective“ nicht enthalten ist.[14][15]

Anfang April 2012 äußerte Williams die Auffassung, der islamische Gesichtsschleier für Frauen könne „den Musliminnen zu Selbstbewusstsein verhelfen“.[16]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Arius - Heresy and Tradition. 2. revidierte Auflage. Wiiliam B. Eerdmans Publishing, Grand Rapids (Michigan)/Cambridge, England 2002, ISBN 0-8028-4969-5.
  • Dostoevsky. Language, Faith and Fiction. Baylor University Press 2008. ISBN 978-1-847-06425-7.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Pressemitteilung auf der offiziellen Seite des Erzbischofs von Canterbury, abgerufen am 16. März 2012.
  2. Der Heilige Stuhl: Gemeinsame Erklärung von Papst Benedikt XVI. und dem Erzbischof von Canterbury Rowan Williams 23. November 2006.
  3. The Times: gay relationships 'comparable to marriage' 7. August 2008.
  4. http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/7494517.stm
  5. Veröffentlichung der Verleihung in der London Gazette
  6. a b Bishop of Coventry takes seat in House of Lords in: Birmingham Post vom 16. Januar 2013
  7. London Gazette vom 15. Januar 2013
  8. Ursprünglich in Haaretz: „The Archbishop's guide to Muslim intolerance“, 31. Dezember 2006.
  9. BBC: Sharia law in UK is 'unavoidable' 7. Februar 2008.
  10. NZZ: Scharia Justiz für britische Muslim 8. Februar 2008.
  11. ZDF: Erzbischof von Canterbury will Scharia zulassen 7. Februar 2008.
  12. Kath.net: Bischof Nazir-Ali spricht trotz Todesdrohungen weiter über den Islam 25. Februar 2008.
  13. What did the Archbishop actually say?
  14. Rowan Williams: Civil and Religious Law in England: a Religious Perspective
  15. Bischof Tom Wright: Letter to Durham Clergy on Law and Public Life
  16. bei einer Veranstaltung in Oxford: Wearing a veil helps give Muslim women strength, says archbishop“, Kurzinfo über einen bezahlungspflichtigen Artikel in „Sunday Times"

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rowan Williams – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Royston Wright Bischof von Monmouth
1991–2002
Dominic Walker
Alwyn Rice Jones Erzbischof von Wales
1999–2002
Barry Morgan
George Leonard Carey Erzbischof von Canterbury
2002–2013
Justin Welby