Saloon

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Saloon ist seit ungefähr 1800 ein westamerikanischer, leicht selbstironischer Begriff für eine Kneipe oder ein Motel aus dem ursprünglich französischen, seit dem 18. Jahrhundert auch im Deutschen gebräuchlichen Wort Salon (sinnentsprechend dem repräsentativen Wohnzimmer des Großbürgertums und des Adels). Ein Saloon entspricht größtenteils den Klischees aus Westernfilmen und Wildwestromanen.

Das Lokal[Bearbeiten]

Saloonszene um 1897
Eine Schwing- oder Flügeltür, wie sie in jedem Westernfilm gezeigt wird

Grundsätzlich gab es viele, sehr unterschiedliche, Erscheinungsformen des Saloons. Die einfachste Bauform war der Zeltsaloon. Diese Form fand man vor allem zu Zeiten des Goldrausches vor, wenn es darum ging, so ein Etablissement über Nacht aus dem Boden zu stampfen. Einige waren nur ein riesiges Zelt (vergleichbar mit einem heutigen Bierzelt), andere wiederum hatten eine Häuserfront aus Holz und dahinter das Zelt.

Konnte sich ein Saloon in einer Stadt etablieren, wurden dann meist große Holzhäuser errichtet (wie für die damalige Zeit üblich). Zur Gebäudeausstattung eines Saloon gehörten meist ein Pferdestall oder ein Anbindepfahl (oder -balken) für Pferde. (Ausnahmen waren Anbauten, Veranden, Wassertränken etc.). In großen bzw. reichen Städten wurden Saloons auch aus Ziegeln gebaut (vor allem im späteren 19. Jahrhundert).

Die Innenausstattung eines Saloons konnte stark variieren. Je nach Stadtviertel (in größeren Städten) reichten die Variationen von schlichten, zweckdienlichen Lokalen bis hin zu prunkvoll ausgestatteten Häusern, mit einem Stockwerk samt dazugehöriger Galerie. Oft gab es auch Tanzbühnen mit kleinen „Revues“, sowie ein Piano oder andere Instrumente. Die vornehmeren Häuser waren oft im damals sehr beliebten europäischen Stil eingerichtet. Dazu zählten schwere Seidentapeten an der Wand, kunstvoll verziertes Mobiliar, Bierhähne aus poliertem Messing etc. Neben den regulären Holztüren gab es in wärmeren Regionen die berühmten Saloontüren, zwei halbhohe, frei schwingende Flügeltüren (Doppelfeder-Scharniere) an den Seiten des Türdurchgangs. Ein zentraler Punkt war die Theke des Saloons, die meist sehr groß und mächtig den Raum dominierte. Oft gab es hinter der Theke einen riesigen Spiegel (häufig in einem feinen Rahmen). Die Beleuchtung der Lokale ging von einfachen Kerzen über Petroleumlampen bis hin zum Gaslicht (in späteren Epochen) vonstatten.

Der Stellenwert[Bearbeiten]

Der Saloon war eine reine Männerdomäne und galt als Ort des Lasters. Daher gingen die Frauen, die man in einem Saloon antraf, meist der gewerbsmäßigen Prostitution nach. Einige Saloons offerierten ihren Kunden dafür sogar eigene Zimmer, die man mieten konnte. Auch war der Saloon ein zentraler Punkt des Glücksspiels. Fast jeder Saloon, der etwas auf sich hielt, hatte zumindest einen Spieltisch, meist eine Faro-Bank. In den besseren Häusern gab es auch Würfeltische und Roulettetische.

Das Publikum war ansonsten sehr durchmischt, je nach Ruf oder Lage eines Saloons waren von gut bürgerlichen Herren über Soldaten bis hin zu Cowboys, die ihren Lohn durchbrachten, alle sozialen Schichten vertreten.

Dennoch war der Saloon der gesellschaftliche Mittelpunkt einer damaligen durchschnittlichen Stadt. Er war meist der erste Anlaufpunkt von Personen, die neu in der Stadt waren, um einen Überblick über das Geschehen zu bekommen. Wer Informationen benötigte oder den neuesten Tratsch hören wollte, war in einem Saloon richtig aufgehoben.

Variationen/Abarten[Bearbeiten]

Der Saloon war grundsätzlich ein reines Trinklokal (vergleichbar mit einer heutigen Bar) selten wurden Speisen angeboten. Oft gab es aber ein angeschlossenes Restaurant, welches einen direkten Zugang zum Saloon hatte. In sehr kleinen Städten bzw. Ortschaften, die oft nur aus wenigen Häusern bestanden, gab es Saloons, die gleichzeitig Warenhaus, Restaurant und Postamt waren. Noch seltener waren Saloons in abgeschiedenen Gegenden, die einer Postkutschenstation oder Handelsstation (Trading Post) sehr nahe kamen. Manchmal hatten diese Abarten sogar noch ein Badehaus angeschlossen.

Je weiter südlich man kam (Texas, New Mexico), desto mehr passten die Saloons sich auch dem mexikanischen Bild an und wurden oft unter dem Namen Cantina geführt.

Eine weitere Variation des Saloons ist der Honky-Tonk, die afro-amerikanische Version eines Saloons, in denen sich die Musikrichtungen des Ragtimes entwickelt haben.

Saloons heute[Bearbeiten]

Big Nose Kate's Saloon in Tombstone, Arizona

Grundsätzlich waren alle Saloons Orte, die für ihr Angebot an Alkohol bekannt waren. Daher war es nicht verwunderlich, dass viele Saloons mit Beginn der Prohibition (welche den Alkoholkonsum und dessen Verbreitung untersagte) geschlossen wurden. Viele der Saloons wurden zu Cafés und Casinos umgebaut.

Im Süden der USA und Mexiko kann man immer noch vereinzelt klassische Saloons finden. Einer der berühmtesten Saloons ist der No. 10 in Deadwood, South Dakota. In diesem Saloon wurde einst der Revolverheld James Butler Hickok (Wild Bill) ermordet.

Berühmte Namen[Bearbeiten]

Bekannte Persönlichkeiten, die mit Saloons zu tun hatten, sind zum Beispiel:

Literatur[Bearbeiten]

  • Paul Trachtman: Die Großen Revolverhelden. Marshals, Sheriffs, Outlaws. Männer, die Legenden wurden. Naumann & Göbel 2002, ISBN 3-625-10761-9