Reemtsma Cigarettenfabriken

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Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH
Firmenlogo von Reemtsma nach der Übernahme durch Imperial Tobacco
Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1910
Sitz Hamburg, Deutschland

Leitung

  • Luc Hyvernat (Sprecher)
  • Michael Wenzel
  • Christian Frank
  • Dr. Rainer Eberlein
Mitarbeiter 2100 (Stand 2013)[1]
Umsatz 1,080 Mrd. EUR (2013)[1]
Branche Konsumgüterindustrie
Produkte TabakwarenVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.reemtsma.com

Die 1910 gegründete Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der Imperial Tobacco Group PLC mit derzeit rund 2100 Mitarbeitern an drei Standorten in Deutschland.

Geschichte bis 1945[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert gründete Hermann Fürchtegott Zülch in Osterholz-Scharmbeck eine Zigarrenfabrik. Seine Schwester Flora Fürchtegott Zülch heiratete den ostfriesischen Kaufmann Bernhard Reemtsma, der ebenfalls in das Tabakgeschäft einstieg. Er übernahm 1910 eine kleine Zigarettenfabrik in Erfurt.

Bernhard und Flora hatten drei Söhne: Hermann, Philipp und Alwin. 1918 entwickelte Hermann eine Maschine zur Zigarettenproduktion und löste damit die Handarbeit ab. 1923 verlegte Philipp als neuer Firmenchef die Zigarettenproduktion ins damals noch preußische Altona-Bahrenfeld. 1926 nahm die Firma die (hausintern entwickelte) erste Mischtrommel in Betrieb, eine karussellartige Maschine, die verschiedene Tabaksorten unter Luftstrom homogen mischte.[2]

Der rasante Aufstieg des Unternehmens in der Weimarer Republik und in der NS-Zeit fußte auf modernen Produktions- und Marketingmethoden, vor allem aber auch auf aggressiver Expansionspolitik und engen Kontakten zu den Mächtigen in Politik und Wirtschaft. Innerhalb weniger Jahre erwarb Reemtsma die Zigarettenfabriken Manoli (Berlin), Büssum (Bussum/NL), Josetti (Berlin), Jasmatzi (Dresden), Batschari (Baden-Baden), Delta (Dresden), Garbáty (Berlin), Constantin (Hannover) und Yenidze (Dresden) und kooperierte außerdem ab 1929 mit dem größten Konkurrenten Haus Neuerburg, der schließlich 1935 ebenfalls vollständig übernommen wurde. 1930 löste die aggressive Verdrängungspolitik der für Reemtsma in Berlin selbständig agierenden Mitarbeiter den Reemtsma-Skandal aus, der ein gerichtliches Nachspiel hatte, allerdings ohne Folgen für Reemtsma. Mitte der 1930er Jahre wurden rund zwei Drittel der deutschen Zigarettenproduktion kontrolliert und der Einfluss des Unternehmens ging weit über die Tabakindustrie hinaus. Nach der deutschen Besetzung der Krim profitierte Reemtsma von Zwangsarbeit.[3]

Geschichte nach 1945[Bearbeiten]

Nach der Kapitulation Deutschlands wurde die Verwaltung des Unternehmens in den britisch und amerikanisch besetzten Zonen Treuhändern übertragen und in der französischen Zone durch die Besatzungsbehörde ausgeübt. Die Betriebe in der sowjetischen Zone wurden enteignet. Nach Aufhebung der Treuhänderschaft 1948 nahmen die beiden Brüder Hermann Fürchtegott und Philipp Fürchtegott ihre Tätigkeit in der H. F. & Ph. F. Reemtsma GmbH wieder auf.

Die Verwaltung wurde 1952 nach Entwürfen von Godber Nissen auf dem Gelände der privaten Villa Reemtsma neu errichtet.

Ehemalige Verwaltungsbauten

1957 wurde Reemtsma Mehrheitseigentümer der Badischen Tabakmanufaktur (Roth-Händle, Reval).

Seit 1957 engagiert sich Reemtsma auch in der Begabtenförderung. Das Reemtsma Begabtenförderungswerk wurde gegründet, das heute noch Schüler und Studenten finanziell unterstützt.

Das Logo des Begabtenförderungswerks

Mit der Einführung der Marke Peter Stuyvesant im Jahre 1959 wurde auch ein neues Werk in West-Berlin (Wilmersdorf) eröffnet.

1963 erwarb die Reemtsma-Gruppe 75 Prozent an der Sektkellerei Carstens KG.[4]

1965 erwirtschaftete der Konzern rund 3,4 Milliarden DM und beschäftigte 7200 Mitarbeiter.

1971 wurden mit einem neuen Werk in Langenhagen bei Hannover die Produktionskapazitäten erneut erweitert.

Jan Philipp Reemtsma, der die Anteile seines 1959 verstorbenen Vaters an der GmbH geerbt hatte, verkaufte seine Anteile 1980 vollständig an die Tchibo Frisch-Röst-Kaffee AG in Hamburg, die damit Mehrheitsgesellschafter wurde.

Bereits vor der formellen Wiedervereinigung 1990 übernahm Reemtsma eine Zigarettenfabrik in der DDR. Weitere Expansionen folgten zunächst nach Osteuropa (u. a. in Polen, in Ungarn, der Slowakei und Russland) später nach Asien bzw. in den Mittleren Osten (u. a. Kambodscha, Indonesien und Iran).

2002 erwarb die Imperial Tobacco 90,01 Prozent der Unternehmensanteile von Reemtsma. Die Beteiligung ist inzwischen auf 100 Prozent ausgebaut.

2004 zog die Reemtsma-Hauptverwaltung von der Parkstraße im Villenviertel Hamburg-Othmarschen in das moderne Gewerbegebiet Hamburg-Bahrenfeld. Das Gelände der ehemaligen Hauptverwaltung gehört der Familie Herz (Tchibo) und wird seit 2008 zu Eigentumswohnungen mit einem Wellnessbereich umgebaut.

Seit 2007 vergibt Reemtsma an Journalisten den Liberty Award.

Im Zuge der Restrukturierungsmaßnahmen durch die Übernahme von Altadis ist das Werk Berlin 2012 geschlossen worden. Reemtsma hat damit noch zwei Werke in Langenhagen und Trossingen. Das Werk in Langenhagen soll ausgebaut werden.[5] Die Produktion des Berliner Werks wird in das bestehende Werk in Tarnowo Podgórne verlagert. Bei der weltweiten Umstrukturierung des Konzerns werden 6 der bisher 58 Werke geschlossen und ca. 2.500 der 40.000 Arbeitsplätze entfallen.[6]

Fotoarchiv[Bearbeiten]

Das Fotoarchiv mit ungefähr 70.000 Aufnahmen - von der Zigarettenfertigung, zur Geschichte der Firma und aus den Tabakländern - die einen Einblick in die lange Tradition des Tabakanbaus und die Verarbeitung zu einem industriell gefertigten Massenprodukt geben, wurde dem Museum der Arbeit übergeben. Das Archiv soll schrittweise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Produkte[Bearbeiten]

Logo von Davidoff Cigarettes
Logo von JPS John Player Special
  • Traditionsmarken (Zigaretten)
    • R6 (1921)
    • Ernte 23 (erstmals produziert aus der Ernte von 1923 und herausgebracht 1924)
    • Salem No. 6
    • Virginia No. 6
  • Andere Tabakwaren
    • Rizla (Zigarettenpapier)
    • Cañuma (Zigarettenpapier)
    • Muskote (Zigarettenpapier)
    • Filter, Filterhülsen, Maker

Nicht für den deutschen Markt hergestellte Produkte siehe Imperial Tobacco.

Brauerei-Beteiligungen[Bearbeiten]

In den 1970er Jahren hatte Reemtsma im Rahmen einer Diversifikationsstrategie in Richtung Genussmittel-Konzern Anteile an Brauereien erworben, die meisten jedoch bald wieder abgestoßen:

Marktanteil[Bearbeiten]

Marktanteile von Zigarettenmarken 1999 in Deutschland
National
Reemtsma ist auch 2013 weiterhin zweitgrößter Anbieter im deutschen Tabakmarkt (Gesamtmarktanteil 24,7 Prozent; Marktanteil bei Zigaretten: 26,3 Prozent)[9]
International
Die Imperial Tobacco Group ist viertgrößter Anbieter im internationalen Tabakmarkt nach Philip Morris, British American Tobacco und Japan Tobacco (wobei chinesische Tabakproduzenten nicht in diese Ranglisten aufgenommen werden, da sie nicht für den Export produzieren. Asien steht aber für über 50 Prozent des verbrauchten Tabaks weltweit.)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Reemtsma Unternehmensporträt (Nov. 2013)
  2. Ganzseitige Werbeanzeige in der Zeitschrift Die Woche, Heft 21 vom 20. Mai 1936, Seite 15
  3. Nils Klawitter: Reemtsmas Zwangsarbeiter: Tabakrausch im Osten, DER SPIEGEL vom 25. August 2011, abgerufen am 26. August 2011
  4. Zurück zur Reblaus - DER SPIEGEL 10/1965
  5. pdf
  6. Berliner Morgenpost vom 20. Juni 2008, Seite 5
  7. Vor Anker - DER SPIEGEL 36/1970
  8. a b Überaus hilfreich - DER SPIEGEL 41/1987
  9. Reemtsma Pressemitteilung vom 5. November 2013

53.57529.8865Koordinaten: 53° 34′ 30,7″ N, 9° 53′ 11,4″ O