Susanne Baer

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Susanne Baer (2010)

Susanne Baer (* 16. Februar 1964 in Saarbrücken) ist eine deutsche Rechtswissenschaftlerin und seit dem 2. Februar 2011 Richterin des Bundesverfassungsgerichts.[1]

Leben[Bearbeiten]

Baer studierte nach ihrer Schulzeit Rechtswissenschaften und Politikwissenschaften von 1983 bis 1987 an der Freien Universität Berlin. 1988 legte sie das Erste Staatsexamen, 1991 das Zweite Staatsexamen in den Rechtswissenschaften ab.[2] Sie wurde bei Spiros Simitis und Erhard Denninger promoviert und habilitierte sich bei Alexander Blankenagel und Bernhard Schlink.

Von 1999 bis 2002 war sie zunächst Gastprofessorin an der neugegründeten Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt und an der Central European University Budapest dann Vertretungsprofessorin an der Universität Bielefeld. Seit 2002 ist Baer Professorin für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien an der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit 2009 ist sie zudem James W. Cook Global Law Professor an der University of Michigan Law School. Seit 2000 unterrichtet sie jedes Jahr an der Central European University in Budapest. Sie war 2003 bis 2010 Direktorin des GenderKompetenzZentrums an der Humboldt Universität Berlin[3], das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wurde. Im April 2009 wurde Baer Studiendekanin der Juristischen Fakultät.[4] Seit April 2010 ist sie Mitträgerin des vom Berliner Forschungsverbund Recht im Kontext initiierten Projekts "Rechtskulturen: Konfrontationen jenseits des Vergleichs" am Forum Transregionale Studien.[5]

Baer beschäftigt sich in ihren Werken und ihrer Forschung unter anderem mit den Themen Grundrechte und vergleichendes Verfassungsrecht, Genderstudien, Antidiskriminierungsrecht, feministische Rechtswissenschaft und Gleichstellungsrecht.[6] Sie ordnete sich 1999 als Feministin ein.[7] Sie ist Vorstandsmitglied der 2010 gegründeten Fachgesellschaft Geschlechterstudien.[8]

Sie leitet das 2008 gegründete „Institut für interdisziplinäre Rechtsforschung – Law and Society Institute (LSI)“ an der Humboldt-Universität Berlin[9], das im Sommersemester 2009 mit der Humanistischen Union eine Ringvorlesung zum Thema „60 Jahre Grundgesetz“ veranstaltete.[10]

Baer wurde im November 2010 von SPD und Bündnis 90/Die Grünen für ein Richteramt am Bundesverfassungsgericht nominiert[11] und am 11. November 2010 vom Wahlausschuss des Deutschen Bundestags gewählt. Sie ist dort Mitglied des Ersten Senats und folgte Brun-Otto Bryde nach.

Baer ist die erste verpartnerte[12] Bundesverfassungsrichterin und setzt sich seit langem für die Gleichstellung von Schwulen und Lesben ein. Für ihr couragiertes Auftreten und Wirken als offen lesbische Frau wurde sie mit dem Augspurg-Heymann-Preis 2013 ausgezeichnet.[13]

Susanne Baer gehört dem wissenschaftlichen Beirat der Peer-Review-Fachzeitschrift Gender an.

Ehrungen[Bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Monografien[Bearbeiten]

  • „Der Bürger“ im Verwaltungsrecht zwischen Obrigkeit und aktivierendem Staat, Tübingen 2006.
  • Würde oder Gleichheit? Zur angemessenen grundrechtlichen Konzeption von Recht gegen Diskriminierung am Beispiel sexueller Belästigung am Arbeitsplatz in der Bundesrepublik Deutschland und den USA, Baden-Baden 1995.
  • Comparative Constitutionalism: Cases and Materials, (gemeinsam mit Norman Dorsen, Michel Rosenfeld, András Sajó), St. Paul 2010 (2. Aufl.).
  • Das neue Gewaltschutzrecht, (gemeinsam mit Birgit Schweikert) Baden-Baden 2002.
  • Gender Mainstreaming in der Personalentwicklung - Diskriminierungsfreie Leistungsbewertung im öffentlichen Dienst Bd. 1, Gender kompetent, Beiträge aus dem GenderKompetenzZentrum (gemeinsam mit Dietrich Englert), Bielefeld 2006.
  • Gender Works! Gender Mainstreaming: Gute Beispiele aus der Facharbeit (gemeinsam mit Karin Hildebrandt), Frankfurt a. Main 2007.
  • Gleichberechtigte Familien? Wissenschaftliche Diagnosen und politische Perspektiven, Gender kompetent, Beiträge aus dem GenderKompetenzZentrum (gemeinsam mit Julia Lepperhoff), Bielefeld 2007.

Aufsätze[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Susanne Baer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meldung über Vereidigung auf der Seite des Bundespräsidialamtes, abgerufen am 2. Februar 2011
  2. Humboldt-Universität Berlin: Biografie von Baer
  3. GenderKompetenzZentrum an der Humboldt Universität zu Berlin
  4. Humboldt-Universität Berlin: Biografie von Baer
  5. [1]
  6. Humboldt-Universität Berlin: Werke von Baer
  7. Die Rechtstheoretikerin Susanne Baer sucht nach juristischen Wegen zur Gleichberechtigung
  8. Fachgesellschaft Geschlechterstudien: Vorstand Abgerufen am 4. Juli 2013.
  9. http://institut-fuer-recht-und-gesellschaft.de/startseite
  10. http://www.humanistische-union.de/veranstaltungen/2009/gg60/; teilweise dokumentiert in einer Themenausgabe des German Law Journal, mit Beiträgen von Susanne Baer, Dieter Grimm, Juliane Kokott, Matthias Mahlmann, Hubert Rottleuthner und Brigitte Zypries, eingeleitet von Susanne Baer, Christian Boulanger, Alexander Klose und Rosemarie Will: "Special Issue: The Basic Law at 60", 11 German Law Journal (2010), Issue No. 1 http://www.germanlawjournal.com/index.php?pageID=2&vol=11&no=1
  11. Reinhard Müller: Bundesverfassungsgericht. Es allen recht machen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. November 2010.
  12. queer.de: Erste offen lesbische Verfassungsrichterin; bundesverfassungsgericht.de Prof. Dr. Susanne Baer, LL.M. Abgerufen am 4. Juli 2013.
  13. augspurg-heymann-preis.de Abgerufen am 4. Juli 2013.