Sammy Gravano

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Salvatore Gravano

Salvatore „Sammy the bull“ Gravano (* 12. März 1945 in Bensonhurst, Brooklyn) ist ein US-amerikanischer Mobster der US-amerikanischen Cosa Nostra in New York City.

Leben[Bearbeiten]

Jugend[Bearbeiten]

Gravano wurde als Sohn sizilianischer Emigranten geboren. Er wuchs in Bensonurst auf, einem Stadtteil, der zur damaligen Zeit mehrheitlich von Italo-Amerikanern bewohnt war. Seine Leistungen in der Schule waren schlecht, da er unter Legasthenie litt. Die Hänseleien seiner Mitschüler beantwortete er mit Gewalt. Die Versuche seines Vaters ihn zu erziehen scheiterten. Mit 16 erzwang die Schule seinen Austritt aus der Schule[1]. Seine kriminelle Karriere begann, als er sich einer örtlichen Jugendbande anschloss. 1964 wurde er in die United States Army eingezogen und diente zwei Jahre. Er wurde ehrenhaft entlassen[2]. 1971 heiratete er Debra Scibetta. Später sollte er ihren Bruder Nicholas Scibetta ermorden.[3] Später knüpfte er Kontakte insbesondere zur Colombo-Familie - einer der Fünf Familien von New York City - und galt bald als Assoziierter innerhalb der la Cosa Nostra. Den Associate der Colombo-Familie kannte er noch aus Kindertagen. 1977 wurde er als Vollmitglied in die Gambino-Familie unter Paul Castellano aufgenommen.

Kriminelle Karriere[Bearbeiten]

In seiner Jugend schlug sich Gravano mit Einbruchdiebstahl und Raub durch und war später Inhaber einiger Cocktailclubs. Nach seiner Aufnahme in die Gambino-Familie stieg er ins Baugeschäft ein, das damals in ganz New York City vom Organisierten Verbrechen kontrolliert wurde, insbesondere durch die Unterwanderung und Korrumpierung der Gewerkschaften. Außerdem kontrollierte der Clan über James Failla seit den 1960er Jahren die Müllabfuhr der Stadt.

Im Jahr 1985 wurde Gravano wegen Steuerhinterziehung angeklagt und freigesprochen; im gleichen Jahr beteiligte er sich zusammen mit John Gotti an der Ermordung von Paul Castellano. Dabei hatten sich Gravano und Frank DeCicco vorbehalten, Gotti selbst zu beseitigen, wenn sie nach einem Jahr mit seiner Amtsführung nicht zufrieden sein sollten. 1987, zwei Jahre später, stieg er unter dem neuen Boss Gotti zum Consigliere auf und 1990 wurde er Stellvertreter Gottis und damit Vize-Boss der Gambino-Familie.

Pentito[Bearbeiten]

Anfang der 1990er Jahre brachen zum ersten Mal auf breiter Ebene führende Mafiaangehörige das ansonsten so obligatorische Schweigen und arbeiteten mit der Regierung zusammen. So zerstritt sich Gravano mit Gotti, insbesondere da der Boss sehr hohe Prozentanteile von den Einkünften seiner Untergebenen verlangte. Auch Gravano sollte zahlen, obwohl er Consigliere (it.: Berater) und schließlich Unterboss geworden war. Gravano war ebenfalls über den Führungsstil Gottis enttäuscht, er kritisierte dessen Medienpräsenz und die damit verbundene Aufmerksamkeit. Gotti wollte von dieser Kritik angeblich nichts hören.

Ende 1990 hatte das FBI genug Beweismaterial, insbesondere durch heimlich abgehörte Gespräche, gesammelt, um eine Anklage durch die Staatsanwaltschaft vorbereiten zu lassen. Gotti, Gravano und Frank LoCascio wurden im Ravenite Social club in Little Italy verhaftet und wenig später angeklagt. Das FBI spielte Gravano mitgeschnittene Gespräche vor, in denen Gotti Gravano vorwirft, zu gierig zu sein und eine Familie innerhalb der Familie zu gründen. Außerdem habe Gotti zahlreiche Morde Gravanos aufgezählt. Aufgrund der Enttäuschung über Gotti und der Angst vor der lebenslangen Haftstrafe entschloss sich Gravano im Herbst 1991 dazu, als Kronzeuge gegen Gotti auszusagen. Deshalb wurde er in die FBI-Ausbildungsstätte von Quantico in Virginia verlegt.

1991 sagte Sammy Gravano gegen Vincent Gigante, John Gotti und dessen Consigliere Frank LoCascio aus. Insbesondere enttarnte er die vorgebliche Senilität von Gigante. Er zitierte dabei eine angebliche Äußerung seines Bosses John Gotti, der Gigante 1988 nach einem Treffen als „Crazy like a fox“, bezeichnet haben soll. Alphonse D’Arco, ein ehemaliger Unterführer der Lucchese-Familie, bestätigte Gravanos Aussage zur Zurechnungsfähigkeit und Teilnahme Gigantes an hochrangigen Mafiatreffen, bei denen dieser zugegeben habe, dass sein exzentrisches Verhalten als Täuschungsmanöver angelegt war.

Durch diese Aussagen wurde Gravano zum bis dahin ranghöchsten Mafioso, der zum Pentito wurde und die Omertà brach, bis 2004 Joseph Massino – damals Boss der Bonanno-Familie – ebenfalls mit den Behörden kooperierte.

Gotti und LoCascio wurden zu lebenslanger Haft verurteilt. Gravano, der im Prozess 19 Morde gestanden hatte – 11 davon im Auftrage Gottis –, erhielt eine reduzierte Strafe von fünf Jahren wegen des Verstoßes gegen den RICO-Act. Für seine Aussage war ihm Straffreiheit hinsichtlich der Morde zugesagt worden.

Gravanos Rückfall in die Kriminalität[Bearbeiten]

Einige Jahre nach dem Gotti-Prozess wurde Gravano freigelassen, und er begann mit Hilfe des Zeugenschutzprogramms der USA in Arizona ein neues Leben unter neuem Namen und der Biografie eines redlichen Arbeiters. Bald jedoch nahm er seine kriminellen Kontakte wieder auf und stieg mit seinen alten Kumpanen und einigen Verwandten in den Drogenhandel ein. Sie bauten ein flächendeckendes Netz für die Designerdroge Ecstasy in ganz Arizona auf.

Seine Aktivitäten blieben nicht verborgen; die Gambino-Familie spürte ihn auf und setzte ein Mordkommando auf ihn an. Knapp bevor dieses zuschlagen konnte, wurde Gravano 1999 verhaftet und im September 2001 zu zwanzig Jahren Haft verurteilt. Mit ihm wurden seine Frau Debra, seine Tochter Karen sowie sein Sohn Gerard als Komplizen verhaftet. Sein Sohn erhielt eine Haftstrafe von neun Jahren, seine Frau und seine Tochter Bewährungsstrafen.

Dieser erneuter Einstieg in die kriminelle Szene hatte auch in anderen Strafverfahren Folgen. Als 1999 der Boss der Westies, einer Bande, die mit der Gambino-Familie kooperierte, in Miami verhaftet wurde, konnte offenbar kein Verfahren eröffnet werden, da Gravano als rückfälliger Krimineller als nicht mehr glaubwürdig galt. Der gebürtige Serbe Bosko Radonjich entzog sich nach seiner Freilassung einer weiteren Verfolgung durch seine Rückkehr nach Jugoslawien.

Gravano leidet seit seiner Inhaftierung an Morbus Basedow, er hat beträchtlich an Gewicht und seine Haare verloren.[4] In Phillip Carlos Buch Confessions of a Mafia Boss, welches das Leben Anthony Cassos beschreibt, wird Casso zitiert, der in dem gleichen Gefängnis wie Gravano sitzt, dass dieser seine Zelle nur noch zur Nahrungsaufnahme verlasse. Selten soll er auch an Gottesdiensten teilnehmen. Seit Mai 2012 ist Gravano in einem Gefängnis in Arizona inhaftiert. Er wird nicht vor dem Jahr 2019 entlassen.

Adaptionen[Bearbeiten]

Musik[Bearbeiten]

Die Band The Mighty Mighty Bosstones veröffentlichen 2002 den Song Mr. Moran, der sich mit Sammy Gravano beschäftigt. Das Intro besteht aus den gesprochenen Worten:

“My name is Salvatore Gravano. Early in my life i was given the nickname „Sammy the Bull“. I was arrested with John Gotti. I was his underboss and second of command in the Gambino family.”

„Mein Name ist Salvatore Gravano. Schon früh in meinem Leben gab man mir den Spitznamen „Sammy der Bulle“. Ich war zusammen mit John Gotti inhaftiert. Ich war sein Unterführer und Stellvertreter in der Gambino-Familie.“

Salvatore „Sammy the bull“ Gravano

Der Rapper Proof veröffentlichte auf dem Album Searching for Jerry Garcia ein Lied mit dem Namen Sammy da Bull.

Rick Ross erwähnt Gravano zusammen mit John Gotti in seinem Song B.M.F. (Blowin' Money Fast).

Film[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Maas: Underboss : Sammy the Bull Gravano's story of life in the Mafia, New York 1997, HarperCollins Publishing Company, ISBN 9780061096648, OCLC 38229842
Deutsche Übersetzung von Harald Riemann: Underboss: Ich war der zweite Mann ; die Lebensgeschichte des Mafia-Bosses Sammy "The Bull" Gravano, München/Wien 1998, Bern/Scherz, ISBN 3-502-18430-5.
  • Karen Gravano (Tochter), Lisa Pulitzer: Mafiatochter. Aufgewachsen unter Gangstern – mein Leben mit Vater Sammy "the Bull" Gravano. (Mob doughter). Hannibal Verlag, Höfen 2012, ISBN 978-3-85445-387-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Maas, Peter. Underboss: Sammy the Bull Gravano's Story of Life in the Mafia. New York City: HarperCollins, 1996. ISBN 978-0-06-093096-7.
  2. Allan May: Sammy "The Bull" Gravano. In: TruTV.com. Abgerufen am 11. Februar 2012.
  3. Selwyn Raab: Signing for Your Sentence: How Will It Pay Off?; Ex-Crime Underboss May Find Out Today What He Gets for Turning U.S. Witness. In: The New York Times, 26. September 1994. Abgerufen am 12. Juni 2009. 
  4. Al Guart: Rare Disease Could Whack Sammy Bull. In: New York Post, 31. März 2002. Abgerufen am 3. November 2010. 
  5. Artikel in der IMDB (engl.)

Weblinks[Bearbeiten]