Sardes

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Sardes (Türkei)
Sardes
Sardes
Izmir
Izmir
Sardes (Karte der Türkei)

Sardes (griechisch Σάρδεις Sardeis, auch Σάρδις Sardis; heute türkisch Sart) war die Hauptstadt des antiken Königreichs Lydien, später Sitz eines Gerichtsbezirks (conventus) in der römischen Provinz Asia und in spätantiker und byzantinischer Zeit Hauptstadt der Provinz Lydia. Sie liegt im Hermostal am Fuße des Tmolos-Gebirges, auf dessen aufragendem Gipfel die Zitadelle lag, ca. 20 km südlich des Hermos. Die Reste der Stadt liegen etwa zehn Kilometer westlich vom heutigen Salihli in der türkischen Provinz Manisa.

Bedeutung der Stadt[Bearbeiten]

Die Bedeutung der Stadt lag zum einen in ihrer militärischen Stärke, zum anderen in ihrer strategischen Lage an einer wichtigen vom Landesinneren zur ägäischen Küste führenden Straße und drittens in ihrem Einfluss auf die weite und fruchtbare Hermosebene.

Das frühere Königreich Lydien war hochentwickelt in Handwerk und Gewerbe und Sardes galt als Hauptsitz der Produktion, in deren Zentrum die Herstellung und das Färben empfindlichen Wollmaterials und von Teppichen stand. Die Aussage, dass der kleine Fluss Paktolos am Markt über goldenen Sand verlief, kann wohl als Metapher für den Reichtum der Stadt gelten, auf den die Griechen des 6. Jahrhunderts v. Chr. für ihren Goldnachschub zurückgriffen; Goldgewinnung und Handel bildeten die realen Quellen dieses Reichtums.

Sardes wird in der Bibel erwähnt und ist dort eine der Empfängerinnen der sieben Sendschreiben der Offenbarung des Johannes (Offb 3 EU).

Mythos[Bearbeiten]

Die Gründung der Stadt führt Herodot zurück auf die Dynastie der Herakliden, die sich als Nachkommen des Herakles begriffen. Der letzte König dieser Dynastie soll Kandaules gewesen sein. Gyges, Leibwächter und Speerträger des König Kandaules, sollte auf dessen Anraten die Schönheit seiner Frau heimlich bewundern. Die Königin, die List bemerkend und in ihrer Ehre tief verletzt, stellte Gyges vor die Wahl, ihren Gemahl zu ermorden oder selbst auf der Stelle zu sterben. Gyges tötete den König, wurde dessen Nachfolger und heiratete die Königin.

Geschichte[Bearbeiten]

Mermnaden[Bearbeiten]

In hethitischer Zeit hieß die Stadt vermutlich Uda, unter den Herakliden Hyde. Die Thronbesteigung des Gyges und mit ihm des Geschlechts der Mermnaden wird um 675 v. Chr. datiert. 647 v. Chr. fiel Gyges gegen die Kimmerer. Sein Sohn Ardys (647–605 v. Chr.) und sein Enkel Alyattes (600–555 v Chr.) folgten auf den Thron. Alyattes Sohn, Kroisos (555–541 v. Chr.) wird letzter Herrscher der Mermnaden in Sardes. Mit ihm endete auch das Königreich Lydien.

Persische Satrapie[Bearbeiten]

Kroisos wurde vom persischen Großkönig Kyros II. geschlagen. Damit wurde Sardes Hauptstadt der persischen Satrapie Lydien. Sardes wurde auch Ausgangspunkt für die 2.500 km lange persische Königsstraße nach Persepolis. Im Jahre 499 v. Chr. wurden Sardes und seine Tempel während des Ionischen Aufstandes von den Griechen zerstört, was in den anschließenden Perserkriegen von diesen gerächt wurde.

Sardes war Ausgangspunkt des Zugs der Zehntausend, der von Xenophon in der Anabasis geschildert wird.

Tissaphernes, seit etwa 413 v. Chr. Satrap in Sardeis, unterstützte durch Vermittlung des Alkibiades die Spartaner im Peloponnesischem Krieg. 401 v. Chr. kämpfte der mächtige Satrap von Sardes gegen den aufständischen Prinzen Kyros, der dabei getötet wurde. Mit dem Sieg Alexanders des Großen in der Schlacht am Granikos im Jahre 334 v. Chr. gelangte Sardes in den hellenistischen Machtbereich.

Seleukiden und Römer[Bearbeiten]

Unter den Seleukiden wurden in Sardes jüdische Kriegsveteranen angesiedelt, dies wiederum begünstigte später das Entstehen einer christlichen Urgemeinde. Ab 133 v. Chr. wurde Sardes Teil der römischen Provinz Asia und Hauptort eines Gerichtsbezirks. In den Jahren 216 bis 214 v. Chr. belagerte Antiochos der Große die Stadt und konnte sie schließlich dank einer List seiner Feldherren Theodotos von Ätolien und vor allem Lagoras auch erobern.[1]

17 n. Chr. wurde Sardes von einem schweren Erdbeben heimgesucht, das den ganzen Bezirk verwüstete. Daraufhin erließ Tiberius der Stadt für fünf Jahre alle Steuern und schenkte darüber hinaus 10.000.000 Sesterzen zum Wiederaufbau.[2]

Frühchristliche Zeit[Bearbeiten]

Nach biblischer Überlieferung soll Sardes kurz nach dem Tode Jesu eine christliche Gemeinde beherbergt haben, die eine der sieben Gemeinden der Offenbarung des Johannes darstellte. Im Zweiten und Dritten Kapitel der Offenbarung sollten die Gemeinden ermutigt und ermahnt werden.

Der neutestamentliche Verfasser der Offenbarung des Johannes schreibt dazu

An den Engel der Gemeinde in Sardes schreibe: So spricht Er, der die sieben Geister Gottes und die sieben Sterne hat: Ich kenne deine Werke. Dem Namen nach lebst du, aber du bist tot. Werde wach und stärke, was noch übrig ist, was schon im Sterben lag. Ich habe gefunden, dass deine Taten in den Augen meines Gottes nicht vollwertig sind. (Offb 3,1–2 EU)

Byzantinische Zeit[Bearbeiten]

Als Konstantinopel Hauptstadt des Byzantinischen Reiches wurde, entwickelte sich ein neues Straßensystem, das die Provinzen mit der Hauptstadt verband. Damit geriet Sardes zunehmend an den Rand und verlor seine Bedeutung. Die Stadt behielt jedoch weiter ihre formale Hoheit und blieb ab 295 Bischofssitz der Provinz Lydien.

Die Stadt nahm nach Ephesos und Smyrna den dritten Platz der Städte der thrakischen Themen bei Konstantin VII. Porphyrogennetos im 10. Jahrhundert ein; aber über die folgenden vier Jahrhunderten geriet sie in den Schatten der Provinzen Magnesia ad Sipylum und Philadelphia, die ihre Rolle in der Region festigten.

Die Seldschuken und der Untergang[Bearbeiten]

Das Hermostal wurde durch die Überfälle der Seldschuken Ende des 11. Jahrhunderts in Mitleidenschaft gezogen; aber die Erfolge des griechischen Generals Philocales 1118 entlasteten die Region während der Zeit der Komnenen, sodass die Stadt unter byzantinischer Herrschaft blieb. Das Land rund um Sardes wurde im 13. Jahrhundert häufig durch Christen und Türken verwüstet. Bald nach 1301 überrannten die Seldschuken das Hermos- und Kaystrostal und 1306 wurde ihnen ein Fort auf der Zitadelle von Sardes vertraglich zugesprochen. Der Niedergang der Stadt setzte sich fort bis zu ihrer Eroberung (und wahrscheinlichen Zerstörung) 1402 durch Timur.

19. Jahrhundert und Neubeginn[Bearbeiten]

Bis zum 19. Jahrhundert lag Sardes wüst und hauptsächlich Gebäude der römischen Zeit waren sichtbar. Seit 1958 unterstützen die Harvard- und die Cornell-Universität jährliche archäologische Expeditionen nach Sardes. Die heutige Ruinenstadt lässt durch ihre teilweise erfolgte Restaurierung die alte Pracht erahnen.

Archäologie[Bearbeiten]

Von 1910 bis 1914 wurde in Sardes durch Angehörige der Universität Princeton gegraben, es wurden der Tempel der Artemis sowie mehr als 1000 lydische Gräber freigelegt.[3] Der Erste Weltkrieg beendete diese Unternehmung, erst ab 1958 wird hier wieder von der amerikanischen Harvard-Universität gegraben. Sehenswert sind nördlich der heutigen Hauptstraße das rekonstruierte Gymnasion aus dem 3. Jahrhundert, daneben die reich mit Fußbodenmosaiken und Intarsien an den Wänden ausgestattete Synagoge, vermutlich aus der gleichen Zeit. An deren Längsseite liegen Reste von Wohn- und Geschäftshäusern. Auf der südlichen Straßenseite im griechischen Sardes steht der Artemistempel, erbaut vom 4. bis 2. Jahrhundert v. Chr., der in seinen geplanten Ausmaßen an die Tempel von Ephesos und Didyma heranreichen sollte, jedoch nie vollendet wurde.

Galerie[Bearbeiten]

Berühmte Einwohner[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ludwig Bürchner: Sardeis. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band I A,2, Stuttgart 1920, Sp. 2475–2478.
  • Hanfmann, George M.A., Letters from Sardis (Cambridge, MA 1972).
  • Hanfmann, George M.A. and William E. Mierse, Sardis from Prehistoric to Roman Times: Results of the Archaeological Exploration of Sardis 1958-1975 (Cambridge, MA 1983).
  • Archaeological Exploration of Sardis, Monographs
    • Vol. 1: Bates, George E., Byzantine Coins, Archaeological Exploration of Sardis (Cambridge, MA 1971).
    • Vol. 2: Pedley, John G., Ancient Literary Sources on Sardis (Cambridge, MA 1972).
    • Vol. 3: Gusmani, Roberto, Neue Epichorische Schriftzeugnisse aus Sardis (1958-1971) (Cambridge, MA 1975).
    • Vol. 4: Foss, Clive, Byzantine and Turkish Sardis (Cambridge, MA 1976).
    • Vol. 5: Ramage, Andrew, Lydian Houses and Architectural Terracottas (Cambridge, MA 1978).
    • Vol. 6: Saldern, Axel von, Ancient and Byzantine Glass From Sardis (Cambridge, MA 1980).
    • Vol. 7: Buttrey, T. V., Ann Johnston, Kenneth M. MacKenzie and Michael L. Bates, Greek, Roman and Islamic Coins from Sardis (Cambridge, MA 1981).
    • Vol. 8: Waldbaum, Jane C., Metalwork from Sardis: The Finds through 1974 (Cambridge, MA 1983).
    • Vol. 9: Crawford, J. Stephens, The Byzantine Shops at Sardis (Cambridge, MA 1990).
    • Vol. 10: Schaeffer, Judith Snyder, Nancy H. Ramage, and Crawford H. Greenewalt, Jr., Corinthian, Attic, and Lakonian Pottery from Sardis (Cambridge, MA 1997).
    • Vol. 11: Ramage, Andrew and Paul Craddock, King Croesus' Gold: Excavations at Sardis and the History of Gold Refining (Cambridge, MA 2000).
    • Vol. 12: Rotroff, Susan I. and Andrew Oliver, The Hellenistic Pottery from Sardis: The Finds Through 1994 (Cambridge, MA 2003).
  • Archaeological Exploration of Sardis, Reports
    • Vol. 1: Hanfmann, George M.A. and Jane C. Waldbaum, A Survey of Sardis and the Major Monuments Outside the City Walls (Cambridge, MA 1975).
    • Vol. 2: Hanfmann, George M.A. and Nancy H. Ramage, Sculpture From Sardis: The Finds Through 1975 (Cambridge, MA 1978).
    • Vol. 3: Yegül, Fikret K. with contributions by Mehmet C. Bolgil and Clive Foss, The Bath-Gymnasium Complex at Sardis (Cambridge, MA 1986).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sardes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen und Belege[Bearbeiten]

  1. Polybios Historien VII.15–18.
  2. Tacitus, Annalen 2, 47, 2.
  3. Ekrem Akurgal, Ancient Civilisations and Ruins of Turkey. Istanbul 1969, Seite 125.
  4. Siehe dazu auch Dareikos.

38.47927708888928.031702041667Koordinaten: 38° 29′ N, 28° 2′ O