The Sunchaser

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Filmdaten
Deutscher Titel The Sunchaser
Originaltitel Sunchaser
Produktionsland Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1996
Länge 127 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Michael Cimino
Drehbuch Charles Leavitt
Produktion Arnon Milchan,
Michael Cimino,
Larry Spiegel
Musik Maurice Jarre
Kamera Doug Milestone
Schnitt Joe D’Augustine
Besetzung

The Sunchaser (Alternativtitel: Sunchaser – Die Suche nach dem Heiligen Berg) ist der bislang letzte Film von Regisseur Michael Cimino, entstanden 1996.

Zuordnen müsste man ihn dem Genre Roadmovie, Melodram oder Buddy-Movie. Das Drehbuch stammt von Charles Leavitt. Woody Harrelson und Jon Seda sind in den Hauptrollen zu sehen, und Oscar-Preisträgerin Anne Bancroft in einem kleineren Part. Der Film wurde von der Kritik nicht freundlich aufgenommen.

Handlung[Bearbeiten]

Das Los Angeles der Gegenwart: Der erfolgreiche Onkologe Michael Reynolds, ein Overachiever, der flott mit seinem 176.000 Dollar teuren Porsche 911 Turbo zur Arbeit kommt (diegetische Musik an dieser Stelle: „What a Difference a Day Makes“, Esther Phillips) untersucht an einem 16-jährigen Schwerstkriminellen Brandon ‚Blue‘ Monroe einen Tumor. Monroe sitzt wegen Mordes an seinem Stiefvater und für einen bewaffneten Raubüberfall. Es besteht keine Aussicht auf Besserung, im Gegenteil zeigt das CT ein peritoneales Sarkom im Endstadium. Er hat durch die Chemotherapie eine Glatze, und raucht noch demonstrativ vor den Augen der Ärzte. Reynolds ist von Monroes ordinärer Art geschockt und weiß nicht recht, wie mit dem antisozialen Jungen umzugehen ist. Unversehens wird er dann trotz Wachmännern und Sicherheitsvorkehrungen in seinem eigenen Krankenhaus als Geisel genommen, dank einer eingeschmuggelten Schusswaffe. Der Ausbruch war von langer Hand vorbereitet.

Monroe, der nur noch Wochen zu leben hat, zerrt den verängstigten Arzt auf die Straße und tauscht bei einem Gangmitglied den Sportwagen gegen ein in aller Eile umlackiertes Auto, das sich als fahrtüchtig herausstellt. Monroe scheint einen bestimmten Plan zu verfolgen und geht zielstrebig und schnell vor. Mit vorgehaltener Waffe zwingt er Dr. Reynolds, aus L.A. hinauszurasen.

Zu Beginn sah man Monroe mit seinem mystischen Lieblingsbuch „The Man Who Travels“ im Gefangenentransport – mehr ein Groschenheft. Er ist von väterlicher Seite Halb-Navajo, und kennt Geschichten über einen heilenden Heiligen Berg seiner Ahnen in Arizona, den er um jeden Preis lebend erreichen muss. So lernte er es aus dieser Erzählung. Der unter normalen Umständen eher oberflächliche und egozentrische Dr. Reynolds hält von Naturreligionen und Esoterik nicht viel. Zuerst müssen sie den Medizinmann Skyhorse im Reservat finden, den Monroe von früher kennt, und der über den Ritus Bescheid weiß.

Streifenwagen sind hinter ihnen her, und Monroe lässt Reynolds Vollgas geben. Es folgen Zwischenstationen: eine brisante Konfrontation mit einer Biker-Gang, eine leicht surreale mit einer älteren, spirituell empfänglichen Hippie-Dame, die in der Einöde lebt und eine Begegnung mit gospelsingenden Kirchgängern. Zu allem Übel wird Reynolds in der Wüste von einer Klapperschlange gebissen, noch bevor sie Flagstaff erreichen. Monroe gelingt es, das Schlangengift mit einem Stromschlag aus der Autobatterie zu neutralisieren. Von nun an verschlechtert sich Monroes Gesundheitszustand rapide; gleichzeitig normalisiert sich die Stimmung zwischen den ungleichen Männern etwas. Ein Gebet aus „The Man Who Travels“ muss Monroe immer öfter Trost spenden. Trotz der Aussichtslosigkeit des ganzen Unterfangens und obwohl mit Polizei zu rechnen ist, rückt der Junge nicht von seinem Plan und seinem obskuren Glauben ab. Dann treffen sie Skyhorse Enkeltochter und schließlich ihn selbst, der sie anleitet.

Monroe würde Reynolds nun tatsächlich freilassen, in der Nähe von Shiprock braucht er andererseits dringend Antibiotika, und Reynolds bricht für ihn in ein Krankenhaus ein. Infolgedessen entschließt sich Reynolds, bei ihm zu bleiben. Von dort besteigen sie den Heiligen Berg.

Ein Polizeihubschrauber holt die Flüchtigen ein. Aus Monroes Gesicht ist buchstäblich alle Farbe gewichen, er schwitzt und zittert am ganzen Leib. Aus dem Kidnapping ist eine Sterbebegleitung geworden. Dr. Reynolds Weltbild und Selbstbild hat sich aber zum Besseren gewendet. Die Erlebnisse brachten ihn dazu, sich der letzten Tage seines Bruders zu erinnern, der ähnlich starb. Am Ende der langen Hetzjagd und dem Erklimmen der Bergkette, Reynolds muss ihn quasi tragen, erreichen sie den Heiligen Berg und den Zaubersee auf seinem Gipfel. Mit einem frohen „Möge Vollendung vor mir sein. Möge Vollendung hinter mir sein. Möge Vollendung über mir sein. Möge Vollendung unter mir sein. Möge Vollendung überall um mich herum sein.“ (Original: beauty, Schönheit) entschwindet Monroe über das Wasser, im Lärm und Abwind des Hubschraubers. Er wird eins mit der Landschaft.

Kritiken[Bearbeiten]

„Eine bemühte Roadmovie-Version, die das mythische, präkolumbianische Amerika feiert. Als Auseinandersetzung mit Rationalität und Spiritualität kaum überzeugend, ärgerlich durch das verschwommene Amerika-Bild. - Ab 16 möglich.“

Lexikon des internationalen Films[1]

„[…] platte Sentimentalität, die noch mehr mainstream ist als der Mainstream selbst.“

Andreas Kilb: Kitsch ist auch nur ein Wort in Die Zeit 22/1996[2]

“[…] an overwrought hodgepodge of action, mysticism and dime-store psychology […] You can't blame the actors for the mess in which they find themselves.”

„[…] ein aufgeregter Krimskrams aus Action, Mystizismus und Kaufhaus-Psychologie […] Nicht die Schuld der Schauspieler, in was für einem Durcheinander sie hier gelandet sind.“

Stephen Holden: On the Bumpy Road to Magic Healing in The New York Times, 25. Oktober 1996

Nur als Beispiel für die Implausibilitäten zweifelt Todd McCarthy in Variety, 20. Mai 1996 daran, dass man es durch zwei große Bundesstaaten mit solcher Fahndung im Schlepptau wirklich schaffen könnte. Die Inszenierung sei hinreichend kraftvoll, die Figur Reynolds „nervt“ gegen Ende aufgrund mangelnder Charakterentwicklung und Tiefe, die Kameraführung von Doug Milestone sei in Ordnung, und auch der Schnitt gelungen, die musikalische Untermalung von Maurice Jarre könnte hingegen dezenter sein.[3]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Nach Angaben der IMDb wurde in Jerome (Arizona), Moab (Utah) und Ouray (Colorado) gedreht.[4] Hollywood.com berichtet noch von Los Angeles (Kalifornien), der Mojave-Wüste (Kalifornien), Cottonwood (Arizona) und dem Canyonlands-Nationalpark (Utah).[5]
  • In den USA lief der Film am 27. September 1996 an.[6] Der Film lief in den Vereinigten Staaten nur eine Woche lang in maximal 23 Kinos.[7] Tag der Videopremiere in der Bundesrepublik Deutschland war der 23. Mai 1997.[1]
  • Für die Navajo (Diné) gibt es tatsächlich Heilige Berge; siehe dort. Bei dem Gebet Monroes handelt es sich um eine Variation aus dem „Night Chant“ der Diné.[8][9]

Nominierungen[Bearbeiten]

The Sunchaser war 1996 im Wettbewerb um die Goldene Palme von Cannes, der Preis ging jedoch an Lügen und Geheimnisse von Mike Leigh.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Katholisches Institut für Medieninformation (KIM) und Katholische Filmkommission für Deutschland (Hrsg.): Lexikon des internationalen Films. Kino, Fernsehen, Video, DVD.. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-86150-455-3, S. 3127.
  2. Andreas Kilb: Kitsch ist auch nur ein Wort. In: Die Zeit 22/1996. Abgerufen am 2. März 2008.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTodd McCarthy: The Sunchaser. In: Variety. 20. Mai 1996, abgerufen am 1. März 2008 (englisch).
  4. Drehorte für The Sunchaser (1996). In: IMDb. Abgerufen am 1. März 2008.
  5. Sunchaser (1996). In: Hollywood.com. Abgerufen am 1. März 2008 (englisch).
  6. Premierendaten für The Sunchaser (1996). In: IMDb. Abgerufen am 1. März 2008.
  7. The Sunchaser. In: Box Office Mojo. Abgerufen am 2. März 2008 (englisch).
  8.  Washington Matthews: The Night Chant, a Navaho ceremony. Memoirs of the AMNH ; v. 6. The Knickerbocker Press, New York 1902, S. 76 (englisch).
  9. vgl. Kilpatrick: S. 161.