Spišský Štvrtok

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Spišský Štvrtok
Wappen Karte
Wappen von Spišský Štvrtok
Spišský Štvrtok (Slowakei)
Spišský Štvrtok
Spišský Štvrtok
Basisdaten
Staat: Slowakei
Kraj: Prešovský kraj
Okres: Levoča
Region: Spiš
Fläche: 14,236 km²
Einwohner: 2.460 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte: 172,8 Einwohner je km²
Höhe: 560 m n.m.
Postleitzahl: 053 14
Telefonvorwahl: 0 53
Geographische Lage: 49° 0′ N, 20° 28′ O4920.466666666667560Koordinaten: 49° 0′ 0″ N, 20° 28′ 0″ O
Kfz-Kennzeichen: LE
Kód obce: 543624
Struktur
Gemeindeart: Gemeinde
Verwaltung (Stand: November 2014)
Bürgermeister: Ján Greš
Adresse: Obecný úrad Spišský Štvrtok
Tatranská 4
053 14 Spišský Štvrtok
Webpräsenz: www.spisskystvrtok.sk
Statistikinformation auf statistics.sk

Spišský Štvrtok (bis 1927 slowakisch „Štvrtok“; deutsch Donnersmark oder Donnersmarkt, ungarisch Csütörtökhely, bis 1902 Csötörtökhely, polnisch Spiski Czwartek, lateinisch Quintoforum)[1] ist eine Gemeinde im Norden der Slowakei mit 2460 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013). Sie gehört zum Okres Levoča, einem Teil des Prešovský kraj, und ist Teil der traditionellen Landschaft Zips.

Geographie[Bearbeiten]

Blick auf Spišský Štvrtok vom Slowakischen Paradies aus

Die Gemeinde befindet sich im Nordwestteil des Talkessels Hornádska kotlina am Fuße der Leutschauer Berge, im Quellbereich des Baches Štvrtocký potok im Einzugsgebiet des Hornád und liegt genau am 49. Breitengrad. Westlich des Ortes findet man noch Ausläufer der Kozie chrbty, weiter südlich gelingt man in den Nationalpark Slowakisches Paradies. Das Gemeindegebiet ist hügelig, bis auf kleine Landstriche im Norden entwaldet und von braunen Waldböden bedeckt. Die Höhe variiert von 530 m n.m. bis 600 m n.m., das Ortszentrum liegt auf einer Höhe von 570 m n.m. und ist jeweils elf Kilometer von Levoča und Spišská Nová Ves sowie 15 Kilometer von Poprad entfernt.

Zur Gemeinde gehört auch das ehemalige Dorf Mečedeľovce (erste Erwähnung 1314 als Micheletfaua, ungarisch Meczedelfalu), das in der Mitte des 19. Jahrhunderts eingegliedert wurde und heute keinen Ortsteil mehr bildet.

Nachbargemeinden sind Abrahámovce im Norden, Dravce im Nordosten, Iliašovce im Osten, Arnutovce und Smižany im Südosten, Letanovce im Süden und Jánovce im Westen.

Geschichte[Bearbeiten]

Kirche des Hl. Ladislaus in Spišský Štvrtok
Nahaufnahme der Zápolya-Kapelle

An der archäologischen Stätte Myšia hôrka an der Grenze zu Jánovce wurden gegen 1900 Überreste einer alten, in die Zeit von gegen 1500 v. Chr. (Mittlere Bronzezeit) datierten steinernen Siedlung aufgefunden. Die alte Siedlung der Ottomány-Kultur war etwa 6.600 m² groß, von Graben, Wällen und Bastionen geschützt und lag neben einem altertümlichen Handelsweg vom Mittelmeer in die Ostsee. Wegen seiner vermeintlichen Bedeutung und Größe erhielt die Stätte von Historikern den Spitznamen „Slowakisches Mykene“.[2] Dazu wurden noch Reste der Siedlungen aus der Hallstattzeit, der Puchauer Kultur und aus der Zeit des Mährerreichs im Gemeindegebiet festgelegt.

Nach der ungarischen Landnahme entstand an der Stelle des heutigen Ortes nach einigen Quellen ein kleines ungarisches Dorf, das nach Ladislaus dem Heiligen benannt worden war und während des Mongolensturms in den Jahren 1241–42 verwüstet wurde. Nach der Ankunft deutscher „Gäste“ in die Zips wurde der Ort zum ersten Mal 1263 als Villa Sancti Ladislai, 1294 dann als Santus Ladislaus alias Quintoforum schriftlich erwähnt. Das Quintoforum bezieht sich auf den Markt, der donnerstags stattfand. Dank der günstigen Lage, hoher Entwicklung von Landwirtschaft, Handel und Zünften sowie guten Beziehungen zum Graf von Leutschau wurde Donnersmarkt 1312 zum Städtchen erhoben und war Mitglied der Bündnisses der Zipser Sachsen. Das Städtchen entwickelte sich so rasch, dass es im 14. Jahrhundert versuchte, angesichts wachsender Streitigkeiten mit der Stadt Leutschau, zum Sitz der Provinz der 24 Zipser Städte zu werden, was aber nicht gelang.

Nach der Verpfändung 13 Zipser Städte an Polen im Jahr 1412, die schlussendlich 360 Jahre dauerte, wurde Donnersmark zum Sitz der beim Königreich Ungarn verbleibenden Städte, die sich zur Provinz der 11 Zipser Städte zusammenschloss. Doch schon 1465 kam Donnersmark zum Herrschaftsgut der Zipser Burg und wurde spätestens im Jahr 1532 (Besitz des Geschlechts Thurzo) zum Untertanen-Dorf. Zwar konnte das Dorf sein Marktrecht im Jahr 1638 noch einmal bestätigen, wurde aber durch Kriegswirren des 16. und 17. Jahrhunderts, vorrangig durch gegen die Habsburger gerichtete Aufstände sowie durch Pestepidemien mehrmals in Mitleidenschaft gezogen. 1650 kam es zum Besitz des Geschlechts Csáky, der bis zur Abschaffung der Leibeigenschaft im Jahr 1848 andauerte. Zur gleichen Zeit verschwand der deutsche Einfluss durch massiven Zuzug der Slowaken fast komplett. 1672 ließen die Csákys ein Minoritenkloster gründen. 1787 hatte die Ortschaft 62 Häuser und 493 Einwohner, 1828 zählte man 85 Häuser und 637 Einwohner, davon nur vier Handwerker, da Haupteinnahmequelle Landwirtschaft war. Nach 1854 fanden keine Markttage statt und ein möglicher Wiederaufschwung wurde durch fehlende Direktanbindung an die Kaschau-Oderberger Bahn verpasst. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wanderten viele Einwohner wegen Armut aus.

Bis 1918/1919 gehörte der im Komitat Zips liegende Ort zum Königreich Ungarn und kam danach zur Tschechoslowakei beziehungsweise heute Slowakei.

Donnersmark ist Stammsitz der schlesischen Adelsfamilie Henckel von Donnersmarck.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Gemäß der Volkszählung 2011 wohnten in Spišský Štvrtok 2.433 Einwohner, davon 2.211 Slowaken, 105 Roma, 12 Tschechen, 4 Russinen, 2 Polen und jeweils 1 Ukrainer, Deutscher und ein Einwohner anderer Ethnie. 96 Einwohner machten keine Angabe. 2.019 Einwohner bekannten sich zur römisch-katholischen Kirche, jeweils 18 Einwohner zur griechisch-katholischen Kirche sowie zur kongregationalistischen Kirche, 5 Einwohner zu den Zeugen Jehovas, 2 Einwohner zur evangelischen Kirche A. B. und jeweils 1 Einwohner zur apostolischen Kirche, zur orthodoxen Kirche, zur reformierten Kirche sowie zu einer anderen Konfession. 75 Einwohner waren konfessionslos und bei 292 Einwohnern wurde die Konfession nicht ermittelt.[3][4]

Bauwerke[Bearbeiten]

Gebäude des Minoritenklosters
  • Kirche des hl. Ladislaus (slowakisch Kostol svätého Ladislava), eine ursprünglich gotische Kirche mit romanischen Teilen aus dem 13. Jahrhundert, barockisiert in den Jahren 1697 und 1747. An die Südseite des Schiffs ist die nach der Vorlage des Werkmeisters Hans Puchsbaum errichtete Zápolya-Kapelle aus dem Jahr 1473 angeschlossen, die der Erbgraf von Zips Stephan Zápolya für sich und seine Familie bauen ließ. Das Innere der Kirche ist bis auf das gotische Taufbecken im Barockstil gestaltet.
  • Gebäude des Minoritenklosters im frühbarocken Stil aus dem Jahr 1668, ein einstöckiges Gebäude mit einem fast viereckigen Grundriss. Nach mehreren Zweckänderungen ist dort seit 1950 ein Institut für Sozialpflege untergebracht.
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Spišský Štvrtok

Infrastruktur und Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde betreibt einen Kindergarten sowie eine Grundschule, im Dorf hat zudem ein Postamt seinen Sitz. Es hat völlig ausgebaute Wasser- und Gasleitungen, die Abwasserrohre sind an eine Kläranlage angebunden.

Spišský Štvrtok liegt an einer Kreuzung mehrerer Hauptstraßen und ist deshalb gut erschlossen. Die Straße 1. Ordnung 18 (E 50) führt am Ort nördlich vorbei von Žilina und Poprad nach Levoča und weiter Prešov. Die Straße 2. Ordnung 535 verbindet die Gemeinde mit Spišská Nová Ves und weiter nördlich nach einer Unterbrechung zwischen Spišský Štvrtok und Jánovce auch Kežmarok. Nordwestlich des Ortes steht die Autobahnausfahrt Spišský Štvrtok der Autobahn D1, derzeit das Ende des Autobahnteilstücks von Ivachnová hierher. 2015 soll die Autobahn Richtung Prešov dem Verkehr freigegeben werden.

Der nächste Anschluss an die Bahnstrecke Košice–Žilina besteht an der vier Kilometer entfernten Haltestelle in Letanovce. Größere Bahnhöfe, wo auch Schnell-, EC- und IC-Züge halten, sind Poprad-Tatry und Spišská Nová Ves.

Der nächste internationale Flughafen ist der 21 Kilometer entfernte Flughafen Poprad-Tatry.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Slovenské slovníky: Názvy obcí Slovenskej republiky (Majtán 1998)
  2. Slovenské mykény - Myšia hôrka, spisskystvrtok.sk (slowakisch), abgerufen am 7. Dezember 2014
  3. Volkszählung 2011 nach Ethnie (slowakisch)
  4. Volkszählung 2011 nach Konfession (slowakisch)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Spišský Štvrtok – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien