Siglinde Kallnbach

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Siglinde Kallnbach (* 1956 in Tann (Rhön), Hessen) ist eine deutsche, international tätige Künstlerin. Ihr Werk umfasst Performance, Installation, Multimedia, Fotografie und Aktionskunst.

Leben[Bearbeiten]

Von 1976 bis 1983 studierte sie an der Kunsthochschule Kassel bei Harry Kramer, Karl Oskar Blase, Georg Bussmann und Heiner Georgsdorf. Sie war Stipendiatin des Evangelischen Studienwerk Villigst. 1977 ging sie für ein Jahr nach Auckland, Neuseeland, und verbrachte dort ein Akademisches Jahr. 1983 schloss sie ihr Studium der Bildenden Kunst u.a. mit der Examensperformance L(e)ine ab und erlangte ihr Staatsexamen in Kunsterziehung und Anglistik. Seitdem ist sie als freischaffende Künstlerin tätig. 1985 erhielt einen Förderpreis der Robert Bosch Stiftung. Studienaufenthalte, Ausstellungen und Projekte führten sie nach Ozeanien und Südostasien. Kallnbach hatte Lehraufträge an der Musashi-Universität in Tokio, WAKO University in Machida bei Tokio, FH Bochum und Kunstakademie Bad Reichenhall. 2002 hat sie eine Ausbildung zum Multimedia-Designer absolviert. Sie lebt und arbeitet in Köln.

Leben und Werk[Bearbeiten]

In ihren Performances und Aktionen setzt sich Siglinde Kallnbach seit Ende der 1970er Jahre mit gesellschaftspolitischen Themen wie Diskriminierung, Rassismus, Krieg und Ungerechtigkeit auseinander. Vermittelt durch ihre Reisen werden außerdem transkulturelle Aspekte wie z.B. elementare menschliche Bedürfnisse und Rituale thematisiert, die kulturübergreifend verglichen werden und Gelegenheit zu Dialog und Austausch bieten. Der Einsatz des eigenen Körpers als Instrument der leiblichen Erkenntnis ist dabei von zentraler Bedeutung - an sich selbst realisiert Kallnbach bis heute die Auswirkungen gesellschaftlicher Zu- oder Missstände, wobei sie sich in ihren frühen Arbeiten häufig in physische Grenzsituationen begab.

Kallnbach bezieht medienübergreifend Fotografien, verschiedene Objekte und Materialien in ihre Performances und Installationen ein, um in symbolischen Handlungen komplexe kulturelle Bedeutungen zu transportieren. Diese lassen sich nicht auf eine hermetisch abgeschlossene individuelle Mythologie beschränken sondern überführen die eigene existentielle Erfahrung in einen größeren gesellschaftlichen Kontext. Ein wichtiger Aspekt ihrer künstlerischen Arbeit ist auch die aktive Einbeziehung anderer. Im 2. Teil der Trilogie Kleinsassen 1985 etwa konnte sie 360 Beteiligungen aus 39 Ländern der Erde in ihrer Ausstellung vereinen. Bei ihrem Projekt Wunschspur-Wishingtrack von 1999-2001 sammelte sie weltweit über 4000 Zukunftswünsche, die sie in eine 460 Meter lange abstrakte Spur verwandelte und Silvester 2000 und 2001 in einem Versorgungstunnel unter dem Rhein in Köln ausrollte.

Siglinde Kallnbachs künstlerische Arbeit steht in enger Verbindung zu Alltag und Leben. Seit sie 2000 zum ersten Mal an Krebs erkrankte, thematisiert sie die Krankheit und ihre Folgen auch in ihrer Kunst, wobei sie das individuelle Leiden in einen größeren gesellschaftlichen Zusammenhang setzt. Mit ihrem interaktiven Projekt a performancelife (seit 2001) zur Bekundung der Empathie mit Krebskranken erschafft Kallnbach Handlungsspielräume zur Freisetzung kreativer Energie, um sie als transformative Kraft Erkrankten, Angehörigen und medizinischem Personal wieder zuzuführen. Für ihr nachdrückliches Engagement in gesellschaftlichen Fragestellungen erhielt Kallnbach bereits Mitte der 80er Jahre in Japan den Künstlernamen die Feuerliebende.

Solo-Performances und Einzelausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1978 erste Performances in Neuseeland und Australien
  • 1984-86 Prozeßkunst-Trilogie (Feuertor u.a.), Kleinsassen/Hessen
  • 1987 Judicium Ignis - 500 Jahre Hexenhammer, Ausst. Hochschulgalerie Kausch und Frauenprozession, Kassel
  • 1990 When will Mr. Saito buy van Gogh's ear?, Performance, Installation und Dokumentation, Heineken Village Gallery, Tokyo
  • 1992 Ei des Phönix, drei Performances, Theater im Fridericianum, Kassel
  • 1993 Fremdenfreude II, Performance und Installation, Schaufenstergalerie Kassel
  • 1994 Performance-Festival Die Rose von Jericho, Oldenburg
  • 1997 Aktion Rheinspur, GEW Tunnel unter dem Rhein, Ausstellung Rheinspur/Performance taubenrot, Antoniterkirche Köln
  • 2000 Wunschspur, Vonderau Museum Fulda
  • seit 2001 Kunstprojekt a performancelife
  • 2002 Van Gogh's Dream, Performance, Aomori Contemporary Art Center, Aomori/Japan
  • 2005 Ausstellung Rheingold – Shinkansen, Kita Gallery, Yamatokooriyama-City / Nara-Ken
  • 2007 KunstWerk Köln HC – BC
  • 2008/09 Ludwig Forum für Internationale Kunst Aachen

Werke in öffentlichen Sammlungen[Bearbeiten]

  • Kunstsammlung der Deutschen Bank
  • Kölnisches Stadtmuseum
  • Vonderau Museum Fulda
  • Stadtmuseum Siegburg
  • Stadt Kölnischer Kunstbesitz
  • Muzej i galerija Ijentnikovca Buca/Centar za kulturu Tivat (Staatliches Museum für zeitgenössische Kunst Tivat/Montenegro)
  • Staatliche Kunstsammlungen – Neue Galerie Kassel
  • documenta Archiv Kassel
  • Kunststation Kleinsassen
  • Stadtsparkasse Wuppertal

Literatur[Bearbeiten]

Kataloge[Bearbeiten]

Kataloge zu Einzelausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Rheingold - Shinkansen, Salon Verlag Köln, 2007, ISBN 978-3-89770-255-4
  • Wunschspur - Wishingtrack, Salon Verlag Köln, 2002, ISBN 3-89770-166-9
  • Rheinspur, Salon Verlag Köln 1999, ISBN 3-932189-51-5
  • Siglinde Kallnbach - Performance, dalebo Verlag, Köln 1995, ISBN 3-9804380-1-5
  • Siglinde Kallnbach: Todesmasken für van Gogh/Japan 1990, Kunststation Kleinsassen 1991
  • Verbindungen, Kunststation Kleinsassen 1985
  • Feuertor, Kunststation Kleinsassen 1984

Kataloge zu Gruppenausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Alles Prophetinnen, Frauenmuseum Bonn, 2006, ISBN 3-928239-46-5
  • Performa 04 - FestiwalSztukj Zywej/Live Art Festival - Private Inpact, Szczecin/Polen, 2004
  • Kunst auf Rezept, Salon Verlag Köln 2001, Museum Ratingen 2001 und andere Orte, 2002/2003, ISBN 3-89770-143-X
  • Shozo Shimamoto – Siglinde Kallnbach, Japanisches Kulturinstitut Köln, Köln 2000
  • Gabriele Münter Preis 1997, Frauen Museum Bonn/Kunsthalle Dominikanerkirche Osnabrück/Galerie am Fischmarkt Erfurt, ISBN 3-928239-35-X
  • Stadt der Frauen, Frauenmuseum Bonn 1995
  • Multimedialistinnen: Performerinnen-Woche Erfurt, Kunsthaus Erfurt 1992
  • InterAzioni- Laboratorio Internationale delle Performances et Installazioni,Cagliari/Sardinien 1990

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Siglinde Kallnbach: Performance - der perforierte Begriff - ein Plädoyer gegen die Lehrbarkeit von Performance, in: Marie-Luise Lange (Hrsg.): Performativität erfahren. Aktionskunst lehren - Aktionskunst lernen. Schibri Verlag, Berlin/Milow/Strasburg, 2006, ISBN 3-937895-42-6
  • Siglinde Kallnbach: Judicium Ignis: 500 Jahre Hexenhammer – Frauenprozession durch die Kasseler Innenstadt, in: Feministische Kulturpädagogik: Projekte und Konzepte, Akademie Remscheid 1989, ISBN 3-923128-05-3

Bibliographie[Bearbeiten]

  • James Putnam: Art and Artifact. - The Museum As Medium, Thames & Hudson, London 2001,ISBN 0-500-23790-5
  • 20 Jahre Frauenmuseum Bonn, Bonn 2001, ISBN 3-928239-49-X
  • Religion betrifft uns: Friedrich Spee, Bergmoser + Höller Verlag,ISSN 0936-5141, Aachen 1996
  • Thomas Illmaier: Siglinde Kallnbach: Schamanistische Performance,in: Yearbook for Ethnomedicine and the Study of Consciousness, no. 4, Verlag für Wissenschaft und Bildung Berlin 1995, ISBN 3-86135-031-9
  • Monografie Tempelopfer und Feuerrituale, in: KUNSTFORUM INTERNATIONAL, Band 130/1995
  • EL Interview Siglinde Kallnbach, in: The English Journal, Tokio, März 1992 (mit Audio-Kassette)
  • Elisabeth Jappe: Performance Ritual Prozeß - Handbuch der Aktionskunst in Europa, Prestel-Verlag, München/New York 1993, ISBN 3-7913-1300-2

Weblinks[Bearbeiten]