Thomsonit

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Thomsonit
Thomsonite-280211.jpg
Radialstrahliger Thomsonit, durch Elemente aus der Matrix oberflächlich bräunlich gefärbt, aus Goble Creek, Columbia County (Oregon), USA
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen

Comptonit

Chemische Formel Na(Ca,Sr)2[Al5Si5O20]·6-7H2O
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Gerüstsilikate
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
9.GA.10 (8. Auflage: VIII/J.21)
77.01.05.09 und 77.01.05.10
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-dipyramidal; 2/m 2/m 2/m
Raumgruppe (Nr.) Pncn[1] (Nr. 52)
Gitterparameter a = 13,10 Åb = 13,06 Å; c = 13,25 Å[1]
Formeleinheiten Z = 4[1]
Zwillingsbildung gelegentlich kreuzförmig nach {110}[2]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5 bis 5,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,23 bis 2,39; berechnet: 2,366[3]
Spaltbarkeit vollkommen nach {010}; gut nach {100}[3]
Bruch; Tenazität uneben bis schwach muschelig; spröde
Farbe farblos, weiß, gelblich, grünlich, rosa, braun
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz, Perlglanz auf Spaltflächen

Thomsonit ist die Bezeichnung eines nicht näher bestimmten Mischkristalls mit den als eigenständige Minerale anerkannten Endgliedern Thomsonit-Ca und Thomsonit-Sr aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Beide Thomsonite kristallisieren im orthorhombischen Kristallsystem mit den idealisierten Zusammensetzungen

  • Thomsonit-Ca: NaCa2[Al5Si5O20]·6H2O[4]
  • Thomsonit-Sr: NaSr2[Al5Si5O20]·6-7H2O[4]

Thomsonit als Mischkristall kann auch mit der allgemeinen Formel Na(Ca,Sr)2[Al5Si5O20]·6-7H2O beschrieben werden, wobei die in den runden Klammern angegebenen Elemente Calcium und Strontium sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten können (Substitution, Diadochie), jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals stehen. Strukturell gehört Thomsonit innerhalb der Gerüstsilikate zur Gruppe der Zeolithe.

In reiner Form ist Thomsonit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine gelbliche, grünliche, rosa oder braune Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt. Auf der Strichtafel hinterlässt Thomsonit allerdings immer einen weißen Strich.

Thomsonit entwickelt nadelige, prismatische oder tafelige Kristalle mit glasähnlichem Glanz auf den Oberflächen, die meist in büscheligen, radialstrahligen bis kugeligen bzw. traubigen Aggregaten von bis zu 12 Zentimetern Größe[3] angeordnet sind.


Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Thomsonit nahe Old Kilpatrick im schottischen Verwaltungsbezirk West Dunbartonshire und beschrieben 1820 durch Henry James Brooke (1771–1857), der das Mineral nach dem schottischen Chemiker Thomas Thomson benannte.[5]

1821 beschrieb David Brewster eine vermeintlich neue Zeolithart als Comptonit nach Lord Compton, der die Proben vom Vesuv mitbrachte. Rammelsberg stellte allerdings bei späteren Analysen fest, dass das Mineral mit Thomsonit identisch war.[6]

2001 beschrieben I. V. Pekov, E. V. Lovskaya, A. G. Turchkova, N. V. Chukanov, A. E. Zadov, R. K. Rastsvetaeva und N. N. Kononkova mit Thomsonit-Sr (IMA 2000–025) das strontiumreiche Endglied der Mischreihe aus der Typlokalität Raswumtschorr in den Chibinen auf der russischen Halbinsel Kola.[7]

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörten Thomsonit-(Ca) und Thomsonit-(Sr) zur allgemeinen Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate), mit Zeolithen“, wo sie zusammen mit Gonnardit, Mesolith, Natrolith, Paranatrolith und Skolezit innerhalb der Zeolithgruppe die Untergruppe der „Faserzeolithe I“ mit der System-Nr. VIII/J.21 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet Thomsonit-(Ca) und Thomsonit-(Sr) in die präziser definierte Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zeolithischem H2O; Familie der Zeolithe“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach der Kristallstruktur, so dass die Thomsonite entsprechend ihrem Aufbau in der Unterabteilung der „Zeolithe mit Vierer-Ring Ketten über ein fünftes Si verbunden“ zu finden ist, wo sie die unbenannte Gruppe 9.GA.10 bilden.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet die Thomsonite in die Abteilung der „Gerüstsilikate: Zeolith-Gruppe“ ein. Hier sind sie zusammen mit Natrolith, Tetranatrolith, Paranatrolith, Mesolith, Skolezit, Edingtonit, Gonnardit, Cowlesit und Nabesit in der „Natrolith und verwandte Arten“ mit der System-Nr. 77.01.05 innerhalb der Unterabteilung „Echte Zeolithe“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Als Faröelith (englisch auch Faröelite bzw. Faroelite) wird eine radialfaserige, kugelige Thomsonit-Varietät von den Färöer-Inseln benannt.[2][8]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Kugeliges Thomsonit-Aggregat aus Aurangabad, Maharashtra, Indien (8,3 x 6,6 x 5,6 cm)
Calcit-Druse mit weißen Thomsonitkugeln, von denen einige mit faserigen Thomsonitkristallen überwachsen sind, aus Goble, Columbia County (Oregon), USA (Größe: 30 x 25 x 18 mm)
Teilweise mit lachsfarbenen Thomsonit-Ca-Kristallen aufgefüllte Geode aus St. Ulrich in Gröden (ital. Ortisei), Südtirol (Größe: 8,0 x 6,0 x 4,2 cm)

Die Minerale der Thomsonit-Gruppe bilden sich in Basalten und gelegentlich in granitischen Pegmatiten, wo sich meist in Paragenese mit anderen Zeolithen, aber auch mit Calcit, Datolith, Prehnit und/oder Quarz.[3] Als eher seltene Mineralbildung kann Thomsonit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Als bekannt gelten bisher (Stand: 2013) rund 700 Fundorte.[9]

Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Thomsonitfunde sind unter anderem die Typlokalität Old Kilpatrick in Schottland und West Paterson im US-Bundesstaat New Jersey, wo radialstrahlige Aggregate von bis zu 5 Zentimetern gefunden wurden. Ebenfalls radialstrahlige Aggregate von mehreren Zentimetern Durchmesser fanden sich nahe Vinařice u Kladna (Vinařická hora) im tschechischen Okres Kladno[10] und im Gebiet um Aurangabad (Maharashtra) in Westindien.

Größere Einschlüsse von massivem Thomsonite mit auffallend farbige Maserungen sind von den Oberer Seen bekannt. Die typische Größe von Thomsoniteinschlüssen liegt bei weniger als einem halben Zentimeter. Es ist schwierig, sie unbeschädigt aus ihrer Matrix herauszulösen.

Weitere Fundstellen befinden sich unter anderem in Australien, Costa Rica, Dänemark (Faröerlith), Deutschland, Frankreich, Island, Italien, Japan, Kanada, Neuseeland, Norwegen, Österreich, Portugal, Russland, Schweden, der Schweiz, Spanien, Südafrika, der Ukraine, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und in weiteren Staaten der USA.[11]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Thomsonit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pncn (Raumgruppen-Nr. 52) mit den Gitterparametern a = 13,10 Å; b = 13,06 Å und c = 13,25 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Thomsonite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 702.
  2. a b  Friedrich Klockmann, Paul Ramdohr, Hugo Strunz (Hrsg.): Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978 (Erstausgabe: 1891), ISBN 3-432-82986-8, S. 791.
  3. a b c d Thomsonite, in: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 79,3 kB)
  4. a b IMA/CNMNC List of Mineral Names (November 2012; PDF 8,6 MB; Anmerkung: Formeldarstellung: Kristallchemische Strukturformel nach Strunz)
  5. H. J. Brooke: On mesotype, needlestone, and thomsonite, in: Annals of Philosophy, Band 16 (1820), S. 193-194 (PDF 154 kB)
  6.  Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 331.
  7. I. V. Pekov, E. V. Lovskaya, A. G. Turchkova, N. V. Chukanov, A. E. Zadov, R. K. Rastsvetaeva, N. N. Kononkova: Thomsonite-Sr (Sr,Ca)2Na[Al5Si5O20]·6-7H2O, a new zeolite mineral from the Khibina massif (Kola Peninsula) and the thomsonite-Ca–thomsonite-Sr isomorphous series, in: Zapiski Vserossiyskogo Mineralogicheskogo Obshchestva, Band 130(4), S. 46-55 (PDF 35,7 kB)
  8. Mindat - Faröelite
  9. Mindat - Thomsonite (Subgroup)
  10.  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 273 (Dörfler Natur).
  11. Mindat - Fundorte für Thomsonite

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