Sonnenaufgang – Lied von zwei Menschen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Sonnenaufgang – Lied von zwei Menschen
Originaltitel Sunrise – A song of two humans
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1927
Länge 91 Minuten
Altersfreigabe FSK 6
Stab
Regie Friedrich Wilhelm Murnau
Drehbuch Carl Mayer
Produktion William Fox
Musik Hugo Riesenfeld
Kamera Charles Rosher, Karl Struss
Schnitt Harold D. Schuster
Besetzung

Sonnenaufgang – Lied von zwei Menschen ist ein US-amerikanischer Liebesfilm aus dem Jahre 1927 mit George O’Brien und Janet Gaynor in den Hauptrollen. Für Friedrich Wilhelm Murnau, den deutschen Regisseur des Filmes, war es sein erster Film in den Vereinigten Staaten. Die Handlung basiert auf Hermann Sudermanns Buch Die Reise nach Tilsit und wurde am 23. September 1927 uraufgeführt. Bereits bei seiner Veröffentlichung war der Film ein großer Erfolg und gewann drei Oscars und 2012 wurde der Film bei einer Umfrage des Magazins Sight & Sound unter Filmkritikern auf Platz 5 der besten Filme aller Zeiten gewählt.

Handlung[Bearbeiten]

In den Sommerferien kommen viele Städter zur Erholung aufs Land, unter ihnen ist auch die attraktive, aber kaltherzige und manipulative Frau aus der Stadt. Schon seit Wochen lauert sie in einem Dorf am See und in der Dunkelheit geht sie zum Haus des Bauern, welcher dort mit seiner Frau und dem noch kleinen, gemeinsamen Kind lebt. Die Frau aus der Stadt pfeift vom Zaun und nach kurzem Zögern folgt der Mann ihr. Seine Frau lässt er dagegen mit dem Essen und Erinnerungen an glücklichere Zeiten der gemeinsamen Liebe zurück. Die Ehe scheint zerstört und auch die finanzielle Situation des Bauernhofes leidet unter der Affäre des Mannes mit der Frau aus der Stadt. Beim nächtlichen Treffen am Baum kommt es nicht nur zu zahlreichen Küssen zwischen dem Bauern und der Frau aus der Stadt: Sie bittet ihn, dass er seinen Bauernhof verkauft und mit ihr in die Stadt kommt. Seine Frau soll der Mann deshalb im See ertränken. Nachdem der Mann zunächst schockiert und ablehnend reagiert, willigt er nach vielen Küssen der Stadtfrau in ihren gemeinen Plan ein. Die Frau aus dem Stadt gibt dem Bauern Schilf, womit er sich retten kann, nachdem er das Boot mit der Frau zum Kentern gebracht hat. Anschließend soll er dann allen im Dorf erzählen, es sei ein Unfall gewesen.

Am nächsten Tag macht der Mann seiner Frau den Vorschlag, mit dem Boot einen Ausflug zu unternehmen. Die Bauersfrau schöpft keinen Verdacht, stattdessen willigt begeistert ein und glaubt an eine neue Chance zwischen sich und ihrem Mann. Als sie jedoch auf dem Wasser sind, wächst in der Frau zunehmend der Verdacht. Als der Mann sie schließlich töten will, fleht sie um Erbarmen, was den Mann dazu bewegt, dass er seine Mordabsichten begräbt. Er rudert an Land zurück, doch sobald das Boot angelegt hat, flieht seine Frau vor ihm. Die Frau steigt in eine Straßenbahn, und der Mann folgt ihr ebenfalls in die Straßenbahn. Die Straßenbahn fährt in die große Stadt und der Mann macht seiner Frau Geschenke wie Kuchen und Blumen, doch ihre Angst und Enttäuschung im gegenüber ist immer noch überwältigend. Erst als sie einem jungen Hochzeitspaar in der Kirche beim Heiraten zusehen, berührt das beide und die Frau vergibt ihrem Mann. Anschließend erleben sie einen aufregenden und schönen Tag in der Stadt und besuchen ein Café, einen Friseursalon, lassen sich beim Fotografen ein Foto machen und verbringen den Abend in einen Vergnügungspark.

In der Dunkelheit machen sie sich auf dem Heimweg, doch ein Sturm bricht los und das Boot kentert. Der Mann kann sich an Land retten, doch die Frau bleibt verschwunden. Die Dorfbewohner suchen mit Booten nach ihr, doch sie finden nur Teile des Schilfbündels, dass der Mann seiner Frau als Behelfsschwimmring umgebunden hatte. Nun ist er überzeugt, dass sie ertrunken ist, und geht nach Hause. Seine Geliebte aus der Stadt hat von den Vorfällen gehört und nimmt an, dass der Mordplan gelungen ist. Doch als die Frau aus der Stadt beim Haus ankommt, versucht der jähzornige und verzweifelte Mann sie zu erwürgen. Im letzten Moment erscheint die alte Magd der Familie, welche während des Ausfluges auf das Kind des Paares aufgepasst hatte, und erzählt dem Bauern, dass seine Frau sich an ein letztes Bündel Schilf klammern konnte, gefunden wurde und überlebt hat. Während die Frau aus der Stadt abreist, küssen sich der Mann und seine erwachende Frau. Unterdessen geht die Sonne auf.

Produktion[Bearbeiten]

Friedrich Wilhelm Murnau

Mit seinen in Deutschland gedrehten Filmen, vor allem Nosferatu, eine Symphonie des Grauens (1922), Der letzte Mann (1924) und Faust – eine deutsche Volkssage (1926), war Murnau zu einem der bedeutendsten Regisseure der Stummfilmära avanciert. Auch in Hollywood war Murnau durch diese Filme zu einem bekannten Namen geworden. William Fox von den Fox Studios schaffte es, Murnau zu verpflichten und stellte ihn in Hollywood als The German Genius vor. Fox wollte, dass Murnau den bekannten expressionistischen Stil von seinen deutschen Filmen fortsetzte, und ließ ihm deshalb relativ viele Freiheiten und ein hohes Budget. Die Handlung basiert auf Hermann Sudermanns 1917 veröffentlichtem Buch Die Reise nach Tilsit, in dem die Hauptfiguren Ansass und Indres heißen. Murnau machte die Figuren in seinem Film dagegen namenlos, um die Botschaft universeller zu gestalten. Von seinen Schauspielern verlangte er Höchstleistungen, wie sich Hauptdarstellerin Janet Gaynor später erinnerte:

„Ich vergesse nie den ersten Tag, an dem er alle drei Hauptdarsteller zusammenrief - George O'Brien, Margaret Livingston und mich - und uns seinen Plan für den Film vorstellte. Er sagte, dass Sunrise eine Studie der Melodie des Lebens sein sollte und diese Melodie durch Emotionen ausgedrückt werden sollte. Er wollte, dass wir alle Emotionen mitnehmen - die lieben, die verhassten, die hungrigen und sogar die kleinen sonderbaren Zärtlichkeiten - und dass sie alle in einem großen Rhythmus zusammengebunden werden sollten.“

Die Dorfszenen wurden am Lake Arrowhead gedreht, der überwiegende Rest des Filmes im Studio. Wegen der expressionistischen Elemente mussten vom verantwortlichen Bühnenbildner Rochus Gliese besondere Filmsets und Kulissen errichtet werden, alleine die Erbauung der Straße in der Stadt soll 200.000 US-Dollar gekostet haben - damals häufig die Summe für einen gesamten, nicht einmal besonders günstigen Film. Deshalb verwendete Fox Studios die Kulissen noch in späteren Filmen, darunter John Fords Drama Four Sons (1928). Murnau drehte den Film im damals neuartigen, den Tonfilm bereits ankündigenden Lichttonverfahren mit Filmmusik und Sound-Effekten.

Stil[Bearbeiten]

Murnaus im Laufe seiner Filmkarriere gewachsene Beherrschung der Filmtechnik – Überblendungen, Doppelbelichtungen, abgestufte Tönungen, subtile Kamerabewegungen, Licht- und Schatteneffekte – verband er mit einer dem Erzählrhythmus adäquaten Bildmontage, die menschliche Gefühle und Stimmungen adäquat ausdrückte. All diese Techniken setzte der Regisseur in seinem ersten Hollywood-Film Sunrise ein und insbesondere Murnaus Kameraeinsatz wurde später nicht selten als revolutionär empfunden.

Neben den moralischen Themen Schuld, Reue und Neuanfang spielten in Sunrise – wie auch in Murnaus früherem Film Der brennende Acker (1921/1922) – die Sympathie für den Bauern und der Gegensatz zwischen Land und Großstadt dominierende Rollen. Damit er jede Einstellung mit dem richtigen Kamerawinkel drehen konnte, wurden darüber hinaus in vielen Fällen verschiedene Versionen dieser Bauten zusammengestellt. Insbesondere die Straße mit der Tramhaltestelle und den großen beleuchteten Gebäuden im Hintergrund besitzt einen ähnlichen Wiedererkennungswert wie Fritz Langs Metropolis-Bilder und ging als beispielhaftes Bühnenbild in die Filmgeschichte ein.

Obwohl der Film zu Beginn teilweise klischeehaft wirkt, entwickelt er einen außerordentlichen Reiz ab dem Moment, in dem die Großstadt der Filmschauplatz wird: Murnau zeigt eine realistisch wirkende Stadt mit Massenszenen in pulsierendem Leben, die Großstadt ist ein Organismus in ständiger Bewegung.

Rezeption und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Kritiken und Auszeichnungen bei Veröffentlichung[Bearbeiten]

Bereits bei seiner Veröffentlichung stieß der Film auf positive Kritiken, so bezeichnete ihn Mordaunt Hall im September 1927 in der New York Times als „Meisterwerk“.[1] An den Kinokassen konnte Sunrise hingegen nicht die gesetzten Erwartungen erfüllen. Deshalb erhielt Murnau bei seinen nachfolgenden Filmen in Hollywood nicht mehr die Freiheiten wie bei Sunrise.

Bei der Oscarverleihung 1929, der ersten überhaupt, war Sunrise in insgesamt vier Kategorien nominiert und war gemeinsam mit Das Glück in der Mansarde in der Regie von Frank Borzage mit jeweils drei Academy-Awards der erfolgreichste Film.
Er wurde als Bester Film in der Kategorie Künstlerische Produktion (Unique And Artistic Picture) ausgezeichnet – das einzige Mal, dass ein Oscar in dieser Kategorie vergeben wurde, da bereits im darauffolgenden Jahr die Zweiteilung der Kategorie Bester Film aufgegeben wurde. Charles Rosher und Karl Struss wurden in der Kategorie Beste Kamera ausgezeichnet, Janet Gaynor schließlich erhielt ihren Oscar in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin für ihre Leistungen in Das Glück in der Mansarde sowie in Sunrise und in Engel der Straße.

Spätere Kritiken und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Nach Beginn des Tonfilmes geriet der Stummfilm über viele Jahrzehnte leicht in Vergessenheit. Größere Aufmerksamkeit erhielt der Film 1989, weil er als einer der ersten in die National Film Registry aufgenommen wurde. Bei den von der britischen Filmzeitschrift Sight & Sound durchgeführten Umfragen des Jahres 2002 nach den besten Filmen aller Zeiten landete Sunrise bei der Umfrage unter den Filmkritikern gemeinsam mit Panzerkreuzer Potemkin auf Platz 7; bei einer erneuten Umfrage des Sight & Sound von 2012 konnte Sunrise weiter auf Platz 5 vorrücken. 2002 kam der Film außerdem bei einer Umfrage des American Film Institute nach den 100 besten US-amerikanischen Liebesfilmen auf den 63. Platz.

Durch die melodramatische Geschichte drückt Murnau ein stimmiges Bild innerer Haltungen sowie Gefühle voller Inbrunst aus, weswegen die Filmhistoriker Sunrise für den ausgereiftesten Spielfilm Friedrich Wilhelm Murnaus halten. So schreibt das Lexikon des internationalen Films: Ein Kinotraum von großer Intensität, in dem elementare Gefühle durchlebt und aufgelöst werden. Meisterhaft in Fotografie, Stimmung und Stil.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mordaunt Hall in der New York Times