St. Leonhard (Graz)

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St. Leonhard
2. Stadtbezirk von Graz
Wappen Graz.svg
Basisdaten [1]
Fläche: 1,83 km²
Einwohner: 15.335 (1. Jänner 2012)
Bevölkerungsdichte: 8.271 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 8010, 8016
Geografische Lage: 47° 4′ N, 15° 27′ O47.06972222222215.451944444444Koordinaten: 47° 4′ N, 15° 27′ O
Lage in Graz
Karte von St. Leonhard (Graz)
Bezirksamt: Stiftingtalstraße 3
8010 Graz
Bezirksvorsteher: Edeltraud Zöhrer (ÖVP)[2]
1. Bezirksvorsteher-Stv.: Severin Kann (GRÜNE)[2]
2. Bezirksvorsteher-Stv.: Andreas Nitsche (KPÖ)[2]
Öffentliche Verkehrsmittel: Straßenbahnlinien: 1, 3, 7, 13
Buslinien: 41, 60, 61, 63, 64, 64E,
N1, N7
Foto
Herz-Jesu-Kirche
Herz-Jesu-Kirche
St. Leonhard um 1830, Lith. Anstalt J.F. Kaiser, Graz

St. Leonhard ist der 2. Grazer Stadtbezirk. Er liegt östlich der Grazer Innenstadt entlang des Leonhardbachs. Nach Süden erstreckt er sich bis zum St.-Peter-Stadtfriedhof.

Geschichte[Bearbeiten]

St. Leonhard geht auf eine der ältesten mittelalterlichen Siedlungen im Raum Graz zurück (Guntarn 1043[3]). 1361 wird an dieser Stelle bereits eine erste Kirche urkundlich erwähnt. Während der französischen Belagerung des Grazer Schloßbergs 1809 kam es auch um die Kirche St. Leonhard zu mehreren Gefechten. Kurzzeitig waren in der Pfarrkirche rund 400 Österreicher als französische Gefangene interniert, von denen viele während der folgenden Kämpfe auch hier starben. Im ehemaligen Schulhaus, dem heutigen Mesnerhaus, wurde dann ein provisorisches Spital eingerichtet.[4] 1824 entsteht im Westen des heutigen Bezirks am „Holzplatz“ (heute Kaiser-Josef-Platz) die evangelische Heilandskirche. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts dient der freie Raum zwischen der Grazer Innenstadt und dem Dorf St. Leonhard als Siedlungsgebiet. Zu dieser Zeit entstehen die meisten bürgerlichen Häuser in der Elisabeth- und der Leonhardstraße sowie im Herz-Jesu-Viertel. Dort wird auch 1887 eine neue Kirche, die Herz-Jesu-Kirche, eingeweiht.

Mit 1. Dezember 1900 wird vom II. Stadtbezirk Jakomini der II. Stadtbezirk Leonhard abgetrennt und Jakomini als VI. Stadtbezirk neu geschaffen.[5] Am 16. Juli 1913 verursachen die beiden Bäche des Stadtbezirks, Leonhardbach sowie Kroisbach (heute: Mariatrosterbach), das letzte – und verheerendste – Hochwasser,[6] danach werden sie im Stadtgebiet kanalisiert.

Bildung[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

  • Die Leonhardstraße war bis Mitte des 19. Jahrhunderts der einzige Weg von Graz in den Osten. Danach wurde an der Nordgrenze des Bezirks parallel dazu die Elisabethstraße gebaut.
  • Straßenbahnlinien 1, 3, 7, 13; Autobuslinien 60, 61, 63, 64, 64E.

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Pfarrkirche St. Leonhard: 1361 erstmals urkundlich erwähnt. 1433 wird der heute noch bestehende älteste Teil der Kirche geweiht. Nach Zerstörung durch die Türken 1532 und Wiedererrichtung erhält der Kirchturm 1717 seine heutige Form. 1747 wird die Kirche barockisiert. 1817 wird der Friedhof rund um die Kirche aufgehoben und an seinen heutigen Platz südöstlich der Kirche verlegt. 1858 erfolgt nochmals eine Neugestaltung des Innenraumes in neugotischem Stil. 1961 folgt der vorläufig letzte Erweiterungsbau.
  • Kirche Herz Jesu: erbaut 1881 bis 1887 von Architekt Georg Hauberrisser in neugotischem Stil mit großem Hochschiff und Unterkirche. Der Kirchturm ist mit 109,6 m der dritthöchste Kirchturm Österreichs. Erwähnenswert sind vor allem die Glasfenster, die eines von wenigen geschlossenen Ensembles neugotischer Glaskunst darstellen. Der Altarraum wird zur Hundertjahrfeier 1988 von Gustav Troger neu gestaltet.
  • Heilandskirche: Nach dem Erlass des Toleranzpatents durch Kaiser Joseph II. ist es mit einigen Auflagen wieder möglich, evangelische Gotteshäuser zu errichten. Da man in Graz aber diese Bedingungen nicht erfüllt, schließt man sich der nächstgelegenen evangelischen Pfarrgemeinde in Wald am Schoberpaß an und gründet 1821 eine Filialkirche. Am 10. Oktober 1824 wird der Bau des Bethauses am damaligen Holzplatz (heute Kaiser-Josef-Platz) vollendet. 1853 wird dieses durch Franz Zehengruber zu einer Kirche umgebaut, so wie sie auch heute noch erhalten ist. 1856 löst man sich von der Mutterpfarre Wald am Schoberpass. 1988-1993 wird die Kirche renoviert und erhält farbige Glasfenster, die von der Grazer Künstlerin Edith Temmel gestaltet werden.
  • Alte Technik: Hauptgebäude der Technischen Universität Graz, 1888 von Kaiser Franz Joseph I. eröffnet.
  • Odilien-Blindeninstitut: Ehemaliger Guntarn-Hof. Erbaut 1798. Seit 1881 Blindenanstalt. Zubauten 1885 und 1901.
  • Steirerhof: Ehemals Grandhotel, in den 1990er-Jahren abgerissen und durch einen modernen Neubau ersetzt, beinhaltet es jetzt ein Einkaufszentrum.
  • Palais Meran: ehemaliges Stadtschloss von Johann von Österreich, 1843 erbaut. Heute beherbergt es die Universität für Musik und darstellende Kunst Graz.
  • Palais Kottulinsky: ehemaliges Stadtpalais, 1853 erbaut.
  • viele bürgerliche Wohnhäuser aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, meist als Häuserblocks mit begrüntem Innenhof angeordnet.
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in St. Leonhard

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Der im Jahr 2004 entstandene Film Sechs Tage und die Mopedfrau (Regie: Alfred Schwarzenberger) spielt zur Gänze in St. Leonhard, wobei besonders die Herz-Jesu-Kirche eine prominente Rolle einnimmt. Geschildert wird mehr oder weniger dokumentarisch das Leben der bisweilen etwas wunderlichen Bewohner des Bezirks.

Bilder[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bezirke auf graz.at
  2. a b c Bezirksräte im Bezirk St. Leonhard auf graz.at
  3. Fritz Posch: Die Besiedlung und Entstehung des Landes Steiermark in Das Werden der Steiermark - Die Zeit der Traungauer, Festschrift zur 800. Wiederkehr der Erhebung zum Herzogtum, Hrsg. Gerhard Pferschy, Verlag Styria Graz 1980
  4. Franz A. Brauner: Graz und die nächste Umgebung. Leykam, Graz 1966.
  5. Z(ah)l 154631/III. Kundmachung. In: Grazer Tagblatt / Grazer Tagblatt. Organ der Deutschen Volkspartei für die Alpenländer, Morgen-Ausgabe, Nr. 330/1900 (X. Jahrgang), 28. November 1900, S. 10. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/gtb.
  6. Stadt Graz – Abteilung für Grünraum und Gewässer: Juli 1913. Dokumentierte Hochwässer. In: wasser.graz.at, abgerufen am 10. Februar 2013, sowie
    Fürchterliche Hochwasserkatastrophe in Graz und Umgebung. In: Grazer Vorortezeitung, Nr. 3/1913 (I. Jahrgang), 20. Juli 1913, S. 1 f. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/gvz.
  7. Odilien Institut Graz (homepage)