Rudolph Moshammer

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Rudolph Moshammer mit Hund Daisy, 2004

Rudolph Hans Albert Moshammer (* 27. September 1940 in München; † 14. Januar 2005 in Grünwald, Landkreis München) war ein deutscher Modedesigner,[1] Autor und der Inhaber einer Boutique in der Münchner Maximilianstraße. Durch sein exzentrisches Auftreten in der Öffentlichkeit wurde Moshammer ab den 1980er Jahren bundesweit bekannt, dabei zeigte er sich fast immer mit seinem Yorkshire Terrier Daisy.

Leben[Bearbeiten]

Über Moshammers Kindheit und Jugend ist wenig bekannt; er selbst äußerte sich nur selten und teilweise widersprüchlich dazu. Nach eigenen Angaben wuchs Moshammer in einfachen Verhältnissen auf. Sein Vater war Direktor einer Versicherung, verlor aber einige Zeit nach der Geburt des Sohnes seine Stelle und wurde in der Folge alkoholabhängig. Zeitweise war die Familie nicht in der Lage, ihre Miete zu bezahlen und lebte in Angst vor der Obdachlosigkeit. Aus Furcht vor dem alkoholisierten Vater zog Moshammer mit seiner Mutter Else (* 21. Januar 1908; † 10. August 1993) in eine eigene Wohnung innerhalb Münchens. Der Vater wurde obdachlos und starb einige Jahre später.

Nach dem Besuch der Volksschule an der Herrnstraße und einer Ausbildung zum Kaufmann im Einzelhandel begann Moshammer in den 1960er Jahren Mode zu verkaufen. Seine 1968 gegründete Boutique „Carnaval de Venise“ war sehr erfolgreich. Laut dem Biografen Torsten Fricke leisteten Walter Käßmeier, Angela Opel sowie Arndt von Bohlen und Halbach die Anschubfinanzierung. Das Modegeschäft führte Moshammer mit seiner Mutter, mit der ihn bis zu ihrem Tode ein enges Verhältnis verband. Moshammer machte sich mit seinem Geschäft schnell einen Namen in der Modeszene. Zwar gehörte sein Modehaus nicht zur Haute Couture, doch zählten in den besten Zeiten die Münchner Gesellschaft, die deutsche High Society sowie internationale Prominente zu seinen Kunden. Neben seinen modischen Aktivitäten war Moshammer Eigentümer des ältesten Restaurants der Stadt, des Gasthauses zur Hundskugel im altstädtischen Hackenviertel.

Als allgegenwärtige Münchner Kultfigur beeinflusste Rudolph Moshammer zuweilen skurril das Stadtbild.

Moshammer war in München für sein soziales Engagement bekannt. So gründete er die Stiftung „Licht für Obdachlose“ und unterstützte die Münchner Straßenzeitung BISS. Zudem übernahm er eine aktive Patenschaft für ein Entzugszentrum für Alkoholkranke. Viele Jahre lang lud er die Obdachlosen der Stadt und Umgebung zu einem großen Weihnachtsessen ein, bei dem er sie auch jedes Mal persönlich beschenkte. Im Jahr 2000 wurde Moshammer für sein Engagement der Martinsmantel der Radioredaktion des Sankt Michaelsbundes verliehen. Moshammer spielte zuweilen auch kleinere Filmrollen, zum Beispiel in mehreren Tatort-Folgen (Im Herzen Eiszeit (1995) zusammen mit Rio Reiser) oder dem Film 666 – Traue keinem, mit dem du schläfst! (2002). Auch eine Theaterrolle übernahm er in der Münchner Kleinen Komödie am Max-II-Denkmal. Mit der Band Münchner Zwietracht und dem Titel Teilt Freud und Leid trat er 2001 bei der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest an.

In einem Interview mit der Zeitschrift Stern teilte Moshammer mit, er habe insgesamt nacheinander vier Hunde mit dem Namen Daisy besessen. Die letzte Daisy war das Yorkshire-Terrier-Weibchen Irina de Pittacus, das am 20. September 1993 zur Welt kam. Im Alter von vier Monaten wurde sie – stets mit einem Schleifchen auf dem Kopf geschmückt – zu einem Markenzeichen des extravaganten Designers und war an dessen Seite wiederholt im Fernsehen zu sehen. 2005 hatte sie einen kurzen Gastauftritt in der RTL-Serie Unter uns. Moshammer widmete der Hündin ein Buch und eine Website. Sie war auch Namenspatin für eine von Moshammer entworfene Pflegeserie für Hunde. Außerdem entwarf Moshammer eine Kollektion für Hundebekleidung.

Neben dem Auftreten mit seinem Hund waren weitere markante Merkmale Moshammers seine aufwändige schwarze Frisur mit zwei Stirnlocken im Stil des Bayernkönigs Ludwig II., den er verehrte, sowie seine drei Rolls-Royce.

Tod[Bearbeiten]

Mausoleum am 23. Januar 2005
Mausoleum am 23. Januar 2005

Moshammer wurde in der Nacht zum 14. Januar 2005 in seinem Doppelhaus im Münchner Vorort Grünwald (Ortsteil Geiselgasteig) mit einem Kabel erdrosselt. Sein Chauffeur fand die Leiche am frühen Morgen und rief umgehend die Polizei. Moshammers Tod löste bei vielen Menschen Betroffenheit aus. Wohnhaus und Geschäft waren tagelang von Menschen belagert, die Blumen niederlegten und Kerzen anzündeten.

Bereits am folgenden Tag nahm die Polizei den 25-jährigen Herisch Ali Abdullah fest, der bald darauf die Tat gestand. Der irakische Kurde lebte seit 2001 als Asylbewerber in Deutschland und arbeitete als Aushilfskoch in einem Schnellrestaurant.[2] Am Tatort sichergestellte DNA-Spuren des Mannes waren mit der DNA-Analysedatei des Bundeskriminalamtes (BKA) abgeglichen worden, in welcher der nicht vorbestrafte Täter gespeichert war. Er hatte 2004 im Zusammenhang mit zwei Verfahren wegen gefährlicher Körperverletzung und einem Sexualdelikt eine Speichelprobe abgegeben. Anhand dieser registrierten DNA konnte die Tat zügig aufgeklärt werden.

Nach Aussagen des verschuldeten und psychisch kranken Täters hatte ihn Moshammer nahe dem Münchner Hauptbahnhof angesprochen und ihm 2000 Euro Lohn für sexuelle Handlungen in Aussicht gestellt. Im Haus Moshammers sei es zwischen beiden zum Streit um die Bezahlung gekommen, woraufhin Herisch Ali Abdullah den Modedesigner mit einem Kabel erdrosselt habe.

Die Berichterstattung in den Medien zu Moshammers Tod wurde teilweise als homophob kritisiert. Insbesondere die Verwendung des Ausdrucks „Homosexuellen-Milieu“ – in dem sich Moshammer oft bewegt habe – erregte Unmut bei Kritikern und Angehörigen des Bundes Lesbischer und Schwuler JournalistInnen (BLSJ).[3]

Gerüchte über angebliche Schulden wies Moshammers Anwalt Lutz Libbertz entschieden zurück. Der langjährige Geschäftspartner Moshammers, Walter Käßmeyer (* 1928), wurde im Testament als Alleinerbe eingesetzt. Ergänzend zu dem Erbe gab es in dem Testament eine Reihe von Vermächtnissen, die Käßmeyer bei Annahme des Erbes erfüllen musste.

Die Leiche Moshammers wurde nach der gerichtsmedizinischen Obduktion ins Institut für Pathologie des Klinikums Schwabing überstellt und dort von Alfred Riepertinger durch das Verfahren des „Modern Embalming“ konserviert.[4]

Nach einer Trauerfeier in der Allerheiligen-Hofkirche nahe seiner Boutique und einem Trauerzug durch die Stadt wurde Moshammer am 22. Januar 2005 auf dem Münchner Ostfriedhof in einem Mausoleum neben seiner Mutter beigesetzt. Der Fernsehsender Sat.1 hatte die Exklusivrechte für die Fernsehübertragung der Feierlichkeiten. Die Medien kritisierten die Beerdigung als effektheischende Veranstaltung. Prominente, die zu seinen Lebzeiten seine Nähe gesucht hatten, blieben seinem Begräbnis in großer Zahl fern. Trotz oder gerade aufgrund seiner Exzentrik war er ein Liebling der „einfachen Leute“, die ihn auf seinem letzten Weg zahlreich begleiteten.

Am 2. November 2005 begann in München der Prozess gegen den geständigen Täter. Während die Staatsanwaltschaft die Tat als Mord durch Heimtücke auszulegen suchte, plädierten die Strafverteidiger auf Totschlag. Herisch Ali Abdullah wurde am 21. November 2005 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes und Raubes mit Todesfolge verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er Moshammer heimtückisch, aus Habgier und zur Ermöglichung eines Raubes erdrosselt hatte. Das Schwurgericht erkannte zudem eine besondere Schwere der Schuld, sodass eine vorzeitige Haftentlassung – auch bei guter Führung – nach 15 Jahren sehr unwahrscheinlich ist.[2] Die Revision blieb erfolglos.

Der Chauffeur und Leibwächter Andreas Kaplan nahm sich des Hundes Moshammers nach dessen Tod an. Er hatte sich schon früher um das Tier gekümmert und war im Testament großzügig berücksichtigt worden, insbesondere durch eine Wohnung und Apanage. Daisy starb am 24. Oktober 2006 im Alter von 13 Jahren.

Bühnenwerke[Bearbeiten]

Als erstes Bühnenwerk über Rudolph Moshammer wurde im Auftrag des österreichischen Produzenten Michael Kaden das Kammersingspiel Daisys König von Thomas Thalhammer (Buch und Regie) und Meinhard Rüdenauer (Musik) am 15. Februar 2007 am Münchner Oberanger Theater uraufgeführt. Rudolph Moshammer wurde von Schauspieler Alexander Kerbst gemimt. Das 3-Personen-Musical zeigte in auf ein Minimum reduzierter Ausstattung beliebige fiktive und reale (öffentliche) Momente aus dem Leben Moshammers, ohne dabei einer Chronologie zu folgen.

Es folgte die Moshammeroper von Ralph Hammerthaler (Libretto) und Bruno Nelissen (Musik) an der Neuköllner Oper in Berlin, die am 23. August 2007 uraufgeführt wurde.

2012 wurde im Schauspielhaus der Münchner Kammerspiele das Werk Die Strasse. Die Stadt. Der Überfall von Elfriede Jelinek uraufgeführt, das den Mythos der Münchner Maximilianstraße behandelt. Dort wird u. a. Moshammers Tod thematisiert.

Diskografie[Bearbeiten]

Im Jahr 2000 erschien eine CD Moshammer’s Classics – Mein Leben und meine Gefühle. Auf dieser CD spricht Rudolph Moshammer über Themen, die sein Leben bestimmen. Begleitet werden die Erzählungen von Moshammers favorisierten Werken der Klassik.

Rudolph Moshammer nahm zwei Singles mit der Gruppe Münchner Zwietracht auf; gemeinsam beteiligten sie sich an der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2001:

  • Moos Hamma (2000)
  • Teilt Freud und Leid (2001)

Weiterhin rezitierte er 2001 den Text „Liebes-Lied“ aus dem Album Bis an alle Sterne des Rilke Projekts, an dem auch andere bekannte Personen wie Nina Hagen, Hannelore Elsner und Otto Sander mitwirkten.

Parodie[Bearbeiten]

Zu Lebzeiten Moshammers parodierte Günter Grünwald den Modeschöpfer. Nach dem Tod Moshammers verwendete Grünwald die Figur einige Jahre nicht mehr (vgl. Grünwald Freitagscomedy vom 16. Oktober 2009).

Bücher[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Torsten Fricke: Rudolph Moshammer. Die Biographie. Universitas-Verlag, München, 2005, ISBN 3-8004-1472-4
  • Henrik Müller: Aus nächster Nähe. Ein ganz persönlicher Nachruf auf Rudolf Moshammer. Vehling, Graz 2005 ISBN 3-85333-116-5
  • Andreas Kaplan, Nina Rücker (Bearb.): Mosi, Daisy und ich. Sein Chauffeur Andreas erzählt. 2. unveränd. Aufl., Anderbeck-Verl., Anderbeck 2005, ISBN 3-937751-26-2
  • Dirk Wilke: Extravaganz als Markenzeichen, Rudolf Moshammer: Das schwierige Glückskind. In: Das Parlament Nr. 46, 8. November 2004 (online)

Film[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Fünf Jahre nach Mord. Rudolph Moshammer – "Mosis" Mythos verblasst“, Die Welt, 12. Januar 2010
  2. a b http://www.stern.de/lifestyle/leute/moshammer-moerder-lebenslang-fuer-herisch-a-549969.html
  3. homosexuellen-milieu.de: Sonderseite des BLSJ zur Kritik der Verwendung des Ausdrucks „Homosexuellen-Milieu“
  4. Alfred Riepertinger: Mein Leben mit den Toten: Ein Leichenpräparator erzählt, Heyne 2012 (online, Zugriff am 31. Dezember 2012)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rudolph Moshammer – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien