Richard Lugner

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Richard Lugner (links) mit Künstler Johann Gassenhuber am Deutschen Filmball 2011
Richard Lugner mit Familie (Wien 2010)

Richard Siegfried Lugner (* 11. Oktober 1932 in Wien; Spitzname Mörtel) ist ein ehemaliger österreichischer Bauunternehmer.

Leben[Bearbeiten]

Lugner bestand 1953 die Matura in der Bundesgewerbeschule Wien-Schellinggasse Hochbau. 1962 erhielt er die Baumeisterkonzession und engagierte noch im ersten Jahr zwei Arbeiter und zwei Angestellte in seinem eigenen Unternehmen. Lugner spezialisierte sich auf die Renovierung von Altbauten und die Errichtung von Tankstellen. In den auftragsschwachen Jahren weitete er seine Bautätigkeit auf Bürohäuser mit angeschlossenen Tiefgaragen aus. Für Aufsehen sorgten der Bau der Wiener Moschee und die Renovierung des Stadttempels der jüdischen Kultusgemeinde Wien. 1990 wurde mit Dagmar Koller im September die Lugner-City eröffnet, damals das siebentgrößte Einkaufszentrum in Österreich. Seit 1999 zog er sich sukzessive aus dem operativen Baugeschäft zurück und übergab das Bauunternehmen an seine Söhne. Über ihn selbst wird immer wieder berichtet, er befände sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten.[1][2][3]

1998 kandidierte Lugner bei der Bundespräsidentenwahl und wurde mit 9,9 Prozent der Wählerstimmen vierter von fünf Kandidaten. Bei der Nationalratswahl 1999 erhielt er mit „Die Unabhängigen“ 1,02 Prozent der Stimmen.

Im September 2005 wurde die Lugner Kino City eröffnet, die in elf Sälen Platz für 1840 Besucher bietet. Anfang Februar 2007 kam es zur öffentlichen Kontroverse, als Abtreibungsgegner Lugner vorwarfen, mit der Vermietung von Raum in der „Lugner-City“ an das sexualmedizinische Zentrum VenusMed auch mitverantwortlich für die dort durchgeführten Abtreibungen zu sein, was zu einem öffentlichen Konflikt mit Weihbischof Andreas Laun führte.[4][5][6]

Richard Lugner war seit 1990 mit seiner vierten Frau Christina „Mausi“ Lugner verheiratet und hat mit ihr eine Tochter namens Jacqueline, am 2. August 2007 ließ sich das Ehepaar scheiden.[7] Aus früheren Ehen hat er zwei erwachsene Söhne sowie eine Tochter aus einer weiteren Beziehung.[8]

Seit 2005 strahlt der österreichische Privatsender ATV die Reality-Soap Die Lugners nach dem Vorbild der US-Serie The Osbournes aus. Kurz nach der Scheidung Lugners im Sommer 2007 hatte ATV die Idee, ein neues Format zu produzieren, in dem Richard Lugner eine neue Frau für sein Glück findet. Mit der Siegerin der Sendung, Bettina Kofler, war er ein Jahr lang zusammen. Im November 2008 trennten sich die beiden während eines Türkeiurlaubs.

In der seit 2007 ausgestrahlten Satiresendung Wir sind Kaiser bat Lugner nach seiner ersten Audienz am 3. Januar 2008 als Running Gag jede Woche um eine Vorlassung zum Kaiser, wurde aber immer wieder abgewiesen. In der letzten regulären Folge überließ Robert Heinrich I. ihm am Ende der Audienz eine Uniform (die leicht von der üblichen abwich), worauf Lugner den Thronsaal betrat und sich selbst als neuen Kaiser proklamierte. Seyffenstein löst daraufhin die Versammlung auf. Erst in der Folge Letzte Chance für Deutschland vom 1. Juni 2011 wurde er nochmals, dieses Mal mit seinem „Katzi“ (Anastasia Sokol), zur Audienz beim Kaiser vorgelassen. Nach Androhung, Lugner zu exportieren, „unterwarfen“ sich die letzten Deutschen dem Kaiser Robert Heinrich I. Ausgestattet mit einer Seitenblicke-Kamera wurde er auf eine winzige Insel im hohen Norden verbannt.

2009 beabsichtigte Lugner, bei der Bundespräsidentenwahl 2010 zu kandidieren. Zunächst wurde das BZÖ als unterstützende Partei genannt, dieses dementierte jedoch und verwies auf die ÖVP.[9]

2010 spielte Lugner bei den Karl-May-Festspielen in Gföhl die Rolle des Mr. Buttler. Mit dem Titel I bin der Lugner (olé olé) erreichte er 2010 Platz 29 der österreichischen Charts.[10] Im November 2010 wurde Lugner für die Österreichische Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2011 nominiert, erreichte jedoch nicht die besten 30.[11]

Lugner stellte Scientology ein Grundstück für Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung und wünschte in einer E-Mail an den Präsidenten der L.-Ron-Hubbard-Stiftung der Organisation „auch für die Zukunft alles Gute,“ was als Scientology-Sympathisantentum interpretiert wurde.[12]

Wiener Opernball[Bearbeiten]

Als Begleitung für seinen jährlichen Wiener Opernballbesuch engagiert Lugner seit 1991 üblicherweise einen prominenten Gast und nimmt diesen in seine Loge mit:[13]

Lugner im Februar 2012 mit Brigitte Nielsen
Jahr Ehrengast
1991 Gina Lollobrigida (aufgrund des Irakkrieges abgesagt)
1992 Harry Belafonte
1993 Joan Collins
1994 Ivana Trump
1995 Sophia Loren
1996 Grace Jones
1997 Sarah Ferguson
1998 Raquel Welch
1999 Faye Dunaway
2000 Jacqueline Bisset, Nadja Abd el Farrag
2001 Farrah Fawcett
2002 Claudia Cardinale
2003 Pamela Anderson
2004 Andie MacDowell
2005 Geri Halliwell
2006 Carmen Electra
2007 Paris Hilton
2008 Dita Von Teese
2009 Nicollette Sheridan
2010 Dieter Bohlen
2011 Karima el-Mahroug, Larry Hagman, Zachi Noy
2012 Brigitte Nielsen, Roger Moore
2013 Mira Sorvino, Gina Lollobrigida
2014 Kim Kardashian

Weblinks[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. Die Presse: Lugner: Konkursantrag gegen "Richie Rich", 21. Oktober 2003
  2. Franz Ganrigler: Herr Lugner, bitte vor den Vorhang! In: WirtschaftsBlatt. 23. Oktober 2003, archiviert vom Original am 11. Juni 2012, abgerufen am 15. Mai 2014.
  3. ORF: Finanz will viel Geld von Lugner, 23. Jänner 2008
  4. Kath.net: Abtreibung für gläubige Menschen niemals akzeptabel, 9. Februar 2007
  5. Der Standard: Kirchenherren sollen sich zurückhalten, 8. Februar 2007
  6. News: Debatte um Abtreibungen in Lugner-City: Schönborn will 'Mörtel' nicht exkommunizieren, 5. Februar 2010
  7. ORF: Lugners geschieden, 2. August 2007
  8. Kronenzeitung: Richard Lugner traf seine heimliche Tochter, 16. Juni 2005
  9. Der Standard: Lugner kein ernsthafter Kandidat, 30. Oktober 2009
  10. http://austriancharts.at/showitem.asp?interpret=Richard+Lugner&titel=I+bin+der+Lugner+%28ol%E9+ol%E9%29&cat=s
  11. oe24.at: Fährt Supertalent für uns zum Song Contest?, 22. Dezember 2010
  12. Marc Felix Serrao: Hacker outen Baulöwe als Scientology-Sympathisant. Mörtels umstrittene Zeltgäste. Süddeutsche Zeitung, 12. Juni 2012, abgerufen am 12. Juni 2012.
  13. Wiener Opernball - Lugners Ladys in Süddeutsche Zeitung vom 16. Februar 2012