Stubnitz (Schiff)

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Stubnitz
Die Stubnitz im April 2006 im Rostocker Stadthafen

Die Stubnitz im April 2006 im Rostocker Stadthafen

p1
Schiffsdaten
Flagge DeutschlandDeutschland Deutschland
Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik
Schiffstyp Kühlschiff
Rufzeichen Y4HK
Heimathafen Rostock
Eigner seit 1998: Trägerverein Rostocker Kulturschiff Stubnitz e. V.
Bauwerft Volkswerft Stralsund
Baunummer 351
Kiellegung 15. Februar 1964
Stapellauf 1. Juni 1964
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
79,78 m (Lüa)
Breite 13,2 m
Tiefgang max. 4,9 m
Vermessung 2.541 BRZ / 762 NRZ
 
Besatzung 59
ab 1992: 14
Maschine
Maschine 2 × Dieselmotoren, VEB Schwermaschinenbau „Karl Liebknecht“ (Typ: 8 NVD 48)
Maschinen-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
984 kW (1.338 PS)
Geschwindigkeit max. 12 kn (22 km/h)
Propeller 1 × Verstellpropeller
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 1.350 tdw
Sonstiges
Klassifizierungen

Germanischer Lloyd

Registrier-
nummern

IMO: 6513774

Die Stubnitz ist ein ehemaliges Kühlschiff der DDR-Hochsee-Fischfangflotte, das seit 1992 als soziokulturelles Veranstaltungsschiff genutzt wird.

Das Schiff und seine Geschichte[Bearbeiten]

Mit dem KTS Stubnitz (SAS 501) und dem KTS Granitz (SAS 502) konnte der VEB Fischfang Sassnitz 1965 die für dieses Jahrzehnt typische Betriebsform der Flottillenfischerei auf Hering eröffnen. Die beiden Schwesterschiffe waren modifizierte Versionen des von der Volkswerft Stralsund in Serie für den Export produzierten Typs Tropik. Beide Schiffe hatten 59 Besatzungsmitglieder, eine Frostkapazität von bis zu 60 t / Tag und ein Kühlladeraumvolumen von 1863 m³. Von 1984 bis 1992 waren die Schiffe als ROS 701 und ROS 702 für den VEB Fischfang Rostock im Einsatz.

Das Motorschiff Stubnitz stellt ein weitgehend original erhaltenes Fahrzeug der Hochseefischerei der DDR dar, obwohl für die heutige Nutzung entscheidende Bereiche des Schiffes baulich verändert werden mussten. Weitgehend original erhalten sind die elektromechanische Maschinenanlage und ihre Gleichstromtechnik, die Kommandobrücke mit Funk- und Kartenraum, die Wohn- und Sozialbereiche wie Kammern, Kombüse, O-Messe, sowie das Hospital. Aus dem ehemaligen Verarbeitungsdeck und den ehemaligen Kühlladeräumen wurden die Verarbeitungsanlagen demontiert. Das Äußere des Schiffes wurde nach dem letzten Fischereieinsatz nicht verändert.

2003 wurde das Schiff als Dokument der Hochseefischerei der ehemaligen DDR in die Denkmalliste der Hansestadt Rostock eingetragen.

Nutzungsänderung nach der Wende[Bearbeiten]

Seit 1992 wurde das Schiff zu einer mobilen Plattform für Musik, kulturelle Veranstaltungen, Dokumentation und Kommunikation umgestaltet. Drei ehemalige Laderäume werden regelmäßig als Veranstaltungsräume für Live-Musik, Ausstellungen, Performances und Installationen genutzt. Künstler und Mitarbeiter können an Bord untergebracht und verpflegt werden. Das Schiff wird für Projekte in europäischen Hafenstädten eingesetzt. 1992 erwarb die Stubnitz Kunst-Raum-Schiff GmbH, eine Künstlerinitiative aus Deutschland, der Schweiz und Österreich, das Fischereifahrzeug von der Rostocker Fischfang-Reederei. Ab 1993 wurde das Vorhaben durch Arbeits- und Landesförderung unterstützt. 1994 scheiterte die Initiative nach ersten kulturellen Erfolgen in Sankt Petersburg, Malmö und Hamburg an finanziellen Lasten aus Umbau, Veränderung des Schiffsstatus und Schiffsbetrieb.

1995 wurde der gemeinnützige Verein Motorschiff Stubnitz e.V. gegründet, welcher das Schiff bis heute als Betreiber weiterentwickelt. Ab 1997 konnte mit dem Einbau von Fluchtwegen die Zulassung für die öffentlichen Veranstaltungen in Rostock schrittweise von 150 auf 450 Personen erhöht werden. 1998 wurde der Trägerverein Rostocker Kulturschiff Stubnitz e. V. als Schiffseigner eingetragen.

Die Arbeitsschwerpunkte der beiden Vereine richten sich neben dem Schiffserhalt und der Entwicklung des Zentrums kultureller Produktivität auch auf die Organisation kultureller Angebote mit zeitgemäßen Kunst- und Kulturprojekten in Rostock. Mit jährlich jeweils über 100 Veranstaltungen und 200 Projektpräsentationen werden 20 - 30 Tausend Besucher erreicht. Seit 1998 rücken zunehmend auch Aktivitäten im Radio- und Medienbereich in den Vordergrund.

Der schiffserhaltende Aufwand sowie die kulturelle Arbeit werden weitgehend durch freiwillige, ehrenamtliche Arbeit geleistet, wobei eine tatkräftige Unterstützung von vielen Unternehmen und Privatpersonen unentbehrlich geworden ist. Die Aktivitäten werden auch mit Projektfördermitteln durch die Hansestadt Rostock, das Land Mecklenburg-Vorpommern und das Arbeitsamt Rostock unterstützt.

Fahrten als Kulturschiff[Bearbeiten]

1998 konnte das Schiff mit einer befristeten Fahrterlaubnis für ein Projekt in der Kulturhauptstadt Europas Stockholm wieder reaktiviert werden. Mit der absolvierten Klassenerneuerung im Jahr 2000 erhielt die Stubnitz ihre reguläre Fahrterlaubnis als Frachtschiff in der internationalen Fahrt. Durch die Klassenbestätigungen im Jahr 2009 wurde der Aktionsradius der Stubnitz erhalten.

Seit diesem Zeitpunkt ist die Stubnitz regelmäßig auf Außenstationen im Nord- und Ostseeraum unterwegs, wobei die Veranstaltungsprogramme jeweils mit regionalen Partnern gemeinsam entwickelt und durchgeführt werden: Hamburg (2000, 2001, 2003, 2005, 2006, 2007, 2008, 2010, 2011, 2012, 2013), Europäische Kulturhauptstadt Rotterdam (2001, 2005), Amsterdam (2002, 2005, 2006, 2007, 2008), Brügge (2002), Stettin (2003), Riga (2004), Kopenhagen (2005, 2006, 2008, 2009, 2010), Newcastle (2006), Dünkirchen (2006, 2013) sowie Nykøbing Falster (2008), Aalborg (2009), Aarhus (2010) und Bremen (2012), London (2012)

2002 wurden die Verdienste um die innovative Kultur- und Jugendarbeit auf der Stubnitz mit dem Kulturpreis der Hansestadt Rostock gewürdigt.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stubnitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien