Oskar Schindler

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gedenktafel für Schindler an dessen Wohnhaus in Frankfurt

Oskar Schindler (* 28. April 1908 in Zwittau, Mähren, Österreich-Ungarn; † 9. Oktober 1974 in Hildesheim, Deutschland) war ein sudetendeutscher Unternehmer, der während des Zweiten Weltkrieges etwa 1200 bei ihm angestellte jüdische Zwangsarbeiter vor der Ermordung in den Vernichtungslagern des Nationalsozialismus bewahrte.

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Oskar Schindler wurde als Sohn des Landmaschinenfabrikanten Hans Schindler und dessen Frau Franziska (geb. Luser) geboren. Er hatte eine jüngere Schwester namens Elfriede. Die Kinder der jüdischen Nachbarsfamilien gehörten zu ihren Spielgefährten. Schindler besuchte die Volks- und Realschule. Mit 16 Jahren wurde er der Schule verwiesen, nachdem er sein Zeugnis gefälscht hatte. Im väterlichen Betrieb absolvierte er eine Lehrausbildung. Schindler wurde römisch-katholisch erzogen, wandte sich aber als Erwachsener für längere Zeit von der Glaubenspraxis ab. Die fromme Mutter habe sich gegrämt, weil Oskar als Erwachsener – wie sein Vater – dem Gottesdienst immer öfter fernblieb. In den Jahren 1926–29 war Schindler ein begeisterter Motorradfahrer. Im jugendlichen Alter von 20 Jahren (1928) heiratete er Emilie Pelzl, die Tochter eines wohlhabenden Landwirts aus Alt Moletein. Auch Emilie war sehr fromm erzogen, da sie nach dem Tod ihrer Mutter in einem Kloster aufwuchs. Ihr Vater, ein Gutsbesitzer, missbilligte die frühe Heirat seiner Tochter mit einem „unfertigen Mann“.[1] Kurz nach der Heirat wurde Oskar zum Militärdienst des tschechoslowakischen Heeres eingezogen.

Deutschpatriotische Spionage[Bearbeiten]

Nach Schließung der väterlichen Landmaschinenfabrik durch die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise arbeitete Schindler von 1935 bis 1939 als Agent für das Amt Ausland/Abwehr in Mährisch-Ostrau und Breslau. Sein Vorgesetzter zu dieser Zeit war Admiral Wilhelm Canaris.

Zur Tarnung war Spion Schindler als kaufmännischer Leiter der Mährischen Elektrotechnischen AG in Brünn angestellt. 1935 trat er in die pronationalsozialistische Partei Konrad Henleins ein, die Sudetendeutsche Heimatfront, später Sudetendeutsche Partei (SdP).

Als seine Spionagetätigkeit aufgeflogen war, wurde er für den Verrat tschechischer Eisenbahngeheimnisse an Deutschland wegen Hochverrats zum Tod verurteilt.[2] Nur Hitlers Überfall auf die „Rest-Tschechei“ im Jahr 1939 verhinderte die Vollstreckung des Todesurteils.

Um sich industrielle Aufträge zu sichern, trat er 1939 in die NSDAP ein und schied im selben Jahr aus seiner Tätigkeit bei dem Generalkommando VIII in Breslau/Amt Canaris aus. In der Hoffnung, geschäftlich vom Krieg profitieren zu können, ging Schindler nach dem deutschen Überfall auf Polen nach Krakau.

Wirtschaftlicher Aufstieg[Bearbeiten]

Im Oktober 1939 übernahm Schindler eine stillstehende Emaille­warenfabrik, die vor vielen Jahren bankrottgegangen war.[3] Durch Schwarzhandel, bei dem er von seinem polnisch-jüdischen Buchhalter Abraham Bankier beraten wurde, erarbeitete er sich ein Vermögen. Die kleine Fabrik in Zabłowice nahe Krakau, die Küchengeräte für die Wehrmacht herstellte, wuchs sprunghaft. Nach drei Monaten hatte sie 250 polnische Arbeiter, unter denen sieben Juden waren.

Schindler, ein Hedonist und Spieler, nahm den Lebensstil eines Lebemanns an und genoss das Leben in vollen Zügen. Er wurde von Zeitgenossen als gut aussehender, hochgewachsener Mann beschrieben, der sich gewandt auf dem gesellschaftlichen Parkett bewegte, ausschweifend zu feiern wusste, Erfolg bei Frauen hatte und diesen auch reichhaltig auskostete.

Rettung jüdischer Zwangsarbeiter[Bearbeiten]

Krakau-Zabłocie: Emaillewarenfabrik[Bearbeiten]

Von 1939 bis Ende 1942 war sein Betrieb zu einer Emaille- und Munitionsfabrik gewachsen, die 45.000 m² groß war und fast 800 Arbeitskräfte beschäftigte. Unter diesen waren 370 Juden aus dem Krakauer Ghetto.

Schindlers Widerstand gegen das Regime entwickelte sich nicht aus ideologischen Gründen. Den zuvor opportunistischen Fabrikanten widerte die Behandlung der hilflosen jüdischen Bevölkerung an. Allmählich traten seine finanziellen Interessen gegenüber dem Verlangen zurück, so viele Juden wie möglich vor den Nationalsozialisten zu retten. Am Ende der Entwicklung war Schindler nicht nur bereit, sein gesamtes Vermögen für dieses Ziel auszugeben, er setzte auch sein eigenes Leben aufs Spiel.

Produkte der Fabrik

Die angestrebte Basis seiner Rettungsbemühungen war die Einstufung seiner Fabrik als „kriegswichtige Produktion“. Dies gelang ihm, die Militärverwaltung des besetzten Polen erkannte 1943 sein Emaillier-Werk als Rüstungsbetrieb (Produktion von Patronenhülsen) an. Das ermöglichte es ihm, sowohl wirtschaftlich lukrative Verträge abzuschließen als auch jüdische Arbeiter anzufordern, die unter der Kontrolle der SS standen.

Um dies zu erreichen, hatte er die Häftlinge als unabkömmlich für seine Produktion dargestellt, deren Deportation das Erfüllen kriegswichtiger Aufträge verlangsamen würde. Durch die Täuschung konnte er Ausnahmen erwirken, sobald Juden der Abtransport in Vernichtungslager drohte. Seinen Sekretär Abraham Bankier beispielsweise bewahrte er am 3. Juni 1942 vor der Deportation nach Belzec. Auf riskante Weise nutzte er sogar die zufällige Namensgleichheit mit Max Schindler, um mit einem beabsichtigten Missverständnis auf SS-Personal Einfluss zu bekommen. Schindler scheute sich bei seinem Vorgehen nicht, zu lügen oder Dokumente zu fälschen, indem er Akademiker und Kinder als qualifizierte Metallarbeiter ausgab. Ebenso gelang das Erreichen der Einstufung als „kriegswichtiger Produktionsbetrieb“ mittels eines Täuschungsmanövers im Schriftverkehr mit der SS.[4] Erfolge bei hartnäckigen Verhandlungen mit der SS konnte er auch verbuchen, nachdem Geschenke und Bestechungsgelder flossen.

KZ Krakau-Płaszów und Nebenlager Lipowa-Straße[Bearbeiten]

Im März 1943 räumte die SS das Krakauer Ghetto. Ein Teil der Juden wurde in Vernichtungslager deportiert. Juden, die von der SS als arbeitsfähig eingestuft worden waren, deportierte sie in das Arbeitslager Płaszów (verdeutschte Schreibweise: Plaszow) bei Krakau. Schindler überzeugte den brutalen Lagerkommandanten Amon Göth, ihm die Einrichtung eines privaten Unterlagers für seine jüdischen Arbeiter bei seiner Fabrik zu erlauben. Durch dieses Arrangement war es ihm möglich, seinen Arbeitern vergleichsweise gute Bedingungen zu bieten und ihre mangelhaften Ernährungsrationen mit Lebensmitteln zu ergänzen, die er auf dem Schwarzmarkt kaufte. Den SS-Wachen des Lagers war das Betreten des eigentlichen Fabrikgeländes verboten.

Verhöre und Reise nach Ungarn[Bearbeiten]

Schindler wurde mehrmals von der Gestapo vernommen, die ihn wegen Unregelmäßigkeiten oder der Begünstigung von Juden verdächtigte, was Schindler aber nicht abschreckte, weiterzumachen. Die Gestapo verhaftete und verhörte Schindler 1941 wegen Schwarzmarktaktivitäten. Aufgrund einer Anzeige kam es am 29. April 1942 zu einer weiteren Verhaftung; er war als „Judenküsser“ denunziert worden. 1943 reiste Schindler auf Einladung einer jüdischen Organisation nach Budapest, wo er sich mit ungarischen Juden traf. Er schilderte diesen die verzweifelte Lage der polnischen Juden und diskutierte Hilfsmöglichkeiten. (Siehe auch: Holocaustkenntnis von Zeitzeugen).

Von Historikern noch wenig erforscht ist die Nähe des Kontaktes zu seinem Vorgesetzten Admiral Canaris, für den Schindler vier Jahre gearbeitet hatte. Canaris war von Hitler mehrfach kritisiert und vom Dienst suspendiert worden, unter anderem, weil er Juden beschäftigte. Auch hatte Canaris – der nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 hingerichtet wurde – Juden als V-Männer ins Ausland geschickt und sie damit gerettet; zudem hatte er die Einsatzgruppen in Polen kritisiert.

Brünnlitz im Sudetenland[Bearbeiten]

Schindlers Fabrik, Brünnlitz
Einfahrt des KZ Auschwitz

Ende 1944 musste Płaszów mit allen KZ-Außenlagern aufgrund des Vormarsches der Roten Armee geräumt werden. Die SS deportierte die meisten der über 20 000 Juden in Vernichtungslager. Schindler gelang es, beim Oberkommando der Wehrmacht die Erlaubnis zu erhalten, seine „kriegswichtige Produktion“ in der ehemaligen Textilfabrik Löw-Beer in Brünnlitz im Sudetenland, die er mit seiner Frau erworben hatte, fortzusetzen und dabei seine Arbeiter mitzunehmen.[5] Zu den Arbeitern kam eine große Anzahl neuer Namen aus dem Lager Płaszów, insgesamt umfasste die Liste schließlich 800 Männer, unter denen 700 Juden waren, und 300 Frauen. Die Übersiedlung der Männer in das Arbeitslager Brünnlitz begann am 15. Oktober 1944 und erfolgte über das KZ Groß-Rosen, dem das Arbeitslager Brünnlitz als Nebenlager zugeordnet war. Der Transport der Frauen führte über Auschwitz, da eine SS-Vorschrift verlangte, dass alle Häftlinge, Männer wie Frauen, in Quarantäne kamen, bevor sie in ein anderes Lager verlegt wurden. Ebenso waren Leibesvisitationen vorgeschrieben, die sich auch auf den Intimbereich erstreckten. Alles das musste bei weiblichen Häftlingen von Frauen durchgeführt werden, aber Groß-Rosen verfügte zu dieser Zeit weder über das entsprechende Personal noch über die Einrichtungen, um die dreihundert Schindlerfrauen zu behandeln. Deswegen wurden die Frauen über das nächstgelegene KZ geleitet, in diesem Fall das ca. 60 km entfernte Auschwitz.[6]

Schindler gelang es, die Männer aus dem Lager Groß-Rosen zu retten. Sein persönlicher Sekretär schaffte es, in Auschwitz den Weitertransport der Frauen auszuhandeln, indem er der Gestapo eine erhöhte Bezahlung von 7 Reichsmark pro Tag und Kopf versprach. Es handelte sich dabei nicht, wie häufig berichtet, um den einzigen Fall, in dem eine so große Gruppe die Vernichtungslager verlassen durfte, aber um den bekanntesten.[7]

Oskar und Emilie Schindler retteten außerdem 81 jüdische Männer, die aus dem KZ-Außenlager Golleschau stammten, das zu Auschwitz gehörte, wo sie in einem Steinbruch der SS gearbeitet hatten. Im Januar 1945 waren diese Männer aufgrund des Vormarsches der Sowjets evakuiert und in zwei versiegelten Viehwagen nach Westen verfrachtet worden. Nach einer mehrtägigen Fahrt bei Eiseskälte ohne Nahrung und Wasser stellte die SS die Wagen schließlich vor das Tor der Fabrik Schindlers. Emilie Schindler hinderte den SS-Lagerkommandanten daran, den Zug weiterzuschicken, und Oskar Schindler überzeugte den Lagerkommandanten, dass er die Insassen der Wagen dringend für seine Fabrik benötigte. Nachdem die Wagen aufgebrochen worden waren, wurden in ihnen dreizehn Erfrorene entdeckt. Die Überlebenden benötigten medizinische Hilfe und mussten mühsam ins Leben zurückgebracht werden. Keiner von ihnen wurde jemals in Schindlers Fabrik eingesetzt. Schindler verhinderte zudem, dass der SS-Lagerkommandant die Leichen der Erfrorenen verbrennen ließ. Stattdessen kaufte er ein Stück Land, wo sie nach jüdischem Ritus beigesetzt werden konnten.

In seinen Produktionsstätten war keiner seiner Arbeiter geschlagen oder in ein Vernichtungslager deportiert worden, keiner starb eines unnatürlichen Todes.

In den letzten Kriegstagen floh Schindler nach Deutschland, wo er ohne einen Pfennig ankam.

Nach Kriegsende[Bearbeiten]

Tor mit der Aufschrift "To Oskar Schindler's Grave", Jerusalem

Unternehmerisch gesehen war die Nachkriegszeit für Schindler wenig erfolgreich. Von November 1945 bis Mai 1950 lebte er in Regensburg. Er ließ sich eine Zeitlang in San Vicente, Argentinien, nieder, wo er Nutrias züchtete, deren Felle verarbeitet wurden. Nachdem er seine Farm schließen musste, arbeitete er als Handelsvertreter und kam so zurück nach Westdeutschland. Hier versuchte er sich mit einer Zementfabrik, ging allerdings 1961 wiederum in Insolvenz. Als überlebende Schindlerjuden von seinen beruflichen und finanziellen Schwierigkeiten erfuhren, luden sie ihn nach Jerusalem ein.

Ab diesem Zeitpunkt lebte Oskar Schindler ein „geteiltes“ Leben: Die eine Hälfte des Jahres verbrachte er in Frankfurt am Main, wo er zurückgezogen und in einer Ein-Zimmer-Wohnung am Bahnhof lebte, die andere Hälfte des Jahres verweilte er bei den von ihm geretteten Juden in Jerusalem. Dieses Leben führte Oskar Schindler bis zu seinem Tod 1974. Er fand auf seinen Wunsch hin seine letzte Ruhe auf dem römisch-katholischen Franziskanerfriedhof am Zionsberg in Jerusalem.[8] Zwei Jahre vor seinem Tod wurde ihm in der Hebrew University ein Raum gewidmet, in dem ein Buch, das seine Taten schildert, und eine Liste mit den Namen aller geretteten Juden ausliegen.

Einer breiteren Öffentlichkeit in Deutschland und der Welt wurde Oskar Schindler erst durch den Film Schindlers Liste bekannt.

Hinterlassenschaft und Nachwirkungen[Bearbeiten]

„Schindlerjuden“[Bearbeiten]

Die von Schindler geretteten jüdischen Männer und Frauen wurden häufig als „Schindlerjuden“ bezeichnet. Leopold Page, einer der geretteten Juden, kam 1980 mit dem Autor Keneally in Kontakt, welcher daraufhin einen Roman über Schindler verfasste. Die Bezeichnung Schindlerjuden verbreitete sich auch durch Zeitungsberichte sowie durch den Film Schindlers Liste (1993).[9]

Nach ihrer Befreiung 1945 verteilten sich die geretteten Häftlinge in alle Welt. Einige von ihnen, darunter Mietek Pemper[10] und Wolf Weil, ließen sich auch in Deutschland nieder. Auch die Eltern von Michel Friedman gehörten dazu. Man schätzt, dass zu Beginn der 1990er Jahre noch etwa 400 Schindlerjuden lebten, die Hälfte von ihnen in Israel.[11][12] Moshe Bejski beschrieb das Wesen und Wirken Schindlers „Wäre er ein Durchschnittsmensch gewesen, wäre er sicher nicht fähig gewesen, das zu tun, was er für uns getan hat.“

Schindlers Koffer[Bearbeiten]

Im November 1999 wurde auf dem Dachboden der Wohnung seiner letzten Geliebten Annemarie Staehr in Hildesheim ein Koffer mit 7000 Schriftstücken und Fotos gefunden. Darin befand sich eine originale Liste[13] der von Oskar Schindler geretteten Juden sowie unter anderem eine komplette Auflistung dessen, was Schindler der SS an Gefälligkeiten erwiesen hatte.[14] Alle Ausgaben für Lebensmittel waren penibel vermerkt. Insgesamt rund eine Million Euro nach heutigem Wert hatte er für die Ernährung, die Bestechungen und die Geschenke ausgegeben. Als die beiden Journalisten der Stuttgarter Zeitung Claudia Keller und Stefan Braun[15] von dem Koffer erfuhren, ließen sie den Inhalt im Bundesarchiv in Koblenz sichten, katalogisieren und in säurefreie Mappen verpacken. Die Zeitung beschloss danach, den wertvollen Fund an die Gedenkstätte Yad Vashem zu übergeben.

Emilie Schindler, seiner Witwe, wurden davon Kopien gesendet. Sie forderte jedoch den Koffer als rechtmäßige Erbin für sich.[16] Mitte 2001 erhielt sie nach einem Vergleich 25.000 DM von der Stuttgarter Zeitung, nicht aber den Koffer, der sich in Yad Vashem befindet.[17][18]

Schindlers Liste[Bearbeiten]

Listen gehörten zum unabdingbaren Lageralltag eines KZ. Auch Schindlers Liste musste mehrfach angefertigt, d.h. auf der Schreibmaschine abgetippt werden. Schindler begann im Herbst 1944 die Liste in Zusammenarbeit mit u.a. Itzhak Stern und der Sekretärin Hilde Berger zu erstellen. Die Liste beinhaltete vermeintlich kriegswichtige Arbeiter, die er aus dem besetzten Polen zu seinem neuen Betrieb mitnehmen wollte. Stern ergänzte sie noch um einige Namen. [19] Zeitungsberichten zufolge existieren noch vier authentische Abschriften von Schindlers Liste: Zwei Originalabschriften sind im Besitz der Gedenkstätte Yad Vaschem in Jerusalem, eine weitere befindet sich im Besitz einer US-Gedenkstätte.

Eine vierte Abschrift, deren Echtheit bestätigt ist, befand sich im Besitz Itzhak Sterns (Erstellungsdatum der Liste: 18. April 1945), der sie an seinen Neffen weitergab. Im Jahr 2010 wechselte das Dokument für 2,2 Millionen US-Dollar den Besitzer. Käufer war ein privater Sammler, der sie über den Händler Gary J. Zimet erwarb. Erika Rosenberg hatte vor Gericht versucht, den Verkauf unterbinden zu lassen: Der Wille von Oskar und Emilie Schindler sei gewesen, dass die Nachweise über die Rettung der Juden in deutschen Museen der Öffentlichkeit zugänglich seien. Sie wies auf die ärmlichen Verhältnisse hin, in welchen die Schindlers lebten, und kritisierte den Millionenerlös der Dokumente sowie den Verkauf an private Interessenten statt an Museen. [20]

Im Juli 2013 stellte Händler Gary J. Zimet die Liste erneut zum Verkauf, dieses Mal allerdings auf der Auktionsplattform eBay.[21] Die Auktion blieb erfolglos, obwohl sie von einer halben Million Menschen besucht wurde und mehr als 13.000 Beobachter hatte. Der Startpreis betrug drei Millionen US-Dollar (ca. 2,3 Millionen Euro). [22]

Museum, Krakau

Schindlers Fabrik[Bearbeiten]

Schindler hatte seine Emailwarenfabrik [23] im Oktober 1939, nach der Besetzung Polens, erworben. Nach Kriegsende kam es zu einer Verstaatlichung der Anlage, ab 1947 produzierte ein Telekommunikations-Ausrüster dort elektronische Bauteile. Im Jahr 2005 kaufte die Stadt Krakau das Gelände, das mit Unterstützung von EU-Geldern renoviert wurde und seit 2010 ein Museum ist.

Ehrungen[Bearbeiten]

Briefmarke 2008
  • „Wer nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt“ – dieser aus dem Talmud stammende Spruch ist in den Ring eingraviert, den die Juden Oskar Schindler als Geschenk übergaben. Aus echtem Zahngold gemacht, war der Ring am 8. Mai 1945 das Einzige, was sie besaßen, um Schindler zu danken.
  • 1962 durfte Schindler einen Johannisbrotbaum mit seinem Namen in der „Allee der Gerechten unter den Völkern“ von Yad Vashem pflanzen.[24] Eine vollwertige Anerkennung als Gerechter unter den Völkern erfolgte 30 Jahre später, nach dem Welterfolg des Films von Steven Spielberg. Yad Vashem ehrte sowohl Oskar als auch Emilie Schindler.
  • 1965 erhielt Oskar Schindler das Bundesverdienstkreuz I. Klasse.
  • 1967 Martin Buber Friedenspreis
  • 1968 Päpstlicher Silvesterorden
  • Die Bundesrepublik Deutschland ehrte Oskar Schindler im Jahr 2008 aus Anlass seines 100. Geburtstags mit der Herausgabe einer 145-Cent-Sonderbriefmarke.
  • In Augsburg, Frankfurt am Main, Hildesheim, Köln, Nürnberg und Sendenhorst wurden Straßen nach ihm benannt.

Medien[Bearbeiten]

Film[Bearbeiten]

Schindlers Grab mit Steinen, wie es auch im Film Schindlers Liste (1993) zu sehen ist
Schindlers Grab, Seitenansicht
Gedenktafel für Oskar Schindler (1995), Regensburg

Der amerikanische Regisseur Steven Spielberg setzte Oskar Schindler 1993 mit Schindlers Liste ein filmisches Denkmal. Der Film, der auf der 1982 erschienenen Biographie von Thomas Keneally basiert, wurde mit sieben Oscars ausgezeichnet.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oskar Schindler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. J. M. Noack: „Schindlers Liste“ – Authentizität und Fiktion in Spielbergs Film. 1998, Seite 17 f.
  2. Siehe auch: Mietek Pemper im Interview, 28. April 2007: zum Patriotismus von Oskar Schindler, und wie die gemeinsame Zusammenarbeit überhaupt möglich wurde
  3. Herbert Steinhouse, "The Real Oskar Schindler", ''Saturday Night'' Magazine, April, 1994. Writing.upenn.edu. 6. August 2004. Abgerufen am 21. Juli 2012.
  4. vgl. Mietek Pemper
  5. mehrteilige Serie über die Erlebnisse von Stane Ponikvar: Bil sem Schindlerjev vojak (dt. „Ich war Schindlers Soldat“) in den slowenischen Dolenjske novice (Beilage in Dolenjski list), 1. April 2010, S. 24.
  6. Mieczysław (Mietek) Pemper: Der rettende Weg, Schindlers Liste – die wahre Geschichte. 2. Auflage. Hoffmann und Campe, Hamburg 2005.
  7. Pascal Cziborra: KZ Gundelsdorf, Fischers Liste. Lorbeer Verlag, Bielefeld 2010.
  8. knerger.de: Das Grab von Oskar Schindler
  9. Der gerechte Goi und die Schindlerjuden. In: Der Spiegel, Ausgabe vom 14. Februar 1983
  10. Mietek Pemper war der persönliche Schreiber des KZ-Kommandanten Amon Göth und als Beobachter der Geschehnisse und durch seinen Einblick in geheime Unterlagen ein bedeutender Zeitzeuge.
  11. Johannes-Michael Noack: „Schindlers Liste“: Authentizität und Fiktion in Spielbergs Film : eine Analyse. Leipziger Universitätsverlag 1998, ISBN 3-933240-05-0, S. 33-34 (Auszug in der Google-Buchsuche)
  12. Michael Brenner: Nach dem Holocaust. C. H. Beck 1995, ISBN 3-406-39239-3, S. 165-169 (Auszug in der Google-Buchsuche)
  13. Oskar Schindler – Dokumente über Bestechungsgelder und „Geschenkkörbe“, 28. April 2008 (focus.de)
  14. Andrea Übelhack: „Ich, Oskar Schindler.“ Briefe aus einem vergessenen Koffer. 7. Mai 2001, (haGalil.com).
  15. Schindlers Koffer – Vortag der Journalisten Claudia Keller und Stefan Braun, Oktober 1999
  16. Streit um Schindlers Koffer (mietek-pemper.de)
  17. Ein Grab, ein Koffer und Listen – Oskar Schindler gedenken, 28. April 2008 (n-tv.de)
  18. Schindlers Koffer
  19. Der Schreiber des Kommandanten Göth und daher wichtige Zeitzeuge, Mieczysław Pemper, hält es für unwahrscheinlich, dass Schindler „laufende Nummer, Häftlingsnummer, Vor- und Nachname, Geburtsdatum und Berufsbezeichnung von 1000 Menschen auswendig nennen“ konnte. Deshalb stellt er die Entstehung der Schindler-Liste anders dar, als der Film sie zeigt. (Mietek Pemper, Der Rettende Weg, (siehe Literatur), S. 189 ff. und Entstehung von Schindlers Liste und Verlagerung der Fabrik nach Brünlitz)
  20. ntv.de, vom 22. März 2011
  21. ntv.de vom 20. Juli 2013
  22. globalpost.com: Copy of Schindler's list fails to find eBay buyer (29. Juli, 2013)
  23. Schindler nannte die Fabrik zur Herstellung von Email­le-Produkten „Deutsche Emailwarenfabrik (DEF)“. Die Schreibweise „Emailwarenfabrik“ [mit einem „l“] ist an mehreren Stellen belegt – z. B hier (Judentum-Projekt.de) oder hier (www.spiegel.de) sowie hier (epd) und vor allem hier (mietek-pemper.de)
  24. Ehrung zweiter Klasse