Staatsquote

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Staatsquote, auch Staatsausgabenquote, ist eine wirtschaftswissenschaftliche Kennzahl. Sie soll den Anteil der staatlichen und staatlich bedingten wirtschaftlichen Aktivität (Staatsausgaben) an der wirtschaftlichen Gesamtleistung einer Volkswirtschaft aufzeigen.

Kerngedanke[Bearbeiten]

Die Staatsquote ist (in den meisten Fällen) definiert als das Verhältnis der Summe der Haushaltsausgaben von Bund, Ländern und Kommunen sowie der gesetzlichen Sozialsysteme (Parafisci) zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) (manchmal auch zum Bruttonationaleinkommen (BNE)).

Allerdings sind alle Berechnungen stets umstritten. So legen manche Wirtschaftswissenschaftler auch das Volkseinkommen anstatt des BIP oder BNE als Maßstab an. Des Weiteren können auch die Staatseinnahmen anstatt der Staatsausgaben als Grundlage für die Berechnung genommen werden. Berücksichtigt man den Faktor der in Deutschland kontinuierlich zunehmenden Staatsverschuldung, so dürften jedoch die Staatsausgaben relevanter sein.

Man unterscheidet oft zwei Staatsquoten, eine im engeren Sinn und eine im weiteren Sinn. Die Staatsquote i. e. S. ist wie folgt definiert.

{C_\mathrm{Staat} + I_\mathrm{Staat} \over Y}

Die Staatsquote i. w. S. ist wie folgt definiert:

{C_\mathrm{Staat} + I_\mathrm{Staat} + Z + S \over Y}

Hierbei: C = Konsum; I = Investitionen; S = Ausgaben für Sozialtransfers und Subventionen; Y = Bruttoinlandsprodukt; Z = Zinsausgaben.

Letztere ist eigentlich keine echte Quote, da sie sich mit der privaten Ausgabenquote und der Auslandsabgabenquote nicht zu 100 % addiert. Sie wird oftmals jedoch als aussagekräftiger angesehen, da sie angibt, wie viel Geld durch die Hand des Staates geht.

Neben den allgemeinen Quoten, bei denen die gesamten Staatsausgaben ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt gesetzt werden, gibt es auch spezielle Staatsquoten. Die Ausgaben für Gesundheit im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt wäre beispielsweise eine spezielle Staatsquote.

Berechnung und Quellen[Bearbeiten]

Als Quellen für die Staatsquote dient einerseits die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, andererseits die Finanzstatistik.

Staatsquote in ausgewählten Ländern[Bearbeiten]

Angaben in Prozent. Hinweis: Die Angaben können je nach Institut und Erhebung geringe Abweichungen aufweisen.

Land 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2012
Belgien 51,1 49,3 52,1 48,6 48,4 50,1 54,1 52,8
Dänemark 55,3 55,1 52,6 51,5 50,8 51,9 58,3 58,2
Deutschland 47,6 48,1 48,5 47,1 46,8 45,4 43,7 43,7 47,6 46,6 44,9
Finnland 50,0 50,3 50,0 48,9 47,2 49,3 55,8 54,4
Frankreich 53,4 53,2 53,3 52,7 52,3 52,8 56,0 56,2
Griechenland 49,2 49,8 43,8 44,9 46,2 49,1 53,2 51,0
Vereinigtes Königreich 42,8 43,1 44,1 44,2 43,9 47,5 51,7 45,5
Irland 33,5 34,0 34,0 34,5 36,8 42,7 48,9 42,8
Italien 48,3 47,8 48,1 48,7 47,9 48,9 51,9 51,0
Luxemburg 42,3 43,1 41,5 38,6 36,2 36,9 42,2 43,8
Niederlande 47,1 46,3 44,8 45,5 45,2 46,0 51,4 50,1
Österreich 51,1 50,3 50,1 49,3 48,3 48,7 52,3 51,5
Portugal 45,8 46,7 45,8 44,5 43,7 43,5 48,1 46,7
Schweden 58,2 56,7 53,6 52,6 50,9 51,5 54,6 49,2
Schweiz 35,0 36,3 37,9 37,5 37,2 35,4 34,2 32,5 34,6 34,1 34,7
Spanien 38,2 38,8 38,4 38,4 39,2 41,3 45,8 42,7
Japan 38,4 36,0 35,8 36,4
USA 36,6 36,5 37,4 38,6 43,2

Verwendete Quellen:

Staatsquote und Wirtschaftswachstum[Bearbeiten]

Es besteht keine Einigkeit bei Vertretern der Wirtschaftswissenschaften, ob eine niedrige Staatsquote auch generell zu höherem Wirtschaftswachstum führt. So führen Kritiker einer niedrigen Staatsquote die skandinavischen Länder an, welche zwar eine Staatsquote von teilweise über 50% haben, dafür aber auch einen überdurchschnittlich hohen Lebensstandard vorweisen.[9] Bislang liegt keine Untersuchung vor, die einen eindeutigen Zusammenhang von Staatsquote und Wachstum belegen konnte.[10] Gemäß dem Haavelmo-Theorem lässt sich allerdings „festhalten, dass der Staat das gesamtwirtschaftliche Einkommen/Inlandprodukt erhöhen kann, indem er mehr Steuern erhebt und diese Einnahmen sofort wieder voll ausgibt (so genannte Budgetverlängerung).“

Laut des Wirtschaftsweisen Lars Feld besteht „kein linearer Zusammenhang zwischen Staatsquote und Wirtschaftswachstum“. Läge die Staatsquote bei 0 %, so bestünden „essentielle staatliche Rahmenbedingungen“ nicht. Eigentums- und Verfügungsrechte wären „nicht gesichert“ und Verträge ließen sich „nicht gerichtlich durchsetzen“. Läge die Staatsquote hingegen bei 100 %, so wäre jedes individuelle ökonomische Handeln unterbunden. Hier nennt Feld die Zentralverwaltungswirtschaften realsozialistischer Staaten. Die optimale Staatsquote sei von Land zu Land verschieden und würde von den jeweiligen Rahmenbedingungen abhängen.[11]

Phänomen steigender Staatsquoten[Bearbeiten]

Steigende Staatsquoten werden durch das Wagnersche Gesetz beschrieben. Einen Erklärungsversuch bietet die Peacock-Wiseman-Hypothese. Eine weitere Erklärung wird durch das Budgetmaximierungsmodell von Niskanen geleistet.

Das Popitzsche Gesetz postuliert einen Zusammenhang zwischen steigender Staatsquote und steigendem Anteil des Zentralstaats an den Gesamtstaatsausgaben. In diesen Zusammenhang gehört auch das Modell der Baumolschen Kostenkrankheit.

Bewertung[Bearbeiten]

Nachteil der Staatsquoten ist, dass Ausgaben mit geringer Budgetintensität nicht ausreichend erfasst werden. Bürokratieüberwälzungskosten bleiben unberücksichtigt.

Möchte man die Industrie in einem Land stützen, dann könnte man einerseits Subventionen zahlen, die sich direkt im Budget niederschlagen, andererseits könnte man aber auch ein Einfuhrverbot auf ausländische Konkurrenzprodukte verhängen ohne dabei das Budget zu belasten, was somit nicht von der Staatsquote erfasst wird.

Parlamentarische Vorstöße[Bearbeiten]

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz ist ein Vorstoß in Arbeit, der analog zur Schuldenbremse eine Staatsquotenbremse anstrebt.[12]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ralf Kronberger: Ergänzungen zur Aktuellen Unterlage „Öffentliche Finanzen in Österreich“: Wie wirtschaftet der Staat? In: Aktuelle Unterlagen der Arbeitsgemeinschaft für Wirtschaft und Schule. Nr. 49, März 2005 (PDF)

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Anteil der Gesamtausgaben des Staates am Bruttoinlandsprodukt (Stand 1. November 2006, Internet Archive)
  2. Statistisches Jahrbuch 2010
  3. USA: Staatsquote von 2003 bis 2013
  4. Deutsches Bundesministerium der Finanzen auf Basis „Statistischer Anhang der Europäischen Wirtschaft“ der EU-Kommission
  5. Entwicklung der Staatsquote
  6. a b Statistik Schweiz - Kennzahlen in % des BIP. Abgerufen am 3. November 2011.
  7. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/6769/umfrage/staatsquoten-der-eu-laender/
  8. Staatsquote im internationalen Vergleich (PDF; 42 kB)
  9. Handelsblatt: Deutschland auf dem Weg in den Sozialismus, vom 11. Januar 2010
  10. Die Zeit: Wie hoch soll die Staatsquote sein?, vom 26. Juni 2007
  11. Lars Feld: Zwischen Anarchie und totalem Staat. Erschienen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 3. Juli 2011
  12. http://www.parlament.ch/d/suche/seiten/geschaefte.aspx?gesch_id=20120404