St. Ulrich in Gröden

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St. Ulrich in Gröden
(lad.: Urtijëi, ital.: Ortisei)
Wappen von St. Ulrich in Gröden
St. Ulrich in Gröden (Südtirol)
St. Ulrich in Gröden
St. Ulrich in Gröden
Lage von St. Ulrich in Gröden in Südtirol
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Bozen (Südtirol)
Bezirksgemeinschaft: Salten-Schlern
Einwohner:
(VZ 2011/31.12.2012)
4.659/4.672
Sprachgruppen:
(laut Volkszählung 2011)
9,30 % deutsch
6,51 % italienisch
84,19 % ladinisch
Koordinaten 46° 34′ N, 11° 40′ O46.57444444444411.6716666666671236Koordinaten: 46° 34′ N, 11° 40′ O
Meereshöhe: 1125–2518 m s.l.m. (Zentrum: 1236 m s.l.m.)
Fläche: 24,25 km²
Dauersiedlungsraum: 2,8 km²
Nachbargemeinden: Kastelruth, Lajen, St. Christina in Gröden, Villnöß
Postleitzahl: 39046
Vorwahl: 0471
ISTAT-Nummer: 021061
Steuernummer: 00232480210
Politik
Bürgermeister (2010): Ewald Moroder (SVP)
St. Ulrich von der Seceda aus gesehen (Richtung Westen)

St. Ulrich in Gröden (ladinisch Urtijëi?/i, italienisch Ortisei) ist eine Marktgemeinde und der Hauptort von Gröden in Südtirol (Italien) mit 4672 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012).

St. Ulrich in Gröden gehört zusammen mit St. Christina und Wolkenstein zu den drei Grödner Gemeinden, in denen neben Deutsch und Italienisch auch Ladinisch Amtssprache ist. Die große Mehrheit der Bewohner St. Ulrichs erklärte sich bei der Volkszählung 2011 als der ladinischen Sprachgruppe zugehörig.

Geografie[Bearbeiten]

St. Ulrich liegt ungefähr in der Mitte des in Ost-West-Richtung verlaufenden Grödner Tals (Gherdëina). Das Gemeindegebiet ist 24,25km² groß, umfasst jedoch nur die orographisch rechte (nördliche) Talseite mit dem Ortskern (1170–1350 m s.l.m.) und den dahinter aufragenden Höhen. Die linke (südliche) Talseite jenseits des Grödner Bachs (Derjon) hingegen, mit den Ortschaften Pufels (Bula), Runggaditsch (Runcadic) und Überwasser (Sureghes), gehört – obwohl ladinischsprachig und wirtschaftlich wie kulturell deutlich nach Gröden hin orientiert – zur Gemeinde Kastelruth (Ciastel). Gleiches gilt für die sich südlich hinter den Ortschaften erhebende Seiser Alm (Mont Sëuc) und Puflatsch (Bulacia).

Der Fussel de Grialëces – ein die Innerraschötzer Alm entwässernder Bach

Nördlich und nordöstlich über dem Talgrund von St. Ulrich liegen westliche Ausläufer der zu den Dolomiten zählenden Geislergruppe. Im Nordosten erreicht die Gemeinde an der Seceda (2519 m, Secëda) ihren höchsten Punkt. Südlich der Seceda schiebt sich der Pitschberg (2363 m, Pic) ins Grödner Tal vor. Westlich der Seceda beginnt der Raschötzer Höhenrücken, der zu einem großen Teil im Naturpark Puez-Geisler unter Schutz gestellt ist. Dieser trägt auf seinen höchsten Erhebungen die Almen von Innerraschötz und Außerraschötz.

Im Westen grenzt St. Ulrich an die Eisacktaler Gemeinde Lajen, im Norden an Villnöß, im Osten an das höher im Tal gelegene St. Christina.

Name[Bearbeiten]

Der „ladinische“ (grödnerische) Name Urtijëi sowie die italienische Entsprechung „Ortisei“ gehen auf einen Meierhof im Siedlungszentrum namens Ortiseyt zurück, der seit dem 13. Jahrhundert urkundlich belegt ist. Der Hof erscheint in späteren Urkunden unter dem Namen „Mauriz“ und ist heute eines der ältesten Hotels im Tal. Die deutsche Bezeichnung St. Ulrich geht hingegen auf die katholische Pfarrei des Ortes zurück, die dem Hl. Ulrich, dem Schutzpatron des Ortes, aber auch der Erscheinung des Herrn, geweiht ist. Im Ulrichspatrozinium – ein typischer Besitzanzeiger – ist auch eine Reminiszenz an die mittelalterlichen Besitzungen der bischöflichen Kirche Augsburg im Eisacktaler und Grödner Gebiet enthalten.

Geschichte[Bearbeiten]

St. Ulrich in Gröden um 1856 in einer Lithografie des Johann Burgauner, nachkoloriert von Josef Moroder Lusenberg

Seit dem 17. Jahrhundert ist in St. Ulrich ein Großteil der Bevölkerung im Bereich der Holzschnitzerei, der sakralen Bildhauerei, des Altarbaus und der Holzspielzeugindustrie tätig. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde St. Ulrich zuerst von Bergsteigern wie Paul Grohmann entdeckt. Dem Wintertourismus gab Emil Terschak, der von 1893 bis 1900 im Ort wohnte, entscheidende Impulse.

Bekannt ist das Grödner Kunsthandwerk, insbesondere die Holzschnitzerei. St. Ulrich galt über zwei Jahrhunderte als internationales Zentrum für Holzschnitzereien. An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert erreichte die sakrale Holzschnitzkunst an der von Ferdinand Demetz gegründeten Kunstschule in St. Ulrich und auch wegen der Ausbildung mehrerer Grödner an den Akademien in Wien und München ihren künstlerischen und wirtschaftlichen Höhepunkt. Durch das Zweite Vatikanische Konzil erfuhr die sakrale Bildhauerei in St. Ulrich einen schweren Rückschlag. Nur noch zumeist maschinell geschnitzte Kleinplastiken fanden seit den 1960er Jahren Absatz, hauptsächlich in den deutschsprachigen Ländern und in den USA.

Bis 1960 war der Ort durch die Grödnerbahn mit Klausen verbunden. Die Grödnerbahn wurde hauptsächlich von russischen Kriegsgefangenen gebaut, die im Ersten Weltkrieg als Zwangsarbeiter eingesetzt wurden.

1970 war St. Ulrich Austragungsort der alpinen Ski-Weltmeisterschaften.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Ortszentrum mit zentralem Platz
St. Ulrich bei Nacht

Holzschnitzerei[Bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten]

Hauptwirtschaftszweig ist seit einigen Jahrzehnten der Tourismus. St. Ulrich zählt zu den bekanntesten Wintersportorten der Alpen.

Der Fremdenverkehr begann in St. Ulrich um 1850.[1][2]

1873 beschrieb Amalia Edwards ihren Aufenthalt im Dörflein St. Ulrich.[3]

1885 wurde der Verschönerungsverein St. Ulrich gegründet. Im gleichen Jahr erfolgte die Gründung der Sektion Gröden des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins mit Sitz im Hotel Adler. Diese veranlasste den Bau der Raschötzhütte, die 1903 vollendet wurde.

1896 wurde der erste Rodelklub von Emil Terschak im Hotel Post gegründet und auch der Skisport wurde durch Emil Terschak und den Gadertaler Kostner in jenen Jahren eingeführt. Um die Jahrhundertwende gab es bereits einen Curling Club und 1907 wurde der erste Eisplatz geschaffen. 1927 wurde der erste Eishockeyclub gegründet und im selben Jahr ein neuer Eisplatz erstellt.

1935 wurde, in Anwesenheit des italienischen Kronprinzen Umberto di Savoia mit Familie, die erste Seilbahn in Gröden von St. Ulrich auf die Seiser Alm feierlich eingeweiht. Im selben Jahr wurde auch die erste Skischule in St. Ulrich gegründet, schon im Sommer standen vier Bergführer in St. Ulrich zur Verfügung.

Um 1950 wurde die Skipiste „Standard“ von der Seiser Alm bis ins Dorf eröffnet. Im gleichen Jahr entstanden auch drei öffentliche Tennisplätze, an denen ab 1952 jährlich internationale Tennisturniere ausgetragen wurden.

1952 wurde die Raschötzer Bahn, ein Sessellift auf die Raschötz, gebaut. 1953 wurde der Verein der Bergführer und Bergretter Catores ins Leben gerufen. 1956 wurde das erste öffentliche Freibad gebaut. Auch das 1957 erschienene Buch Gröden im Herzen der Dolomiten von Luis Trenker trug dazu bei, die Anzahl von Anreisen deutscher Touristen zu erhöhen.

1961 wurde die Secedaalm durch eine Doppelseilbahn von St. Ulrich aus erschlossen.

1967 entstand ein Kunsteisplatz, dieser wurde 1980 für die Eishockey-Weltmeisterschaft 1981 der B-Gruppe überdacht, die in St. Ulrich ausgetragen wurde.

Für die Alpine Skiweltmeisterschaft 1970 wurden im Dorfzentrum ein Kongresshaus, geplant von Architekt Hubert Prachensky, und ein neues Gemeindehaus gebaut. 1975 wurde das Finale des Alpinen Skiweltcups mit einem Parallelslalom von Ingemar Stenmark und Gustav Thöni auf dem Ronc Hügel ausgetragen.

1976 entstand ein öffentliches Hallenbad mit Wellness-Anlagen Mar-Dolomit. 1981 wurde die Langlaufloipe Minert geschaffen. 2001 entstand die Verbindung „La Curta“, teils unterirdisch und zum Teil mit Rolltreppen, zwischen dem Dorfkern und der Aufstiegsanlage Seceda.

2004 wurde St. Ulrich durch den Bau einer unterirdischen Standseilbahn (Gardena Ronda Express) an die Skigebiete der Sellaronda direkt angebunden; vorher ging dies über Busverbindungen.

Eine 2005 errichtete neue Fußgängerbrücke, welche die Talstraße und den Grödner Bach überspannt, ermöglicht eine rasche Verbindung vom Dorfkern zur neuen Umlaufbahn auf die Seiser Alm.

2008 wurde die Fußgängerzone im Zentrum erneuert und für durchfahrenden Autoverkehr ganz abgesperrt. Zugleich wurden Spazierwege in das Annatal und auf den Hügel Col de Flam ausgebaut.

Am 21. Mai 2005 war St. Ulrich, wiederum nach 1940, Endziel einer Etappe des Radrennens Giro d'Italia.

Blick auf St. Ulrich vom Seurasass, einem Vorgipfel des Pitschbergs
Jahr Gäste Übernachtungen Gastbetriebe Bettenzahl
1890 1130 146
1908 700
1934 220 2113 50 % ca. in Privathäusern
1960 280.414 455 3487
1984 599.272 495 6127
2000 635.845
2009 843.463 5721

Verkehr[Bearbeiten]

Verkehrstechnisch ist St. Ulrich vom westlichen Eisacktal her ganzjährig über die Grödner Straße erschlossen, die weiter Richtung Osten zu den höher gelegenen Grödner Nachbargemeinden St. Christina (Santa Cristina) und Wolkenstein (Sëlva) führt. Daneben bestehen auch direkte Straßenverbindungen mit Kastelruth über den Panider Sattel (Pinëi) und mit Lajen.

Schulen[Bearbeiten]

  • Kindergarten Salieta
  • Grundschule
  • Mittelschule St. Ulrich Ujep Anton Vian
  • Kunstgymnasium Cademia
  • Landesberufsschule für das Kunsthandwerk Gröden
  • Wirtschaftsfachoberschule Raetia
  • Musikschule Gröden

Bibliotheken[Bearbeiten]

  • Bibliothek S. Durich
  • Ladinische Bibliothek Cesa di Ladins
  • Fachbibliothek für Kunst Kreis für Kunst und Kultur

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Hl. Christophorus aus dem 15. Jahrhundert an der St.-Jakobs-Kirche
Die Kirche von St. Jakob
Der Hof Trëbe in St. Jakob, Urhof der Familie Trebinger, die ersten Bildhauer in Gröden

Kirchen:

Weitere Sehenswürdigkeiten:

  • das Museum Gröden, lad.: Museum de Gherdeina, in der Cesa di Ladins besitzt eine reiche Sammlung von Grödner Holzschnitzereien vom 17. bis 20. Jahrhundert, altes Grödner Holzspielzeug, Fossilien und Mineralien aus den Dolomiten, archäologische Funde aus dem Grödner Raum von der Stein-, Bronze- und Eisenzeit bis zur Römerzeit, über 30 Werke des Grödner Kunstmalers Josef Moroder Lusenberg und das originale Hauptaltarblatt der St.-Jakobs-Kirche von Franz Sebald Unterberger. Einmalig im Alpenraum sind die Rötelzeichnungen auf einer spätmittelalterlichen Täfelung und das barocke Fastentuch von St. Jakob. Bekannt ist das Museum auch wegen des Nachlasses des Grödner Filmproduzenten, Bergsteigers und Architekten Luis Trenker;
  • Villa Venezia mit den Skulpturen des Johann Baptist Moroder;
  • das Paul-Grohmann-Denkmal: das Denkmal für den Erschließer der Dolomiten wurde 1898 unterhalb von St. Jakob errichtet
  • Stetteneck: mittelalterliche Burgruine
  • In Oberwinkel und in St. Jakob, einem Weiler am Hang des Pitschberges, sind noch einige in gutem Zustand erhaltene Bauernhöfe zu besichtigen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter:

Künstler aus St. Ulrich[Bearbeiten]

Familiennamen[Bearbeiten]

Die meist verbreitetsten Familiennamen in St. Ulrich sind:

  • Moroder 279
  • Demetz 217
  • Kostner 174[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • Elfriede Perathoner, Albert Moroder: 100 Jahre Marktgemeinde Urtijëi - St. Ulrich - Ortisei. Ein Streifzug. Edition Raetia, Bozen 2007 ISBN 978-88-7283-301-8
  • Edgar Moroder, 150 ani stradon de Gherdëina. Union di Ladins de Gherdëina. St. Ulrich in Gröden 2006.
  • Margareth Runggaldier Mahlknecht, Karl Mahlknecht: St. Ulrich in Gröden – Kirchen und Kirchengeschichte. Eine Text- und Bilddokumentation. Athesia Verlag Brixen 1992.
  • Meinrad Demetz, Albert Moroder, Siegfried Comploj: Cherta dl Chemun de Urtijëi cun i inuemes ladins, Toponomastische Karte der Gemeinde St. Ulrich, Carta toponomastica del Comune di Ortisei. Lia per Natura y Usanzes Urtijëi, 1985.
  • Karl Mahlknecht, Margareth Runggaldier Mahlknecht: 1885-1985 Der Fremdenverkehr in St. Ulrich in Gröden, seine wechselvolle Geschichte in einem ereignisreichen Jahrhundert. Eine Ortskronik zum hundertjährigem Bestehen des Fremdenverkehrvereines. Verlagsanstalt Athesia Bozen, 1985
  • Thea Oschinksy: Das Urbar der St. Jakobskirche in Gardena von 1487. In: Bozner Jahrbuch für Geschichte, Kultur und Kunst 1934.
  • Bertha Richter-Santifaller: Das Urbar der St. Ulrichskirche in Gröden aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. In: Leo Santifaller (Hrsg.): Festschrift zur Feier des zweihundertjährigen Bestandes des Haus-, Hof- und Staatsarchivs. Wien 1949.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jolanda Senoner: 125 ani de Turism a Urtijëi, 1885-2010. Calënder de Gherdëina, Union di Ladins de Gherdëina Jahrgang 2011. S.115–124 (ladinisch).
  2. Mahlknecht Karl, Runggaldier Margreth: Der Fremdenverkehr in St. Ulrich / Gröden Seine wechselvolle Geschichte in einem ereignisreichen Jahrhundert. Eine Ortschronik zum hundertjährigen Bestehen des Fremdenverkehrsvereins 1885-1985 Athesia Verlag, 1985.
  3. Amalia Edwards in St. Ulrich 1873
  4. Chemun de Urtijëi, Nffurmazions. Mitteilungsblatt der Gemeinde St. Ulrich/Nr. 74 Jené 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Ulrich in Gröden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Gebäude in St. Ulrich in Gröden – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien