Schickeria

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Die Schickeria (von Italienisch sciccheria = Schick, Eleganz und jidd./jüd.-dt. „schickern“ = „trinken, sich betrinken“; auch Chiqueria oder Chikeria von frz. chic = schick) ist eine ursprünglich spöttische Bezeichnung für das Szenepublikum, dessen Party-Eskapaden durch den Boulevardjournalismus der breiten Öffentlichkeit zugetragen werden. Synonym dazu ist der Begriff Schickimicki. Dieses Wort wird auch adjektivisch und für einzelne Angehörige der „Schickeria“ verwendet.

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Zugehörigkeit zur Schickeria wird daran bemessen, ob man zu szenetypischen Partys geladen wird, die von Medien wahrgenommen werden. Dieser Kreis setzt sich aus Begüterten und Personen des öffentlichen Lebens (überwiegend durch Boulevardmedien bekannte Persönlichkeiten) zusammen. In der Schickeria spielen Äußerlichkeiten wie ausgefallene Kleidung (der Chic bzw. Schick), edles Essen, Champagner und ursprünglich als exaltiert geltendes, in den 2010er Jahren weit verbreitetes Verhalten (insbesondere der beidseitige, angedeutete Wangenkuss, was zu dem Begriff der „Bussi-Bussi-Gesellschaft“ führte) eine herausragende Rolle.

Adabei (Hochdeutsch: „auch dabei“) ist eine österreichische, vor allem in Wien geläufige Bezeichnung für Personen, die Mitglieder der Schickeria sein wollen oder diese medial kommentieren. Der Begriff geht auf ein von Vinzenz Chiavacci geschriebenes Werk („Seltsame Reisen des Herrn Adabei“ aus dem Jahre 1908) zurück.

Adabei ist auch eine bekannte Kolumne der Kronen Zeitung, der meistgelesenen Tageszeitung Österreichs, seit der Neuerscheinung. Dahinter standen immer prominente Journalisten wie Roman Schliesser oder der wegen seines Stils umstrittene Michael Jeannée.

Als Seitenblickegesellschaft wird die immer wieder in den Medien präsente Gesellschaftsschicht bezeichnet. Der Begriff leitet sich von der seit 1987 im ORF, der staatlichen österreichischen Rundfunkanstalt, ausgestrahlten Society-Sendung Seitenblicke ab und wird seit spätestens 1992 verwendet.[1] Als Wortschöpfer gilt Erhard Busek, der den Begriff sicherlich nicht freundlich meinte.[2] 2009 wurde das Wort in den Duden aufgenommen.[3] Der einerseits kritisch verstandene Begriff dokumentiert andererseits ein redaktionelles Thema, auf das auch Qualitätsmedien heute aus kommerziellen Gründen nicht verzichten zu können glauben.

Beispiele[Bearbeiten]

München[Bearbeiten]

Als idealtypisch für eine Schickeria gilt die Schwabinger Schickiszene im München der 1980er Jahre, die in der Fernsehserie Kir Royal vorgeführt wird. Die Spider Murphy Gang besang diese Schickeria in ihrem gleichnamigen Lied.

In der gleichfalls in München spielenden und von Helmut Dietl 1981–1983 gedrehten Fernsehserie Monaco Franze spielte Helmut Fischer das Münchener Urgewächs Franz Münchinger, während Ruth Maria Kubitschek dessen Gattin („Spatzl“) und Schickeria-Adeptin gab. Durch den Gegensatz der beiden wurde ein sehr detailliertes Bild der Münchener Kultur und insbesondere der Schickeria gezeichnet. Die 1997 ebenfalls von Helmut Dietl gedrehte Komödie Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief beschäftigte sich ebenso mit dieser Thematik.

Rudolph Moshammer galt ob seiner Extravaganz als Paradebeispiel für die Münchener Schickeria. Eine 2002 gegründete Ultrafangruppe des FC Bayern München nennt sich ironisierend Schickeria München.[4][5]

Österreich[Bearbeiten]

Seitenblicke seit 1987 und Chili von 2010 bis 2012 waren bzw. sind Fernsehsendungen des ORF, die täglich über das Geschehen in der österreichischen Schickeria berichten.[6] Der Privatsender Puls 4 zeigt in Pink! Österreichs Starmagazin ebenfalls das aktuelle Society-Geschehen.[7] Der österreichische Privatsender ATV betreibt das Sendeformat Hi Society.[8]

Der Liedermacher Rainhard Fendrich beschreibt die Schickeria in seinem 1981 veröffentlichten Song Schickeria.[9]

Ebenso nennt der Autor Manfred Baumann diese Gesellschaftsschicht in seinem 2010 erschienenen ersten Kriminalroman Jedermanntod, der in der Festspielstadt Salzburg zur Zeit der „Jedermannaufführungen“ spielt. Unter anderem beleuchtet er die gesellschaftliche Schicht, die nicht nur der Kunst wegen, sondern auch ihrer Selbstdarstellung wegen die Festspielzeit begleitet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Schickeria – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Kurt Dieman: Ich sehe weiss: Aktion Weiss. Druckerei Hawelka, 1992, S. 155 („Der "Homo austriacus" Marboe hat zwei ausgeprägte Talente: ein künstlerisches und ein politisches. Die "Seitenblickegesellschaft" ist beiden nicht gerade förderlich.“).
  2.  Profil. 38, Wirtschafts-Trend Zeitschriftenverlag, Wien 2007, S. 362.
  3. Top 10 der meistinterviewten Promis. Bereits seit 25 Jahren macht die Sendung Österreicher zu heimischen Stars. In: news.at. 16. Oktober 2012, abgerufen am 26. März 2014.
  4. Bericht vom 4. Januar 2008 in der Welt über die Fangruppe, abgerufen am 5. Januar 2013
  5. Website der Schickeria München, abgerufen am 5. Januar 2012
  6. tv.orf.at – Chili
  7. Pink! Österreichs Starmagazin auf puls4.com
  8. Dominic Heinzl kehrt 2010 zum ORF zurück
  9. Austriancharts