Henckel von Donnersmarck
Henckel von Donnersmarck ist eine schlesische Adelsfamilie, die ihren Ursprung in der früher oberungarischen Zips, heute slowakischen Spiš, hat. Stammvater der Familie ist Henckel de Quintoforo (14./15. Jahrhundert). Stammsitz der Familie ist Donnersmark in der heutigen Slowakei.
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Geschichte [Bearbeiten]
Der deutsche und ungarische König Sigismund von Luxemburg verlieh den Brüdern Peter, Jakob und Nikolaus Henckel de Quintoforo am 1. August 1417 in Konstanz, zur Zeit des dort stattfindenden Konstanzer Konzils, ein Wappen.
Die Ungarische Adelsbestätigung für das Gesamtgeschlecht mit „de Quintoforo, aliter von Donnersmarckh“ erfolgte am 27. April 1593.
Lazarus Henckel ab 1607 Lazarus I. Henckel von Donnersmarck war Großhändler, Bankier und Bergbauunternehmer. Er legte als Finanzier Kaiser Rudolf II. die eigentliche Basis für den Aufstieg der Familie Henckel von Donnersmarck. Er erhielt am 26. Februar zu Prag die erbländisch österreichische Wappenbestätigung im Adelsstand.
Lazarus II., genannt Lazy, wurde am 18. Dezember 1636 in Regensburg von Kaiser Ferdinand II. in den Reichsfreiherrnstand und am 29. Juli 1651 in Innsbruck von dem Tiroler Landesfürsten Erzherzog Ferdinand Karl in den Reichsgrafenstand erhoben. Am 5. März 1661 wurde ihm von Kaiser Leopold I. in Wien auch der böhmische Grafentitel verliehen.
Zum Freien Standesherren wurde Graf Leo Ferdinand von Kaiser Leopold I. am 14. November 1697 in Wien erhoben.
Sein Nachfahre Guido erhielt am 18. Januar 1901 in Berlin vom deutschen Kaiser Wilhelm II. den preußischen Fürstentitel. Er errichtete am 8. Mai 1916 in einem notariellen Akt die Fürst-Donnersmarck-Stiftung zur Unterstützung von Menschen mit Behinderung, damals als „Stiftung Fürst-Donnersmarck-Institut zu Berlin“.
Guido Graf Henckel von Donnersmarck war 1913 mit einem geschätzten Vermögen von 254 Millionen Mark die zweitreichste Person in Preußen nach Gustav Krupp von Bohlen und Halbach. [1]
Florian Graf Henckel von Donnersmarck wurde 2007 für seinen Spielfilm Das Leben der Anderen mit dem Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet.
Wappen [Bearbeiten]
Das Stammwappen zeigt in geteiltem Schild oben in Gold einen wachsenden gold-gekrönten blauen Löwen, unten in Rot drei (2:1) silberne Rosen. Auf dem Helm mit blau-goldenen Decken der Löwe wachsend.
Familienmitglieder [Bearbeiten]
- Lazarus I. Henckel von Donnersmarck (1551–1624); Großhändler, Bankier und Bergbauunternehmer.
- Carl Maximilian Graf Henckel von Donnersmarck, Schlossherr (17. Jh.)
- Lazarus III. Henckel von Donnersmarck (1729–1805), freier Standesherr und Montanindustrieller.
- Elias Maximilian Graf Henckel von Donnersmarck, preußischer Generalmajor (1746–1827)
- Eleonore Maximiliane Ottilie Henckel von Donnersmarck (1756–1843), seit 1804 Oberhofmeisterin in Weimar
- Carl Lazarus Henckel von Donnersmarck (1772–1864), deutscher freier Standesherr und Industrieller.
- Wilhelm Ludwig Viktor Graf Henckel von Donnersmarck, (1775–1849), preußischer Generalleutnant
- Henriette Ulrike Ottilie von Pogwisch (1776–1851), geborene Henckel von Donnersmarck, Mutter der Ottilie von Goethe
- Graf Leo Victor Felix Henckel von Donnersmarck (1785–1861), deutscher Botaniker
- Hugo Henckel von Donnersmarck (1811–1890), Land- und Industriebesitzer
- Guido Graf Henckel Fürst von Donnersmarck (1830–1916), Land- und Industriebesitzer
- Lazarus IV. Henckel von Donnersmarck (1835–1914), Rittergutsbesitzer und Mitglied des Deutschen Reichstags
- Edwin Henckel von Donnersmarck (1865–1929), Montanunternehmer und Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses (Zentrum)
- Gregor Henckel-Donnersmarck (Ulrich Maria Karl Graf Henckel von Donnersmarck) (*1943), 67. Abt des Stiftes Heiligenkreuz
- Florian Henckel von Donnersmarck (* 1973), Filmregisseur, Drehbuchautor und Filmproduzent, Oscar-Preisträger 2007 (Bester fremdsprachiger Film)
- Heinrich Henckel von Donnersmarck, 2000 bis 2008 CEO der Schweizer Börse SWX
- Georg Graf Henckel von Donnersmarck (1902–1973), Politiker der NSDAP[2] und CSU, Mitglied des Deutschen Bundestages (2. und 3. Wahlperiode)
- Carl Joseph Graf Henckel von Donnersmarck (* 7. November 1928 in Romolkwitz, Landkreis Neumarkt; † 16. April 2008) ∞ Maria Adelaide von Luxemburg (1924–2007), Vater von Felix Graf Henckel von Donnersmarck (* 2. März 1960, † 28. Oktober 2007)
- Augustinus Heinrich Graf Henckel von Donnersmarck, Priester, Prämonstratenser, Unternehmensberater (1935–2005)
- Leo-Ferdinand Graf Henckel von Donnersmarck (1935–2009), 1997 bis 2006 Präsident der Deutschen Assoziation des Malteserordens, 2003-2009 Mitglied im Kuratorium der Fürst Donnersmarck-Stiftung
- Winfried Henckel von Donnersmarck, Mitglied des Souveränen Rates des Malteserordens
- Odo Deodatus I. Tauern (1885–1926), Ethnologe, Stammvater der Nebenlinie Tauern des Adelsgeschlechts Henckel von Donnersmarck
- Grafen Hugo II. und Edgar Henckel von Donnersmarck, Wohnsitz auf Schloss Polnisch Krawarn
- Graf Viktor Amadeus Henckel von Donnersmarck (1727–1793), General, Gouverneur von Königsberg
- Hugo III. Henckel von Donnersmarck (1857–1923), deutscher Magnat und Offizier
- Pauline Henckel von Donnersmarck (Marquise de Païva oder La Païva; * 1819 als Esther Lachmann, † 1884), Pariser Lebedame und französische Kurtisane
Literatur [Bearbeiten]
- Arkadiusz Kuzio-Podrucki: Henckel von Donnersmarckowie. Kariera i fortuna rodu. Rococo, Bytom 2003 ISBN 83-86293-41-1 (polnisch)
- Jarosław Aleksander Krawczyk, Arkadiusz Kuzio-Podrucki: Zamki i pałace Donnersmarcków. Schlösser der Donnersmarcks. 2. Auflage. Drukarnia Skill, Bytom 2003 ISBN 83-86293-41-1 (deutsch und polnisch)
- J. Bitta: Guido Graf Henckel Fürst von Donnersmarck, in: Schlesier des 19. Jahrhunderts (= Schlesische Lebensbilder; Band 1). Hrsg. namens der Historischen Kommission für Schlesien von Friedrich Andreae. 2. Auflage. Thorbecke, Sigmaringen 1985 ISBN 3-7995-6191-9
- H. Nussbaum: Henckel von Donnersmarck Graf (seit 1901 Fürst) Guido, in: Karl Obermann, Heinrich Scheel u.a. (Hrsg.): Biographisches Lexikon zur Deutschen Geschichte. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1967
- Hugo Reichsgraf Henckel Freiherr von Donnersmarck und die Geschichte seines Hauses. Wien nach 1890?
- Alfons Perlick: .html Henckel von Donnersmarck. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 8, Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 516 (Digitalisat).
- Henckel von Donnersmarck Hugo, in: Österreichisches Biographisches Lexicon 1815-1950. Band II. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1959
- Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band V, Band 84 der Gesamtreihe, S. 112-114, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1984, ISSN 0435-2408
Weblinks [Bearbeiten]
- Henckel von Donnersmarck in Paul Theroffs Online Gotha
- Stammtafeln von der Familie: M.Marek Genealogy of Henckel von Donnersmarck in M.Marek, Genealogy.Eu
- Bibliographieportal zur Geschichte Ostmitteleuropas - LitDok Ostmitteleuropa
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Rudolf Martin, Jahrbuch des Vermögens und Einkommens der Millionäre im Königreich Preußen. 2. Bde., Berlin 1913, zitiert nach: Rudolf Vierhaus, Bernhard vom Brocke (Hg.): Forschung im Spannungsfeld von Politik und Gesellschaft. Geschichte und Struktur der Kaiser-Wilhelm-/Max-Planck-Gesellschaft. Stuttgart, DVA, 1990, ISBN 3-421-02744-7, Seite 45
- ↑ "M.d.B. Die Volksvertretung 1946–1972: Henckel von Donnersmarck, Georg Graf, Dr." Martin Schumacher, Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien, 2006, abgerufen am 21. Juni 2012 (PDF; 507 kB).