The Libertines

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Dieser Artikel behandelt die britische Rockband The Libertines. Für ihr zweites Studioalbum siehe The Libertines (Album).
The Libertines
Carl Barât
Carl Barât
Allgemeine Informationen
Genre(s) Indie-Rock, Britpop, Garagenrock, Post-Punk
Gründung 1997
Auflösung 2004
Neugründung 2010
Aktuelle Besetzung
Pete Doherty
Gesang, Lead-Gitarre
Carl Barât
John Hassall
Gary Powell
Ehemalige Mitglieder
Bass
Johnny Borrell
Schlagzeug
Paul DuFour

The Libertines (zu deutsch „Wüstlinge”, „Freigeister”, „Freidenker”) ist eine vierköpfige englische Rockband aus London.

Bandgeschichte[Bearbeiten]

The Libertines beim Leeds Festival 2010

Carl Barât schloss bereits 1997 erste Bekanntschaft mit seinem zukünftigen Bandkollegen Pete Doherty. Barât teilte sich ein Apartment mit Dohertys Schwester Amy-Jo. Sie begannen, Lieder zu schreiben und beschlossen später, eine Band zu gründen. Beide brachen ihre Studien an der University of London ab und zogen in eine gemeinsame Wohnung in der Camden Road.

Gemeinsam mit ihrem dortigen Nachbarn Steve Bedlow, gelegentlich Scarborough Steve genannt, gründeten sie The Libertines. Durch Steve lernten sie auch ihren späteren Bassisten John Hassall kennen.

Innerhalb weniger Wochen nahm die Band in den Odessa Studios drei Lieder auf. Als Schlagzeuger wirkte Paul DuFour mit, der auch noch auf einigen kleineren Konzerten mitspielte.

Als Roger Morton, ein Journalist des britischen Musikmagazins New Musical Express, The Libertines auf einem Konzert in Islington sah, bot er ihnen an sie zu managen. Obwohl sie zur selben Zeit auch ein Angebot von John Waller bekommen hatten, entschieden sie sich für Roger. Nach sechs erfolglosen Monaten trennte er sich von der Band.

Mitte März 2000 trafen The Libertines auf Banny Poostchi, eine Anwältin der Warner Music Group, die die Musiker fortan managte. Unter Bannys Anleitung entstand „Legs 11“, eine Sammlung von acht Liedern. Im Dezember desselben Jahres beschloss auch sie nach einer Reihe gescheiterter Versuche, ihnen einen Plattenvertrag zu besorgen, ihre Tätigkeit als Managerin für die Libertines einzustellen. Auch Hassall und DuFour schlossen sich ihr an und verließen die Band.

Später versuchte Banny Poostchi erneut, einen Plattenvertrag bei Rough Trade Records zu bekommen. Im Dezember 2001 unterschrieben sie den Vertrag. Die freien Positionen des Schlagzeugers und Bassisten wurden jeweils mit Gary Powell und Johnny Borrell besetzt.

Als Johnny Borrell kurz darauf ausstieg und die Band Razorlight gründete, sprang erneut John Hassall als Bassist ein. Pete Doherty und Carl Barât mieteten eine gemeinsame Wohnung in London, die später zu einem beliebten Veranstaltungsort für zahlreiche „Guerilla Gigs“ wurde.

In dieser Besetzung trat man als Vorband für The Strokes und The Vines auf.

Der Abstieg[Bearbeiten]

Zur Zeit der Aufnahmen für Up the Bracket und der entsprechenden Tour erhöhte sich Pete Dohertys Drogenabhängigkeit stark, wodurch er sich vom Rest der Band immer mehr entfernte.

Carl war verärgert von den Menschen, mit denen sich Pete umgab, und von deren Drogenkonsum. Die Spannungen vergrößerten sich, als Doherty regelmäßig „Guerilla Gigs“ ohne den Rest der Band veranstaltete, was auch die Aufnahmen für das zweite Album verkomplizierte. In dieser Zeit begann Pete Doherty seinen ersten Drogenentzug, den er jedoch sofort wieder abbrach.

An Carl Barâts Geburtstag plante Pete ein geheimes Konzert in der Absicht, die Spannungen zu glätten. Sein Bandkollege bevorzugte jedoch eine Feier in anderer Gesellschaft. Verwirrt und verärgert brach Doherty in dessen Wohnung ein und kam dafür für zwei Monate ins Gefängnis.

Nach Dohertys Haftentlassung spielten die Libertines noch am selben Tag ein Wiedervereinigungskonzert im Tap’n’Tin Pub, bei dem auch Hassall und Powell anwesend waren. Der Auftritt wurde zum NME Gig of The Year ernannt. Die Band versuchte ihre Probleme hinter sich zu lassen und spielte Mitte Dezember 2003 dreimal vor ausverkaufter Halle im London Forum. Diese Konzerte kamen auf Platz 19 der Top 100 Gigs of All Time des Q Magazine. Weiterhin gingen die Libertines im März 2004 auf eine Tour durch Großbritannien und spielten drei ausverkaufte Konzerte in der Brixton Academy.

Die Managerin Banny Poostchi wurde durch Alan McGee ersetzt, der bereits für Oasis gearbeitet hatte und später auch der Manager von Dirty Pretty Things wurde. Die Band gab weiterhin Konzerte und arbeitete an ihrem zweiten Album. 2004 gewannen sie den NME Award for Best Band, obwohl in diesem Jahr Don’t Look Back into the Sun ihre einzige offizielle Veröffentlichung gewesen war.

Das Ende[Bearbeiten]

Aufgrund der schlechten Beziehung zwischen Pete Doherty und dem Produzenten Bernard Butler wurde für diese Aufgabe wieder Mick Jones engagiert, der allerdings auch seine Probleme mit Doherty hatte. Am 14. Mai begann dieser einen zweiten Anlauf, seine Drogensucht zu bekämpfen, gab jedoch drei Wochen später entnervt auf.

In der Zwischenzeit hatte Carl Barât bereits einen wöchentlichen Abend im Infinity Club in West End arrangiert. Am Abend nach seinem Ausriss aus der Entzugsklinik tauchte Pete ebendort auf und verkündete seinen Bandkollegen, er wolle in einem buddhistischen Kloster in Thailand versuchen, clean zu werden. In dieser Nacht hatten die Libertines ihren letzten Auftritt in Anwesenheit aller Mitglieder.

Dohertys Entzug blieb zum wiederholten Male ohne Erfolg. Die verbleibende Besetzung der Libertines gab noch einige Konzerte, um das Album zu vermarkten, und vor allem, um die Enttäuschung der Fans zu lindern. Nach weiteren Drogeneskapaden weigerte sich die Band, mit Pete auf die Bühne zu gehen, bis er seiner Abhängigkeit endgültig absage.

Die Libertines gaben ihr letztes Konzert in Paris am 17. Dezember 2004, immer noch ohne Pete. Barât beschloss die Band ruhen zu lassen. Eine offizielle Auflösung gab es nie.

Nach den Libertines[Bearbeiten]

Pete Doherty[Bearbeiten]

Doherty widmete sich der von ihm gegründeten Band Babyshambles. Ihr Debütalbum Down in Albion beinhaltet drei Top-10-Singles und wurde von Mick Jones produziert.

Siehe auch: Pete Doherty und Babyshambles

Carl Barât[Bearbeiten]

Carl Barât gründete Dirty Pretty Things, wobei ihn Gary Powell als Schlagzeuger unterstützt. Die Band veröffentlichte die Single Bang Bang You’re Dead Ende April 2006, ihr erstes Album Waterloo to Anywhere im Mai 2006 und tourte davor ausgiebig. Nach dem Release des zweiten Albums Romance at Short Notice löste sich die Band aber ohne Nennung konkreter Gründe im Herbst 2008 auf.

John Hassall[Bearbeiten]

Hassall schloss sich der Band Yeti an. Ihre erste Single Never Lose Your Sense of Wonder kam im März 2006 in die Läden und erreichte Platz 36 in den britischen Charts.

Gary Powell[Bearbeiten]

Powell war Mitglied der Dirty Pretty Things.

Reunion[Bearbeiten]

Nachdem es immer wieder Spekulationen um eine baldige Rückkehr der Band auf die Bühnen gab, nicht zuletzt durch einige, oftmals spontane gemeinsame Auftritte Dohertys und Barâts, erklärten The Libertines Ende März 2010 auf einer Pressekonferenz, zumindest für zwei Auftritte bei den Festivals in Reading und Leeds im Sommer 2010 wieder aufzutreten. Für dieses Unternehmen kassierten The Libertines 1,2 Millionen Pfund (1,67 Millionen Euro).[1] Ob und wann die Reunion fortgesetzt wird sei laut Carl Barât noch unklar,[2] jedoch bestätigten sie vier Jahre später eine offizielle Live-Reunion am 5. Juli 2014 im Londoner Hyde Park. Durch den enthusiastischen Ansturm der Fans kam es allerdings zu Sicherheitsproblemen, Panik und zeitweise musikalischen Aussetzern, da man die Massen an Zuschauern kaum unter Kontrolle halten konnte.[3][4]

Diskografie[Bearbeiten]

Alben[Bearbeiten]

Veröffentlichungsdatum Titel
Oktober 2002 Up the Bracket
August 2004 The Libertines
November 2007 The Best Of: A Time for Heroes

Singles[Bearbeiten]

Veröffentlichungsdatum Titel
Juni 2002 What a Waster
September 2002 Up the Bracket
Januar 2003 Time for Heroes
August 2003 Don’t Look Back into the Sun
September 2003 I Get Along
August 2004 Can’t Stand Me Now
Oktober 2004 What Became of the Likely Lads

Musikalischer Stil[Bearbeiten]

Die Libertines spielten einen recht eigenwilligen Garagenrock. Stilistisch pendelt er stets zwischen hymnischem Britpop und ungestümem 1970er-Jahre-Punk.

Als einer der wesentlichsten Einflüsse der Libertines lässt sich wohl The Clash verzeichnen. Der ehemalige Clash-Gitarrist Mick Jones produzierte bereits das Debüt "Up the Bracket" sowie später das zweite, namenlose Album der Libertines und hat selbst schon einmal mit den Libertines live auf einem ihrer Konzerte gespielt.

Außer The Clash hatten auch The Beatles, The Cure, The Jam, The Who, The Smiths und Blur Einfluss auf die Musik der Libertines. Laut Leadgitarrist und Sänger Carl Barât befinden sich unter seinen Vorbildern auch The Velvet Underground. Razorlight hingegen, die Band einer ihrer ehemaligen Bassisten, Johnny Borrell, wurden ihrerseits von den Libertines beeinflusst.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 2003 MTV Europe Music Awards "Bester britischer Act" und NME-Awards "Best New Band"
  • 2004 NME-Awards "Best UK-Band"
  • 2005 NME-Awards "Best british Band"

Textliche Motive[Bearbeiten]

Am „Love-Music-Hate-Racism”-Festival nahmen die Libertines teil, zeitkritisch sind sie in „Hooray for the 21st Century”, in dem sie singen: „What became of the working class? Nike, Reebok, Adidas, scratch cards, pimples, ecstasy – Hooray for the 21st Century”. Eine bemerkenswerte Zeile aus „Time for Heroes“ spricht sich mit „there are fewer more distressing sights than that of an Englishman in a baseballcap“ gegen die Amerikanisierung aus. Ein Thema, das alleine aus dem Gesichtspunkt der Musikgeschichte betrachtet zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine große Rolle spielte. In ihrem Song „Arbeit macht frei” setzen sie sich außerdem kritisch mit dem Rassismus in Großbritannien („She cleaned the steps of a mean street where no policeman walked the beat, Her old man, He don’t like blacks or queers, Yet he’s proud we beat the Nazis…, How queer“) auseinander und hoffen, wissentlich der häufigen Unkenntnis bezüglich des Titels in Großbritannien, wenigstens das Bewusstsein der Musikliebhaber zu stärken. Ansonsten empfehlen sie auch gerne, die British National Party, eine extrem rechtsgerichtete, britische Partei, nicht zu wählen.

Die Libertines werden von der Presse und den Medien gerne als chaotische Punkband bezeichnet. Schon bevor sie ihre erste Single veröffentlichten, wurden sie von der Presse hochgelobt und als britische Antwort auf die amerikanische Band „The Strokes” gefeiert.

Im Gegensatz zu The Strokes, die ihre Einflüsse von The Velvet Underground bis zu den Voidoids zu stilsicheren Popnummern verarbeiten, hört man bei den Libertines mehr Tiefe und auch einiges an Ironie. Mit ihrem Song „The Boy Looked at Johnny” spielen sie auf das gleichnamige Buch von Julie Burchill und Tony Parsons (Boy Looked at Johnny) an, das oft als Manifest des Punks bezeichnet wird und versuchen, die alte Fehde zwischen New Yorker und Londoner Künstlern wieder anzufachen, indem sie singen „Yes, New York City’s very pretty in the night time, but don’t you miss Soho”.

Zitat: „Johnny Rotten ist ein moderner Mythos. Wie Elvis. Ich finde es gut, wenn sich so ein Mythos von Zeit zu Zeit selbst demontiert.”

Zitat: „Der König ist tot, es leben die Libertines! Punk ist die Verweigerung jeglicher Verhältnismäßigkeit, deshalb sind die Libertines eine große Punkband. Sie zertrümmern die Heiligtümer des Rock’n’Roll, um aus den Trümmern neue Kathedralen zu errichten. Die Sex Pistols haben es auch so gemacht. Und weil sie inzwischen selbst als Heiligtümer gelten, müssen sich die Sex Pistols von Zeit zu Zeit eben selbst zertrümmern.”[5]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Millionengage: The Libertines feiern Reunion. In: laut.de. 29. März 2010.
  2. http://www.music-news.com/shownews.asp?H=The-Libertines-reunion-to-continue-says-Carl&nItemID=37750
  3. http://www.musikexpress.de/news/meldungen/article580415/vor-live-reunion-im-londoner-hyde-park-the-libertines-kuendigen-fuer-29-juni-warm-up-gig-in-glasgow-an.html
  4. http://www.musikexpress.de/news/meldungen/article602593/sicherheitsprobleme-und-panik-bei-the-libertines-im-hyde-park.html
  5. Peter Doherty, Berliner Zeitung vom 9. November 2002, Seite 16 – übersetzt aus dem Englischen von Christian Buss.