Liebenau (Graz)

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Liebenau
7. Stadtbezirk von Graz
Wappen Graz.svg
Basisdaten [1]
Fläche: 7,99 km²
Einwohner: 13.200 (1. Jänner 2012)
Bevölkerungsdichte: 1.645 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 8041, 8042, 8074
Geografische Lage: 47° 2′ N, 15° 27′ O47.04055555555615.451111111111Koordinaten: 47° 2′ N, 15° 27′ O
Lage in Graz
Karte von Liebenau (Graz)
Bezirksamt: Conrad von Hötzendorf-Straße 104
8010 Graz
Bezirksvorsteher: Karl Christian Kvas (ÖVP)[2]
1. Bezirksvorsteher-Stv.: Eduard Dorner (SPÖ)[2]
2. Bezirksvorsteher-Stv.: Hermann Fras (FPÖ)[2]
Öffentliche Verkehrsmittel: Straßenbahnlinien: 4, 13
Buslinien: 34/E, 64, 72, 74/E, 75U
N4, N8
Foto
UPC-Arena Graz-Liebenau (noch mit altem Logo)
UPC-Arena Graz-Liebenau (noch mit altem Logo)

Liebenau ist der 7. Grazer Stadtbezirk.

Lage[Bearbeiten]

Er grenzt im Norden an den 6. Bezirk Jakomini und im Osten an den 8. Bezirk St. Peter. Die Westgrenze zum 17. Bezirk Puntigam bildet die Mur.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name leitet sich von lieb(lich)e Au ab. Eine Verbindung mit der Grafschaft L(i)ebenau ist unbewiesen.

Schloß Liebenau (Ende 17.Jhd.), später Kadettenschule

Über das Jahr 1531 wird berichtet, dass Sultan Suleiman mit seinem türkischen Heer beim Einfall in die Steiermark in der Nacht vom 11. zum 12. September sein Lager in Liebenau aufschlug, das er danach abbrennen ließ. Im Schutz des Morgennebels überquerte er dann die Mur und griff die Murvorstadt an.[3]

Der Bezirk Liebenau entstand 1946 aus mehreren Gemeinden, die erst im Jahre 1938 in das Grazer Stadtgebiet integriert worden sind.[4] Das heutige Liebenau setzte sich damals aus den Gemeinde(teile)n Neudorf, Murfeld, Engelsdorf, dem alten Liebenau, das bis 1648 Vatersdorf hieß und 1164 erstmals erwähnt wurde, sowie Teilen der ehemaligen Gemeinde Thondorf, deren Ortschaft heute von Gössendorf verwaltet wird, zusammen. Diese fünf Teile haben heute den Status von Katastralgemeinden.

In Liebenau befand sich ein Barackenlager, das in der Zeit des Nationalsozialismus als eines der größten Grazer Internierungslager verwendet wurde. Es war als „Lager V“ bezeichnet und wurde als Zwischenstation der Todesmärsche von ungarischen Juden verwendet. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese Anlage als Flüchtlingslager „Am Grünanger“ verwendet. Auf seinem Gelände wurden 55 Leichen gefunden, die Zahl der tatsächlich Verstorbenen wird höher eingeschätzt. Es wird nicht ausgeschlossen, dass in diesem Gebiet noch weitere Gräber liegen. Im Juli 1947 kaufte die Stadt Graz das Lagergelände von der Steyr Daimler Puch AG.[5][6][7][8]

Ab 1941 wurde auf 300.000 m² enteigneten landwirtschaftlichen Grundstücken das Werk Thondorf der Steyr Daimler Puch AG im Rahmen der Hermann-Göring-Werke errichtet. Als Rüstungsbetrieb, der vor allem Flugzeugmotore und Panzerwagen produzierte, war das Werk ein wichtiges Ziel alliierter Bomber. Davon zeugt noch heute der gewaltige Bunker für 3.000 Personen, welcher mitten im Werksgelände errichtet worden war. Bei einem Bombenangriff am 26. Juli 1944 kommen im Barackenlager Liebenau 88 Personen, meist Fremdarbeiter, ums Leben. Bei Kriegsende war das Werk weitgehend zerstört und konnte erst 1952 wieder die Produktion aufnehmen.[4]

1982 wurde im Rahmen der Unterschutzstellung der Zone IV (historische Vororte) des Altstadterhaltungsgesetzes 1980 der Teil von Alt-Liebenau um die ehemalige Kadettenschule unter Schutz gestellt.[4]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Eines der Wahrzeichen von Liebenau: Das Puch-Hochhaus vor dem ehem. Puchwerk-Haupteingang

In Liebenau gibt es neben alteingesessen Handwerks- und Landwirtschaftsbetrieben, Industriebetriebe (MAGNA) und Gewerbezonen mit neuen Einkaufszentren (Einkaufszentrum Murpark mit rund 36.000 m²[9], Einkaufszentrum Ost). Im Süden des Bezirkes befindet sich auf dem Areal der ehemaligen Puch-Werke einer der wichtigsten Produktionsstandorte der Magna Steyr Fahrzeugtechnik.

Verkehr[Bearbeiten]

1925 erreichte die Straßenbahn die Bezirksgrenze. Von 1952 bis 1964 wurde eine O-Bus-Linie von der Straßenbahn-Endstation Liebenau bis Thondorf geführt, die dann auf Autobus umgestellt wurde.

Öffentliche Verkehrsmittel: Der Bezirk bietet Anschlüsse an folgende Linien der GVB (Graz AG Verkehrsbetriebe): Straßenbahnlinie 4 (ab 19:00 sowie an Sonn- und Feiertagen: Straßenbahnlinie 13), Autobuslinien 34, 64 und 74 sowie an die Nacht-Autobuslinie (= Nightline) N4. Der wichtigste Knotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs liegt seit April 2007 beim Einkaufszentrum Murpark.

Park & Ride: Erreichbar entweder über den Autobahnzubringer Graz Ost bei der Ausfahrt Einkaufszentrum Murpark direkt neben dem Murpark-Einkaufszentrum. Die Anbindung an das öffentliche Nahverkehrsnetz erfolgt über die Straßenbahnlinien 4 und 13 in Richtung Stadtzentrum sowie über die Buslinien 64 und 74. An der südlichen Stadtausfahrt, unmittelbar vor dem Magna Werk, befindet sich das Parkhaus Thondorf der Stadt Graz mit Anbindung an die Buslinie.

Autobahn: Die A2 – Süd Autobahn bildet quasi die südliche Grenze des Bezirks. Liebenau ist von ihr aus binnen weniger Minuten über die Ausfahrt Graz Ost erreichbar, welche den Bezirk durchschneidet.

Schulen[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Stadionturm Liebenau

Bauwerke[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Liebenau

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Bezirks:

  • Franz Buxbaum (* 25. Februar 1900 in Liebenau; † 7. Februar 1979 in Fürstenfeld) war ein österreichischer Botaniker
  • Ignaz Reiterer, Goldmedaillengewinner als Mitglied der steirischen Eisschützenmannschaft im Vorführbewerb der Olympischen Spiele in Garmisch-Partenkirchen 1936[4]
  • Karl Schneider-Manns Au (* 10. September 1897 in Liebenau; † 29. Oktober 1977 in Salzburg); Politiker und Bürgermeister-Stellvertreter der Stadt Salzburg.
  • Hans von Zois, eigentlich Johann Gustav Adolf von Zois-Edelstein (* 14. November 1861; † 5. Jänner 1924), Musiker und Komponist[4]
  • Christoph Leitgeb, (* 14. April 1985), österreichischer Fußballspieler

Mit Liebenau verbundene Personen:

  • Svetozar Boroëvić von Bojna (* 13. Dezember 1856; † 23. Mai 1920), Feldmarschall im Ersten Weltkrieg war Zögling der Kadettenschule.
  • Rudolf Stöger-Steiner von Steinstätten (* 26. April 1861 in Pernegg an der Mur, Steiermark; † 12. Mai 1921 in Graz) war k.u.k Generaloberst und letzter Kriegsminister von Österreich-Ungarn und Zögling der Kadettenschule.[13]
  • Viktor Weber von Webenau (*13. November 1861; † 6. Mai 1932), General der österreich-ungarischen Armee im Ersten Weltkrieg und Vorsitzender der Waffenstillstandskommission (Österreich-Ungarn vs. Entente/Italien) war Zögling der Kadettenschule.
  • Walter Koschatzky (* 17. August 1921; † 9. Mai 2003) war Absolvent des Realgymnasiums Bundeserziehungsanstalt Liebenau
  • Walter Wolf (Unternehmer) (* 5. Oktober 1939 in Graz Liebenau) ist ein austro-kanadischer Unternehmer und ehemaliger Rennstallbesitzer
  • Gert Steinbäcker (* 27. November 1952 in Graz, Steiermark), Sänger, war Schüler der BEA Liebenau.

Trivia[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Liebenau, Graz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bezirke auf graz.at
  2. a b c Bezirksräte im Bezirk Liebenau auf graz.at
  3. Werner Strahalm: Graz eine Stadtgeschichte; Edition Strahalm, Graz 1994 (2. Aufl.), S.127. ISBN 3-900-526-27-3
  4. a b c d e f g h Walter Brunner im Auftrag der Stadt Graz, Kulturamt (Hrsg.): Geschichte der Stadt Graz (in 4 Bänden), Eigenverlag der Stadt Graz 2003, ISBN 3-902234-02-4; (Band 1)
  5. Gedenkveranstaltung am 16. April 2012.
  6. Eleonore Lappin-Eppel: „Die Todesmärsche ungarischer Juden durch die Steiermark“
  7. Barbara Stelzl-Marx: Das Lager Graz-Liebenau in der NS-Zeit: Zwangsarbeiter-Todesmärsche-Nachkriegsjustiz. Verlag Leykam, Graz 2012. Veröffentlichungen des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Kriegsfolgen-Forschung, Graz-Wien-Klagenfurt; Band 20. ISBN 978-3-7011-0254-9 ZDB-ID 2015831-2.
  8. Sozialmedizinisches Zentrum Liebenau (Hrsg): Aktuelles zum „Lager Liebenau“. SMZ Info April 2013. ZDB-ID 2627069-9, elektronisch ZDB-ID 2470380-1 S. 14–21.
  9. Murpark – Presseinformation vom 20. März 2007 (abgefragt am 14. Mai 2008)
  10. Die PreisträgerInnen 2000, elternbrief.at
  11. http://www.dynexcorp.com/pan/bea.htm Geschichte der BEA
  12. Geschichte des BG / BRG Graz Liebenau
  13. Karin Derler/Ingrid Urbanek: Planung für die Unendlichkeit – Der Grazer Zentralfriedhof; Steirische Verlagsgesellschaft m.b.H.;2002. ISBN 3-85489-086-9