Bernhard Schlink

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Bernhard Schlink (2012)

Bernhard Schlink (* 6. Juli 1944 in Großdornberg bei Bielefeld) ist deutscher Jurist und Schriftsteller. Sein Roman Der Vorleser wurde zu einem internationalen Bestseller.

Leben[Bearbeiten]

Schlinks Vater, Edmund Schlink, war Theologieprofessor in Heidelberg, seine Tante Basilea Schlink war evangelische Ordensgründerin, sein Großvater Wilhelm Schlink Professor für Mechanik. Sein Bruder Wilhelm Schlink war bis zu seiner Emeritierung im Wintersemester 2004/05 Professor für Kunstgeschichte an der Universität Freiburg. Sein Schwager ist Klaus Engelhardt, der frühere Landesbischof von Baden.

Bernhard Schlinks Familie zog kurz nach seiner Geburt nach Heidelberg; dort verbrachte er seine Kindheit. Er hat einen Sohn, der Zahnarzt ist. Heute lebt Schlink in New York City[1] und Berlin.

Schlink ist Mitglied der SPD.

Schlink als Jurist[Bearbeiten]

Schlink studierte Jura an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und an der Freien Universität Berlin. Als wissenschaftlicher Assistent war er an den Universitäten in Darmstadt, Bielefeld und Freiburg tätig. Er wurde im Jahr 1975 in Heidelberg zum Dr. jur. promoviert (Titel der Dissertation: Abwägung im Verfassungsrecht, erschienen 1976) und habilitierte sich im Jahr 1981 in Freiburg im Breisgau (mit einer Arbeit über Die Amtshilfe. Ein Beitrag zu einer Lehre von der Gewaltenteilung in der Verwaltung, erschienen 1982). Von 1982 bis 1991 war er Professor für Öffentliches Recht an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und von 1991 bis 1992 Professor für Öffentliches Recht, Sozialrecht und Rechtsphilosophie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main. 1992 bis 2009 hatte er an der Humboldt-Universität zu Berlin einen Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie inne. Sein Nachfolger wurde Christoph Möllers.

Zu Schlinks Schülern zählt Ralf Poscher, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Von 1987 bis 2006 war Bernhard Schlink Richter am Verfassungsgerichtshof für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster. Zwischen Dezember 1989 und April 1990 arbeitete Schlink als Berater am Verfassungsentwurf des Zentralen Runden Tisches der DDR mit.[2]

Im August 2005 vertrat er die Bundesregierung im Verfahren vor dem Bundesverfassungsgericht über die Klagen zweier Bundestagsabgeordneter gegen die Entscheidung von Bundespräsident Köhler, den Bundestag aufzulösen und Neuwahlen festzusetzen.

Bernhard Schlink ist Mitglied im Kuratorium der ersten deutschen juristischen Internetzeitschrift Humboldt Forum Recht.

Schlink als Schriftsteller[Bearbeiten]

Bernhard Schlink, signierend

1987 erhielt Bernhard Schlink eine Einladung an die Universität in Aix-en-Provence. Er wohnte drei Monate bei seinem dort ansässigen Freund Walter Popp. Beide waren häufige Leser von Kriminalromanen und beschlossen, selbst einen solchen zu schreiben. Ihr gemeinsamer Roman Selbs Justiz handelt vom 68-jährigen Privatdetektiv Gerhard Selb, den ein Auftrag zurück in die eigene Vergangenheit als Staatsanwalt während der Zeit des Nationalsozialismus führt.[3]

Nach dem Erfolg des Erstlings folgten die nächsten Bücher Schlinks ohne Co-Autoren, so der Kriminalroman Die gordische Schleife, der 1989 den Friedrich-Glauser-Preis erhielt. Auch hier ist der Protagonist ein ehemaliger Jurist, Georg Polger, der als Übersetzer nach Südfrankreich aussteigt und durch die Übersetzung von Konstruktionsplänen für Kampfhubschrauber in das Visier eines Spionagerings gerät. Mit Selbs Betrug, ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimipreis, und Selbs Mord schloss Schlink die Trilogie um den Privatdetektiv Gerhard Selb ab.

Dorothee Nolte urteilte über Schlinks Selb-Romane: „Es sind schwungvoll geschriebene, häufig witzige Romane, die – Ortskundige werden Straßen und Gebäude wiedererkennen – in Mannheim und Umgebung spielen; raffiniert gebaute Geschichten, in denen die politische Aktualität und die deutsche Vergangenheit präsent sind.“[3] Schlink selbst sah das Schreiben von Kriminalromanen als Möglichkeit, sich ein Problem zu stellen und es zu lösen, was seiner Tätigkeit als Jurist vergleichbar sei. Zudem lasse sich in der Handlung Gesellschaftskritik verpacken.[4]

Der 1995 erschienene erste Nicht-Kriminalroman Schlinks, Der Vorleser, wurde zu einem viel beachteten internationalen Bestseller. Der Roman wurde in über 50 Sprachen übersetzt, die amerikanische Ausgabe erreichte Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times.[5] Der Vorleser erhielt den Hans-Fallada-Preis (1998), den italienischen Literaturpreis Grinzane Cavour (1997) und den Prix Laure Bataillon (bestdotierter französischer Preis für übersetzte Literatur) (1997). 2008 wurde der Roman unter der Regie von Stephen Daldry als Der Vorleser verfilmt.

Auch die Erzählsammlung Liebesfluchten wurde im Jahr 2000 zu einem Bestseller. 2008 verfilmte Richard Eyre die Erzählung Der Andere aus dem Band mit Liam Neeson, Antonio Banderas und Laura Linney.[6]

Schlinks Bücher behandeln laut Beate Dreike oft den Komplex Recht und Gerechtigkeit. So erweist sich etwa in den Selb-Romanen das Gesetz als ein unpassendes Instrument für die Herstellung von Gerechtigkeit lange zurückliegender Taten, und auch in Der Vorleser stellt sich die Frage, wie über Taten, die unter einem anderen Rechtssystem begangen wurden, zu urteilen ist. Dabei bleibt das Buch in seiner Position offen, was ihm auch Kritik eingebracht hat.[4]

Befragt nach der Motivation seiner Schriftstellertätigkeit antwortete Schlink in einem Interview: „Ich schreibe aus demselben Grund, aus dem andere lesen: Man will nicht nur ein Leben leben.“[3]

Er ist Mitglied in der Schriftstellervereinigung PEN-Zentrum Deutschland.

Mit Die Frau auf der Treppe schaffte es Bernhard Schlink auf Platz 1 der Bestsellerliste "Belletristik" des Nachrichtenmagazins Der Spiegel.[7]

Werke[Bearbeiten]

Juristische Fachbücher[Bearbeiten]

Belletristik[Bearbeiten]

Bis 2014 sämtlich im Diogenes Verlag, Zürich erschienen:

Hörbücher[Bearbeiten]

Aufsätze[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Christoph Cornelißen: Platz 14. Bernhard Schlink: Der Vorleser. In: Christoph Jürgensen (Hrsg.): Die Lieblingsbücher der Deutschen. Verlag Ludwig, Kiel 2006, ISBN 3-937719-34-2, S. 39-59.
  • William Collins Donahue: „Holocaust Lite.“ Bernhard Schlinks „NS-Romane“ und ihre Verfilmungen. Bielefeld: Aisthesis 2011. ISBN 978-3-89528-832-6
  • Sascha Feuchert, Lars Hofmann: Lektüreschlüssel: Bernhard Schlink: Der Vorleser. 2., aktualis. Auflage. Reclam-Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-15-015359-8. (auch als Download verfügbar)
  • Manfred Heigenmoser (Hrsg.): Bernhard Schlink, Der Vorleser. Reclam-Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 3-15-016050-2.
  • Juliane Köster: Bernhard Schlink, Der Vorleser. Interpretation. Oldenbourg-Verlag, München 2000, ISBN 3-486-88745-9.
  • Micha Ostermann: Aporien des Erinnerns: Bernhard Schlinks Roman Der Vorleser. Verlag Marcel Dolega, Bochum 2004, ISBN 3-937376-03-8.

Verfilmungen[Bearbeiten]

  • 1991 Der Tod kam als Freund (Vorlage: Selbs Justiz, ZDF)
  • 2008 Der Vorleser (The Reader)
  • 2008 Der Andere (The Other Man)
  • 2013 Das Wochenende (The Weekend)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bernhard Schlink – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.diogenes.de/leser/autoren/a-z/s/schlink_bernhard/biographie
  2. DocumentArchiv.de (Hg.): Entwurf der Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik der Arbeitsgruppe „Neue Verfassung der DDR“ des Runden Tisches, Berlin 1990.
  3. a b c Bernhard Schlink im Lexikon der deutschen Krimi-Autoren.
  4. a b Nicholas Wroe: Reader’s guide to a moral maze. In: The Guardian. vom 9. Februar 2002.
  5. Bestsellers Paperback Fiction. In: The New York Times. vom 21. März 1999.
  6. Der Andere. in der Internet Movie Database (englisch)
  7. Bericht zur Lesung am 11. September 2014 im Berliner Ensemble. In: Popshot.over-blog vom 14. September 2014.