Springer & Jacoby

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Springer & Jacoby Werbeagentur GmbH & Co. KG
1998 beim Deutschen Patent- und Markenamt eingetragenes Logo
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 3. Oktober 1979
Sitz Hamburg
Leitung Rudolf Münch
Branche Werbedienstleister
Website www.sj.com

Springer & Jacoby war eine deutsche Werbeagentur mit Sitz in Hamburg. Sie gehörte zu Deutschlands größten Agenturen und war international tätig. Letzte Mehrheitseigentümerin war die Holding Avantaxx von Lutz Schaffhausen, zu der auch der seit Sommer 2009 insolvente Spartensender Deutsches Gesundheitsfernsehen[1] und eine Minderheitsbeteiligung an Pixelpark gehörte. Im April 2010 meldete Springer & Jacoby Insolvenz an; der Geschäftsbetrieb endete Ende März 2010.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Agentur wurde am 3. Oktober 1979 von Frank Eiler, Fred Riemel, Holger Nicolai und Reinhard Springer in Hamburg unter dem Namen Eiler & Riemel Hamburg gegründet.

Durch den Verkauf von Eiler & Riemel München an Team BBDO musste die Hamburger Niederlassung ihren Namen aufgeben. Als Folge davon schieden Eiler und Riemel aus der Agentur aus. Die Anteile übernahmen zu gleichen Teilen Holger Nicolai und Reinhard Springer. Nach einem Jahr Probezeit als Texter kam 1983 Konstantin Jacoby als dritter Partner hinzu. Die Agentur firmierte dann unter Springer, Nicolai, Jacoby. 1985 schied Nicolai aus, somit entstand Springer & Jacoby. Jean-Remy von Matt und Holger Jung (später Jung von Matt) waren mehrere Jahre als Creativ-Geschäftsführer bzw. Beratungsgeschäftsführer bei Springer & Jacoby tätig.

Die Hamburger Schuhhaus-Kette Görtz wird 1980 der erste Kunde. Man entwickelte Eigenmarken wie Belmondo. Während dieser Zeit werden die Kampagnen für Görtz und insbesondere für Belmondo national und international mehrfach ausgezeichnet. 1984 gewinnt die Agentur die ersten Kreativpreise, unter anderem einen Löwen beim Cannes Lions International Advertising Festival.

1985 gründete Holger Nicolai eine eigene Werbeagentur. Reinhard Springer und Konstantin Jacoby übernahmen seine Anteile und firmierten fortan unter Springer & Jacoby. Springer & Jacoby dominierte 1985 vor allem mit Film- und Fernsehspots die kreative Szene und gewann auf einen Schlag viermal Gold und 16 weitere Auszeichnungen beim Art Directors Club (ADC). Die Agentur wächst in den folgenden Jahren stark; allein 1987 um 100 %. Im Lauf des Jahres 1988 wechseln weitere große Marken zu Springer & Jacoby, darunter Reemtsma und Bacardi. Im Jahr 1991 hatte Springer & Jacoby bereits mehr als 300 Mitarbeiter. 1993 hielt Springer & Jacoby große Etats wie Görtz, Panasonic, Castrol und Der Spiegel zum Teil seit zehn oder mehr Jahren. Die Deutsche Telekom wird 1995 Großkunde und in London gründete Springer & Jacoby die weltweit erste Katalog-Agentur (Literatur-Unit), die als erste Werbeagentur komplett online arbeitet.

Springer & Jacoby gründete 1996 die Multimedia-Agentur Elephant Seven und setzte damit frühzeitig auf das Internet als neue Kommunikationsplattform.

Die Lufthansa wurde 1997 als neuer Kunde gewonnen. 1998 gewinnt die Agentur einen goldenen Cannes-Löwen. Springer & Jacoby galt 1999 in der Agentur- und Werbebranche als „die Werbeagentur-Ikone“. Neben der Beschäftigung von Top-Kreativen verstand es die Agentur, zahlreiche Kreativtalente zu entdecken und auszubilden. Springer & Jacoby galt damit eine Kreativschmiede für junge ehrgeizige Kreativköpfe. Neun der Top-Ten-Agenturen in Deutschland wurden später von ehemaligen Springer & Jacoby Mitarbeitern geführt. Springer & Jacoby gab 2000 der amerikanischen Werbeholding True North (jetzt IPG) eine Beteiligung von 35,5 % für den internationalen Ausbau der Agentur. Einige Monate später eröffnete Springer & Jacoby ein Büro in Barcelona.

Springer & Jacoby Planning wurde 2001 als Spezial-Unit für Markenstrategie, Creative Planning und Beratung gegründet. Springer & Jacoby beteiligte sich auch an der italienischen Agentur Colnaghi & Manciani und eröffnete zusätzlich ein Büro in Paris. 2003 gründete man eine Unit für Direktmarketing. Durch das „Platzen“ der Dotcom-Blase musste die Elephant Seven GmbH finanziell unterstützt werden. Es wurde ein Merger mit einem börsennotierten Unternehmen vollzogen. Danach hielt Springer & Jacoby nur noch 20 % der neu formierten Elephant Seven AG.

In den Niederlanden wurde 2004 ein internationaler „Think Tank“ eröffnet: Springer & Jacoby Amsterdam. Springer & Jacoby war in acht Ländern vertreten und hatte außerdem sein Portfolio der nichtklassischen Disziplinen weitgehend komplettiert.

Die Agentur passte 2005 die Agenturstruktur dem Geschäftsverlauf an. Das Unit-System wurde kurzzeitig außer Kraft gesetzt. Die Agentur verzichtete für ein Jahr auf die Teilnahme an Kreativwettbewerben. Der Wechsel an der Führungsspitze setzte sich fort. Springer & Jacoby betreute Osram als globalen Kunden und setzte sich im Pitch um den Etat von eBay durch.

Der größte Kunde der Agentur, Mercedes-Benz, kündigte 2006 die Zusammenarbeit nach 16 Jahren. Die Namensgeber der Agentur Reinhard Springer und Konstantin Jacoby verkauften ihre verbliebenen Anteile an die Avantaxx AG. Diese übernahm die Mehrheit der Springer & Jacoby Gruppe. Sofortmaßnahmen wurden eingeleitet. Das neue Management setzte das Unit-System mit klaren Verantwortlichkeiten wieder ein. Die Agentur wurde auf Grund von strengen Qualitätskriterien auf ca. 180 Mitarbeiter in Hamburg angepasst. Ehemalige Top-Kreative und -Berater wurden wieder zurück in die Agentur geholt.

Zehn neue Kunden fanden 2007 den Weg zu Springer & Jacoby. Die Agentur wurde für eine Direktmarketingkampagne für Olympus mit einem goldenen Cannes-Löwen ausgezeichnet. Die Positionierung als multinationale Agenturgruppe wurde manifestiert: Istanbul und Budapest kamen als weitere europäische Büros hinzu. Die Agentur arbeitete mit der amerikanischen Werbeagentur Garrant in Boston zusammen und erweiterte sich um Kooperationspartner in den Regionen Russland, China und Indien. Die Telekommunikationsmarke AY YILDIZ der niederländischen KPN-Gruppe kam 2008 zu Springer & Jacoby. Die Agentur verstärkte Kompetenzen im Bereich E-Brands, Green-Brands sowie Corporate Social Responsibility. Der britische D&AD verlieh in diesem Jahr nur zwei „Yellow Pencils“ für Deutschland, einen davon an Springer & Jacoby. Zusammen mit dem Hollywood-Kameramann Michael Ballhaus entstand das „Ballhaus-Projekt“, eine Klimaschutz-Initiative, die zum sorgsamen Umgang mit Energie und Ressourcen der Erde aufrief.

Springer & Jacoby feiert 2009 den 30. Geburtstag, das Unternehmen hatte damals ca. 50 Mitarbeiter und man suchte nach einem Investor. Lutz Schaffhausen verkündete 2010 die Insolvenz von Springer & Jacoby.[3]

Springer & Jacoby Gruppe[Bearbeiten]

Die Springer & Jacoby Gruppe war ein unabhängiges Netzwerk von europäischen Werbeagenturen mit Hauptsitz in Hamburg.

Zur Springer & Jacoby Gruppe gehörten Agenturen in Amsterdam, Budapest, Istanbul, London, Madrid, Mailand, Paris, Wien und Zürich - einige der Büros sind noch immer aktiv.

Ebenfalls zur Springer & Jacoby Gruppe gehörten die Mediaagentur Springer & Jacoby Media und die Reinzeichnungs- und Satzagentur Springer & Jacoby Digital.

Preise[Bearbeiten]

Springer & Jacoby erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen und ist unter den Top 20 „the most awarded agency networks in the world“ (The Gunn Report), unter anderem:

  • 1985: 4 Goldmedaillen und 16 weitere Auszeichnungen beim Art Directors Club.
  • 1998: Goldener Löwe der Werbefilmfestspiele von Cannes
  • 2005: Goldener Löwe der Werbefilmfestspiele von Cannes
  • 2007: Goldener Löwe der Werbefilmfestspiele von Cannes
  • 2008: Yellow Pencil des britischen D&AD
  • 2008: Goldmedaille ADC Europe

Kunden[Bearbeiten]

Zu den Kunden gehörten Coca-Cola, Osram, eBay, DWS Investments, Commerzbank, „Ay Yıldız“ (Mobilfunk-Discounter), Mercedes, Deutsche Telekom.

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. http://www.abendblatt.de/kultur-live/article1113521/Insolvenz-Aus-fuer-Deutsches-Gesundheitsfernsehen.html
  2. handelsblatt.com vom 7. April 2010
  3. http://www.wuv.de/nachrichten/agenturen/insolvenz_s_j_ist_geschichte