Schabrackentapir

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Schabrackentapir
Schabrackentapir

Schabrackentapir

Systematik
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Unpaarhufer (Perissodactyla)
Familie: Tapire (Tapiridae)
Gattung: Tapire (Tapirus)
Art: Schabrackentapir
Wissenschaftlicher Name
Tapirus indicus
Desmarest, 1819

Der Schabrackentapir oder Malaysischer Tapir (Tapirus indicus) ist eine Säugetierart aus der Familie der Tapire (Tapiridae). Er ist der größte Vertreter der Tapire und die einzige in Südostasien lebende Tapirart. Der Name leitet sich von der farblich abgesetzten Rückenpartie ab, die an einen im Reitsport als Schabracke bezeichneten Überwurf erinnert. Der Schabrackentapir bewohnt die tropischen Regenwälder der Flachländer, kommt aber auch in Höhen bis über 2000 m vor. Er lebt als Einzelgänger und ernährt sich von weicher Pflanzennahrung. Sein Verbreitungsgebiet ist durch Lebensraumzerstörung stark zersplittert, die möglicherweise maximal 2000 Individuen umfassende Gesamtpopulation wird von der IUCN als stark gefährdet eingestuft.

Merkmale[Bearbeiten]

Habitus[Bearbeiten]

Flehmender Schabrackentapir

Der Schabrackentapir ist der größte heute lebende Vertreter der Tapire. Er erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 180 bis 250 cm, eine Schulterhöhe von 90 bis 110 cm und ein Gewicht von 250 bis 350 kg. Große Individuen können auch bis zu 540 kg wiegen. Wie bei allen Tapiren ist der plumpe, schwerfällig wirkende Körper dieser Tiere an der Vorderseite zugespitzt und an der Hinterseite abgerundet, wodurch das Vorwärtskommen in dichten Wäldern erleichtert wird. Die Beine sind vergleichsweise kurz und schlank, an den Vorderbeinen sind jeweils vier Zehen ausgebildet, die Hinterfüße tragen drei Zehen. Wie bei allen Unpaarhufern verläuft die Hauptachse durch die dritte Zehe (Metapodium III), die auch die größte ist, während die seitlich ansetzenden Zehen etwas kleiner sind. Die vierte vordere Zehe ist deutlich reduziert. Das Gesicht des Schabrackentapirs wird durch den Rüssel charakterisiert, der aber etwas kürzer als der der amerikanischen Tapirarten ist. Die Augen sind klein, die Ohren oval, aufgerichtet und nicht sehr beweglich. Vor allem am Nacken und an Hinterteil ist die Haut sehr dick ausgebildet.[1][2]

Charakteristisch ist das Fellmuster des Schabrackentapirs, das deutlich von den drei anderen Tapirarten abweicht. Die vordere Hälfte des Körpers und die Hinterbeine sind schwarz, der hintere Rumpf ist weiß. Dieses Muster ist eine wirkungsvolle Tarnung, da der Tapir sich im Dunkel des Regenwaldes gegen seinen Hintergrund nur teilweise abhebt und potentielle Räuber die Tapirart nicht erkennen. Weiß sind außerdem die Spitzen der Ohren. Allerdings gibt es, wenn auch selten, völlig schwarz gefärbte Tiere, die als T. i. var. brevetianus bezeichnet werden.[3][4]

Schädel- und Gebissmerkmale[Bearbeiten]

Der Schädel des Schabrackentapirs wird bis zu 41 cm lang und ist relativ schmal, allerdings weniger schmal als der des Mittelamerikanischen Tapirs (Tapirus bairdii). Er ist flach geformt und besitzt einige Anpassungen an die Größe des Tieres, wie etwa eine luftgefüllte, deutlich vergrößerte Stirnhöhle, welche die Oberfläche für Muskelansatzstellen erweitert und gleichzeitig das Gewicht reduziert.[5] Ein Scheitelkamm wie bei den südamerikanischen Tapirarten Flachland- (Tapirus terrestris) und Bergtapir (Tapirus pinchaque) ist nicht ausgebildet. Vielmehr besitzt der Schabrackentapir, analog zum Mittelamerikanischen Tapir, seitlich ansetzende Knochenerhebungen (parasagittale Rücken), die eine schmale, aber flache Ebene auf dem Kopf formen.[6] Das Hinterhauptsbein weist eine kurze und rechtwinklige Form auf, der Hinterhauptswulst ist in der Aufsicht deutlich eingesattelt. Das Nasenbein, welches wie bei den anderen Tapiren weit hinter dem Zwischenkieferknochen liegt, ist sehr kurz und verläuft gerade. Die Reduktion des Nasenbeins und einiger anderer Knochen des Gesichtes entstand aus der Entwicklung des charakteristischen Rüssels, der eine Bildung aus Nase und Oberlippe darstellt.[7][8]

Der Unterkiefer erreicht eine Länge von 34 cm und weist einen relativ niedrigen Knochenkörper auf. Das wie bei den anderen Tapiren kaum reduzierte Gebiss besitzt bei erwachsenen Individuen folgende Zahnformel: \frac{3.1.4.3}{3.1.3.3}. Im vorderen Gebiss sind die jeweils äußeren Schneidezähne des Oberkiefers (I3) vergrößert und konisch geformt, während alle anderen eine stark verminderte Größe besitzen. Dafür ist wiederum der Eckzahn des Unterkiefers deutlich größer und steht dem dritten Schneidezahn des Oberkiefers gegenüber, so dass beide ein effektives Beißwerkzeug darstellen. Der Oberkiefereckzahn dagegen ist verkleinert. Ein kleines Diastema trennt Schneide- und Eckzähne, ein größeres die Eckzähne vom hinteren Gebiss. Die Prämolaren und Molaren besitzen einen weitgehend übereinstimmenden Aufbau. Sie sind niederkronig (brachyodont) und weisen zwei Zahnschmelzfalten auf der Kaufläche (bilophodont) auf, die an den Enden durch Schmelzhöcker leicht erhöht sind.[3][9][8]

Sinnesleistungen und Lautäußerungen[Bearbeiten]

Der Schabrackentapir besitzt wie alle Tapire einen wenig ausgebildeten Sehsinn, im Nahbereich stellt dieser aber dennoch eine wichtige Kommunikationshilfe dar. Dabei reagieren die Tiere auf bestimmte Schlüsselreize, wie die weißen Ohrspitzen, den Rüssel, aber auch auf die schwarze und weiße Fellzeichnung besonders deutlich und beginnen unmittelbar zu schnüffeln, zu flehmen oder auch durch Urin ihr Revier zu markieren.[10] Besonders wichtig sind aber das Gehör und der Geruchssinn. Vor allem auf akustische Reize reagiert der Schabrackentapir schnell, wobei Artgenossen und mögliche Fressfeinde die größte Reizfunktion haben. Die Lautkommunikation erfolgt über bisher sechs bekannte Lautarten, die ausgestoßen werden. Dazu gehören Pfeif- und Jaulgeräusche, zwei verschiedene Quiektöne und zwei Laute, die an ein Rülpsen beziehungsweise Glucksen erinnern. Alle diese Geräusche weisen verschiedene Variationen und Zeitdauer auf und können auch kombiniert vorkommen. Häufig werden diese Töne vor der Nahrungsaufnahme abgegeben, zumindest das Jaulen steht möglicherweise direkt mit dem Fressen in Verbindung, während bei den anderen Geräuschen der Grund bisher unbekannt ist; möglicherweise dienen sie aber zur Kontaktaufnahme. Bedeutend sind dabei die disharmonischen Rülps- und Glucksgeräusche, die meist niederfrequente Wellenbereiche umfassen und im Lebensraum des tropischen Regenwaldes wesentlich weiter getragen werden als die höherfrequenten Quiek- und Jaultöne. Insgesamt ist die Lautkommunikation des Schabrackentapirs aber wenig erforscht.[11][12][13]

Verbreitungsgebiet und Lebensraum[Bearbeiten]

Verbreitungskarte: Die heutige Verbreitung ist dunkelgrün und die frühere hellgrün dargestellt

Der Schabrackentapir ist in Südostasien beheimatet, sein heutiges Verbreitungsgebiet, das in sehr viele, häufig getrennte Einzelhabitate zersplittert ist, erstreckt sich vom Süden Myanmars und dem westlichen Thailand über die Malaiische Halbinsel bis zur Insel Sumatra. Unbestätigte Sichtungen, die allerdings aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammen, gibt es unter anderem aus Kambodscha und von der Insel Borneo.[3] Dies ist der Rest eines einst viel größeren Verbreitungsgebiets, das sich vom Süden Chinas über ganz Südostasien erstreckte und auch die Insel Borneo umfasste. Da der Schabrackentapir in diesen Ländern schon vor mehreren Jahrhunderten bis Jahrtausenden ausstarb, ist umstritten, ob menschliches Zutun für diesen Schwund des Verbreitungsgebiets mit verantwortlich ist.[14][15]

Der eigentliche Lebensraum des Schabrackentapirs sind Wälder, in erster Linie tropische Regenwälder der Tiefländer, wo er sich meist in der Nähe von Gewässern aufhält. Allerdings kommt er auch in sumpfigen oder buschbestandenen Landschaften und in Sekundärwäldern vor. Gelegentlich ist die Tapirart auch auf Plantagen anzutreffen. In bergigen Gebieten, so im Kerinchi-Seblat-Nationalpark auf Sumatra, ist er bis in 2300 m Höhe verbreitet und bewohnt dort Bergnebelwälder.[14][16] Dabei ist die Populationsdichte relativ gering und schwankt je nach untersuchter Region von einem Tapir auf 3 bis 12 km², womit die Tapirart eher selten ist.[17]

Lebensweise[Bearbeiten]

Territorialverhalten[Bearbeiten]

Schabrackentapir

Der Schabrackentapir ist wie alle Tapire dämmerungs- und nachtaktiv, seine Aktivitätsphasen liegen zwischen 18.00 und 04.00 Uhr.[14] Tagsüber zieht er sich ins dichte Unterholz zurück und ist nur gelegentlich zu beobachten.[18] Er ist ein guter Kletterer und kann außerdem ausgezeichnet schwimmen und tauchen. Dabei lebt die Tapirart in der Regel einzelgängerisch; Gruppenbildungen finden nur während der Brunftzeit statt oder umfassen Muttertiere mit ihren Kälbern. Die Vertreter des Schabrackentapirs unterhalten Reviere, sind aber nicht streng territorial. Männliche Tiere haben Reviergrößen von 1 bis 2 km², weibliche wohl etwas ausgedehntere. In manchen Fällen konnten Territorien einzelner Individuen mit bis zu 12 km² Größe festgestellt werden. In den einzelnen Territorien, die sich mit denen anderer Tapire überlappen können, legt der Schabrackentapir auf seinen Wanderungen zu den verschiedenen Aktivitätszonen, wie Fress-, Schwimm- oder Rastplätzen, Trampelpfade im Unterholz an und markiert diese mit Kot und Urin. Allerdings ist auch bekannt, dass der Schabrackentapir seine Fäkalien häufig in Gewässern entsorgt. Das Verspritzen von Urin, welches häufig mit einem charakteristischen Scharren der Füße einhergeht,[10] gilt auch als wichtiges Kommunikationsmittel zwischen Artgenossen.[1][13]

Ernährung[Bearbeiten]

Badende Schabrackentapire

Der Schabrackentapir ist ein Pflanzenfresser, der sich von weicher Pflanzenkost wie Blätter, Wasserpflanzen und Zweigen ernährt. Er nutzt dabei Büsche, niedrig wachsende Bäume, teilweise aber auch Kletterpflanzen. Die Bevorzugung derartiger Pflanzennahrung zeigt sich auch in seiner Anatomie, wie den Backenzähnen mit ihrer geringen Höhe der Zahnkronen und den Schmelzhöckern und -leisten, die eine Anpassung an diese Ernährungsweise darstellen, ebenso wie der Rüssel. Mit diesem ergreift das Tier entfernte Nahrung und befördert sie in das Maul. Bei der Nahrungssuche bewegt er sich mit dem Rüssel am Boden vorwärts, oft in zick-zack-förmigen Routen. Es sind mehr als 110 Pflanzenarten dokumentiert, die vom Schabrackentapir verzehrt werden. Dazu gehören vor allem Teestrauch-, Röte- und Wolfsmilchgewächse, ebenso aber auch Kreuzdorngewächse und häufig auch Vertreter der pantropischen Pflanzengruppe Phyllanthaceae. Dabei verbreitet er auch als bevorzugter Früchtefresser bei seinen Wanderungen durch Ausscheidungen die aufgenommenen Pflanzensamen weiter und stellt so einen wichtigen ökologischen Faktor dar. Davon profitieren vor allem die Pflanzen mit kleinen Samen, wie etwa der Indische Rosenapfel, der in rund einem Drittel aller Dungproben nachgewiesen wurde, während Gewächse mit größeren Samen, so der Cempedak, eher selten nachgewiesen werden.[19][20]

Bedeutend sind auch Salz- und Bodenlecken, von denen der Schabrackentapir mehrere unterschiedliche Stellen aufsucht, die eine generelle Anreicherung an Natrium, Kalium oder Calcium aufweisen. Für den Besuch solcher mineralreicher Quellen überwindet er Entfernungen von 11 bis 15 km . Dabei unternimmt dies der Schabrackentapir häufiger, als es bei den amerikanischen Tapirarten bekannt ist. Da auch mehrere Tapire an einer Salzlecke vorbeikommen, dienen diese möglicherweise auch als wichtige soziale Kontaktpunkte.[21][22]

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Junger Schabrackentapir

Ein männlicher Schabrackentapir ist mit drei Jahren geschlechtsreif, Weibchen wohl etwas früher. Die Fortpflanzungsrate ist wie bei allen Tapiren relativ gering, zwischen den Geburten liegt ein Intervall von knapp zwei Jahren. Die Brunft des weiblichen Tieres findet alle 29 bis 31 Tage statt. In dieser Zeit werben die Männchen um das Weibchen, der Geschlechtsakt beginnt mit dem Aufsitzen des männlichen auf dem weiblichen Tier.[1]

Nach einer Tragzeit von rund 390 bis 394 Tagen bringt das Weibchen in der Regel ein einzelnes Jungtier zur Welt, Zwillinge sind äußerst selten und können in einem Abstand von mehreren Tagen geboren werden. Ein neugeborener Schabrackentapir ist wie alle Tapirkälber bräunlich gefärbt und trägt ein helles Streifen- oder Fleckenmuster, das der Tarnung dient. Das Jungtier wiegt zwischen neun und zehn Kilogramm. Die ersten Lebenstage verbringt es in einem geschützten Lager, danach folgt es der Mutter bei ihren Streifzügen und beginnt auch schon Pflanzennahrung zu sich zu nehmen. Allerdings saugt das Kalb auch noch Milch, wobei die gebrauchte Menge bis zu 9 l am Tag beträgt. Der anfängliche tägliche Gewichtszuwachs eines jungen Schabrackentapirs liegt bei knapp 1 kg pro Tag.[23][24] Mit sieben Wochen beginnt langsam die kindliche Fellzeichnung auszuwachsen und sich die weiße Fellzeichnung durchzupausen, der Prozess ist mit etwa vier bis fünf Monaten abgeschlossen.[25] Nach rund einem Jahr ist das Jungtier entwöhnt und selbstständig. Die Lebenserwartung des Schabrackentapirs wird auf rund 30 bis 35 Jahre geschätzt, das älteste bekannte, in einem Zoo gehaltene Tier wurde 36 Jahre alt.[26][27]

Interaktionen mit anderen Tierarten[Bearbeiten]

Der Schabrackentapir ist generell sehr scheu und vorsichtig, im Bedrohungsfall verharrt er regungslos oder zieht sich ins Wasser zurück. Gerät ein Tier aber in Panik, läuft es blindlings durchs Gebüsch. Wenn notwendig, verteidigt sich der Schabrackentapir mit Bissen seines kräftigen Vordergebisses. Nur selten verhält sich der Schabrackentapir gegenüber Menschen aggressiv.[28] Zu den natürlichen Feinden gehört weitgehend der Tiger, der als guter Schwimmer befähigt ist, einen flüchtigen Schabrackentapir auch ins Wasser zu verfolgen.[2] Inwiefern die Tapirart tatsächlich vom Tiger bejagt wird, ist weitgehend unklar. Neuere Langzeituntersuchungen im Kerinchi-Seblat-Nationalpark ergaben nur einen geringen Jagddruck des Tigers auf den Schabrackentapir, so dass dieser nicht zum bevorzugten Beutespektrum der Großkatze gehört. Da das Raubtier überwiegend tagsüber auf Beutezug geht, überschneiden sich weiterhin die Aktivitätszyklen der beiden Tierarten kaum, sondern wechseln sich weitgehend ab.[29]

Parasiten[Bearbeiten]

Über Parasiten beim Schabrackentapir gibt es wenige Untersuchungen. So wurde der Befall durch Babesien berichtet,[30] gelegentlich treten auch Salmonelleninfektionen auf.[31]

Systematik[Bearbeiten]

Innere Systematik der Gattung Tapirus (nur rezente Vertreter) nach Cozzuol et al. 2013[32]
 Tapirus 


 Tapirus bairdii


     

 Tapirus kabomani


     

 Tapirus pinchaque


     

 Tapirus terrestris





     

 Tapirus indicus



Der Schabrackentapir gehört zur Gattung der Tapire (Tapirus). Diese wiederum stellt einen Teil der Familie der Tapire (Tapiridae) dar, deren nächste Verwandte die Nashörner sind. Von diesen trennten sie sich laut molekulargenetischen Untersuchungen vor rund 47 Millionen Jahren.[33] Beide Familien formen die Gruppe der Ceratomorpha, deren Schwestertaxon die Hippomorpha mit den heutigen Pferden innerhalb der Systematik der Unpaarhufer darstellen.[7]

Innerhalb der Gattung Tapirus stellt der Schabrackentapir die älteste Linie der heutigen Tapire dar. Diese zweigte, ebenfalls anhand genetischer Analysen ermittelt, vor rund 23 Millionen von den übrigen Tapiren ab.[34][35] Vor allem im Pliozän und Pleistozän war Tapirus sehr formenreich in Eurasien. In Ost- und Südostasien gab es zwei wichtige Entwicklungslinien innerhalb der Gattung. Davon stellt eine Linie die Entwicklung von Tapirus sanyuanensis zum Schabrackentapir dar, während die andere die evolutive Veränderung von Tapirus peii über Tapirus sinensis zu Tapirus augustus, auch unter Megatapirus bekannt, umfasst. Beide Linien sind durch die Zunahme der Körpergröße charakterisiert, allerdings liegen Abweichungen in der Zahnmorphologie vor.[36]

Zur Abtrennung des Schabrackentapirs von den anderen amerikanischen Tapiren wurde 1991 von Ronald M. Nowak die Untergattung Acrocodia wiedereingeführt, deren Hauptmerkmal die besondere Fellzeichnung ist. Der Name basiert auf einer Bezeichnung von E. A. Goldmann aus dem Jahr 1913 und wird heute teilweise als Acrocodia indica auch auf Gattungsebene geführt.[37][38] Über die innerartliche Variabilität ist wenig bekannt. Es wurden zwei mehrere Unterarten beschrieben, rezent umfassen diese T. i. indicus und T. i. sumatranus,[34] darüber hinaus stellt T. i. var. brevetianus (Kuiper, 1926) die dunkelhaarige Variante dar und T. i. intermedium (Hooijer, 1947) einen fossilen großen Vertreter von Java.[3] Neue Techniken zur Untersuchung der genetischen Unterschiede innerhalb des Schabrackentapirs sind gegenwärtig in Entwicklung.[39]

Stammesgeschichte[Bearbeiten]

Der Schabrackentapir trat im frühen Pleistozän erstmals auf, zu den ältesten Funden gehören jene aus Jianshi und Bijiashan aus dem südlichen China. An ersterer Fundstelle ist die Tapirart mit dem Riesenaffen Gigantopithecus zusammen aufgefunden worden. Im Mittelpleistozän ist sie dann ebenfalls in Südchina, Kambodscha, Vietnam und auf verschiedenen Inseln des Malaiischen Archipels nachgewiesen. So kommt der Schabrackentapir auf Java in der bedeutenden Kedung-Brubus-Fauna vor, ist aber auch noch in der nachfolgenden Ngandong-Fauna vertreten.[3][40] Wichtig sind weiterhin die Funde aus der im Jungpleistozän vor rund 40.000 Jahren auch von frühen Menschen genutzten Höhle von Niah auf Borneo. Die Reste des Schabrackentapirs wurden in ihrer ersten Beschreibung dem Asiatischen Elefanten zugewiesen.[41] Das ursprünglich wesentlich größere Verbreitungsgebiet des Schabrackentapirs schrumpfte erst im Holozän auf seine heutigen, deutlich fragmentierten Bereiche.[42]

Bedrohung[Bearbeiten]

Schabrackentapir im Londoner Zoo

Wie bei den süd- und mittelamerikanischen Arten ist die Zerstörung der Regenwälder durch die zunehmende Ausbreitung der Landwirtschaft, verbunden mit der Ausweitung menschlicher Besiedlung, aber auch infolge von Rohstoffgewinnung die größte Bedrohung für den Schabrackentapir. Weiterhin ist die zunehmende Jagd ein wachsendes Problem, obwohl die Tapirart strengen Schutzmaßnahmen in den einzelnen Ländern unterliegt. Jagd war auch ursprünglich das größte Bedrohungsproblem, so wurde noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts Tapirfleisch auf thailändischen Märkten angeboten. Teilweise kommen einzelne Tiere auch in illegal angelegten Fallen zu Tode. Ein großes Problem stellt zudem die Krankheitsübertragung von freilebenden Haustieren dar.[43] Der Schabrackentapir wird von der Weltnaturschutzunion IUCN in der Roten Liste gefährdeter Arten mit dem Status stark gefährdet (endangered) geführt. Wie viele freilebende Schabrackentapire es noch gibt, ist weitgehend unklar, da sie sich aufgrund ihrer scheuen Lebensweise nur selten den Menschen zeigen, Experten gehen von etwa 1500 bis 2000 Individuen aus (Stand 2008).[44][13]

Es gibt mehrere Maßnahmen zur Erhaltung des Schabrackentapirs, die von Tapir Specialist Group der IUCN koordiniert werden. Hierzu gehören Feldforschung, um unter anderem mittels Kamerafallen oder Untersuchungen des Kots die Verbreitung des Tapirvertreters zu ermitteln. Jüngst konnte so die Population im Krau Wildlife Reserve auf 45 bis 50 Tiere bestimmt werden.[21] Weitere Maßnahmen bestehen in der Ausweisung neuer Schutzgebiete und gegebenenfalls der Umsiedlung akut gefährdeter Gruppen des Schabrackentapirs oder von Einzeltieren, die zu nah an menschlichen Siedlungen aufgefunden werden.[1] So konnten zwischen 2006 und 2010 insgesamt 115 Schabrackentapire auf der Malaiischen Halbinsel umgesiedelt werden, entweder direkt in Schutzgebiete oder in zoologische Einrichtungen, wobei am häufigsten im malaiischen Bundesstaat Pahang derartige Maßnahmen notwendig waren.[45]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World. The Johns Hopkins University Press, Baltimore 1999, ISBN 0-8018-5789-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schabrackentapir – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
  • Tapirus indicus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2012. Eingestellt von: Tapir Specialist Group, 2008. Abgerufen am 24. Februar 2013

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Mohd Khan bin Momin Khan: Status and Action Plan of the Malayan Tapir (Tapirus indicus). In: Tapir Specialist Group: Tapirs: Status Survey and Conservation Action Plan. 1997 ([1])
  2. a b Kae Kawanishi, Melvin Sunquist und Sahir Othman: Malayan Tapirs (Tapirus indicus): Far from Extinction in a Malaysian Rainforest. Tapir Conservation 11 (1), 2002, S. 23–27.
  3. a b c d e D. A. Hooijer: On fossil and prehestoric remains of Tapirus from Java, Sumatra and China. Zoologische Mededeelingen 27, 1947, S. 253–299.
  4. Mohd. Azlan J.: Recent Observations of Melanistic Tapirs in Peninsular Malaysia. Tapir Conservation 11 (1), 2002, S. 27–28.
  5. Matthew Colbert: Tapirus indicus, Asian Tapir. The University of Texas at Austin ([2])
  6. Luke T. Holbrook: The unusual development of the sagittal crest in the Brazilian tapir (Tapirus terrestris). Journal of Zoology 256, 2002, S. 215–219.
  7. a b Luke T. Holbrook: Comparative osteology of early Tertiary tapiromorphs (Mammalia, Perissodactyla). Zoological Journal of the Linnean Society 132, 2001, S. 1–54.
  8. a b Richard C. Hulbert Jr.: Late Miocene Tapirus (Mammalia, Perissodactyla) from Florida, with description of new species Tapirus webbi. Bulletin of the Florida. Museum of Natural History 45 (4), 2005, S. 465–494.
  9. Richard C. Hulbert Jr.: A new Early Pleistocene tapir (Mammalia, Perissodactyla) from Florida, with a review from Blancan tapirs from the state. Bulletin of the Florida Museum of Natural History 49 (3), 2010, S. 67–126.
  10. a b Susanne Zenzinger: Experimentelle Untersuchungen zur optischen Kommunikation bei im Zoo gehaltenen Schabracken- und Flachlandtapiren (Tapirus indicus und Tapirus terrestris). Der Zoologische Garten N.F. 79, 2010, S. 162–174.
  11. Pernille Johansen Naundrup: Vocal behaviour and communication of the Malayan tapir (Tapirus indicus). Tapir Conservation 21, 2012, S. 8–13
  12. Susanne Zenzinger: Experimentelle Untersuchungen zur akustischen Kommunikation bei im Zoo gehaltenen Schabracken- und Flachlandtapiren (Tapirus indicus und Tapirus terrestris). Der Zoologische Garten N.F. 79, 2010, S. 254–267.
  13. a b c Keith Williams: The World's Tapirs--The Malayan tapir (Tapirus indicus). Tapir Specialist Group ([3])
  14. a b c Wilson Novarino: Population monitoring and study of dailx activities of Malayan Tapir (Tapirus indicus) through the use of the camera trapping technique in Taratak Forest Reserve, Indonesia. Rufford Small Grant (for Nature Conservation), 2005
  15. Earl of Cranbook und P. J. Piper: Borneo Records of Malay Tapir, Tapirus indicus Desmarest: A Zooarchaeological and Historical Review. International Journal of Osteoarchaeology 19, 2009, S. 491–507.
  16. Elva Gemita, Amy Louise Hall und Tom Maddox: The Asian Tapir in Jambi Lowland Forest and Commercial Landscape. Tapir Conservation 16 (1), 2007, S. 30–34.
  17. Wilson Novarino, Santi N. Karimah, Jarulis, M. Silmi und M. Syafri: Habitat Use by Malay Tapir (Tapirus indicus) in West Sumatra, Indonesia. Tapir Conservation 13 (2), 2004, S. 14–18.
  18. Jeremy Holden: Indonesia. Tapir Conservation 11 (1), 2002, S. 20.
  19. Nor Zalipah Mohamed und Carl Traeholt: A Preliminary Study of Habitat Selection by Malayan Tapir, Tapirus indicus, in Krau Wildlife Reserve, Malaysia. Tapir Conservation 19 (2), 2010, S. 32–33.
  20. Ahimsa Campos Arceiz, Carl Traeholt, Razak Jaffar, Luis Santamaria und Richard T. Corlett: Studying the Role of Malayan Tapirs as Dispersers of Large-Seeded Plants in Peninsular Malaysia. In: Fifth International Tapir Symposium in Hotel Flamingo, Kuala Lumpur, Malaysia, 16-21 October, 2011, Book of Abstracts. 2011
  21. a b Carl Traeholt und Mohd. Sanusi bin Mohamed: Population Estimates of Malay Tapir, Tapirus indicus, by Camera Trapping in Krau Wildlife Reserve, Malaysia. Tapir Conservation 18 (2), 2009, S. 12–20.
  22. Boyd Simpson, Carl Traeholt und Shukor Md. Nor: Mineral Licks and Their Use by Malay Tapirs. In: Fifth International Tapir Symposium in Hotel Flamingo, Kuala Lumpur, Malaysia, 16-21 October, 2011, Book of Abstracts. 2011
  23. Frank Brandstätter: Successful Breeding of the Malay Tapir (Tapirus indicus) at Dortmund Zoo, Germany, with a “Problem” Female. Tapir Conservation 13 (1), 2004, S. 30–31.
  24. Zainal Zahari, M. Abraham, Siti Aisyah, M. S. Khairiah, G. Abraham und A. K. Mohd Rauf: Notes on Twinning in the Malayan Tapir (Tapirus indicus). In: Fourth International Tapir Symposium in Xcaret, Quintana Roo,, Mexico April 26 - May 1st,, 2008, Book of Abstracts. 2008
  25. Masayuki Adachi: Documenting Changes in the Development and Pelage of a Malay Tapir Calf. Tapir Conservation 13 (2), 2004, S. 12–13.
  26. Stefan Seitz: New Longevity Record in Tapirs. Tapir Conservation 11 (2), 2002, S. 24.
  27. Marianne Holtkötter: One of the oldest tapirs in captivity dies at Wilhelma Zoo, Stuttgart, Germany. Tapir Conservation 12 (1), 2003, S. 14.
  28. Wolfgang Puschmann: Zootierhaltung. Tiere in menschlicher Obhut. Säugetiere Wissenschaftlicher Verlag Harri Deutsch, Frankfurt/M. 2004, S. 599.
  29. M. Linkie und M. S. Ridout: Assessing tiger–prey interactions in Sumatran rainforests. Journal of Zoology 284, 2011, S. 224–229.
  30. C Vroege und P Zwart: Babesiasis in a Malayan tapir (Tapirus indicus Desmarest, 1819). Zeitschrift für Parasitenkunde 40 (2), 1972, S. 177–179.
  31. Tiffany M. Wolf, Arno Wünschmann, Brenda Morningstar-Shaw, Gayle C. Pantlin, James M. Rasmussen und Rachel L. Thompson: An Outbreak of Salmonella enterica Serotype Choleraesuis in Goitered Gazelle (Gazella subgutrosa subgutrosa) and a Malayan Tapir (Tapirus indicus). Journal of Zoo and Wildlife Medicine 42 (4), 2011, S. 694–699.
  32. Mario A. Cozzuol, Camila L. Clozato, Elizete C. Holanda, Flávio H. G. Rodrigues, Samuel Nienow, Benoit de Thoisy, Rodrigo A. F. Redondo und Fabrício R. Santos: A new species of tapir from the Amazon. Journal of Mammalogy 94 (6), 2013, S. 1331–1345 ([4])
  33. Christelle Tougard, Thomas Delefosse, Catherine Hänni und Claudine Montgelard: Phylogenetic Relationships of the Five Extant Rhinoceros Species (Rhinocerotidae, Perissodactyla) Based on Mitochondrial Cytochrome b and 12S rRNA Genes. Molecular Phylogenetics and Evolution 19, 2001, S. 34–44.
  34. a b Mary V. Ashley, Jane E. Norman und Larissa Stross: Phylogenetic Analysis of the Perissodactylan Family Tapiridae Using Mitochondrial Cytochrome c Oxidase (COII) Sequences. Journal of Mammalian Evolution, 3 (4), 1996, S. 315–326.
  35. Jane E. Norman und Mary V. Ashley: Phylogenetics of Perissodactyla and Tests of the Molecular Clock. Journal of Molecular Evolution 50, 2000, S. 11–21.
  36. Tong Haowen: Dental characters of the Quaternary tapirs in China, their significance in classification and phylogenetic assessment. Geobios 38, 2005, S. 139–150.
  37. Miguel Padilla, Robert C. Dowler und Craig Downer: Tapirus pinchaque (Perissodactyla: Tapiridae). Mammalian Species 42 (863), 2010; S. 166–182.
  38. Jörn Köhler: Fossile Zeugen der Evolution. In: Gabriele Gruber und Norbert Micklich (Hrsg.): Messel. Schätze der Urzeit. Darmstadt 2007, ISBN 978-3-89678-778-1, S. 35–37.
  39. Cristina Luís, Carina Cunha und Anders Gonçalves da Silva: The Malayan Tapir: A Proposal for New Insights into the Species’ Genetic Diversity. In: Fourth International Tapir Symposium in Xcaret, Quintana Roo,, Mexico April 26 - May 1st,, 2008, Book of Abstracts. 2008
  40. Gert D. van den Bergh, John de Vos, Paul Y. Sondaar und Fachroel Aziz: Pleistocene zoogeographic evolution of Java (Indonesia)and glacio-eustatic sea level fluctuations: A background for the presence of Homo. Indo-Pacific Prehistory Association Bulletin 14 (Chiang Mai Papers, Volume 1), 1996, S. 7–21.
  41. D. A. Hooijer: Prehistoric Evidence for Elephas maximus L. in Borneo. Natur 239, 1972, S. 228.
  42. Julien Louys, Darren Curnoe und Haowen Tong: Characteristics of Pleistocene megafauna extinctions in Southeast Asia. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology 243, 2007, S. 152–173.
  43. Nay Myo Shwe und Antony J. Lynam: A preliminary investigation of the status and threats to Malayan tapir Tapirus indicus in the Taninthayi Nature Reserve, Myanmar. Tapir Conservation 21, 2012, S. 18–23
  44. A. Lynam, C. Traeholt, D. Martyr, J. Holden, K. Kawanishi, N. J. van Strien und W. Novarino: Tapirus indicus. In: IUCN Red List of Threatened Species, Version 2012.2, zuletzt abgerufen am 24. Februar 2013.
  45. David Magintan, Carl Traeholt und Kayal V. Karuppanannan: Displacement of the Malayan Tapir (Tapirus indicus) in Peninsular Malaysia from 2006 to 2010. Tapir Conservation 21, 2012, S. 13–17